Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 4 (1858), ab Seite: 35. (Quelle)
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Emo, Angelo (letzter Admiral der Republik Venedig, geb. zu Venedig [36] 3. Jän. 1731, gest. zu Malta 1. März 1792). Entstammt einer der angesehensten Familien der alten Republik Venedig. Erhielt seine Ausbildung im Collegium der Jesuiten zu Brescia, dann gab ihm sein Vater den berühmten Consultore Billesimo zum Lehrer in den Staatswissenschaften und den gelehrten Carlo Lodoli. Im J. 1751 – 20 Jahre alt – trat er in den Seedienst, machte im genannten Jahre die erste Seefahrt und war schon 1755 Capitän eines Schiffes. 1760 wurde er Provvedditore della sanità und erhielt im folgenden Jahre den Befehl über 1 Linienschiff und 2 Fregatten, um gegen die den Handel Venedigs bedrohenden Piraten zu kreuzen. 1762–67 befehligte er theils neue Züge gegen die Piraten, theils bekleidete er verschiedene öffentliche Aemter, in welchen sein staatsmännisches Wirken unvergeßlich bleiben wird. Er ließ den Plan der Lagunen, welche Venedig umgeben, aufnehmen, eine Arbeit, die in 6 Monaten zu Stande gebracht wurde. 1765 zum Viceadmiral ernannt, verfolgte er in spätern Zügen die Piraten bis auf ihr Gebiet und zwang den Dei von Algier zu einem für Venedig ehrenvollen und vortheilhaften Vertrag. Als Rußland mit einer Flotte in den Archipel eindrang, um die Griechen zum Aufstande zu bewegen, und die Türken aus Europa zu drängen, errichtete E. zum Schutze der venetianischen und französischen Unterthanen, welche in Handelsgeschäften die Levante besuchten, eine Kreuzfahrt, welche ersprießliche Dienste leistete. 1772 legte E. für einige Zeit sein Marine-Commando nieder und trat in den Senat, wo er im Censur- und Finanzrathe und 1776 im Handelsrathe große Thätigkeit entwickelte. 1780 wirkte er im gefürchteten Rathe der Zehn im Geiste der Humanität, die alle seine Handlungen adelte, und gab 1782 als General-Director des Arsenals dem in Verfall gerathenen Institut eine neue zeitgemäße Gestaltung. Nach Modellen, welche er aus England kommen ließ, wurden neue Schiffe von Arbeitern, die er gebildet hatte, gebaut, und hob sich dieser Zweig der Verwaltung unter ihm und durch ihn zu einer neuen Höhe. 1783 unterhandelte er im Auftrage der Republik mit dem Grafen Cobenzl über die Beseitigung der Hindernisse, welche sich der Schifffahrt an den Küsten Dalmatiens und Istriens entgegenstellten, mit bestem Erfolge. Auch nahm er die schon früher von Zaccaria Betti begonnene, aber erst in der Neuzeit vollendete Entsumpfung der Veroneser Thäler, wodurch so vieles und so gutes Terrain dem Ackerbau gewonnen wird, wieder auf und ergriff energische Maßregeln zur Ausführung dieses Projects, als die erneuerten Uebergriffe der Tunesen ihn wieder an die Spitze der Marine als außerordentlichen Admiral riefen. Am 12. August 1784 ankerte das von ihm geführte Geschwader beim Cap Carthago 5 Miglien von der Küste von Tunis und nun zerstörte er (bis 1787) Susa, Biserto, Sfax, beschoß Goletta und zwang die Tunesen, drei Jahre lang in ihren Häfen zu bleiben. (Bemerkenswerth ist aus dieser Zeit die von der „Leidener Zeitung“ im alten Groll der Generalstaaten gegen die Republik gebrachte Caricatur der von Emo geführten Flotte.) Endlich kam es 1787 zu einem Vertrage, den aber das Räubervolk von Tunis nur so lange hielt, bis sich ihm wieder Gelegenheit bot, den Handelsschiffen Venedigs neuen Schaden zuzufügen. Um wieder die Schifffahrt des adriatischen Meeres zu beschützen, führte Emo seine Flotte in den Archipel, wurde aber von einem Sturme überfallen, der 2 seiner Schiffe vernichtete. Die undankbare Republik, uneingedenk der ihr geleisteten Dienste des Admirals, verkaufte seine Güter, um [37] sich aus deren Erlös für den Verlust der Schiffe zu entschädigen. Emo, der mit den ihm gebliebenen Schiffen Angesichts Malta vor Anker hielt, erkrankte plötzlich auf dem Schiffe und mußte an’s Land gebracht werden, wo er auch bald darauf starb. Der Senat, dankbarer gegen den Todten wie gegen den Lebenden, ließ die Leiche nach Venedig bringen, auf das feierlichste bestatten, und beauftragte den großen Canova mit der Ausführung eines Monumentes auf den letzten Admiral der Republik. [Vergl. darüber, wie über die Vermuthung, daß E. vergiftet worden, die unten citirten Quellen.] Mit Angelo erlosch das Geschlecht der Familie Emo, genannt da S. Simon piccolo. – Alviso (Senator, geb. zu Venedig 1717, gest. 1790). Aelterer Bruder des Vorigen und ein Zögling des als Schriftsteller bekannten Jacob Stellini. Er war Senator, Syndicus-Inquisitor des Festlandes und 1774 einer der 5 Correttori delle leggi. Seine hervorragende Stellung im Senat erweckten ihm Neid und Mißgunst, denen es gelang, im J. 1784 seine Ausschließung aus dem Senate zu erwirken. Mit philosophischem Gleichmuthe ertrug er diese Unbild, zog sich aus dem öffentlichen Leben zurück und trat in den geistl. Stand, in welchem er bis an seinen 6 Jahre später erfolgten Tod verblieb.

Barzoni (Vittore), Tributo di un solitario alle ceneri di A. Emo (s. l. et. a. ind. [Venedig 1792] 8°.). – Bregolini (Ubaldo), Orazione ne’ funerali di A. Emo (Venedig 1792, 8°.) [davon besteht auch eine lateinische Uebersetzung (Ebenda im näml. Jahre)]. – Castelli (Francesco Vincenzo), Fasti di A. Emo cittadino Veneto ... (Siracus 1792, 8°.). – Elogio di A. Emo (Venedig 1792, 8°., mit Portr.) [der anonyme Verfasser ist Marco Barbaro]. – [Formaleoni, Vincenzo] Elogio del fu N. H. M. A. Emo... (Venedig 1792, 8°., m. Portr.). – Palazoll-Scordili (Spiridione), Elogio di A. Emo (Venedig 1792, 8°.). – Meneghelli (Antonio Maria), Di A. Emo e delle sue gesta (Padua 1836, 8°.) [Meneghelli schreibt treffend über Emo: „Mancava il tempo all’ Emo, non già l’Emo al tempo e alle cure.“ Der Tod E.’s trat so unerwartet und schnell ein, daß der Verdacht einer Vergiftung sich erhob. Meneghelli weist diese Beschuldigung in seiner Schrift zurück und stützt seine Beweise auf Mittheilungen des Jacopo Parma. Girolamo Dandolo (s. d. III. Bd. S. 143) in seiner durch Mutinelli’s Schmähschrift hervorgerufenen Schrift: „Da caduta della repubblica di Venezia“ S. 39 Anmerkung, schreibt aus diesem Anlaß: „Meneghelli wußte wohl nicht, daß eben dieser J. Parma, Angelo Emo’s Adjutant und Verfasser der (unten angeführten) Leichenrede auf Emo, von der ganzen Flotte als Mitschuldiger dieses Verbrechens angesehen wurde, als dessen Urheber der ehrgeizige Tommaso Condulmer allgemein galt“]. – Parma (Jacopo), Discorso funebre recitato in Malta nella chiesa de’ cavalieri gerosolimitani li 19 Aprile 1792 in occasione di trasportare da essa alla regia veneta nave La Fama l’illustre spoglia del Cavalier procurator A. Emo (Venedig [1792] 8°.). – Rossi, Lettera sopra un monumento d’ A. Emo recentemente modellato dall’ illustre scultore Canova (Bassano 1795, 8°.). – Dandolo (Girolamo), La caduta della repubblica di Venezia ed i suoi ultimi cinquant’ anni. Studia storici (Venedig 1856, Naratovich, 8°.) S. 34–39 u. 110 [nach diesem geb. 23. Jänner 1732, gest. 1. März 1792; ebendas. auch über Alviso Emo]. – Oettinger (E. M.) in seiner Bibliographie biographique universelle (Brüssel 1854, Stienon, Lex. 8°.) I. Bd. Sp. 478 setzt irrig den 3. Jänner 1751 als E.’s Geburtsdatum an. – Bemerkenswerth ist, daß weder das Brockhaus’sche noch das Ersch u. Gruber’sche Lexikon Emo’s Namen enthalten. – Monumente. Das Ehrendenkmal, ein Werk Canova’s – von diesem 1794 vollendet – befindet sich im zweiten Waffensaale des Arsenals zu Venedig aufgestellt. [Vergl. darüber den II. Bd. dieses Lexikons S. 252 und 257; und über die aus Anlaß dieses Monumentes zu Ehren Canova’s geprägte Medaille: ebenda S. 266 : „Medaillen auf Canova geprägt“. Es ist dies die letzte Medaille, welche die Republik geprägt hat.] – Das Grabdenkmal befindet sich in der Kirche di S. Biagio zu Venedig. Es ist ein Werk des Giovanni Ferrari, genannt Torretti, des Lehrers von Canova. Zuerst war dasselbe in der chiesa de’ Servi aufgestellt, kam dann in die chiesa di S. Martino und von da 1817 an seinen jetzigem Platz. [38] (Die zur Seite des Denkmals aufgestellte türkische Fahne wurde von Emo selbst bei der Erstürmung von Sfax am 29. April 1786 erbeutet.