Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen: Ober-Ullersdorf

Textdaten
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Autor: M. G.
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Titel: Ober-Ullersdorf
Untertitel:
aus: Markgrafenthum Oberlausitz, in: Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen. Band 3, Seite 163–164
Herausgeber: Gustav Adolf Poenicke
Auflage:
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Erscheinungsdatum: 1854–1861
Verlag: Expedition des Albums Sächsischer Rittergüter und Schlösser
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Commons und SLUB Dresden
Kurzbeschreibung: Beschreibung der Herrschaft Oberullersdorf
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Ober - Ullersdorf, IUI:


[163]
Ober-Ullersdorf


irrthümlich in neuerer Zeit mit dem Namen Ober-Ullersdorf II. bezeichnet und als solches in das Grund- und Hypothekenbuch des Appellationsgerichts Bautzen eingetragen, ist das eigentliche Ober-Ullersdorf I. Deshalb hat auch der dermalige Besitzer des Gutes gegen den Eintrag in das Grund- und Hypothekenbuch Protest erhoben, worüber die Entscheidung noch schwebt.

Zum Gute Ober-Ullersdorf gehörte noch in früherer Zeit ein Vorwerk, das Buschvorwerk genannt, welches mit der Standesherrschaft Reibersdorf consolidirt worden ist und desshalb als Ober-Ullersdorf I. bezeichnet wird. Auf alle Fälle wird das sogenannte Buschvorwerk einen andern Namen erhalten, und darüber das Nöthige in dem dem hiesigen Album später noch beizugebenden Supplement-Band gesagt werden.

Zunächst haben wir uns daher mit dem Hauptgute Ober-Ullersdorf zu beschäftigen.

Den Namen soll es erhalten haben von dem, einen Theil des Dorfes durchfliessenden Ullersbache, welcher sich vor Zittau mit der Neisse vereinigt. Die Gründung des Ortes wird sehr verschieden angegeben. Eine Gewissheit ist es, dass solcher schon im 15. Jahrhunderte existirte. Der sächsische Theil des Dorfes umfasst ein bedeutendes Rittergut − ausser dem sogenannten Schlösschen, einst der Rittersitz, jetzt ein Gesellschaftshaus mit einem zu geselligen Vergnügungen passenden Garten − dem daran grenzenden herrschaftlichen Wirthschaftshof mit seinen Wohngebäuden, ausserdem noch 199 Feuerstellen, worunter Pfarr- und Schulgebäude, der Gerichtskretzscham, 19 Bauergüter, 31 Gärtner und 146 Häusler-Wohnungen gezählt werden.

Das zur Standesherrschaft Reibersdorf geschlagene Buschvorwerk wurde früher ebenfalls zur Dorfmarkung gerechnet, welches an der Strasse nach Reibersdorf gelegen ist.

Die Bewohner von Ober-Ullersdorf, weit über 1000 Seelen, sind, wenige ausgenommen, Protestanten und beschäftigen sich theils mit Ackerbau, theils mit Weberei, theils mit andern Handarbeiten. Der böhmische Theil des Dorfes, schlechthin Ullersdorf genannt, zählt ungefähr halb so viel Haus-Nummern und Einwohner, welche dieselben Geschäfte, wie die in Ober-Ullersdorf treiben. Hier sind durchgängig Katholiken, welche in das böhmische Städtchen Grottau eingepfarrt sind. In früherer Zeit gehörten sie mit zur hiesigen Kirche und ihre Todten wurden bis 1809 auf den Kirchhof zu Ober-Ullersdorf begraben. In neuerer Zeit sind die Leichenbegängnisse von Ullersdorf der Grottauischen Kirche gänzlich zugewiesen. [164] Die Besitzer von Ober-Ullersdorf lassen sich erst mit Bestimmtheit vom Jahre 1570 ermitteln, wo Erasmus von Gersdorf damit beliehen war.

Nach ihm folgten Hans von Gersdorf, Barthel von Gersdorf. Im Jahre 1586 war Erb-, Lehn- und Gerichtsherr der Sohn des Erasmus von Gersdorf, welcher ebenfalls den Vornamen „Erasmus“ führte. Nach dessen im Jahre 1631 erfolgtem Ableben erbten es dessen hinterlassene Töchter, von welchem es 1651 Heinrich von Heffter, churfürstl. sächs. Gegenhändler und zuletzt Bürgermeister in Zittau erkaufte. Im Jahre 1663 acquirirte dies Gut Melchior Caspar Winkler, von welchem es 1677 dessen Wittwe: Anna Margarethe geb. Eichler übernahm. Letztere überliess dasselbe im Jahre 1679 ihrem zweiten Gatten, Gustav Friedrich Schmeiss von Ehrenpreisberg, churfürstl. sächs. Kammerjunker und hannoverschen Kapitain, durch welchen es an Johann Adolph Schmeiss von Ehrenpreisberg im Jahre 1691 kam, dessen Kinder es von seinem im Jahre 1729 erfolgten Ableben bis 1738 behaupteten.

Die Letzteren überliessen Ober-Ullersdorf an Johann Ernst von Kyau auf Giessmannsdorf, Friedersdorf und Sommerau. Im Jahre 1751 finden wir Johann Rudolph von Rodewitz, churfürstl. sächs. Kammerherrn, als Besitzer verzeichnet, von welchem es 1773 der churfürstl. sächs. Geheime Cabinets-Minister, Johann Georg Friedrich Graf von Einsiedel erwarb. Von Letzterem übernahm das Gut dessen Sohn Johann Georg, königl. sächs. wirklicher Geheimer Rath, der es im Jahre 1832 an seine Schwester, Fräulein Charlotte Sophie Gräfin von Einsiedel auf Grosshennersdorf, Berthelsdorf, Creba u. s. w. verkaufte. Von Letzterer erkaufte es der Standesherr der Standesherrschaft Reibersdorf, Graf Curt von Einsiedel, von welchem es der dermalige Besitzer, Herr F. G. Bering, im Jahre 1849 erkaufte, wogegen Herr Verkäufer das früher dazu gehörige Buschvorwerk behielt, um es später mit der Standesherrschaft Reibersdorf consolidiren zu lassen.

Der Besitzer von Ober-Ullersdorf ist auch Collator über die dasige Kirche und Schule, welches Recht in den früheren Zeiten nach vielen Kämpfen und Streitigkeiten mit der Herrschaft Grafenstein und des böhmischen Antheils von Ullersdorf Herr Erasmus von Gersdorf, der grosse Freund des Protestantismus, errungen hat.

Die Kirche zu Ober-Ullersdorf liegt auf einer freundlichen Anhöhe: Dieselbe ist klein und war ursprünglich blos eine Kapelle. Ihr Inneres hat nicht viel Bemerkenswerthes. Das Wichtigste davon ist ein am Bogen des Chors gegen das Schiff zu befindliches Gemälde, welches den im Jahre 1621 verstorbenen Erasmus von Gersdorf in Lebensgrösse darstellt. Auf der entgegengesetzten Seite der Kirche, ebenfalls im Bogen des Chors befindet sich ein Herrn Johann Ernst von Kyaus und seiner Gattin gewidmetes werthvolles Epitaphium.

Nicht ganz im richtigen Verhältnisse mit dieser Kirche steht der mit ihr verbundene hohe, grosse und starke Thurm, von welchem man eine herrliche Aussicht geniesst.

Eingepfarrt in die hiesige Kirche ist das mit Ober-Ullersdorf zusammenhangende Luptin, sonst ein Vorwerk, jetzt 2 Güter mit einem Besitzer, welches der Rath zu Zittau ist. Der andere hierher eingekirchte Ort ist Klein-Poritzsch. Hinsichtlich der Taufen, Trauungen und Begräbnisse ist der Ort der Zittauer Parochie einverleibt. Bis zum Jahre 1835 gehörte auch Zittel ein kleines bei Friedersdorf gelegenes Dorf zur Ober-Ullersdorfer Parochie; die grosse Entfernung der Zittler von hiesiger Kirche und der Umstand, dass sie längst schon in das ganz nahe Friedersdorf eingeschult waren, bewogen die Patronatsherrschaft zu Ober-Ullersdorf, den Bitten der Zittler nach Friedersdorf auch eingepfarrt zu werden, nachzugeben.

Ober-Ullersdorf hat nur 1 Schule mit einem Lehrer und etwa 150 Schülern und Schülerinnen. Eingeschult ist blos das oben erwähnte Luptin.

Ober-Ullersdorf hatte sich stets des Glückes zu erfreuen gute und menschenfreundliche Gerichtsherrschaften zu haben, welche nur für das Wohl ihrer Unterthanen bedacht waren. Auch der jetzige Herr Besitzer hat sich seine Vorbesitzer zum Muster genommen und wetteifert mit ihnen in Wohlthun und im Schaffen des Guten und Schönen.

Nicht unerwähnt ist endlich zu lassen, dass in Ober-Ullersdorf ein Bier gebraut wird, welches weit und breit wegen seiner vorzüglichen Güte berühmt ist, so dass die hiesige Brauerei mit jedem andern derartigen Etablissement in die Schranken treten kann.

M. G.