Carstens Werke. Dritter Band: Der Argonautenzug

Textdaten
>>>
Autor: Herman Riegel (Hrsg.)
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Carstens’ Werke. Dritter Band: Der Argonautenzug.
Untertitel: 11 Tafeln in Kupferdruck, 13 Tafeln in Lichtdruck nebst enem Bildniss von Carstens, gest. von J. A. Koch.
aus: Vorlage:none
Herausgeber:
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1884
Verlag: Alphons Dürr.
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer: {{{ÜBERSETZER}}}
Originaltitel: {{{ORIGINALTITEL}}}
Originalsubtitel: {{{ORIGINALSUBTITEL}}}
Originalherkunft: {{{ORIGINALHERKUNFT}}}
Quelle: Commons und SLUB Dresden
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
Asmus Carstens.jpg
Bearbeitungsstand
korrigiert
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite
[I]
CARSTENS’ WERKE
HERAUSGEGEBEN
VON
HERMAN RIEGEL.


DRITTER BAND:
DER ARGONAUTENZUG
11 TAFELN IN KUPFERDRUCK, 13 TAFELN IN LICHTDRUCK NEBST EINEM BILDNISS VON CARSTENS, GEST. VON J. A. KOCH.


LEIPZIG,
VERLAG VON ALPHONS DÜRR.
1884.
[II]
Kupferdruck der Tafeln I–XI und des Titelkupfers von F. A. Brockhaus in Leipzig.
Lichtdruck der Tafeln XII–XXIV von der Verlagsanstalt für Kunst und Wissenschaft (vormals Fr. Bruckmann) in München.
Papier von der Neuen Papier-Manufactur in Strassburg i/E.
Druck von Otto Dürr in Leipzig.



[1]

INHALT.Bearbeiten

Seite
Entstehung und Verbleib der Argonauten-Zeichnungen von Carstens 1
Die Koch’schen Stiche und deren Ausgaben 1
Anlass und Entstehungsgeschichte der gegenwärtigen Ausgabe 2
Die Carstens’schen Zeichnungen und die Koch’schen Stiche 2
Carstens und Koch in Hinsicht des landschaftlichen Theiles der Darstellungen 3
Das Argonautenwerk als Ganzes 3
Zur Erläuterung der Darstellungen. Die Erklärungen von Koch und Fernow 4
Die dichterischen Quellen und der Künstler 4
Pindar, Apollonios von Rhodos, Pseudoorpheus 4
Ursprung und Zeitalter der Sage 4


Es folgen die Erläuterungen zu den einzelnen Tafeln und danach diese

TAFELN I–XXIV


selbst. Die Nummern I–XI derselben, sowie auch das Titelkupfer mit dem Bildnisse von Carstens, sind von den ursprünglichen Koch’schen Platten selbst gedruckt; die Nummern XII–XXIV aber sind nach alten ersten Abdrücken in Lichtdruck hergestellt worden. Weiteres s. auf der Rückseite des Titels und S. 2 rechte Spalte.

I. Ankunft in Iolkos.
II. Iason beim Orpheus.
III. Die Ankunft des Iason und Orpheus bei den übrigen Helden.
IV. Der Stapellauf der Argo.
V. Das Opfer vor der Fahrt.
VI. Besuch beim Kentauren Cheiron.
VII. Abschied von den Frauen auf Lemnos.
VIII. Begegnung mit Kyzikos, dem Könige der Dolionen.
IX. Der Kampf mit den Riesen.
X. Das Opfer auf dem Dindymos.
XI. Der Raub des Hylas.
XII. Faustkampf des Polydeukes und Amykos.
XIII. Kampf gegen die Harpyien am Tische des Phineus.
XIV. Begegnung der Argo mit Aietes.
XV. Iason und Medeia im Tempel der Hekate.
XVI. Die Feuer schnaubenden Stiere vor dem Pfluge.
XVII. Die Einbringung des goldenen Vliesses.
XVIII. Die Ermordung des Apsyrtos.
XIX. Zurückweisung des Iason und der Medeia durch Kirke.
XX. Fahrt durch die Skylla und Charybdis.
XXI. Die Vermählung des Iason und der Medeia vor dem Könige Alkinoos.
XXII. Die Argo im tritonischen See.
XXIII. Begegnung mit dem Riesen Talos auf Kreta.
XXIV. Die Rückkehr nach Iolkos.



[2] Als ich nun, in Folge der von mir bearbeiteten neuen Ausgabe der Fernow’schen Lebensbeschreibung von Carstens (Hannover, 1867), mit dem Kupferstecher Wilhelm Müller in Weimar, welcher eine Anzahl Carstens’scher Werke in Umriss gestochen hatte, in Beziehung gekommen war und Herr Alphons Dürr in Leipzig sich entschlossen hatte, die Müller’schen Platten zu erwerben, wurde alsobald der Gedanke einer Weiterführung dieser Unternehmung angeregt, und dabei natürlich auch an die Koch’schen Stiche der Argonauten gedacht. Um zu erfahren, ob und wo etwa diese Platten noch vorhanden seien, wandte ich mich an Koch’s Schwiegersohn, den Maler Mich. Wittmer in Rom, der mir auch unterm 3. Februar 1869 eine bezügliche Auskunft gab, aus welcher, in Verbindung mit weiteren Nachrichten, Folgendes hervorging.

Um das Jahr 1860 hatte die Familie Piroli die 25 Platten an den Buchhändler Joseph Spithöver in Rom verkauft, welcher auf dem Titelblatte an Stelle der Piroli’schen Adresse die seinige: „à Rome chez Joseph Spithöver, place d’Espagne“ hatte einstechen lassen, ohne Zweifel um das Werk in Neudrucken herauszugeben. Diese Ausgabe unterblieb jedoch, vermuthlich weil inzwischen bei einem Umzuge 13 Platten, und zwar die Nummern 12 bis 24, abhanden gekommen, angeblich gestohlen worden waren. Die noch vorhandenen 12 Platten, den Titel und die Nummern 1 bis 11, erwarb Herr A. Dürr im Frühjahre 1871 von Joseph Spithöver, und es entstand nun die Frage, ob diese 12 Platten zu einer neuen Ausgabe des Argonauten Werkes verwandt und in welcher Weise die fehlenden 13 Tafeln hergestellt werden sollten?

Anfangs bestand die Absicht, die fehlenden Platten nach Koch’s Radirungen neu stechen und das Werk danach also unter möglichst vollständiger Wahrung von Koch’s Antheil neu erscheinen zu lassen. Als ich aber im Sommer 1872 zu Kopenhagen die nicht lange zuvor von der k. Kupferstich-Sammlung daselbst erworbenen Originalzeichnungen gesehen hatte, erschien es mir nicht richtig, wenn einmal 13 Platten neu gestochen werden sollten, dazu die Koch’schen Radirungen und nicht die Carstens’schen Originale als Vorlagen zu verwenden. Ja, es wurde auch erwogen, ob nicht die gesammten 24 Tafeln nach den Originalzeichnungen vollkommen neu hergestellt werden sollten. Diesem Stande der Sache giebt die Vorrede zum zweiten Bande des Carstens’schen Kupferwerkes, vom 31. Mai 1873, Ausdruck, indem ich dort Folgendes berichtete: „Wir hoffen, entweder die 13[1] fehlenden Platten oder die gesammten 24 Blätter nach den Originalen neu stechen lassen zu können, in jedem Falle aber auch die Argonautica den Kunstfreunden zugänglich zu machen, und durch sie, als einen dritten Band, diese Ausgabe der Carstens’schen Werke abzuschliessen.“ Diese hier ausgesprochene Verwendung der Originale begegnete aber mancherlei Hindernissen, unter denen die anzulegenden bedeutenderen Geldmittel nicht die geringsten waren. Doch wurde immerhin die Absicht noch mehrere Jahre festgehalten. Inzwischen hatte der Photograph Budtz-Müller in Kopenhagen, in meinem Auftrage, für Herrn A. Dürr Photographien der Originalzeichnungen angefertigt, die geeigneten Falles für die geplante Stecherarbeit, ganz oder theilweise, verwandt werden sollten. Da er jedoch auch diese Photographien anderweitig in den Handel brachte, zog Herr Dürr vor, den Erfolg hiervon abzuwarten, ehe er weitere bestimmte Entschliessungen fassen wollte[2]. Jetzt nun aber hatten sich die Verhältnisse insofern sehr geändert, als die vervollkommneten Verfahren des Lichtdrucks eine leichte und nicht zu kostspielige Vervielfältigung der 13 Koch’schen Blätter, deren Platten nicht mehr vorhanden waren, gestatteten. So wurde denn beschlossen, die Koch’schen Platten No. 1 bis 11 neu zu drucken, die No. 12 bis 24 in Lichtdrucken nach dem erwähnten Exemplar der ersten Ausgabe der Koch’schen Radirungen in meinem Besitze anzufertigen und das Carstens’sche Bildniss der alten Titelplatte, mit Hinweglassung der Schrift, als besonderes Titelkupfer, wie bereits erwähnt, zu geben. So hergestellt liegt der „Argonautenzug“ nun hier als dritter Band des Carstens’schen Kupferwerkes vor.

Es ist von jeher erkannt worden, dass die Koch’schen Radirungen die Originalzeichnungen von Carstens nicht völlig erreichen. Schon Fernow nannte dieselben in diesem Sinne „nicht glücklich“[3]. Und F. von Alten, der Erste welcher die Stiche mit den damals noch im Moltke’schen Besitze befindlichen Originalzeichnungen verglich, erklärte sogar, dass die Koch’schen Radirungen die Originale an Geist, Sauberkeit und Schärfe des Umrisses bei weitem nicht erreichen[4]. Mir selbst erschienen dieselben „gegen die zarten, [3] in ausserordentlicher Schönheit ausgeführten Bleistiftzeichnungen viel zu hart“. Wenn ich deshalb auch „die Koch’schen Radirungen als möglichst vollkommene und ebenbürtige Nachbildungen der Originale“ nicht ansehen konnte, so musste ich doch zugleich deren „unzweifelhaften kunstgeschichtlichen Werth sowohl in Hinsicht auf Carstens wie auch auf Koch“ mit Nachdruck hervorheben[5]. In der letzteren Thatsache liegt die eigentliche Begründung und wahre Rechtfertigung unseres gegenwärtigen Beginnens, und wir hoffen mit Zuversicht, dem Freunde der neueren deutschen Kunst in diesem Werke eine willkommene Gabe zu bieten, wenn wir auch anerkennen, dass ein Neustich nach den Originalen selbst die Carstens’schen Argonautenblätter in noch grösserer Treue und Reinheit wiedergeben könnte.

Man war lange der Ansicht, dass Koch beim Stich der Carstens’schen Zeichnungen in den landschaftlichen Theilen viel Eigenes hinzugethan habe, und Andresen berichtete sogar wie von einer feststehenden Thatsache, dass „die landschaftlichen Hintergründe zum Theil von Koch hinzugefügt“ worden seien[6]. Man schrieb deshalb die seltene Schönheit der Landschaft, wie sie in den Radirungen vorlag, Koch, dem bewährten Meister der Landschaftsmalerei, zu. Indessen liegt die Sache doch ganz anders. Denn nicht Carstens als Landschafter wurde durch Koch ergänzt, sondern Koch als Landschafter erhielt durch Carstens Richtung und Weg gewiesen, auf denen er gross und epochemachend wurde. Das beweisen die Originalzeichnungen, verglichen mit den Stichen. Mehrere Blätter, namentlich die Nummern 16, 19, 20, 21 und 23, sind bei Carstens bereits so fertig ausgeführt, dass Koch dieselben nur genau nachzumachen brauchte, und dies auch wirklich gethan hat. Einige andere, wie die Nummern 7 bis einschliesslich 14, 17, 18 und 22, sind von Carstens vollkommen angelegt, aber besonders im Baumschlag noch etwas skizzenhaft gehalten, so dass Koch, bei genauer Innehaltung der Gesammtanlage und deren einzelner Theile, nur Einzelheiten, namentlich in den Bäumen, mehr auszuführen hatte. Das Blatt 3, welches bei Carstens nur ganz leicht gehalten ist, ist von Koch fertig gemacht worden, doch ohne wesentlich neue Gedanken hinzu zu thun. Bei einigen andern Blättern ist der landschaftliche Theil nur gering, einige andere stellen Innenräume dar. Blatt 2 in der Folge der Originale ist unecht[7]. Koch hat also nichts wesentlich Neues und Eigenes hinzugethan, sondern das Werk von Carstens nur da, wo es nöthig war, unter engster Anlehnung an das Vorhandene fertig gemacht. Carstens ist und bleibt auch für die landschaftlichen Theile seiner Zeichnungen vollkommen der selbständige Erfinder, als welcher er für die figürlichen Theile stets angesehen worden ist; der Charakter beider Theile, des landschaftlichen und des figürlichen, in jeder einzelnen Darstellung hat er in genauer Uebereinstimmung zu halten gewusst. Auch sagt Fernow ausdrücklich, mit Bezug auf die römische Zeit des Meisters, dass Carstens „selbst die perspektivischen Gründe seiner Bilder zu zeichnen wusste“[8]. Durch diese Urheberschaft in Bezug auf die landschaftlichen Hintergründe seines Argonautenwerkes kommt Carstens auch eine grundlegende Bedeutung für die neuere deutsche Landschaftsmalerei zu, indem er eben Joseph Koch nach der Richtung, durch deren Pflege dieser epochemachend wirkte, maassgebend beeinflusst hat, wie ich das auch schon in anderweitigem Zusammenhänge hervorgehoben habe[9].

Das Argonautenwerk in seiner Gesammtheit muss als die reifste und bedeutendste Frucht der Carstens’schen Kunstthätigkeit angesehen werden. Aber die Eigenschaften und Vorzüge desselben schildern, darlegen und zergliedern, hiesse eine Beurtheilung der Carstens’schen Kunst überhaupt geben, wozu hier doch nicht der Ort sein kann. Wenn in zahlreichen andern Arbeiten des Meisters der stylistische Charakter, sowie die strenge aber freie und selbständige Anlehnung an die klassischen Vorbilder ebenso, und hie oder da vielleicht noch bestimmter, wahrgenommen werden kann, so lässt doch vor allen andern Werken die Folge des Argonautenzuges die Vielgestaltigkeit der Phantasie, die sichere Auswahl aus dem überreichen Stoffe und die klare sachliche Auffassung jedes einzelnen Gegenstandes seitens des Künstlers erkennen. Auch spricht aus dieser Folge ganz vorzugsweise, wie schon bemerkt, die Fähigkeit und Bedeutung von Carstens hinsichtlich der Landschafterei, so dass denn der Argonautenzug das Künstlerwerk des Meisters in ebenso glänzender als bezeichnender Weise in sich abrundet und schliesst.

[4] Zur gegenständlichen Erläuterung der Darstellungen liegen zwei Ausarbeitungen vor, die beide ihrem Ursprünge nach auf Carstens zurückweisen: zunächst der in französischer Sprache geschriebene Text, welchen Koch seinen Radirungen, 1799, beigab, vier zweispaltige Seiten in Querfolio, – und dann die kürzeren Angaben, welche Fernow in seinem Buche über den Inhalt des Werkes macht, 1806, sechs kleine Druckseiten[10]. Carstens selbst schöpfte den Stoff aus dem „Pindar, Orpheus und Apollonius von Rhodus“. Der Koch’sche Text ist nicht durchweg den Quellen gegenüber ganz zuverlässig, auch möchte er wohl nicht ausführlich und erschöpfend genug sein. Allzu kurz und deshalb auch unzulänglich sind aber die Fernow’schen Angaben. Weder bei Koch noch bei Fernow ist irgend ein näherer Hinweis auf die von Carstens benutzten Quellen gegeben worden. Es erschien deshalb angemessen, dass von diesen beiden Erläuterungen hier Abstand genommen werde. Es musste vielmehr auf jene Quellen, also die genannten Dichter selbst, zurückgegangen werden, nicht nur um die Arbeit von Carstens, wie sie vorliegt, auf ausreichende Weise gegenständlich zu erläutern, sondern um auch der Entstehung derselben, der Auffassung und Verarbeitung des Stoffes seitens des Künstlers, nachgehen zu können. Im Allgemeinen hat sich Carstens sehr treu an die Quellen gehalten und einen eigentlich im höheren Sinne dichterisch-schöpferischen Geist bei Benutzung derselben nicht bewährt. Er verhielt sich dem Stoffe gegenüber mehr als Illustrator. Sehr selbständig erfinderisch aber zeigte er sich in Bezug auf die landschaftlichen Theile seiner Darstellungen, über deren Schönheit und Bedeutung schon Einiges hier bemerkt wurde. Selbstverständlich wird da, wo es angemessen erscheint, auch auf den Koch’schen Text und die Fernow’schen Angaben hingewiesen, und es werden gleichfalls etwaige sonstige Ausführungen hinzugefügt werden.

Unter den drei genannten Dichtern steht Pindar (522–442) mit seinem vierten pythischen Siegesgesange obenan. Er verherrlicht in demselben den Sieger im Wagenstreite, den König Arkesilas von Kyrene, indem er die Heldenthaten von dessen Ahnen, nämlich der Argonauten, aus deren Kreise dieser durch Battos, den Gründer von Kyrene, abstammte, preist. Doch lässt er in der Erzählung, namentlich in Betreff der Abenteuer auf der Hinfahrt, gegenüber der späteren Sage, manche Lücke. Seine Darstellung umfasst etwa 300 Verse.

Sehr vollständig ist der Zug von dem rhodischen Apollonios (um 250–200) in dem nach den Argonauten genannten Gedichte geschildert; dasselbe umfasst, in vier Gesänge getheilt, beinahe 6000 Verse.

Es folgt nun ein Unbekannter der Spätzeit, der aus dem vorhandenen Stoffe eine Argonautika von 1384 Hexametern zusammengeschrieben hat. Er hat dieselbe dem Orpheus in den Mund gelegt, und danach wurde dieser selbst als der Dichter des Werkes bezeichnet, woraus sich das Vorkommen dieses Namens auf dem Titel der Carstens’schen Darstellungen erklärt. Jetzt pflegt man für den Verfasser den Namen „Pseudoorpheus“ zu gebrauchen.

Weitere Quellen hat Carstens nicht benutzt, namentlich auch nicht den Apollodor (um 140), bei dem der Stoff für einen Künstlergeist beinahe mundgerecht gemacht vorliegt.

Die Argonautensage weist in religiöser Hinsicht auf die alten Vorstellungen von der Sühne und dem Sühnopfer hin, in allgemein kulturgeschichtlicher aber auf den grossartigen Aufschwung der hellenischen Seefahrerei im heroischen Zeitalter. Sie knüpft unmittelbar an die Phrixossage an, indem das glänzende Vliess des Widders, auf welchem die zum Opfer bestimmten Geschwister Phrixos und Helle flüchteten und ersterer sich nach dem fernen Lande Aia rettete, nun durch Iason, den Heilbringenden, von dort als ein Segenshort heimgeholt wird. Der besondere Anlass liegt in der Rückkehr des Iason nach Iolkos.

Nicht lange vor den homerischen Zeiten, – man meint ein Menschenalter vor dem grossen Kriege um Troja, – spielt die Sage. In den Gesängen des Homer wird bereits mehrfach, bestimmt oder nur andeutend, an dieselbe erinnert. Die Hauptstelle (Od. XII. 69 u. ff.), wo der Dichter von den todbringenden Klippen, den sogenannten Irrfelsen, spricht und von dem sichern Verderben, welches sie jedem heranfahrenden Schiffe bereiten, lautet:

„Einmal nur kam glücklich vorbei ein wandelndes Meerschiff,
Argo, die weltberühmte, die heimwärts fuhr von Aietes.
Und bald hätte auch diese die Fluth an den Klippen zerschmettert;
Doch sie geleitete Here, die Helferin war dein Iason.“

Die Argonauten-Unternehmung geht in der Sage also den grossen Kämpfen um Ilion voraus.




  1. Infolge eines Versehens hiess es in Wirklichkeit 12.
  2. Die Photographien erschienen 1876 bei Adolf Gutbier in Dresden unter dem Titel: „Der Argonautonzug von Asmus Jakob Carstens. 24 Blatt nach den Originalzeichnungen in der k. Kupferstichsammlung zu Kopenhagen photographirt von Budtz-Müller in Kopenhagen. Mit erläuterndem Text von Herman Riegel“. Das Exemplar kostete 100 Mark und es wurden bisher deren 8 verkauft. Der kurze, eine Blattseite umfassende Text, den ich auf Wunsch des Herrn Gutbier schrieb, giebt näheren Aufschluss über den Anlass zur Entstehung dieser Photographien und er wahrte damit zugleich den Raum für die Dürr’sche Stichausgabe.
  3. In meiner Ausgabe des Fernow, S. 147.
  4. Versuch eines Verzeichnisses der Werke und Entwürfe von A. J. Carstens. (Oldenburg, 1866). S. 43. – Die betreffende Stelle ist auch in meiner Ausgabe des Fernow, S. 383, abgedruckt.
  5. In meinen „Carstensiana“ (Kunstgeschichtliche Vorträge und Aufsätze. Braunschweig, 1877), S. 135 und 136.
  6. Die deutschen Maler-Radir. I. (Leipzig, 1866.), S. 33.
  7. Vergleiche die erwähnten kunstgeschichtlichen Vorträge und Aufsätze. S. 196.
  8. In meiner mehr genannten Ausgabe des Fernow. S. 182.
  9. In meiner „Geschichte des Wiederauflebens der deutschen Kunst u. s. w.“ (Hannover, 1876), S. 112.
  10. In meiner Ausgabe. S. 148 u. ff.