BLKÖ:Schlik, Caspar (I.)

Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 30 (1875), ab Seite: 106. (Quelle)
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4. Caspar (I.) (geb. 1409, gest. 1449), ein Sohn Heinrich’s (I.) Schlik von Lažan [S. 109, Nr. 20], des Stammvaters des Hauses Schlik, aus dessen Ehe mit Constantia Gräfin von Collalto. War der berühmte Reichskanzler der drei deutschen Kaiser Sigmund, Albert II. und Friedrich III., zugleich ein vertrauter Freund des Silvius Clemens Piccolomini, späteren Papstes Pius II. Er machte sich um das Erzherzogthum Oesterreich durch seine Staatsverhandlungen verdient. Nachdem er das Studium der Rechtswissenschaften beendet und die Doctorwürde erlangt, kam er in die Reichskanzlei des Kaisers und Königs Sigmund. Auf dem Concile zu Constanz sprach der durch seine vortheilhafte äußere Erscheinung das Auge fesselnde und durch seine geistigen Vorzüge Andere weit überragende Staatsmann vor 42 Cardinälen und Erzbischöfen, 92 Bischöfen, 248 Aebten und Prälaten, vor dem Kaiser, 19 weltlichen Fürsten und 83 Grafen und Herren mit einer Begeisterung ohne Gleichen, als ob, wie ein Historiker berichtet, „der Geist seines Vaterlandes, seiner Könige Schicksal, künftiger Jahre thränenreiches Unglück, der Nachwelt strenges Gericht klar vor seinen Augen schwebte, wie der Geist Gottes über den Gewässern der unerschaffenen Erde weithin tönend, durch die Hallen der hochgewölbten Kirche seine Prostestation gegen das Urtheil seines unglücklichen Landsmanns Johannes Huß“. Leider vergebens. Was konnte der einzelne hochherzige Denker gegen ein Rudel blutgieriger Fanatiker! Mit seinem Herrn und Kaiser reiste Caspar nach Perpignan, wo er mit dem Papste Benedict XIII., mit dem Könige Ferdinand von Aragonien, mit den Gesandten der Könige von Castilien, Portugal, Navarra über den Kirchenfrieden unterhandelte, und zu Paris und London über die Beruhigung der Königreiche Frankreich und England. Caspar Schlik insbesondere ist es, der die Heirath des Erzherzogs, nachherigen Kaisers Albert II. mit Elisabeth, der Tochter und Erbin Kaiser Sigmund’s, zu Stande brachte und dadurch die Krone von Ungarn und Böhmen an das Erzherzogthum Oesterreich gebracht hatte. Er diente den genannten Kaisern in einer Reihe von 21 Jahren und wurde von diesen mit Gnaden, [107] Ehren und Würden für sich und sein Geschlecht überhäuft, wie in der allgemeinen Genealogie, S. 102, auch ersichtlich ist. Auf der Römerfahrt Kaiser Sigmund’s wurde Caspar Schlik von diesem öffentlich an der Tiberbrücke zum Ritter geschlagen. Während seines Aufenthaltes in Siena verliebte sich S. in eine vornehme Dame, und der von Aeneas Sylvius verfaßte Roman: „Amores Euriali et Lucretiae“ soll diese Liebe zum Gegenstande haben. Auf dem Reichstage zu Nürnberg 1438 wurde er zur Vertretung Kaiser Albert’s II. befehligt. Durch Kaiser Sigmund’s Vermittlung war Caspar mit dessen Muhme, der schlesischen Prinzessin Agnes, Tochter des Herzogs Conrad III. zu Oels und Cosel, 1437 vermält, welche aber 1448, ohne ihm Kinder zu schenken, starb. Nach einigen Genealogen war er noch zum zweiten Male mit Johanna Theodora Gräfin Collalto vermält gewesen, die ihm auch keine Kinder geschenkt. Seine großen Besitzungen gingen an seinen jüngeren Bruder Matthäus über. Von Caspar besitzt, wie aus Constantin von Böhm’s „Handschriften des k. u. k. Haus-, Hof- und Staatsarchivs“ (Wien 1373, Braumüller, 8°.) S. 27, Nr. 89, ersichtlich, das Wiener Staats-Archiv eine deutsche Uebertragung der von ihm verfaßten Chronik des Kaisers Sigmund. (Hormayr’s) Archiv für Geschichte, Statistik, Literatur u. s. w. (Wien, 4°.) 1826, S. 419 u. 424; 1827, S. 631. – Großes vollständiges (sogenanntes Zedler’sches) Universal -Lexikon (Halle und Leipzig, J. H. Zedler, kl. Fol.) Bd. XXXV, Sp. 173. – Böhmische Museal-Monatschrift, 1823, S. 537. – Majlath’s Geschichte des österreichischen Kaiserstaates, Bd. I, S. 240 u. 298. – Meynert’s Geschichte Oesterreichs, Bd. II, S. 325. – Porträt. Unterschrift:[WS 1] Caspar Schlick. Graf zu Passaun und Weißkirchen. Benedetti sc. Im oberen Ecke des Bildes steht die Jahrzahl 1416 (8°.) (auch in Hormayr’s Taschenbuch für vaterländische Geschichte).] –

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Unterterschrift