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Lautitz


wendisch Wuwoczizy, in einer der anmuthigsten Gegenden der Oberlausitz, an dem Löbauer-Wasser, 2 Stunden nördlich von Löbau gegen Weissenberg gelegen, ein schon von den Milzenern erbauter Ort, eben so alt wie das nahe Kittlitz.

Kittlitz wie Lautitz hatten schon frühzeitig ihre Schlösser, deren erste Besitzer von den Orten den Namen entlehnten. In späterer Zeit, namentlich schon im 13. Jahrhundert, besass Lautitz die Familie von Gersdorf aus dem Hause Baruth, welche 1527 auch Kittlitz erhielt, indem am 17. September gedachten Jahres Ferdinand König von Böhmen denen 7 Brüdern von Gersdorf, Caspar, George, Christoph, Rudolph, Hans, Getsche und Melchior die Lehn über ihre weitläufigen Besitzungen bestätigte. Diese Herren von Gersdorf waren in damaliger Zeit auch eifrig bemüht, das Lutherthum in dasiger Gegend einzuführen.

Im Jahre 1566 besass Lautitz Hans Erasmus von Gersdorf, welchem zu dieser Zeit die Direction des Kirchthurm-Baues zu Kittlitz übertragen war, über welchen Bau später die eingepfarrten Herrschaften in Prozess geriethen. Dieses Prozesses und der in diese Zeit fallenden Pest wegen ist dieser Bau 40 Jahre liegen geblieben. Im Jahre 1598 am Sonntage vor Petri und Pauli ist durch einen Gewitterschlag dieser Thurm sammt Kirche ruinirt worden und nun haben im Jahre 1606 und 1607 die Gebrüder von Gersdorf, Hans Joachim von Gersdorf auf Lautitz und Kaspar von Gersdorf auf Kittlitz die Kirche sammt dem Thurme wieder aufgebaut. Besonders hat Herr von Gersdorf auf Lautitz mit vorzüglicher Sorgfalt der Kirche sich angenommen und die Glocken auf den Thurm bringen lassen, welche vorher nur in einem Glockenhause hingen.

Im Jahre 1617 finden wir in Lautitz Christoph von Gersdorf, welcher auch Wehrsdorf acquirirte. Letzterer hinterliess Lautitz wie Wehrsdorf seiner Gemahlin Frau Ursula geb. von Minkwitz, welche 1656 das Rittergut Wehrsdorf in ein Erb-, Spill- und Kunkel-Lehn verwandeln und hier ein herrschaftliches Wohngebäude mit einem grossen Schlossgarten erbauen liess.

Seiner Mutter Ursula geb. von Minkwitz folgte im Besitze von Lautitz deren Sohn Christian Selig von Gersdorf, welcher es bis gegen Ende des 17. Jahrhunderts besass. Dann übernahm das Gut Hans Wenzel von Gersdorf, von welchem es auf dessen Sohn Gottlob Rudolph von Gersdorf überging, während sein Bruder Hans Wenzel von Gersdorf Wehrsdorf besass. Von Letzterem erbte der Besitzer von Lautitz mit seinem Bruder Heinrich Adolph von Gersdorf auf Kittlitz gedachtes Rittergut Wehrsdorf im Jahre 1743. Jedoch schon einige Jahre darauf, und zwar 1748 überliess der Besitzer von Lautitz Gottlob Rudolph von Gersdorf seinen Antheil von Wehrsdorf seinem gedachten Bruder auf Kittlitz um und für die Summe von 11,000 Thaler. Dieser Herr Gottlob Rudolph, auch Gottlob Ehrenreich von Gersdorf genannt ist derselbe, welcher der Schützengesellschaft zu Weissenberg am 28. Mai 1741 200 Thlr. zur Unterstützung ihres jährlichen Schiessfestes bestimmte. Merkwürdig ist die Klausel der Schenckungsurkunde, dass die Beschenkten sich verpflichten sollen, jeden Bartholomäi Jahrmarkte, als am Kirchweih-Jahrmarkte, demjenigen Herrn von Gersdorf, der an demselben zu Mittag speisen würde, eine Kanne des besten zu bekommenden Weines und einen Kuchen zu präsentiren, nach welcher Bestimmung sich auch alle Jahre genau gerichtet worden ist.

Dem Gottlob Rudolph oder Gottlob Ehrenreich von Gersdorf succedirte der Kammerjunker und Verweser des Fräuleinstifts zu Joachimstein,

Empfohlene Zitierweise:
Gustav Adolf Pönicke (Hrsg.): Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen III. Section. Expedition des Albums Sächsischer Rittergüter und Schlösser, Leipzig 1854–1861, Seite 165. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_Ritterg%C3%BCter_und_Schl%C3%B6sser_im_K%C3%B6nigreiche_Sachsen_III.djvu/246&oldid=- (Version vom 2.10.2016)