Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen III. Section/H30

Heft 29 des Lausitzer Kreises Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen von Gustav Adolf Poenicke (Hrsg.).
Heft 30 der Section Markgrafenthum Oberlausitz
Die Beschreibungen sind auch als Einzeltexte verfügbar unter:
  1. Kottmarsdorf
  2. Klein-Schweidnitz
  3. Halbendorf
  4. Milkwitz


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Kottmarsdorf


führt seinen Namen von dem 1/2 Stunde gegen Süden gelegenen 1400 Fuss hohen Berge Kottmar; dessen Benennung man aus der wendischen Sprache herleitet, in welcher Kohd einen Gang bedeutet, und Mara soll eine Göttin der alten Slaven gewesen, auf diesem Berge verehrt und deshalb oft Wallfahrten dahin angestellt worden sein. Auch soll sich auf der Rathsbibliothek zu Görlitz ein gegossenes Bild, von der Länge und Dicke eines Fingers und nur mit einem kurzen Schurz bekleidet, befinden, von welchem man sagt, dass es auf dem Kottmar gefunden worden sei und jene Göttin vorstelle.

Vor dem Fusse des Kottmar zieht sich nach Westen hin ein mässiger Bergrücken über welchen Kottmarsdorf von Norden nach Süden längs der, von Löbau nach Rumburg führenden und seit 1828 erbauten Chausee hinläuft. Es liegt 11/2 Stunde südlich von Löbau, 2 Stunden westlich von Herrenhut, 21/2 nördlich von Rumburg und 11/2 Stunde östlich von Neusalza und grenzt mit seinen Fluren an die von Ebersbach, Ober-Friedersdorf, Dornhennersdorf, Gross-Schweidnitz, Nieder- und Ober-Cunnersdorf und an den, der Stadt Löbau gehörenden Kottmarswald.

In der Mitte des Dorfes erhebt sich auf jeder Seite und ganz in der Nähe desselben eine Anhöhe, deren jede mit einer Windmühle besetzt ist, und von denen man ein sehr weites und herrliches Panorama überblicken und mit bewaffneten Auge gegen 40 Kirchen überzählen kann.

Kottmarsdorf theilen Manche in Ober- und Unter-Kottmarsdorf: allein mit Unrecht; denn wenn man nach den früheren Besitzern urtheilen will, welche Theile von Kottmarsdorf besassen, so müsste man noch mehre Kottmarsdorfe unterscheiden: Die Eintheilung von Ober- und Unter-Kottmarsdorf hat wohl seinen Ursprung in den sogenannten Geist’schen Lehngut, welches ein besonderes von dem hiesigen Rittergute getrenntes Besitzthum bildete: allein dieses Gut wurde im Jahre 1692 von Hans Wenzel von Gersdorf für 3200 Thlr. gekauft und mit dem Rittergut combinirt, wohl aber bei späteren Besitzveränderung unter dem Namen des Geistischen Lehnguts besonders in Lehn genommen.

Ausserdem hatte der Pastor Primarius zu Löbau über 3 Bauern des Orts und über 17 Häusler die Gerichtsbarkeit, welche 1839 an das Königl. Justizamt Löbau abgetreten wurde.

18 Bauergüter, 19 Gärtner und 92 Häuslerwohnungen standen bis zur Einführung der neuen Gerichtsorganisation unter der Patrimonial-Gerichtsbarkeit des Rittergutsbesitzers.

Das Rittergut selbst mit 4 eingezogenen Bauergütern ist mit 6200 Steuereinheiten belegt und ist also schon ein grosses Gut zu nennen.

Es besitzt ein schönes Areal an Feldern, Wiesen und Holzungen und die Flur gehört zu den mässig fruchtbaren.

Die Herrschaftliche Wohnung besteht aus einem 2 Etagen hohen Gebäude von 12 Fenstern Fronte, die Wirthschaftsräume sind vortrefflich und bequem eingerichtet.

Die Gründung des Orts gehört zu einen der ältesten in dieser Gegend und eine Burg, von deren Ueberresten nichts mehr zu sehen ist, war schon im 11. Jahrhundert vorhanden.

Die spätern Nachrichten über die Schicksale dieser Burg sind nicht [234] aufzufinden und erst im 14. Jahrhundert haben wir wieder sichere Nachrichten über Kottmarsdorf. In diesem Säculo scheint in den Besitz von Kottmarsdorf die Stadt Löbau gekommen zu sein, welche damals über 80 Dörfer die unabhängige Gerichtsbarkeit verliehen erhielt und erst zur Zeit des sogenannten Pönfalls, also 1547 gingen diese Besitzungen und Rechte wieder verloren. Nun wurden einzelne adlige Familien mit den einzelnen Dörfern beliehen und Kottmarsdorf kam in die Hände der Herren von Poster, von welchen es dann auf das von Gersdorf’sche Geschlecht, Kittlitzer Linie, überging.

Caspar von Gersdorf auf Kittlitz starb 70 Jahr alt plötzlich am 1. Nov. 1637; ihm folgte Hans Wenzel von Gersdorf der 1708 mit Tode abging. Der Sohn des letzteren übernahm Kottmarsdorf und starb schon 1743. Von diesem erbten es seine Brüder Heinrich Adolph von Gersdorf auf Kittlitz und Gottlob Rudolph von Gersdorf auf Lautitz, welcher seinen Antheil an ersteren 1748 für 11,000 Thaler überlässt; 1757 kommt es an dessen Sohn Johann Erdmann von Gersdorf auf Wünschen welcher 1760 von Fr. Sophie Elisabeth verw. von Kyau geb. von Kraft auf Ober-Strawalde und Herrn Johann Ernst von Gersdorf auf Niederstrawalde gewidmete Pfarrgut, bestehend in 61/2 Acker säebaren Felder, 163/4 Acker Wiesen und 61/2 Acker Busch für 600 Thlr. kaufte, wobei es die Verkäufer übernahmen, diese 600 Thlr. dem dasigen Pfarrer mit 5 pCt. zu verzinsen.

Im Jahre 1763 verkaufte er Kottmarsdorf für 35,000 Thaler an Wolfgang Baron von Stein Churf. Sächs. Kammerherrn und General-Major, welcher in den Jahren von 1760-1771 sämmtliche Bauern- und Gärtnernahrungen, die bis dahin Lastnahrungen gewesen waren, an deren Inhaber verkaufte.

Nach dem 1783 erfolgten Tode desselben, besass es dessen hinterlassene Wittwe Frau Karoline von Stein geb. von Berlepsch, welche es 1793 an Frau Johanna Elisabeth Mehlhosin geb. Rudolph und deren Bruder Johann Christian Rudolph, Grundstücksbesitzer und Rector in Ober-Cunnersdorf verkaufte.

Nach der Schwester Tode übernahm letztrer auch die zweite ziemlich verschuldete Hälfte des Gutes; vermochte aber nicht in dem Besitze des Ganzen sich zu behaupten, 1825 kam es zur Sequestration und 1826 zur Subhastation, bei welcher es Carl Friedrich Jeremias in Ebersbach für 34,500 Thlr. an sich brachte, der es dermalen noch besitzt.

Die Gerichtsherrschaft zu Kottmarsdorf übt zugleich das Collaturrecht über Kirche und Schule.

Die Zeit, in welcher hier eine Kirche erbaut wurde, ist nicht genau bestimmt, doch gehört Kottmarsdorf zu den ältesten Kirchorten in dieser Gegend, da schon in einer Eintheilung der Kirchspiele vom Jahr 1346 der hiesigen Kirche gedacht wird. Ursprünglich war sie nur eine Kapelle und Filial von Löbau, woher jährlich einige Mal ein Kapellan kam, um hier Messe zu lesen.

Sie war der heil. Katharina und der heil. Anna geweiht, deren Legenden noch bis zum Jahr 1703 alle Jahre am Sonntage vor deren Namenstage von der Kanzel verlesen worden sind.

Seit der Reformation war Ober-Cunnersdorf Filial von Kottmarsdorf und der darüber aufgenommene Recess verblieb über 200 Jahre in Giltigkeit. Allein im 19. Jahrhundert wurde das Bedürfniss, einen eignen Pfarrer zu besitzen, immer fühlbarer, die Tochtergemeinde übertraf die Muttergemeinde an Volksmenge mehr als vierfach und als der 1800 in Kottmarsdorf eingezogene Pfarrer, Johann Gottlob Borns, sich willig erklärte, Kottmarsdorf zu verlassen und sich der Gemeinde zu Ober-Cunnersdorf allein zu widmen, erfolgte die Auspfarrung unter dem Dekan des Domstifts Franz Georg Lak, Bischof von Antigora und dem Kottmarsdorfer Collator, dem Past. Primarius zu Löbau, M. Brückner.

Durch ein Abfindungsquantum an die Mutterkirche wurden alle und jede bisherigen Verbindlichkeiten und Verhältnisse zwischen dieser und der Tochterkirche, die bisherige Collatur jedoch ohne Entschädigung, aufgehoben. Das Einkommen des Pfarrers zu Ober-Cunnersdorf wurde dabei durch fixes Salar für die verlorne Wiedemuth und durch Erhöhung der Gebühren für Amtsverrichtungen zu derselben Höhe gebracht, welche die bisher vereinigte Pfarrstelle gehabt hatte. Zur Entschädigung der Pfarr- und Schulstelle zu Kottmarsdorf, so wie zur Unterhaltung der Pfarr- und Schulgebäude, daselbst wurde von der Gemeinde zu Ober-Cunnersdorf ein Adversional-Quantum an das hiesige Kirchenaerar ausgezahlt.

Schule ist nur eine in Kottmarsdorf. Die Zahl der Schulkinder beläuft [235] sich auf 160, welche in 3 Classen getheilt sind, die blos ein Lehrer besorgt.

Der sognannte Kottmarsberg, welcher mit Fichten bewachsen gehört zum grösseren Theil der Stadt Löbau, blos der kleinere Theil ist Eigenthum von Kottmarsdorf.

Der Name dieses, 1400 Fuss Meereshöhe haltenden Berges soll von dem wendischen Khod (ein Gang) und von Mar oder Mara (ein Mittagsgespenst) herkommen. Um dieses Gespenst zu beruhigen, hat man, wie die Sage will, auf dem Berge geopfert. Ob ehedem heidnische Wallfahrten nach dem Berge stattgefunden, und ob der noch vorhandene Gebrauch benachbarter Ortschaften: zum 1. Pfingstfeiertag-Abend bei mehrern Hunderten auf den Berg zu ziehen, ein Ueberbleibsel jener Wallfahrten sei, lässt sich nicht darthun. Der Kottmar hat seinen Gipfel, der von unzähligen Punkten sichtbar ist, und 51° 0' 25 bis 35" der Br. und 32° 19' der Länge, folglich 21/2 Stunde von Löbau und 13/4 Stunde von Herrenhut zwischen Ober-Cunnersdorf, Kottmarsdorf, Ebersbach, Walddorf und den 8 Kottmarhäusern und bildet eine Art kleinen Centralgebirges, indem von ihm nach allen Seiten hin Bäche fliessen, insbesondere der Oderwitzer nach Südosten, der Ruppersdorfer nach Osten, der Cunnersdorfer nach Norden, der Ebersbacher nach Westen.

Die Kottmarhäuser stehen am Ursprung des Ruppersdorfer Baches (des eigentlichen Hauptbaches der Pliessnitz) am südwestlichen Theile des Berges und es gehören davon 1 Häusler nach Ober-Ruppersdorf, 1 Förster, 1 Wirth und 5 Häusler unter den Löbauer Rath.

(M. G.)     




Klein-Schweidnitz


1/2 Stunde von Löbau, in schöner sanft gebirgiger Gegend gelegen, mit Ebersdorf, Otterheim, Cunnersdorf und Gross-Schweidnitz rainend, auch in Westen an letzteres stossend, in südwestlicher Nähe des ansehnlichen Herbigsdorfer Berges, der meist bewaldet ist. Die Seehöhe beträgt von 800 zu 900 pariser Fuss. In Osten bei der Gerbermühle, bildet sich erst das Löbauer Wasser durch Vereinigung des Schweidnitzer und Cunnersdorfer Baches. Das Flüsschen heisst in Urkunden Lubata oder Lubote, ist 9 Stunden lang und erhält seinen wichtigsten Zufluss bei Buda durch den Bischdorfer - und bei Gutta durch den Klein-Bautzner Bach, auch ist das Onnewitzer Wasser an sich ein starker Nebenbach, mit welchem aber ein Flussarm sich gattet.

Klein-Schweidnitz, wie Gross-Schweidnitz waren in früherer Zeit wohl Zubehör der Stadt Bautzen, hernach aber wurden diese Güter an Löbau verschenkt und gingen durch den sogenannten Pönfall erst für diese Stadt verloren. Erst nach diesem Ereignisse wurde mit Klein-Schweidnitz eine adlige Familie beliehen und zwar die von Schlieben.

Der Hauptmann von Schlieben, welcher dasselbe noch besass, starb 1640 und ihm folgte der Oberst-Lieutenant von Schlieben, welcher 1674 mit Tod abging. Dann war das Gut im Besitze der Herren von Elssnitz. Der erste Herr von Elssnitz starb aber schon 1676 und nun erbte das Gut Rudolph von Elssnitz. Auch dieses Geschlecht behauptete dasselbe nicht lange und wir finden nun das Geschlecht derer von Hauenstein

[236] hier. Heinrich von Hauenstein war der erste Besitzer und Abraham von Hauenstein sein Nachfolger in der Zeit von 1721 bis 1747.

Nun aquirirte das Gut Gottfried Rudolph, welcher aber schon 1761 mit Tode abging und seine Besitzung Gottlieb Andreas hinterliess. Nach seinem im Jahre 1770 erfolgten Ableben wurde die verw. Frau Rudolph, Erb-Lehn und Gerichtsherrin von Klein-Schweidnitz, die es ihrem Sohne Carl Gottfried Rudolph 1818 hinterliess. Von Letzterem kam das Gut an dessen Ehefrau Frau Caroline Tugendreich verw. Rudolph und nach deren Tode übernahm es deren Sohn, Herr Carl Gottlieb Rudolph, der in Dresden lebt, und stets einen Pachter hier hat.

Die Rittergutsgebäude sind schön und massiv und dazu gehören vortreffliche Hölzer und Wiesen.

Nicht weit vom Herrschaftlichen Hofe, steht am Fusssteige eine sehr schöne Trauer-Birke, obschon nicht die einzige um Löbau, doch aber wohl die schönste.

Der Eichenwald kurz vor dem Dorfe, ehe man von Löbau nach Klein-Schweidnitz kommt, am Wege gegen Morgen, ist zwar klein, doch aber wegen seiner alten und starken Eichen recht interessant. Der Weg hindurch ist einer der gemüthlichsten und angenehmsten.

Der Ort selbst liegt, in Besitz mehrer Mühlen gegen Süden nach Niedercunnersdorf zu, an der Rumburger Chaussee.

Der Ort ist nach Löbau eingepfarrt, seit 1827 nach Ebersdorf eingeschult. Der Ort liegt davon 1/4 Stunde entfernt und führt ein angenehmer Feldweg dahin.

Der ganze Ort besteht ausser dem Rittergut aus einer Schenke, welche ausserhalb der Chaussee liegt, 4 Mühlen, 10 Gärtnern, welche ehedem Lastnahrungen inne hatten, aber seit 1836 abgelöst sind, und 8 Häuslern.

Drei Mühlen erhalten aus Gross-Schweidnitz ihr Wasser, die 4. aber aus Nieder-Cunnersdorf.

Ackerbau ist grösstentheils der Nahrungszweig der Einwohner, welche unter das Gerichtsamt Löbau gehören.

Zwischen Polen und den Verbündeten fand in hiesiger Gegend am 9. September 1813 ein Gefecht stand, bei welcher Gelegenheit in Ebersdorf 17 Wohnungen abbrannten.

Ebersdorf mit Einschluss des Neudorfes und sogenannte Liebedörfel zählt 170 Nummern, 4 Bauergüter und 3 Häusler bilden das sogenannte Liebedörfel, weil deren Besitzer alle bis auf die neueste Zeit Liebe heissen. Auch wird es nach einem Besitzer desselben, welcher diese Güter als ein Gut früher besessen hat, das Sauersche Gut genannt.

Auf Grund und Boden dieses Grundstücks wurde auch das auf der Rumburger Chaussee stehende Chausseehaus gebaut, welches demnach zu Ebersdorf gezählet wird.

Das sogenannte Neudörfel und einige Bauern liegen am höchsten und zunächst des Stadtberges und bieten die schönsten Aussichten.

Die Häusler liegen meistentheils im Thale, so wie die Schule fast in der Mitte des Dorfes.

Angenehm liegt auch das Liebedörfel, wo der Weg für Fussgänger von Löbau nach Nieder-Cunnersdorf hinführt.

Die nahe Stadt Löbau bietet vielen Einwohnern von Ebersdorf und Klein-Schweidnitz stete Arbeit dar, vorzüglich Zimmerleuten, Maurern, Tagelöhnern; sowie auch im Stadtberge fast ununterbrochene Arbeit für eine bestimmte Anzahl Personen ist.

Neben Ackerbau ist auch die Weberei ein Nahrungszweig für hiesige Gegend. Die Rindviehzucht ist nur auf den Bedarf beschränkt, Gänsezucht aber ist unbedeutend.

Klein-Schweidnitz und Ebersdorf grenzen in Westen und ist letztrer Ort wie Klein-Schweidnitz in die Hauptkirche zu Löbau gepfarrt, welche unter der Collatur des Stadtraths steht.

M. G.     



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Halbendorf


Wendisch Bochow d. h. Gottesdorf, gehört mit zu dem schönen Thale, welches sich in einer Ausdehnung von 2 Stunden mit den Dörfern Halbau, Neudorf, Klipphausen, Weigsdorf, Köblitz, Schönberg und Cunewalde dahinzieht und eine starke Meile von Bautzen und eine Meile von Löbau entfernt liegt.

In den frühesten Zeiten schon war Halbendorf mit Crostau combinirt und die Herren von Rechenberge, so z. B. Sebastian von Rechenberg besassen die Güter noch vereinigt, dem Hans Ernst von Rechenberg folgte. Unter seinen beiden Söhnen Hans Rudolph von Recheneberg und Hans Ernst von Rechenberg kamen die Güter zum öffentlichen Verkauf und gingen in andere Hände über, jedoch getrennt.

Der Hofrichter Peter Rudolph von Pentzig aquirirte Halbendorf, dem Johann Friedrich von Folkersam folgte.

Hierauf ging Halbendorf an das Geschlecht von Nostitz über. Carl Gottlob von Nostitz starb 1707 am 28. Mai im 63. Lebensjahre. Ihm succedirte sein jüngster Sohn Karl Gottlob, 1712 in Christianstadt mit Johann Margarethe von Landskron vermählt, welcher 1762 den 2. Mai im 75. Lebensjahre starb. Sein Sohn Karl Heinrich ging den 8. Juni 1791[WS 1] und dessen Bruder Wolf Ernst von Nostitz auf Halbendorf 1792 den 7. Mai mit Tode ab.

Die letzten Besitzer von Halbendorf waren der Neffe des letztgenannte Wolf Ernst von Nostitz, nämlich der 1833 verstorbene Carl Gottlob von Nostitz auf Weigsdorf, hierauf kommt es an Herrn Steinel, dann an Frau von Rothmaler, dann an Herrn Johann Traugott Katzer und endlich an Herrn Johann Gottlieb Böhme, dessen Kinder die Geschwister Böhme das Rittergutslehn eine Zeit lang gemeinschaftlich trugen: Der dermalige Besitzer ist Herr Beichel.

Das hiesige herrschaftliche Wohnhaus besteht aus 3 Etagen von 11 Fenstern Fronte und bietet dasselbe eine herrliche An- und Aussicht.

Das Gut selbst gehört hinsichtlich seines Areals den mittleren Gütern Sachsens und der mittleren Bodenclasse an. Durch Hinzuschlagung einzelner Gärtnerwohnungen ist das Gut selbst bedeutend vergrössert worden.

Es hat eine schöne Brauerei und Ziegelbrennerei. Der Holzbestand des Gutes ist immer noch schön und ergiebig.

Das Rittergut hielt sich in früheren Zeiten zur Gross-Postwitzer Kirche, wogegen es jetzt mit 4 Häusern zur Cunewalder Parochie gehört und nur noch 13 Baustellen der Kirche zu Gross-Postwitz zugewiesen sind, dagegen ist ein Theil von Halbendorf mit 4 Häusern, dem Erbgerichte, der Mühle und zwei Häusslern in die Kirche von Crostau eingepfarrt.

Dieser Antheil von Halbendorf ist ein neuer Anbau und wurde anfänglich Neu-Halbendorf genannt. Allein die Anbauer wünschten für sich eine Gemeinde zu werden und so bewilligte die Herrschaft dies und gab dem Orte den Namen Karlsberg.

Früher sind noch 2 Gärtnerwohnungen nach Crostau eingepfarrt gewesen; allein die Herrschaft hat dieselben später als Lasswohnungen eingezogen, so dass nur von einer noch der Decem nach Crostau bis hieher entrichtet werden musste.

Bei Halbendorf ist eines Ereignisses zu erwähnen, welches nicht ohne Interesse ist.

In Gross-Postwitz entstand durch die Fürsorge des Barfüsser-Mönch Paul Bosack die erste evangelische Gemeine, und zu der Zeit, wo dieser Paul Bosack das Abendmahl unter beiderlei Gestalten angefangen [238] auszutheilen, entrüstete sich über ihn der dermalige Pfarrer in Cunewalde.

Er ging in seinem Eifer, wie erzählt wird, so weit, dass er beschloss den neuernden Amtsbruder in Gross-Postwitz während der Abendmahlsspendung meuchlings umzubringen.

Er reitet eines Sonntags früh fort, um seinen Entschluss auszuführen.

Doch er kommt nicht weiter bis etwa 10 Minuten hinter Halbendorf auf die Anhöhe, wo er Gross-Postwitz sehen kann. Hier stürzt sein Pferd über einen Graben und er fällt, dass er todt liegen bleibt. Noch heute wird der Stein gezeigt, welcher als Brücke über den Graben bis zum Jahre 1835 lag, wo er weggenommen wurde, weil der Graben durch die Chaussee eine andere Richtung erhielt und jetzt ist gedachter Stein in dem Rundtheil über Neu-Eulowitz als Bank angewandt. Es finden sich auch Schriftzüge an der der Chaussee zugekehrten Seite, aber sie zu entziffern ist nicht gut möglich, da Zeit, Wetter und Wasser sie sehr verwischt haben, jedoch scheinen sie vor Jahrhunderten eingegraben zu sein.

Das eine halbe Stunde von Crostau entfernte Halbendorf, bietet in seiner Nähe eine Menge Bergspitzen, die alle des Besteigens werth sind, für die, welche die hiesige Gegend bereisen.

Zuerst wollen wir den Callenberg von der Nordseite besteigen. Hier zeigt sich Bautzen, welche Stadt im ganzen Umfange und sogar hin auf den Hauptmarkt gesehen werden kan.

Kehrt man sich nach Westen hin, so liegt das ganze Kirchspiel Wilthen vor Augen, der Hochwald bei Neukirch und Umgegend bietet sich reizend dar.

Gegen Süden schliesst ein reizendes Thal den böhmischen Flecken Schirgiswalde und weiter hinaus das ganze Kirchspiel Sohland an der Spree ein. Gegen Osten ist ein herrlicher mahlerischer Blick auf Crostaus Pfarre, Kirche und Schloss und man wird entzückt darüber was die Natur bietet.

Dahinter thürmt sich der Beiersdorfer Berg mit seinem kahlen Haupte und seitwärts übersieht man die lang sich ausdehnende Parochie Cunewalde und neben ihr die Bergkette von Thronberge an bis nach Lawalde hin. Inmitten thürmt sich der alte Zschirnebekg empor, der jetzt gerade die heidnischen Opfersteine recht deutlich zeigt.

Wenn man mit dieser Aussicht sich schon zufrieden stellen könnte, so ladet ein noch höherer Berg, der Kälberstein ein, der gerade sehr viel Aussicht gewährt. Man sieht dasjenige, was schon der Callenberg dargeboten hat, aber er gewährt mit bewaffneten Auge noch viel mehr: Denn hier übersieht man Bautzen nicht blos, sondern man kann in die Gegend von Berlin schauen. Doch dieser Berg genügt dem ein Mal entzückten Wandrer nicht, weil er blos die Nordgegend zeigt und er geht deshalb nun auf den Pickauer Berg, der zu Crostau gehört.

Hier hat man nicht blos ein Theater der Ortschaften gegen Süden und Osten vor sich, indem man bis nach Herrenhut schauen kann, sondern da erheben sich die Tafelfichte, der Jeschken, die Lausche vorzüglich und eine Menge böhmischer Berge vor den Augen, so dass man unwillkührlich höher gestimmt wird und die Schönheit der Welt bewundern muss.

Halbendorf hat seinen Namen von der Wohnung eines heidnischen Gottes. Der Ort selbst ist von Tagelöhnern und Handwerkern bewohnt, deren Zahl 150 beträgt, die dem Gerichtsamte Löbau einverleibt sind.

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Milkwitz


wendisch Milkezy am Uhner Bache 13/4 Stunde[WS 2] nordwestlich von Bautzen in fruchtbarer Hügelgegend gelegen.

Der Ort ist klein und das hiesige Rittergut mit schönen herrschaftlichen Wohngebäuden gehörte im 15. Jahrhundert der Familie von Metzradt, dann kam es an die von Haugwitz.

Seit dem 19. Jahrhundert gehört Milkwitz mit Gross- und Klein-Bröstan und dem grössten Theile von Nieder-Uhna zur Fidei-Commiss-Herrschaft, welche im Jahre 1810 der damalige Besitzer Herr Johann Wolfgang Reichsgraf von Reisch errichtete und zwar aus dem Rittergute Meschwitz mit Pertinenzien: Neudorf sammt einem Vorwerke, Lowske, Lisschen und Siebitz bei Crostwitz, aus dem Rittergute Holsche sammt[WS 3] Holsche, Dubrau, Unligau sammt Krinitz und Milkwitz sammt Zubehör, wie oben erwähnt worden.

Sämmtliche Rittergüter waren bis zum Jahre 1810 ein freies Allodium gewesen und gingen bei dem königl. sächs. Oberamte zu Budissin zu Lehn. Nach der Stiftung des obenerwähnten Johann Wolfgang Reichsgraf von Reisch, wurden diese Güter zusammen in ein Majorat umgewandelt. Nach dessen Tode im Jahre 1810 übernahm dieselben des Vorstehenden Bruder, der k. k. Oesterreichische General der Cavallerie Herr Johann Sigismund, Reichsgraf von Reisch, des k. k. Maria-Theresia-Verdienst-Ordens-Ritter, Inhaber des 6. Dragonerregiments. Auch er unterhielt den von seinen Ahnen gepflegten Garten auf das Beste und es erfreute sich letztrer zu jener Zeit eines so ausgebreiteten Rufes, dass aus der Nähe und Ferne alljährlich zahlreiche Besuchende durch ihn angezogen wurden, welche während des Sommers den Ort selbst sehr lebhaft machten.

Als Majoratsbesitzer folgte im Jahre 1821 dem Herrn General nach dessen Tode sein Sohn Franz Siegismund, Reichsgraf von Reisch, k. k. Oesterreichischer Rittmeister von der Armee und königl. baierischer Kammerherr, der im Jahre 1833 zu Dresden starb, und übernahm nunmehr wegen Minderjährigkeit dessen hinterlassenen Sohnes, die Vormundschaft über die hiesigen Güter Herr Christian Graf und Edler zu Lippe Biesterfeld, Weissenfeld auf Teichnitz, Nieder-Gurig, welcher dieselbe 7 Jahre lang führte und durch die unermüdete Thätigkeit und Sorgfalt ebensowohl die er seinen Geschäften widmete, als durch die Huld und Milde, welche er bewiess, allgemein die dankbarste Erinnerung zurückgelassen hat.

Am 8. April 1840 trat der gegenwärtige Majoratsherr, Herr Franz Theodor, Reichsgraf von Reisch, in die Jahre der Volljährigkeit ein und übernahm nunmehr die väterlichen Besitzungen selbst, wobei sämmtlich Unterthanen ihn feierlichst einholten, um dadurch ihre Freude[WS 4] über das Ereigniss des Tages, ebensowohl, als die Gefühle der Treue und Verehrung, womit sie ihren nunmehrigen Herren begrüssten, auszudrücken.

Der jedesmalige Besitzer von Neschwitz ist Collator der Kirche und Schule von Meschwitz. Zu dem Parochialverbande gehören die Dörfer: Neschwitz, Neudorf, Lowske, Lischen, Holsche, Holsch-Dubrau, Unligau, Krinitz, Quoos, Wintrau, Puschwitz, Neu-Puschwitz, Guhra, Lauske, Neu-Lauske, Jessnitz, Neu-Jessnitz, Dobroschitz, Kastlau, Eystrich, Musendorf, Zischa, Kammerau, Luga, Neu-Luga, Gross-Brösern, Klein-Brösern, Nieder-Uhne, Drey-Kratzscham, Weidlich, Pammwitz, Loge, Saritzsch und Milkwitz.

[240] Der Nähe wegen sind die Dörfer Milkwitz, Gross- und Klein-Brösern in die Nebenschule zu Gross-Welka 1 Parochie St. Michaelis in Budissin gewiesen.

Milkwitz ist wie oben schon erwähnt ein sehr kleiner Ort und zählt ausser dem Dominium 1 Mühle und 7 Häuslerwohnungen, im Ganzen sind 48 Einwohner hier, worunter 31 Evangelische sich befinden.

Die Pertinenzorte Gross- und Klein-Brösern, wendisch Welki Tschjesdejen und Maly Tschjesdejen bestehen aus 7 Garten- und 4 Häuslerwohnungen und 4 Häusern, Nieder-Uhna, wendisch Dolny Manjou umfasst 6 Halb-Bauern, 1 Gärtner, 2 Häusler mit 20 Einwohnern. Zwei andere in Nieder-Uhna gelegene, aber unter das Rittergut Ober-Uhna gehörige Bauergüter sind nach Göda eingepfarrt; während die übrigen zur Kirche nach Meschwitz gehören.

Eine Eigenthümlichkeit der Parochie ist, dass in derselben, mehr als in irgend einer andern, Protestanten und Katholiken untermischt leben und bilden die letzteren in einigen Dörfern die Mehrzahl.

Die ganze Parochie umfasst 34 Dörfer. Durch ein Rescript im Jahre 1809 wurde die völlige Einpfarrung der Dörfer Milkwitz, Gross- und Klein-Brösern, sowie Nieder-Ahne Milkwitzer Antheils nach Meschwitz entschieden, wogegen früher diese Dörfer beliebig nach Göde sich hielten und in der neueren Zeit ist vollends das schwankende und unsichere, welches früher in den hiesigen Parochialverhältnissen stattfand, gehoben worden.

Hauptbeschäftigung der Bewohner von Milkwitz ist ein wenig Acker- und Feldbau, und nebenbei Tagelohn.

Die Einwohner gehören jetzt zum Gerichtsamte Königswartha während sie früher unter der Majoratsherrschaft von Meschwitz standen.

Die Schicksale des Orts anlangend so litt derselbe im 7jährigen Kriege bedeutend durch Brandschatzungen der österreichischen und preussischen Truppen, vorzüglich durch das nahe Lager von Meschwitz. Eben so traurig war das Jahr 1813 für hiesige Gegend. Mögen derartige trübe Zeiten nicht wiederkehren.

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[Ξ]
Kottmarsdorf
[Ξ]
Klein - Schweidnitz
[Ξ]
Halbendorf
[Ξ]
Milkwitz

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: 1691
  2. Vorlage: Sunde
  3. Vorlage: stammt
  4. Vorlage: Freunde
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