BLKÖ:Schlik, Stephan (I.)

Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Schlik, Sebastian
Band: 30 (1875), ab Seite: 114. (Quelle)
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41. Stephan (I.) Schlik (geb. 24. December 1487, gest. 1526), von der Schlackenwerther Linie; der älteste Sohn Caspar’s und Elisabeth’s Gräfin von Gutenstein. Gemeinschaftlich mit seinen Brüdern Burian, Hieronymus, Heinrich und Lorenz erbaute er an Stelle des zu ihrer Herrschaft gehörigen Dorfes Conradsgrün, nachdem daselbst 1516 ein sehr ergiebiges Silberlager entdeckt wurde, die berühmte Silberbergstadt St. Joachimsthal. Die Ausbeute des Bergwerkes, das in den Jahren 1516–1545 in Metallwerth eilfthalb Millionen Gulden lieferte, verlieh dem Hause Schlik, dessen Ruhm bereits sein Ahnherr, der berühmte Kanzler Caspar, begründet hatte, neuen Glanz. Stephan gab im Namen seiner Brüder dem Joachimsthaler Bergwerke im Jahre 1518 eine neue Bergordnung, welche im Jahre 1525 nach einem [115] Aufstande der Bergleute einige Zusätze und Erläuterungen erhielt, worauf sie im Jahre 1541 im Drucke herausgegeben wurde. Im J. 1548 wurde sie von Kaiser Ferdinand I. genehmigt und noch erweitert. Auf Grund einer Stelle in der Urkunde über die Verpfändung von Ellbogen, welche König Wladislaw am Dreifaltigkeitssonntage 1489 ausgestellt und König Ludwig am 17. October 1523 bestätigt hatte und worin nach Erwähnung der Bergwerksberechtigung beigefügt ist, daß die Grafen Schlik „auch zu münzen Recht haben“, begannen die Grafen Schlik von ihrem Münzrechte Gebrauch zu machen. Die gemeinschaftlichen Besitzer von Joachimsthal übten auch das Münzrecht gemeinschaftlich aus, jedoch wird auf den Münzen nur der älteste der Brüder, Stephan, namentlich aufgeführt. Die von den Grafen Schlik ausgeprägten Münzen waren die damals noch selten vorkommenden dicken und breiten Groschen von zwei Loth in Gewicht (eine Unze, daher auch Unziales genannt). Man nannte sie Joachimsthaler-Groschen (groše dolske Joachimici), Thaler-Groschen und endlich Joachimsthaler und Thaler (dolary, tolary), welcher Name später den ähnlichen Münzen aller Länder und Münzherren beigelegt und bis nunzu beibehalten wurde, während die schlikischen Münzen dieser Art später speciell Schlikthaler genannt wurden und solcher Beliebtheit sich erfreuten, daß in damaligen Zeiten viele Schuldbriefe in Schlikthalern wieder bezahlt zu werden verschrieben wurden. Die ersten Münzthaler datiren nach numismatischen Forschungen aus dem Jahre 1519. Ueber ihr Aussehen, ihre nächsten Veränderungen berichtet die von dem Vereine für Numismatik in Prag herausgegebene „Beschreibung der bisher bekannten böhmischen Privatmünzen und Medaillen“ (Prag 1852), S. 492–498 u. 515, welche auf den Tafeln XLIV, Nr. 380, 381–383 u. 384; Taf. XLV, Nr. 385, 386–390; Taf. XLVI, Nr. 391, 392, 393, 394–397; Taf. XLVII, Nr. 398, 399–404, 405, und Taf. XLIX, Nr. 414–416, die von F. Liebisch treu gestochenen Abbildungen derselben enthält. So reich Graf Stephan war, so tapfer auch und unerschrocken war er. Im Jahre 1526 zog er mit seinem Könige Ludwig gegen die Türken nach Ungarn und ward nach der unglücklichen Schlacht bei Mohacs nicht wieder gesehen. Alle Nachforschungen nach ihm und seinem Schicksale blieben erfolglos. Bei der Ungewißheit desselben und da man die Hoffnung auf seine Rückkehr noch immer nicht aufgab, so wurde er als Haupt der Familie, Mitbesitzer der Familiengüter und erster Münzberechtigter mehrere Jahre fortgeführt, und so erscheint sein Name bis 1528 auf allen Schlikmünzen an erster Stelle und stets allein genannt. Im genannten Jahre wurde aber auf dem Landtage zu Budweis den Grafen Schlik das Münzrecht benommen und als eigenthümliches Regale dem Könige ausschließlich zuerkannt. Zwar verlieh der König den Grafen mit Vergleich ddo. Prag 13. October 1528 das Recht des Silberkaufes und der Münzung, doch nur nach des Landes Schrot und Korn und mit dem königlichen Wappen und Namen, wie dieß in anderen königlichen Münzstätten geschah. Mit dem Jahre 1528 ist also die Reihe der ersten Schlikmünzen geschlossen. Ueberdieß ließen auf Stephan’s Andenken seine Witwe und seine Brüder, ja selbst die Stadt Joachimsthal verschiedene Medaillen prägen, welche in der oberwähnten „Beschreibung böhmischer Privatmünzen“. Taf. XLVIII, Nr. 406–413; Taf. L, Nr. 422, 423, 426, 428, 429, und Taf. LI, Nr. 430, abgebildet sind. Graf Stephan war mit Margaretha von Pflug verheirathet und hatte aus dieser Ehe nur einen einzigen Sohn, den Calixtiner Moriz, über den unter S. 114, Nr. 36 Näheres mitgetheilt steht. Aus den zu Ehren Stephan’s geprägten Medaillen erfahren wir auch seine Devise, welche anmuthig genug lautet: „Ich vergilt Lieb’ mit Treue“. [(Hormayr’s) Archiv für Geschichte u. s. w. (Wien, 4°.) 1826, S. 446. – Wochenblatt für Karlsbad und Umgebung (4°.) 1864, Nr. 33, S. 309: „Die Entdeckung der Silberbergwerke in Joachimsthal“.] –