Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Wurum, Joseph
Band: 59 (1890), ab Seite: 11. (Quelle)
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Wurz, Ignaz (Homilet, geb. in Wien 28. December 1731, gest. daselbst 28., nach Anderen 29. August 1784). Nachdem er die Vorbereitungsschulen in seiner Vaterstadt besucht hatte, trat er, 16 Jahre alt, 1747 in Wien in den Orden der Gesellschaft Jesu, in welchem er die Studien fortsetzte, und zwar an der Hochschule zu Gratz Philosophie, Mathematik und theologische Disciplinen hörte. Besonderen Eifer widmete er dem Studium der deutschen Sprache. Bekanntlich bildete sich in Wien 1761 eine Gesellschaft zur Reinigung der deutschen Sprache, aber früher bereits, im Jahre 1758, waren von Wurz Aufsätze in deutscher Sprache erschienen, welche hinlänglich darthaten, wie er es sich angelegen sein ließ, die Reinheit der Muttersprache und überhaupt den Styl derselben zu fördern. Nachdem er die Studien beendet hatte, erhielt er eine Lehrerstelle an der k. k. theresianischen Ritterakademie in Wien und bald darauf die der Grammatik, später der Poetik im Profeßhause seiner Ordensgesellschaft zu Wien. Drei Jahre wirkte er in seinem Lehramte, als er bereits durch mehrere aus verschiedenen Anlässen in einigen Kirchen Wiens gehaltene Predigten die Aufmerksamkeit seiner Oberen auf sich zog. Er war der erste Lehrer, der es aussprach, ohne deswegen [12] gegen die Latinität zu eifern, daß es nicht genug sei, wenn die Jugend Latein lerne, man müsse sie auch, und zwar nicht minder im deutschen Aufsatze bilden und üben, und er ging damit in seiner Classe mit gutem Beispiel voran, indem er seine Schüler mit allem Eifer im deutschen Aufsatz unterrichtete und am Schlusse des Jahres öffentlich jene belobte, welche die besten Arbeiten geliefert hatten. Seine am 3. April 1764 aus Anlaß der Krönung des römischen Königs Joseph II. gehaltene Rede wurde gedruckt und von dem damaligen Director des Wiener theologischen Studiums, dem Bischofe von Stock, gelesen. Die Folge davon war, daß ihn der Bischof zum öffentlichen Lehrer der geistlichen Beredtsamkeit an der theologischen Facultät der Wiener Hochschule berief. In dieser Stelle, welche er 1764 übernahm, beließ ihn auch die Kaiserin Maria Theresia, als 1772 die Auflösung der Gesellschaft Jesu erfolgte. Aber nur noch wenige Jahre blieb er in seinem Lehramte. In der damaligen „Aufklärichtsperiode“, in welcher er für die Rechte der Kirche mit allem Mannesmuthe eintrat, entging auch er nicht Denunziationen und Verdächtigungen, die ihm endlich seinen Posten so widerwärtig machten, daß er, um Ruhe zu haben, um eine Pfarre bat. Und im Jahre 1776 verlieh ihm die Kaiserin die Pfarre Pirawarth, an welcher er bis zu seinem Tode segensreich wirkte. Wurz war als Lehrer, Homilet und Poet schriftstellerisch thätig. Ein Verzeichniß seiner auch heute für den Literaturhistoriker und Sprachforscher immer noch interessanten Schriften ist vollständig kaum herzustellen: denn viele seiner gehaltenen Kanzelreden sind einzeln erschienen und mögen sich wohl in Pfarr- und geistlichen Bibliotheken vorfinden, in den Bücherkatalogen sind sie gar nicht verzeichnet. Seine erste Druckschrift war eine auf den Feldmarschall Daun aus Anlaß dessen bei Maxen (1759) über die Preußen erfochtenen Sieges gedichtete Ode, welche im genannten Jahre bei Trattner in Wien erschien. Dieser folgte eine andere auf die Geburt eines Erzherzogs, ebenfalls in Wien gedruckt, beide in deutscher Sprache; – „Der Vorwitzige; ein Lustspiel, zum Gebrauche des Theresianums“ (Wien 1764 und München 1772, 8°.)wurde anläßlich der Krönung Josephs II. zum römischen Könige im Theresianum vor dem kaiserlichen Hofe aufgeführt; – „Lebensbeschreibung der seligen Angela Merici, Stifterin der Ursulinerinen“ (ebd. 1765, 8.°); – „Trauerrede auf Kaiser Franz den Ersten“ (ebd. 1765, Fol.); – „Einleitung in die allgemeine Geschichte alter und neuer Zeit“, 4 Theile (ebd. 1765–1770, 8°.), dieses Werk erschien ohne Angabe seines Namens; – „Dankrede auf die Genesung Ih. k. k. apost. Majestät Marien Theresien“ (ebd. 1767) ; – „Anleitung zur geistlichen Beredtsamkeit“, 1. und 2. Bd. (ebd. 1770–1772; 2. Aufl. ebd. 1775, gr. 8°.); – „Predigten von den Leiden Jesu Christi“ (ebd. 1772, gr. 8°.); – „Trauerrede auf den Freiherrn Gerhard van Swieten u. s. w.“ (ebd. 1772, 8°.), erschien auch in französischer und italienischer Uebersetzung; – „Prodromus isagogicus in Theologiam“ 1773, 4°.); – „Einige geistliche Reden“ (ebd. 1774); – „Geistliche Beredtsamkeit im Auszuge“ (ebd. 1776, gr. 8°.); – „Sämmtliche Predigten“. 8 Theile (ebd. 1783–1786, 8°.); – „Lob- und Gelegenheitsreden“, 2 Bände (Augsburg 1785, gr. 8°.), diese nach seinem Tode gesammelten Reden enthalten 27 früher einzeln gedruckte Lob-, Trauer- und Gelegenheitsreden. [13] Außerdem gab er die Uebersetzungen folgender Werke heraus: „Karl de la Rue’s Lob- und Trauerreden. Aus dem Französischen übersetzt“, 3 Theile (Gratz 1758, gr. 8°.; ebenda 1786, gr. 8°.); – „Des Abtes Ciceri sämmtliche Predigten. Aus dem Französischen“, 6 Theile (Augsburg 1762 bis 1764, 8°.); – „Bossuet’s Trauerreden. Aus dem Französischen“ (Wien 1763, 8.°); – „Johann Barclay’s Argenis; ein politischer Roman mit beigefügten Erklärungen aus der Geschichte seiner Zeit. Aus dem Englischen“, 2 Bände (Augsburg 1770, 8°.). Außer den vorbenannten Werken sind noch ohne sein Wissen herausgegeben worden: „Musterstücke geistlicher Beredtsamkeit“, 4 Theile (Bamberg 1783, 8°.)¸– „Lob- und Gelegenheitsreden“, 2 Theile (Münster 1780 und Augsburg 1783, 8°.); – „Themen für Predigten“, 3 Bände (Augsburg 1795, 8°.). Wurz war der letzte große geistliche Redner Oesterreichs im 18. Jahrhundert, denn Zacharias Werner, Emanuel Veith, Wiesinger gehören dem 19. Jahrhundert an. Stoeger nimmt keinen Anstand, ihn geradezu den Wiederhersteller der geistlichen Beredtsamkeit nicht nur in Oesterreich, sondern in ganz Süddeutschland zu nennen, und zwar nicht nur mit Rücksicht auf das von Wurz herausgegebene methodische Werk über Kanzelberedtsamkeit, sondern ebenso auf dessen eigene geistliche und bei verschiedenen Gelegenheiten gehaltene Reden, welche wahre Musterstücke der Homiletik sind.

Brunner (Sebastian). Die Mysterien der Aufklärung in Oesterreich 1770–1800. Aus archivalischen und anderen bisher unbeachteten Quellen (Mainz 1869, Kürchheim, gr. 8°.). – Stoeger (Johann Nep.). Scriptores Provinciae Austriacae Societatis Jesu (Viennae, Ratisbonae 1855, schm. 4°.) p. 401. – (De Luca). Das gelehrte Oesterreich. Ein Versuch (Wien 1778, von Trattnern, 8°.) I. Bds. 2. Stück, S. 269.
Porträt. Unterschrift: „Ignaz Wurz, | Pfarrer zu Pirawarth, der Gottesgelehrtheit | Doctor, einst öffentlicher Lehrer der | Beredtsamkeit an der hohen Schule | zu Wien“. Joh. Mansfeld[WS 1] sc. (8°.). [Drugulin in seinem 1859 erschienenen allgemeinen Porträt-Katalog gibt 1760–1826 als die Zeit der Thätigkeit des Pfarrers Wurz an. Das ist grundfalsch, da derselbe schon 1783 gestorben ist.]

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Jos. Mansfeld