Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen: Lautitz

Textdaten
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Autor: M. G.
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Titel: Lautitz
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aus: Markgrafenthum Oberlausitz, in: Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen. Band 3, Seite 165–166
Herausgeber: Gustav Adolf Poenicke
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Erscheinungsdatum: 1854–1861
Verlag: Expedition des Albums Sächsischer Rittergüter und Schlösser
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Commons und SLUB Dresden
Kurzbeschreibung: Beschreibung der Herrschaft Lautitz
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Lautitz


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Lautitz


wendisch Wuwoczizy, in einer der anmuthigsten Gegenden der Oberlausitz, an dem Löbauer-Wasser, 2 Stunden nördlich von Löbau gegen Weissenberg gelegen, ein schon von den Milzenern erbauter Ort, eben so alt wie das nahe Kittlitz.

Kittlitz wie Lautitz hatten schon frühzeitig ihre Schlösser, deren erste Besitzer von den Orten den Namen entlehnten. In späterer Zeit, namentlich schon im 13. Jahrhundert, besass Lautitz die Familie von Gersdorf aus dem Hause Baruth, welche 1527 auch Kittlitz erhielt, indem am 17. September gedachten Jahres Ferdinand König von Böhmen denen 7 Brüdern von Gersdorf, Caspar, George, Christoph, Rudolph, Hans, Getsche und Melchior die Lehn über ihre weitläufigen Besitzungen bestätigte. Diese Herren von Gersdorf waren in damaliger Zeit auch eifrig bemüht, das Lutherthum in dasiger Gegend einzuführen.

Im Jahre 1566 besass Lautitz Hans Erasmus von Gersdorf, welchem zu dieser Zeit die Direction des Kirchthurm-Baues zu Kittlitz übertragen war, über welchen Bau später die eingepfarrten Herrschaften in Prozess geriethen. Dieses Prozesses und der in diese Zeit fallenden Pest wegen ist dieser Bau 40 Jahre liegen geblieben. Im Jahre 1598 am Sonntage vor Petri und Pauli ist durch einen Gewitterschlag dieser Thurm sammt Kirche ruinirt worden und nun haben im Jahre 1606 und 1607 die Gebrüder von Gersdorf, Hans Joachim von Gersdorf auf Lautitz und Kaspar von Gersdorf auf Kittlitz die Kirche sammt dem Thurme wieder aufgebaut. Besonders hat Herr von Gersdorf auf Lautitz mit vorzüglicher Sorgfalt der Kirche sich angenommen und die Glocken auf den Thurm bringen lassen, welche vorher nur in einem Glockenhause hingen.

Im Jahre 1617 finden wir in Lautitz Christoph von Gersdorf, welcher auch Wehrsdorf acquirirte. Letzterer hinterliess Lautitz wie Wehrsdorf seiner Gemahlin Frau Ursula geb. von Minkwitz, welche 1656 das Rittergut Wehrsdorf in ein Erb-, Spill- und Kunkel-Lehn verwandeln und hier ein herrschaftliches Wohngebäude mit einem grossen Schlossgarten erbauen liess.

Seiner Mutter Ursula geb. von Minkwitz folgte im Besitze von Lautitz deren Sohn Christian Selig von Gersdorf, welcher es bis gegen Ende des 17. Jahrhunderts besass. Dann übernahm das Gut Hans Wenzel von Gersdorf, von welchem es auf dessen Sohn Gottlob Rudolph von Gersdorf überging, während sein Bruder Hans Wenzel von Gersdorf Wehrsdorf besass. Von Letzterem erbte der Besitzer von Lautitz mit seinem Bruder Heinrich Adolph von Gersdorf auf Kittlitz gedachtes Rittergut Wehrsdorf im Jahre 1743. Jedoch schon einige Jahre darauf, und zwar 1748 überliess der Besitzer von Lautitz Gottlob Rudolph von Gersdorf seinen Antheil von Wehrsdorf seinem gedachten Bruder auf Kittlitz um und für die Summe von 11,000 Thaler. Dieser Herr Gottlob Rudolph, auch Gottlob Ehrenreich von Gersdorf genannt ist derselbe, welcher der Schützengesellschaft zu Weissenberg am 28. Mai 1741 200 Thlr. zur Unterstützung ihres jährlichen Schiessfestes bestimmte. Merkwürdig ist die Klausel der Schenckungsurkunde, dass die Beschenkten sich verpflichten sollen, jeden Bartholomäi Jahrmarkte, als am Kirchweih-Jahrmarkte, demjenigen Herrn von Gersdorf, der an demselben zu Mittag speisen würde, eine Kanne des besten zu bekommenden Weines und einen Kuchen zu präsentiren, nach welcher Bestimmung sich auch alle Jahre genau gerichtet worden ist.

Dem Gottlob Rudolph oder Gottlob Ehrenreich von Gersdorf succedirte der Kammerjunker und Verweser des Fräuleinstifts zu Joachimstein, [166] Herr Johann Ernst von Gersdorf, von welchem es nach dessen Ableben auf seine Gemahlin überging.

An die Gersdorfsche Familie, welche durch die weibliche Linie mit der von Wattewilschen, mit der Graf Hohenthalschen und zur Lippe in Verwandtschaft gekommen ist, wird der Besucher von Lautitz durch viele Denkmale erinnert. Ein steinernes Monument auf der kleinen Insel im Fluss gilt derselben hochachtbaren Familie.

Zu Anfang dieses Jahrhunderts kam Lautitz an die Familie von Nostitz, welche sich bis zum Jahre 1841 im Besitze dieses Gutes behauptet hat. Dann acquirirte dasselbe der Kammerherr von Erdmannsdorf auf Schönfeld bei Radeberg, welcher es 1843 an Herrn F. W. Schneider, Oberamtmann in Preussen verkaufte. Letzterer überliess es schon 1846 anderweit kaufsweise Herrn von Alten, von welchem es Kaufmann Büttner aus Löbau acquirirte. Dieser besass das Gut bis zum Jahre 1855, wo es derselbe an den durch seine praktisch betriebene Oeconomie berühmt gewordenen Rittergutspachter F. W. Giessner in Kittlitz mittelst Verkaufs abtrat. Leider konnte Herr Giessner nicht lange sich des Glückes erfreuen, Besitzer von Lautitz zu sein. Ein Sturz vom Pferde endete sein thatenreiches Leben am 21. Mai 1857 und die gegenwärtigen Besitzer von Lautitz sind Herrn Giessners Erben.

Die Ansicht von Lautitz bietet ein herrliches Bild. Das schöne massive Herrenhaus mit zweckmässigen Wirthschaftsgebäuden, vortrefflichen Gartenanlagen ist eine Zierde hiesiger Gegend.

Das Gut hinsichtlich seines Complexes ist nicht unbedeutend, hat vortreffliche angelegte Felder gute Wiesen und gut bestandenen Waldboden.

Zu Lautitz gehört das Lehngut Mauschnitz oder Mauschwitz, so wie Alt- und Neu-Cunnewitz.

Der Ort Lautitz, welcher jetzt mit Cunnewitz und Mauschwitz anth. zum Gerichtsamte Löbau gehört, hat 32 bewohnte Gebäude, 40 Familienhaushaltungen und 233 Einwohner; Alt- und Neu-Cunnewitz 22 bewohnte Gebäude mit 110 Bewohnern und Mauschwitz enthält 8 Häuser mit 52 Seelen.

Die Einwohner leben grösstentheils von der Viehzucht, doch giebt es auch verschiedene Handwerker, vorzüglich Weber. Die ganze hiesige Gegend ist eine sehr anmuthige. Denn das hier vorüberfliessende sogenannte Löbauer Wasser wird von romantischen Ufern eingeschlossen.

Lautitz ist mit Grossdehsa, Tauernick, Peschen, Eiserode, Nechan, Breitendorf, Lauche, Carlsbrunn, halb Wohla, Unwürde, Georgewitz, Wendisch-Paulsdorf, Wendisch-Kunnersdorf, halb Rosenhain, Zoblitz, Bollwitz, Oppeln, Klein-Radmeritz, Glossen, Alt- und Neu-Cunnewitz und Haasenberg nach Kittlitz eingepfarrt und alle diese Orte, die grösstentheils besondere Rittersitze bilden, gehörten im 16. Jahrhundert der von Gersdorfschen Familie.

Durch den Einbruch der Pest im Jahre 1566 und durch das Zusammentreffen mehrer anderer grosser Unglücksfälle in hiesiger Gegend kamen die eingepfarrten Orte ausser Kittlitz, Lautitz und Nostitz in fremde Hände.

Die hiesige Gegend ist historisch-merkwürdig geworden durch das Scharmützel vom Jahre 1594. Sonnabends vor Quasimodogeniti gedachten Jahres zogen mit vielen Kriegsleuten Herzog Franz und Herzog Joachim Carl von Braunschweig hier durch.

In Kittlitz, Breitendorf und den umliegenden Ortschaften kam es zwischen Bewohnern und Militair zu Thätlichkeiten, welche in sofern einen ernstlichen Charakter angenommen haben müssen, als in diesem kleinen Treffen auf Seite der Soldaten 23 Todte und 6 kurz darauf verstorbene Blessirte sich befanden. Auf Seiten der Landleute fand durch einen Schuss seinen Tod Junker Franz von Zschetzowitz auf Oppeln.

Kittlitz und die ½ Stündchen von diesem Orte entfernte Scaale, ein der sächsischen Schweiz nahe kommender Punkt und die ganze übrige Gegend bis Lautitz bieten dem Reisenden und den Bewohnern Löbaus herrliche Orte des Beschauens, des Bewunderns und des Vergnügens.

M. G.