BLKÖ:Hansiz, Marcus

Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Hansiz, Paul
Band: 7 (1861), ab Seite: 332. (Quelle)
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Hansiz, Marcus (Priester der Gesellschaft Jesu und Geschichtschreiber, geb. in Kärnthen bei Völkermarkt 23. April 1683, gest. zu Wien 5. September 1766). Trat 1698, 15 Jahre alt, in den Orden der Gesellschaft Jesu, in welchem er die Studien beendete, die philosophische Doctorwürde erwarb und dann durch 3 Jahre das Lehramt zu Gratz versah. In Folge seiner historischen Forschungen von der Pflicht, ein Lehramt zu versehen, entbunden, bereiste er verschiedene Collegien seines Ordens, um Materialien für seine Arbeiten zu sammeln, als: Wien, Neustadt, Krems, Klagenfurt; erhielt die Erlaubniß, Rom zu besuchen, wo ihm nebst der Benützung der Sammlungen seines Ordens auch die Schätze der anderen Bibliotheken zur Verfügung gestellt wurden; die größte Zeit seines Lebens brachte er aber, mit der Herausgabe seiner wissenschaftlichen Arbeiten beschäftiget, in Wien zu, wo er auch im Greisenalter von 84 Jahren im Herrn entschlief. Die von ihm im Drucke herausgegebenen Werke sind in chronologischer Folge: „Comentarii Raymundi Principis Montecuculi Partes II. cum aphorismis militaribus applicatis ad rationem belli Turcici in Hungaria gerendi“ (Graecii 1716 & 1717, Fol.); – „Quinquennium primum Imperii Romano-Germanici Caroli VI. (ebd. 1717, Fol. c. Fig.); – „Quinquennium secundum ... ut supra“ (Viennae 1717, Fol. c. Fig.); – „Decas augusta seu lustrum geminum Imperii Augusti Caroli VI. cum accurata belli turcici relatione“ (Viennae 1724, 8°.); – „Germaniae Sacrae Tomus I. Metropolis Laureacensis cum Episcopatu Pataviensi chronologice proposita“ [333] (Augustae Vindelic. 1727, Fol.); – „Tomus II. Archiepiscopatus Salisburgensis chronologice propositus“ (ebd. 1729); – „Tomus III. de Episcopatu Ratisbonensi prodromus seu informatio summaria de sede antiqua Ratisbonensi nec non Salisburgensem et Frisingensem plenius illustrans“ (Viennae 1754, Fol.), dieß ist sein Hauptwerk, zu dessen Grundlage ihm die vorzüglichsten gedruckten und ungedruckten Urkunden dienten, worin er die Zeitrechnung verbesserte; die Fehler seiner Vorgänger prüfte und freimüthig entdeckte, und sich bei der Erzählung der katholischen Legenden und Wunder mehr der Wahrheit näherte, als es eine Partei, die diesen Firlefanz der Historie nicht antasten lassen will und die Genossen des Glaubens, zu dem er sich bekannte, gestatten wollte. Er wurde durch dieses Werk in manche gelehrte Streitigkeiten verwickelt, woraus sich die weiter folgenden Werke beziehen: „Responsio ad epistolam R. P. Bernardi Pezii[1] super vita S. Trudberti martyris in Brisgovia“ (Viennae 1731, 4°.); – „Illustratio apologetica Prodromi Episcopatus Ratisbonensis“ (ebd. 1755, 4°.); Antwort auf 5 wider den 3. Theil der Germania sacra gerichtete Gegenschriften; – „Disquisitio de valore Privilegiorum libertatis Monasterii Emmeranensis“ (ebd. 1755, 4°.), – und „Documentum decisorium litis de Sede Monastica olim Ratisbonae propositum“ (ebd. 1755, 4°.). Nach seinem Tode erschienen, aber noch von ihm selbst zum Drucke befördert: „Analecta seu Collectanea pro Historia Carinthiae concinnanda. Opus posthumum. Pars I.“ (Clagenfurti 1782, 8°.); dieser erste Theil wurde dann in Verbindung mit dem zweiten nochmals gedruckt (Nürnberg 1793, 8°.). In Westenrieder’s „Beiträgen zur vaterländischen Historie“ erschien nach seinem Tode gedruckt: Trias epistolarum de aetate S. Ruperti ad amicum Salisburgensem“ (Bd. II, S. 30). Auch ist er der Verfasser der unter dem Pseudonym Modestus Taubengall herausgegebenen Schrift: Apologeticus adversus Umbras Oratii Melliti (Bernh. Pez) pro fama A. R. P. Gabrielis Hevenesi et universae Societatis Jesu in causa libri: Cura salutis sive de statu vitae mature et prudenter deliberandi methodus etc.“ (Veronae [fingirter Druckort] 1722, 8°.). In seinem handschriftlichen Nachlasse, der sich nach Stoeger in 13 Foliobänden in der Wiener Hofbibliothek aufbewahrt befinden soll, sind Bearbeitungen mehrerer anderer Bisthümer als Fortsetzung seiner Germania sacra enthalten und zwar der Bisthümer Trier, Neustadt, ferner Collectaneen zu den Bisthümern Gratz, Gurk, Wien; Supplemente zu jenen von Passau, Salzburg, Regensburg. Urkunden und Nachrichten über das Cisterzienserkloster der h. Dreifaltigkeit zu Neustadt in Oesterreich u. dgl. m. Als Geschichtschreiber vereiniget H. in sich die wesentlichsten Eigenschaften eines solchen, er besitzt Forschungsgeist und die Gabe, klar und fesselnd zu erzählen; er verbindet mit gesunder Kritik Wahrheitsliebe und gediegene Kenntniß der Geschichte und Culturzustände der Vergangenheit. Stolle in seinen Anmerkungen zu Heumanns: Conspectus Reipubl. litterar. p. 673, bemerkt nur: „daß H. parteiisch sei wird man sich nicht wundern. Sonst schreibt er gelehrt und zierlich, weiset auch großen Fleiß.“

Carinthia (Klagenfurter Unterhalt. Blatt), herausg. von Simon Martin Mayer, Jahrg. [334] 1852, Nr. 27. – Ersch und Gruber, Allgemeine Encyklopädie der Wissenschaften und Künste (Leipzig, 4°.) II. Section, 2. Band, S. 219. – Walch, Bibliotheca theologica, Tom. III, p. 314. – Stoeger (Joh. Nep.), Scriptores Provinciae austriacae Societatis Jesu ab ejus origine ad nostra usque tempora (Viennae et Ratisbonae 1856, Lex. 8°.) S. 122 [nach diesem geb. 25. April 1683, gest. 25. August 1766]. – Meusel (Johann Georg), Lexikon der vom Jahre 1750 bis 1800 verstorbenen teutschen Schriftsteller (Leipzig 1805, Gerh. Fleischer, 8°.) Bd. V, S. 153. – Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1835, 8°.) Bd. II, S. 500. – Nouvelle Biographie générale ... publiée par MM. Firmin Didot frères, sous la direction de M. le Dr. Hoefer (Paris 1852 et seq., gr. 8°.) Bd. XXIII, Sp. 311. – Meyer (J.), Das große Conversations-Lexikon für das gebildete Publikum (Hildburghausen, Bibliogr. Institut). Bd. XIV, S. 1153. –

  1. Nicht Pekii, wie er bei Stoeger genannt wird.