Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen III. Section/H21

Heft 20 des Lausitzer Kreises Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen von Gustav Adolf Poenicke (Hrsg.), Moritz Grimmel.
Heft 21 der Section Markgrafenthum Oberlausitz
Heft 22 des Lausitzer Kreises
Die Beschreibungen sind auch als Einzeltexte verfügbar unter:
  1. Malschwitz
  2. Ober-Ullersdorf
  3. Lautitz
  4. Malsitz


[161]
Malschwitz


wendisch Maleschetzy, von dem wendischen Worte Maleny, Himbeeren entlehnt, liegt 2 Stunden nordöstlich von Bautzen an der, von dieser Stadt nach Niesky und Sagan führenden Strasse. Der Ort selbst besteht aus 2 Theilen, Ober- und Nieder-Malschwitz, welche auch 2 Gemeinden bilden und in deren jedem 1 Rittergut ist.

An der Stelle, wo jetzt der sogenannte Oberhof sich befindet, stand in früheren Zeiten ein Kloster. An diesen obern Hof stösst jetzt noch ein Garten mit einem Pavillon und die dasigen Wirthschaftsgebäude sind in gutem Zustande. Das in der Abbildung zu erblickende Herrenhaus steht im Niederhof, welches massiv und geräumig gebaut ist, an welches sich bequem eingerichtete Wirthschaftsgebäude reihen.

Beide Güter hatten früher ihre besonderen Besitzer, bis solche im Jahre 1756 in die Hand eines Besitzers kamen, des Herrn von Metzrad, während Nieder-Malschwitz vorher und in der früheren Zeit in den Händen der Familie von Nostitz sich befand.

Im Jahre 1773 wurden beide Güter von dem Churf. Sächs. Conferenzminister Andreas, Graf von Schall-Riaucour gekauft und von demselben zu dem von ihm gestifteten Majorate, dessen Hauptsitz Gaussig ist, geschlagen.

Dermaliger Majoratsherr ist Herr Carl, Graf von Schall-Riaucour, ein Enkel des Vorgenannten.

Zu der Besitzung gehörte als Pertinenzort bis hieher das 2 Stunden entfernt gelegene aus 20 Häusern und 80 Einwohnern bestehende Krumbförstchen, auch Kronförstchen, wendisch Kschina Borschiz genannt.

Die Oeconomie des Gutes ist nicht unbedeutend und in den besten Jahren in allen Zweigen zu einer ungemeinen Vollkommenheit gebracht worden. Die dazu gehörigen Teiche sind ihrer guten Karpfen wegen weit und breit berühmt.

Auf einem hoch gelegenen Ritterguts-Felde entdeckte man im Jahre 1777 beim Ackern einige Urnen und einen heidnischen Begräbnissplatz. − Die einzelnen Besitzer von Malschwitz haben sich durch Vermächtnisse und Legate um Kirche und Schule und um die dasigen Orts-Armen stets sehr verdient gemacht. Schon im Jahre 1753 hat der frühere Obrist-Lieutenant und Klostervoigt von Marienstern Hans Karl von Metzrad für die wendischen Armen 420 Thlr. als ein unbezahltes Kapital auf dem Oberhof mit jährlicher Verzinsung von 21 Prc. legirt, welche letztere am Neujahrstage folgendermassen vertheilt werden: 1) erhält der Pfarrer einen Thaler; 2) sollen vier der ärmsten Wittwenkinder frei in die Schule gehen und mit Büchern versehen und nach der Confirmation mit einem wendischen Gesangbuche beschenkt werden. Eben so erhalten die hiesigen Armen alle Jahre am 30. Nov. 50 Thaler [162] von 360 Thalern Zinsen, welche der am 28. Oct. 1794 verstorbene Besitzer von Malschwitz, Andreas Graf von Riaucour legirt hat und wovon überhaupt 320 Thaler seine wendischen Unterthanen, und 40 Thaler die katholischen Armen zu Bautzen erhalten.

Auch die Kirche hat Liebesgaben edler Herzen aufzuweisen: Christiane C. verw. Neumann aus Malschwitz legirte im Jahre 1832 ein Capital von 100 Thlr. und der frühere Pastor Schirach ebenfalls 100 Thlr., dass das Kirchenvermögen im Ganzen 1000 Thlr. beträgt.

Die Kirche selbst steht mitten im Dorfe von Häusern umgeben. Sie ist ein geräumiges Gebäude mit hölzernen Thurm. Die Erbauung derselben in ihrer jetzigen Gestalt fällt ins Jahr 1716, nachdem durch ein am 12. April 1715, Freitags vor Palmarum Abends 9 Uhr, in der alten Schenke ausgebrochenes Feuer die ältere kleine Kirche nebst Schule, und den sämmtlichen Wohn- und Wirtschaftsgebäuden von Nieder-Malschwitz, sowie mit 14 Bauergütern ein Raub der Flammen geworden war.

Das Kirchspiel Malschwitz bildet erst seit dem Jahre 1839 eine abgerundete Parochie. Früher gehörten dazu blos die Orte Plisskowitz, Doberschütz, der Doberschützer Antheil von Briesing und Krumbförstchen. Jetzt sind noch dazu gepfarrt: Nieder-Gurig, Klein-Dubrau, Lubas, Teschütz, Quatitz.

Ausserdem halten sich noch zur hiesigen Kirche die meisten protestantischen Bewohner des, in die katholische Kirche zu U. L. Frauen in Bautzen eingepfarrten Dorfes Dahlowilz, so wie einige Bewohner des zu der katholischen Parochie Radibor gehörigen Ortes Gross-Dubrau.

Die Feier der kirchlichen Vereinigung aller dieser vorgenannten Orte fand am 1sten Sonntag n. Trin. den 2. Juni 1839 statt. An diesem Tage früh nach 7 Uhr ging die hiesige Schuljugend und erwachsene weibliche Jugend begleitet vom Pfarrer und den beiden Schullehrern in festlichem Zuge, an den sich die herrschaftlichen Pächter und Beamten von Malschwitz und Pliesskowitz, die Gerichtspersonen und Gemeinderäthe der eingepfarrten Orte anschlossen, gefolgt von einer unzähligen Menge Einheimischer und Auswärtiger, denen häufig die Zähre der Rührung in dem heiteren Antlitze zitterte, den neuen Gemeinden bis auf die Hälfte des Weges nach Nieder-Gurig entgegen.

Auf einem freien grünen Platze harrten letztere mit ihrer festlich geschmückten Jugend der ihnen Entgegenkommenden. Nach Schliessung eines grossen Kreises wurde ein Vers unter Begleitung von Posaunen gesungen, worauf der Pfarrer den Anwesenden einen Bewillkommnungsgruss zurief, und zwar erst in deutscher, dann in wendischer Sprache, und sie dann aufforderte, mit ihm und ihren Mitchristen in das gemeinschaftliche Gotteshaus zu wallen. Hierauf setzte sich der Zug in Bewegung, an der Spitze die Kinder der 3 Schulen der Parochie, sodann die erwachsene Jugend, auf welche Pfarrer und Schullehrer einhertraten, denen sich die Erwachsenen anschlossen. Während des Zuges schien der Himmel selbst seine Freude über das Fest bezeugen zu wollen; denn trübe Wetterwolken theilten sich und die Sonne in milder Morgenluft schien freundlich herab und stimmte Gemüther und Herzen höher. Mit Posaunenklang und Sang erreichten die vereinigten Gemeinden die Kirche. Nach erfolgtem Eintritt in dieselbe begann der Gottesdienst nach der hier üblichen Liturgie zuerst in wendischer Sprache.

Die Ansprache des Pfarrers wurde in deutscher und wendischer Sprache gehalten und auf die Erfordernisse einer wahrhaft christlichen Gemeinde aufmerksam gemacht. Den Schluss der Festlichkeit machte der Gesang des Liedes: „Nun danket alle Gott.“

Das Andenken an diese Festlichkeit wurde noch ausserdem durch schöne reiche Geschenke wach zu erhalten gesucht, und so die Bürgschaft mehr gewährt, dass eine engere geistige Verbindung nur wohlthuend für die Menschheit wirken muss.

Das nach Malschwitz mit eingepfarrte ¼ Stunde entfernte Pliesskowitz wird von einer Menge von Hügeln begrenzt, welche gute Granitsteinbrüche enthalten und auf denen der sogenannte Teufelsstein, ein freier, aus 3 Theilen bestehender Felsen liegt, von welchem die schauerlichsten Geschichten von jeher erzählt worden sind.

Diese Felsenparthie ist nicht mit dem 1½ Stunde nördlich von Johanngeorgenstadt auf der linken Seite des Schwarzwassers gelegenen Teufelstein zu verwechseln. Dieser Fels hat die Gestalt einer alten Burgruine: denn man nimmt Spuren von Fenstern, Thüren und Bogen wahr. Er steigt, gleich einer Treppe von der einen Seite zu beträchtlicher Höhe auf und senkt sich auch so auf der andern Seile wieder hinab.

[163] Doch genug hiervon. Wir werden in diesem Album bei Beschreibung einer Ritterburg des Erzgebirges darauf wieder zurückkommen.

Malschwitz, Ober- und Nieder-Malschwitz zählt zusammen 162 Nummern, worunter 8 Bauern, 11 Grossgärtner, 11 Kleingärtner, 53 Häusler und 2 Mühlen sich befinden. Die Bewohner, welche eine Zahl von 639 ausmachen, leben meistenteils vom Ackerbau und der Viehzucht.

Ober- und Nieder-Malschwitz ist jetzt dem Gerichtsamte Bautzen einverleibt, und mithin auch den übrigen höhern Behörden dieses Ortes zugewiesen.

M. G.     




Ober-Ullersdorf


irrthümlich in neuerer Zeit mit dem Namen Ober-Ullersdorf II. bezeichnet und als solches in das Grund- und Hypothekenbuch des Appellationsgerichts Bautzen eingetragen, ist das eigentliche Ober-Ullersdorf I. Deshalb hat auch der dermalige Besitzer des Gutes gegen den Eintrag in das Grund- und Hypothekenbuch Protest erhoben, worüber die Entscheidung noch schwebt.

Zum Gute Ober-Ullersdorf gehörte noch in früherer Zeit ein Vorwerk, das Buschvorwerk genannt, welches mit der Standesherrschaft Reibersdorf consolidirt worden ist und desshalb als Ober-Ullersdorf I. bezeichnet wird. Auf alle Fälle wird das sogenannte Buschvorwerk einen andern Namen erhalten, und darüber das Nöthige in dem dem hiesigen Album später noch beizugebenden Supplement-Band gesagt werden.

Zunächst haben wir uns daher mit dem Hauptgute Ober-Ullersdorf zu beschäftigen.

Den Namen soll es erhalten haben von dem, einen Theil des Dorfes durchfliessenden Ullersbache, welcher sich vor Zittau mit der Neisse vereinigt. Die Gründung des Ortes wird sehr verschieden angegeben. Eine Gewissheit ist es, dass solcher schon im 15. Jahrhunderte existirte. Der sächsische Theil des Dorfes umfasst ein bedeutendes Rittergut − ausser dem sogenannten Schlösschen, einst der Rittersitz, jetzt ein Gesellschaftshaus mit einem zu geselligen Vergnügungen passenden Garten − dem daran grenzenden herrschaftlichen Wirthschaftshof mit seinen Wohngebäuden, ausserdem noch 199 Feuerstellen, worunter Pfarr- und Schulgebäude, der Gerichtskretzscham, 19 Bauergüter, 31 Gärtner und 146 Häusler-Wohnungen gezählt werden.

Das zur Standesherrschaft Reibersdorf geschlagene Buschvorwerk wurde früher ebenfalls zur Dorfmarkung gerechnet, welches an der Strasse nach Reibersdorf gelegen ist.

Die Bewohner von Ober-Ullersdorf, weit über 1000 Seelen, sind, wenige ausgenommen, Protestanten und beschäftigen sich theils mit Ackerbau, theils mit Weberei, theils mit andern Handarbeiten. Der böhmische Theil des Dorfes, schlechthin Ullersdorf genannt, zählt ungefähr halb so viel Haus-Nummern und Einwohner, welche dieselben Geschäfte, wie die in Ober-Ullersdorf treiben. Hier sind durchgängig Katholiken, welche in das böhmische Städtchen Grottau eingepfarrt sind. In früherer Zeit gehörten sie mit zur hiesigen Kirche und ihre Todten wurden bis 1809 auf den Kirchhof zu Ober-Ullersdorf begraben. In neuerer Zeit sind die Leichenbegängnisse von Ullersdorf der Grottauischen Kirche gänzlich zugewiesen. [164] Die Besitzer von Ober-Ullersdorf lassen sich erst mit Bestimmtheit vom Jahre 1570 ermitteln, wo Erasmus von Gersdorf damit beliehen war.

Nach ihm folgten Hans von Gersdorf, Barthel von Gersdorf. Im Jahre 1586 war Erb-, Lehn- und Gerichtsherr der Sohn des Erasmus von Gersdorf, welcher ebenfalls den Vornamen „Erasmus“ führte. Nach dessen im Jahre 1631 erfolgtem Ableben erbten es dessen hinterlassene Töchter, von welchem es 1651 Heinrich von Heffter, churfürstl. sächs. Gegenhändler und zuletzt Bürgermeister in Zittau erkaufte. Im Jahre 1663 acquirirte dies Gut Melchior Caspar Winkler, von welchem es 1677 dessen Wittwe: Anna Margarethe geb. Eichler übernahm. Letztere überliess dasselbe im Jahre 1679 ihrem zweiten Gatten, Gustav Friedrich Schmeiss von Ehrenpreisberg, churfürstl. sächs. Kammerjunker und hannoverschen Kapitain, durch welchen es an Johann Adolph Schmeiss von Ehrenpreisberg im Jahre 1691 kam, dessen Kinder es von seinem im Jahre 1729 erfolgten Ableben bis 1738 behaupteten.

Die Letzteren überliessen Ober-Ullersdorf an Johann Ernst von Kyau auf Giessmannsdorf, Friedersdorf und Sommerau. Im Jahre 1751 finden wir Johann Rudolph von Rodewitz, churfürstl. sächs. Kammerherrn, als Besitzer verzeichnet, von welchem es 1773 der churfürstl. sächs. Geheime Cabinets-Minister, Johann Georg Friedrich Graf von Einsiedel erwarb. Von Letzterem übernahm das Gut dessen Sohn Johann Georg, königl. sächs. wirklicher Geheimer Rath, der es im Jahre 1832 an seine Schwester, Fräulein Charlotte Sophie Gräfin von Einsiedel auf Grosshennersdorf, Berthelsdorf, Creba u. s. w. verkaufte. Von Letzterer erkaufte es der Standesherr der Standesherrschaft Reibersdorf, Graf Curt von Einsiedel, von welchem es der dermalige Besitzer, Herr F. G. Bering, im Jahre 1849 erkaufte, wogegen Herr Verkäufer das früher dazu gehörige Buschvorwerk behielt, um es später mit der Standesherrschaft Reibersdorf consolidiren zu lassen.

Der Besitzer von Ober-Ullersdorf ist auch Collator über die dasige Kirche und Schule, welches Recht in den früheren Zeiten nach vielen Kämpfen und Streitigkeiten mit der Herrschaft Grafenstein und des böhmischen Antheils von Ullersdorf Herr Erasmus von Gersdorf, der grosse Freund des Protestantismus, errungen hat.

Die Kirche zu Ober-Ullersdorf liegt auf einer freundlichen Anhöhe: Dieselbe ist klein und war ursprünglich blos eine Kapelle. Ihr Inneres hat nicht viel Bemerkenswerthes. Das Wichtigste davon ist ein am Bogen des Chors gegen das Schiff zu befindliches Gemälde, welches den im Jahre 1621 verstorbenen Erasmus von Gersdorf in Lebensgrösse darstellt. Auf der entgegengesetzten Seite der Kirche, ebenfalls im Bogen des Chors befindet sich ein Herrn Johann Ernst von Kyaus und seiner Gattin gewidmetes werthvolles Epitaphium.

Nicht ganz im richtigen Verhältnisse mit dieser Kirche steht der mit ihr verbundene hohe, grosse und starke Thurm, von welchem man eine herrliche Aussicht geniesst.

Eingepfarrt in die hiesige Kirche ist das mit Ober-Ullersdorf zusammenhangende Luptin, sonst ein Vorwerk, jetzt 2 Güter mit einem Besitzer, welches der Rath zu Zittau ist. Der andere hierher eingekirchte Ort ist Klein-Poritzsch. Hinsichtlich der Taufen, Trauungen und Begräbnisse ist der Ort der Zittauer Parochie einverleibt. Bis zum Jahre 1835 gehörte auch Zittel ein kleines bei Friedersdorf gelegenes Dorf zur Ober-Ullersdorfer Parochie; die grosse Entfernung der Zittler von hiesiger Kirche und der Umstand, dass sie längst schon in das ganz nahe Friedersdorf eingeschult waren, bewogen die Patronatsherrschaft zu Ober-Ullersdorf, den Bitten der Zittler nach Friedersdorf auch eingepfarrt zu werden, nachzugeben.

Ober-Ullersdorf hat nur 1 Schule mit einem Lehrer und etwa 150 Schülern und Schülerinnen. Eingeschult ist blos das oben erwähnte Luptin.

Ober-Ullersdorf hatte sich stets des Glückes zu erfreuen gute und menschenfreundliche Gerichtsherrschaften zu haben, welche nur für das Wohl ihrer Unterthanen bedacht waren. Auch der jetzige Herr Besitzer hat sich seine Vorbesitzer zum Muster genommen und wetteifert mit ihnen in Wohlthun und im Schaffen des Guten und Schönen.

Nicht unerwähnt ist endlich zu lassen, dass in Ober-Ullersdorf ein Bier gebraut wird, welches weit und breit wegen seiner vorzüglichen Güte berühmt ist, so dass die hiesige Brauerei mit jedem andern derartigen Etablissement in die Schranken treten kann.

M. G.     



[165]
Lautitz


wendisch Wuwoczizy, in einer der anmuthigsten Gegenden der Oberlausitz, an dem Löbauer-Wasser, 2 Stunden nördlich von Löbau gegen Weissenberg gelegen, ein schon von den Milzenern erbauter Ort, eben so alt wie das nahe Kittlitz.

Kittlitz wie Lautitz hatten schon frühzeitig ihre Schlösser, deren erste Besitzer von den Orten den Namen entlehnten. In späterer Zeit, namentlich schon im 13. Jahrhundert, besass Lautitz die Familie von Gersdorf aus dem Hause Baruth, welche 1527 auch Kittlitz erhielt, indem am 17. September gedachten Jahres Ferdinand König von Böhmen denen 7 Brüdern von Gersdorf, Caspar, George, Christoph, Rudolph, Hans, Getsche und Melchior die Lehn über ihre weitläufigen Besitzungen bestätigte. Diese Herren von Gersdorf waren in damaliger Zeit auch eifrig bemüht, das Lutherthum in dasiger Gegend einzuführen.

Im Jahre 1566 besass Lautitz Hans Erasmus von Gersdorf, welchem zu dieser Zeit die Direction des Kirchthurm-Baues zu Kittlitz übertragen war, über welchen Bau später die eingepfarrten Herrschaften in Prozess geriethen. Dieses Prozesses und der in diese Zeit fallenden Pest wegen ist dieser Bau 40 Jahre liegen geblieben. Im Jahre 1598 am Sonntage vor Petri und Pauli ist durch einen Gewitterschlag dieser Thurm sammt Kirche ruinirt worden und nun haben im Jahre 1606 und 1607 die Gebrüder von Gersdorf, Hans Joachim von Gersdorf auf Lautitz und Kaspar von Gersdorf auf Kittlitz die Kirche sammt dem Thurme wieder aufgebaut. Besonders hat Herr von Gersdorf auf Lautitz mit vorzüglicher Sorgfalt der Kirche sich angenommen und die Glocken auf den Thurm bringen lassen, welche vorher nur in einem Glockenhause hingen.

Im Jahre 1617 finden wir in Lautitz Christoph von Gersdorf, welcher auch Wehrsdorf acquirirte. Letzterer hinterliess Lautitz wie Wehrsdorf seiner Gemahlin Frau Ursula geb. von Minkwitz, welche 1656 das Rittergut Wehrsdorf in ein Erb-, Spill- und Kunkel-Lehn verwandeln und hier ein herrschaftliches Wohngebäude mit einem grossen Schlossgarten erbauen liess.

Seiner Mutter Ursula geb. von Minkwitz folgte im Besitze von Lautitz deren Sohn Christian Selig von Gersdorf, welcher es bis gegen Ende des 17. Jahrhunderts besass. Dann übernahm das Gut Hans Wenzel von Gersdorf, von welchem es auf dessen Sohn Gottlob Rudolph von Gersdorf überging, während sein Bruder Hans Wenzel von Gersdorf Wehrsdorf besass. Von Letzterem erbte der Besitzer von Lautitz mit seinem Bruder Heinrich Adolph von Gersdorf auf Kittlitz gedachtes Rittergut Wehrsdorf im Jahre 1743. Jedoch schon einige Jahre darauf, und zwar 1748 überliess der Besitzer von Lautitz Gottlob Rudolph von Gersdorf seinen Antheil von Wehrsdorf seinem gedachten Bruder auf Kittlitz um und für die Summe von 11,000 Thaler. Dieser Herr Gottlob Rudolph, auch Gottlob Ehrenreich von Gersdorf genannt ist derselbe, welcher der Schützengesellschaft zu Weissenberg am 28. Mai 1741 200 Thlr. zur Unterstützung ihres jährlichen Schiessfestes bestimmte. Merkwürdig ist die Klausel der Schenckungsurkunde, dass die Beschenkten sich verpflichten sollen, jeden Bartholomäi Jahrmarkte, als am Kirchweih-Jahrmarkte, demjenigen Herrn von Gersdorf, der an demselben zu Mittag speisen würde, eine Kanne des besten zu bekommenden Weines und einen Kuchen zu präsentiren, nach welcher Bestimmung sich auch alle Jahre genau gerichtet worden ist.

Dem Gottlob Rudolph oder Gottlob Ehrenreich von Gersdorf succedirte der Kammerjunker und Verweser des Fräuleinstifts zu Joachimstein, [166] Herr Johann Ernst von Gersdorf, von welchem es nach dessen Ableben auf seine Gemahlin überging.

An die Gersdorfsche Familie, welche durch die weibliche Linie mit der von Wattewilschen, mit der Graf Hohenthalschen und zur Lippe in Verwandtschaft gekommen ist, wird der Besucher von Lautitz durch viele Denkmale erinnert. Ein steinernes Monument auf der kleinen Insel im Fluss gilt derselben hochachtbaren Familie.

Zu Anfang dieses Jahrhunderts kam Lautitz an die Familie von Nostitz, welche sich bis zum Jahre 1841 im Besitze dieses Gutes behauptet hat. Dann acquirirte dasselbe der Kammerherr von Erdmannsdorf auf Schönfeld bei Radeberg, welcher es 1843 an Herrn F. W. Schneider, Oberamtmann in Preussen verkaufte. Letzterer überliess es schon 1846 anderweit kaufsweise Herrn von Alten, von welchem es Kaufmann Büttner aus Löbau acquirirte. Dieser besass das Gut bis zum Jahre 1855, wo es derselbe an den durch seine praktisch betriebene Oeconomie berühmt gewordenen Rittergutspachter F. W. Giessner in Kittlitz mittelst Verkaufs abtrat. Leider konnte Herr Giessner nicht lange sich des Glückes erfreuen, Besitzer von Lautitz zu sein. Ein Sturz vom Pferde endete sein thatenreiches Leben am 21. Mai 1857 und die gegenwärtigen Besitzer von Lautitz sind Herrn Giessners Erben.

Die Ansicht von Lautitz bietet ein herrliches Bild. Das schöne massive Herrenhaus mit zweckmässigen Wirthschaftsgebäuden, vortrefflichen Gartenanlagen ist eine Zierde hiesiger Gegend.

Das Gut hinsichtlich seines Complexes ist nicht unbedeutend, hat vortreffliche angelegte Felder gute Wiesen und gut bestandenen Waldboden.

Zu Lautitz gehört das Lehngut Mauschnitz oder Mauschwitz, so wie Alt- und Neu-Cunnewitz.

Der Ort Lautitz, welcher jetzt mit Cunnewitz und Mauschwitz anth. zum Gerichtsamte Löbau gehört, hat 32 bewohnte Gebäude, 40 Familienhaushaltungen und 233 Einwohner; Alt- und Neu-Cunnewitz 22 bewohnte Gebäude mit 110 Bewohnern und Mauschwitz enthält 8 Häuser mit 52 Seelen.

Die Einwohner leben grösstentheils von der Viehzucht, doch giebt es auch verschiedene Handwerker, vorzüglich Weber. Die ganze hiesige Gegend ist eine sehr anmuthige. Denn das hier vorüberfliessende sogenannte Löbauer Wasser wird von romantischen Ufern eingeschlossen.

Lautitz ist mit Grossdehsa, Tauernick, Peschen, Eiserode, Nechan, Breitendorf, Lauche, Carlsbrunn, halb Wohla, Unwürde, Georgewitz, Wendisch-Paulsdorf, Wendisch-Kunnersdorf, halb Rosenhain, Zoblitz, Bollwitz, Oppeln, Klein-Radmeritz, Glossen, Alt- und Neu-Cunnewitz und Haasenberg nach Kittlitz eingepfarrt und alle diese Orte, die grösstentheils besondere Rittersitze bilden, gehörten im 16. Jahrhundert der von Gersdorfschen Familie.

Durch den Einbruch der Pest im Jahre 1566 und durch das Zusammentreffen mehrer anderer grosser Unglücksfälle in hiesiger Gegend kamen die eingepfarrten Orte ausser Kittlitz, Lautitz und Nostitz in fremde Hände.

Die hiesige Gegend ist historisch-merkwürdig geworden durch das Scharmützel vom Jahre 1594. Sonnabends vor Quasimodogeniti gedachten Jahres zogen mit vielen Kriegsleuten Herzog Franz und Herzog Joachim Carl von Braunschweig hier durch.

In Kittlitz, Breitendorf und den umliegenden Ortschaften kam es zwischen Bewohnern und Militair zu Thätlichkeiten, welche in sofern einen ernstlichen Charakter angenommen haben müssen, als in diesem kleinen Treffen auf Seite der Soldaten 23 Todte und 6 kurz darauf verstorbene Blessirte sich befanden. Auf Seiten der Landleute fand durch einen Schuss seinen Tod Junker Franz von Zschetzowitz auf Oppeln.

Kittlitz und die ½ Stündchen von diesem Orte entfernte Scaale, ein der sächsischen Schweiz nahe kommender Punkt und die ganze übrige Gegend bis Lautitz bieten dem Reisenden und den Bewohnern Löbaus herrliche Orte des Beschauens, des Bewunderns und des Vergnügens.

M. G.     



[167]
Malsitz


wendisch Mawssezy, ¾ Stunden nördlich von Bautzen zwischen Oehna und Nimschütz an der Spree gelegen, welche aus einem überbauten Brunnen bei dem Dorfe Gersdorf an der böhmischen Grenze der Oberlausitz entspringt, von da nach den 8 Häusern und Langengrund nördlich bis Ebersbach, dann nach Neusalza über Friedersdorf westlich, und in dieser Richtung über Fugau, Taubenheim und Wehrsdorf fliesst, dann bis Bautzen eine ganz nördliche Richtung nimmt und bis dahin die Orte Sohland, Schirgiswalde, Calenberg, Betewitz, Postewitz, Döbschwitz, Schlunkwitz, Grabschütz und Preiswitz berührt. Von Bautzen aus ist ihr Lauf nördlich und kommt bei Saydau, Oehna und Malsitz vorüber, wo sie dann bei Nimschütz mehr eine östliche Beugung annimmt.

Der Ort Malsitz liegt am nördlichen Abhange eines spitzen Hügels, am linken Flussufer, wogegen das Rittergut mit seinen herrlichen Gebäuden in der Tiefe steht.

Der Ort selbst kommt schon im Jahre 931 vor. Ein Schloss soll erst später hier erbaut worden sein. Der Erbauer desselben ist jedoch nicht bekannt. Nur so viel steht fest, dass Malsitz zuerst den Burggrafen von Bautzen gehörte, worauf es an einen Herrn von Baruth, bekannt als Bischof Bruno II. von Meissen, kam.

Erst später wurde die von Ziegler’sche Familie damit beliehen, deren Stammvater Wigand von Ziegler auf Räcknitz war, welcher schon 1320 gelebt hat. Bei dieser Familie ist das Gut Malsitz bis ins 19. Jahrhundert verblieben.

Die letzten Besitzer dieses Geschlechts waren zunächst Gottlob Ehrenreich von Ziegler und Klipphausen, dem Friedrich Wilhelm von Ziegler und Klipphausen folgte, welcher am 21. April 1792 in Malsitz verstorben, aber nach Cunewalde beerdigt worden ist. Bis zu Ende der 20ger Jahre dieses Jahrhunderts war Erb-, Lehn- und Gerichtsherr der General-Major und General-Adjutant von Ziegler und Klipphausen, so dass diese im wahren Sinne des Wortes hochadliche Familie über 500 Jahre im Besitze von Malsitz war.

Bis vor zwei Jahren war dann Herr Kaufmann W. B. Müller aus Zittau mit dem Gute beliehen, welcher es dann an C. L. Löser verkauft hat, der solches noch besitzt.

Das hiesige Rittergut ist bedeutend und vermöge seiner Lage in der sogenannten goldenen Aue ist der Wiesenbau vortrefflich zu nennen, auch die Feldwirtschaft ist nicht unergiebig. Vom Schlosse aus führen überall hin Alleen und die reizenden Ufer der Spree liefern herrliche Ansichten dem Beschauer.

Zum Rittergute gehörten auch bis hierher Brane und Merka, wie Antheile von Nimschütz und Zeschütz. Ausserdem ist Luttowitz mit einem besondern Herrenhofe ein Vorwerk von Malsitz.

Malsitz zwischen Oehna und Nimschütz liegt im Bereiche der Bautzner Schlacht und ist deshalb mit vielen Nachbarorten an traurigen Reminiscenzen reich.

Die nicht weit von hier entfernten Krekwitzer Spitzberge, welche den Schlüssel von Blüchers Stellung bildeten, sind berühmt geworden durch die Bautzner Schlacht. Nachdem Barkley von Blücher abgeschnitten und Reynier bei Gleina im Rücken der Verbündeten angekommen war, so dass nun Blücher die Durchbrechung des Centrums zu fürchten hatte, wenn er noch mehr Truppen an den rechten Flügel abgäbe, so wurde um 4 Uhr Nachmittags der allgemeine Rückzug angeordnet.

[168] Das Heer verliess das durch 30 brennende Dörfer erleuchtete Schlachtfeld und der Sieg war allein hier der Tapferkeit der Franzosen zuzuschreiben.

Brane, von dem wendischen Worte Bron, die Waffe, liegt nur ¼ Stunde von Ratibor und ist wie Merka und Luttowitz dahin eingepfarrt, wogegen Malsitz, der Ort durch freiwilligen Anschluss, mit Ausschluss der Katholiken, zur St. Michaeliskirche in Bautzen sich hält.

Die Rittergutsherrschaft von Malsitz wird jedoch unter die Parochianen der Petrikirche zu Bautzen gerechnet.

Die 1838 errichtete Schule in Burk, unter der Collatur des Stadtraths von Bautzen, wird von den Kindern der Dörfer Burk, Niederkaina, Oehna, Königsmühle, Basankwitz, Nimschütz und Malsitz mit Neumalsitz besucht und besteht deren Zahl dermalen in 100 Seelen.

Malsitz soll in den frühesten Zeiten den Sitz eines Vehmgerichts gehabt haben. Denn Recht und öffentliche Sicherheit wurden im Mittelalter auch in der Oberlausitz durch Vehmgerichte gehandhabt, wovon die bis auf unsere Zeiten gekommenen üblichen Rügegerichte nur schwache Ueberreste waren. Jenes obbesagte Vehmgericht soll vom König Wenzel gestiftet gewesen und angewiesen worden sein, auf eben so schnelle als strenge Justiz zu sehen.

Vor der Vehme gab es in der Lausitz gewisse Befehlshaber, die im Lande an verschiedenen Punkten ihre Rolande gehabt haben.

An die Stelle der Vehmgerichte traten dann später die böhmischen Hofrichter, welche bis in die Mitte des 16. Jahrhunderts Landrichter hiessen. Die späteren Einrichtungen der Oberlausitz durch Einführung der Amts- und Gerichtsordnung vom König Matthias II. im Jahre 1611 sind als bekannt genug vorauszusetzen, als dass wir es für nöthig finden, uns weiter darüber zu verbreiten.

Die Bewohner von Malsitz beschäftigen sich sämmtlich mit der Viehzucht und dem Ackerbau, und der Boden belohnt ihren Fleiss reichlich, besonders in nicht zu nassen Jahren. Ihre Landgüter sind zwar nur klein und die Wohnungen mit wenigen Ausnahmen, nicht reich aussehend, beherbergen meist zufriedene Inwohner.

Specielle Nachrichten über die frühesten Schicksale der hiesigen Gegend und ihrer Bewohner finden sich nicht mehr auf. Man kann annehmen, dass, wenn auch in den Archiven der Rittersitze früher Etwas der Art vorhanden gewesen, dieses doch durch die alles zerstörenden Hussitten 1429–1431 mit untergegangen. Denn in dieser Schreckenszeit hat Malsitz von den kriegerischen durchziehenden rohen Horden viel gelitten, da in der Nähe von Malsitz mehrmals Lager aufgeschlagen waren und von da, alles verwüstend, gegen Bautzen zogen. Nicht weit von Malsitz nach Nieder-Gurig zu, liegt auf einem bedeutenden Hügel eine Schanze, welche heute noch die Hussittenschanze genannt wird.

Malsitz mit Neumalsitz, so wie Brehna, Merka, Nimschütz, Teschütz und Luttowitz gehören jetzt zum Gerichtsamte Bautzen und zu den übrigen Oberbehörden von dieser Stadt.

Malsitz ist ein kleiner Ort und besteht aus 21 bewohnten Gebäuden mit 122 Einwohnern.

M. G.     




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Malschwitz
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Ober - Ullersdorf, IUI:
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Lautitz
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Malsitz


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