BLKÖ:Zwiedinek Edler von Südenhorst, Ferdinand

Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
<<<Vorheriger
Zwickle, Joseph von
Band: 60 (1891), ab Seite: 337. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
in der Wikipedia
Ferdinand Zwiedinek Edler von Südenhorst in Wikidata
GND-Eintrag: {{{GND}}}, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Zwiedinek Edler von Südenhorst, Ferdinand|60|337|}}

Zwiedinek Edler von Südenhorst, Ferdinand (k. k. Oberst, geb. zu Leitomischl in Böhmen 19. October 1791, gest. in Gratz 6. Juni 1872). Sein Vater hatte als Artillerist die Feldzüge in Belgien 1790–1792–1794 mitgemacht, kam dann zum Wurmser’schen Corps nach Italien, war bei der Belagerung von Mantua, unter Melas bei Marengo, 1809 unter Erzherzog Johann in Italien und bei Raab, 1812 bis 1813 mit dem österreichischen Auxiliarcorps in Rußland. Ferdinand erhielt seinen ersten Unterricht im Militär-Erziehungshause Nr. 63 (zuerst in Triest, dann in Leoben), wurde am 11. März 1811 als Unterkanonier beim 1. Feldartillerie-Regiment assentirt, schon am 1. Juni desselben Jahres zum Oberkanonier befördert und wegen seiner Begabung und Strebsamkeit zur weiteren Ausbildung in die Stabsschule aufgenommen. Am 16. Mai 1813 kam er in das wegen seiner wissenschaftlichen Leistungen im Vormärz hochgehaltene Bombardiercorps in Wien und machte solche Fortschritte in den daselbst vorgetragenen Lehrgegenständen, daß ihm die Ausbildung des jungen Fürsten Johann Lobkowitz in der Mathematik und Kriegsgeschichte übertragen werden konnte. Im Jahre 1818 wurde er infolge seiner Befähigung und hervorragenden Talente in dem für die damaligen Verhältnisse ungemein frühen Alter von erst 22 Jahren außer der Tour zum Lieutenant im 5. Artillerie-Regiment befördert und 1819 nach Italien versetzt, wo er den überwiegend größten Theil seiner Jugend zubrachte. Er machte in der Brigade Baron Rathey den kurzen Feldzug in Piemont 1821 mit, befand sich 1823 als Batteriecommandant bei der Avantgarde des Generals Bretschneider im Graf Bubna’schen Corps, welches zur Herstellung der Ruhe im Königreich Sardinien einrückte, befehligte im Gefechte bei Buffalora (8. April) eine Batterie und zog mit der Avantgarde in Alessandria ein. Im Gefechte bei Novi zeichnete er sich durch rasches entschiedenes Vorgehen aus, welches die Insurgenten-Artillerie zur schnellen Umkehr veranlaßte und ein weiteres Umsichgreifen der Meuterei unter den königlich sardinischen Truppen verhütete. Bald darauf wurde er als [338] Artillerie-Directionsadjutant an die Seite des Feldzeugmeisters Baron Russo von Aspernbrand nach Verona berufen und blieb theils in dieser Stellung, theils als Batteriecommandant bis zum Frühjahr 1824 in Italien, woselbst er den großen taktischen Manoeuvern unter Radetzky beiwohnte und dann mit seiner Batterie bei der Occupation des Herzogthums Modena 1833 mitwirkte. 1834 wurde er zum Capitän im neuaufgestellten Raketencorps befördert und zwei Jahre später als Hauptmann erster Classe in das k. k. Bombardiercorps nach Wien berufen. Daselbst war es ihm nur kurze Zeit gegönnt, als Professor an der ausgezeichneten wissenschaftlichen Artillerie-Hochschule zu wirken, schon 1840 wurde er infolge specieller Wahl des damaligen General-Artilleriedirectors Erzherzogs Ludwig als Vertreter der österreichischer Artillerie zum Mitgliede der Militärcommission beim deutschen Bundestage in Frankfurt am Main ernannt, in welcher Stellung er bis 1848 als Schriftführer fungirte. In diese Zeit fallen der Bau und die Armirung der deutschen Bundesfestungen Rastatt und Ulm, sowie die Erweiterung und Verstärkung der Werke von Mainz. Da verstand es Zwiedinek, das reiche Füllhorn seiner wissenschaftlichen militärischen Kenntnisse und Erfahrungen in einer Reihe von fachgemäßen Gutachten zur vollen Geltung zu bringen, und selbst unter schwierigen Verhältnissen die Ehre und Würde der österreichischen Artillerie gegenüber den schon damals häufig hervortretenden Ueberflüglungsgelüsten der gerade auf dem artilleristischen Gebiete ungemein strebsamen Bundesstaaten Preußen, Bayern und Württemberg zu wahren. Wohl wurde ihm manchmal das vormärzliche in Wien herrschende Zopfthum gegenüber den freier pulsirenden deutschen Militärverhältnissen etwas unbequem, und es war nicht immer leicht, gegenüber den preußischen und bayrischen Stabsofficieren, welche an den beiden Generalen Radowitz und Xylander die entschiedenste Unterstützung fanden, sich Geltung zu schaffen, dennoch aber setzte er es durch, daß Oesterreich mit der Artillerieausrüstung und Besatzung in Ulm und Rastatt betraut wurde. In den Revolutionsjahren 1848 und 1849 entfaltete er als Major und Artilleriecommandant des Wiener Besatzungscorps eine sehr erfolgreiche Thätigkeit in der Ausrüstung der für den Feldzug in Ungarn bestimmten Ergänzungsbatterien, welche ihm Feldzeugmeister Freiherr von Welden mit einem ganz selbständigen Wirkungskreise übertragen hatte. Kurze Zeit hindurch, vom 18. März bis 2. April 1849, leitete er auch den Artilleriedienst bei der Belagerung von Komorn. Er widmete sich dieser äußerst schwierigen artilleristischen Aufgabe mit aller Energie. Durch volle drei Wochen waren Laufgräben und Approchen seine Wohnung, schon war die feindliche Artillerie des Uj-Szönyer Brückenkopfes zum Schweigen gebracht und die Bresche vorbereitet, als die Niederlagen der Hauptarmee bei Gödöllo, Waitzen und Nagy-Sárló auch das Cernirungscorps bei Komorn zum Rückzuge und Aufgeben der Belagerung nöthigten. Am 18. Mai desselben Jahres zum Oberstlieutenant befördert, erhielt er die Bestimmung als Artillerie-Ausrüstungsdirector in Ulm. Am 13. August 1850 wurde er zum Obersten und Commandanten des neuerrichteten Festungsartillerie-Bataillons in Verona ernannt und mit der Armirung der neuen Befestigungen von Verona, Peschiera und Mantua betraut. Sein offenes rückhaltloses [339] Auftreten gegen die Fehlgriffe und Fahrlässigkeiten einiger Vorgesetzten, welche ihm im artilleristischen Wissen weit nachstanden, erregte den Unwillen einer damals im Artillerie-Obercommando herrschenden einflußreichen Clique, gegen die selbst die Anerkennung, welche Zwiedinek von Seite des Marschalls Radetzki zutheil wurde, nicht aufzukommen vermochte. Die in den Quellen citirte „Deutsche Zeitung“ erzählt mit Nennung der Namen diese Intriguen ganz ausführlich. Während der infolge des Libényi’schen Attentates eingetretenen Erkrankung Seiner Majestät des Kaisers wurde er (4. März 1853) in den Ruhestand versetzt. Er übersiedelte nun nach Gratz, wo er sich bis in sein spätes Alter mit artilleriewissenschaftlichen Studien und mit Malerei beschäftigte. Von Seiner Majestät dem Kaiser ward ihm für die Ueberreichung eines sehr ausführlichen handschriftlichen Werkes über die deutschen Bundesfestungen ein Brillantring, außerdem in Würdigung seines Verdienstes um die Entwickelung der österreichischen Artillerie eine Personalzulage verliehen. Am 20. Juni 1854 erfolgte seine Erhebung in den österreichischen Adelstand mit dem Prädicate Südenhorst und dem Ehrenworte Edler von. Von seinen militärwissenschaftlichen Arbeiten sind im Druck erschienen: „Anwendung des Eisens zu den Erzeugnissen der Artillerie“ (Mainz 1846, Kupferberg, VIII und 168 S., 8°.) und „Darstellung eines neuen Systems, die Geschützrohre ohne Schildzapfen und Angusscheiben in die Lafetten zu lagern“ Matz 1859, Leykam, 8°.). Zwiedinek war seit 29. Jänner 1827 mit Anna Francisca, Tochter des k. k. Majors Brunner, vermält, aus welcher Ehe sieben Kinder, und zwar fünf Söhne und zwei Töchter, alle aus der Stammtafel ersichtlich, entsprossen sind. Von den Söhnen ist der älteste, Alois, Ingenieur bei der ungarischen Staats-Eisenbahndirection; über die anderen drei, Anton, Julius und Hans (Johann Alois) vergleiche die folgenden Lebensskizzen.

Deutsche Zeitung (Wien, Folio) 1872, Nr. 162, Abendblatt vom 14. Juni: „Ein Stück österreichischer Militärintrigue“. – Oesterreichisch-ungarische Wehrzeitung (Wien, Fol.) 1872, Nr. 69: „Nekrolog“. – Genealogisches Taschenbuch der Ritter- und Adelsgeschlechter (Brünn, Buschak und Irrgang, 32°.) I. Jahrgang (1870) S. 482; V. Jahrg. (1880) S. 551 und VIII. Jahrg. (1883) S. 583.