Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen: Malschwitz

Textdaten
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Autor: M. G.
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Titel: Malschwitz
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aus: Markgrafenthum Oberlausitz, in: Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen. Band 3, Seite 161–163
Herausgeber: Gustav Adolf Poenicke
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Erscheinungsdatum: 1854–1861
Verlag: Expedition des Albums Sächsischer Rittergüter und Schlösser
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Commons und SLUB Dresden
Kurzbeschreibung: Beschreibung der Herrschaft Malschwitz
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Malschwitz


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Malschwitz


wendisch Maleschetzy, von dem wendischen Worte Maleny, Himbeeren entlehnt, liegt 2 Stunden nordöstlich von Bautzen an der, von dieser Stadt nach Niesky und Sagan führenden Strasse. Der Ort selbst besteht aus 2 Theilen, Ober- und Nieder-Malschwitz, welche auch 2 Gemeinden bilden und in deren jedem 1 Rittergut ist.

An der Stelle, wo jetzt der sogenannte Oberhof sich befindet, stand in früheren Zeiten ein Kloster. An diesen obern Hof stösst jetzt noch ein Garten mit einem Pavillon und die dasigen Wirthschaftsgebäude sind in gutem Zustande. Das in der Abbildung zu erblickende Herrenhaus steht im Niederhof, welches massiv und geräumig gebaut ist, an welches sich bequem eingerichtete Wirthschaftsgebäude reihen.

Beide Güter hatten früher ihre besonderen Besitzer, bis solche im Jahre 1756 in die Hand eines Besitzers kamen, des Herrn von Metzrad, während Nieder-Malschwitz vorher und in der früheren Zeit in den Händen der Familie von Nostitz sich befand.

Im Jahre 1773 wurden beide Güter von dem Churf. Sächs. Conferenzminister Andreas, Graf von Schall-Riaucour gekauft und von demselben zu dem von ihm gestifteten Majorate, dessen Hauptsitz Gaussig ist, geschlagen.

Dermaliger Majoratsherr ist Herr Carl, Graf von Schall-Riaucour, ein Enkel des Vorgenannten.

Zu der Besitzung gehörte als Pertinenzort bis hieher das 2 Stunden entfernt gelegene aus 20 Häusern und 80 Einwohnern bestehende Krumbförstchen, auch Kronförstchen, wendisch Kschina Borschiz genannt.

Die Oeconomie des Gutes ist nicht unbedeutend und in den besten Jahren in allen Zweigen zu einer ungemeinen Vollkommenheit gebracht worden. Die dazu gehörigen Teiche sind ihrer guten Karpfen wegen weit und breit berühmt.

Auf einem hoch gelegenen Ritterguts-Felde entdeckte man im Jahre 1777 beim Ackern einige Urnen und einen heidnischen Begräbnissplatz. − Die einzelnen Besitzer von Malschwitz haben sich durch Vermächtnisse und Legate um Kirche und Schule und um die dasigen Orts-Armen stets sehr verdient gemacht. Schon im Jahre 1753 hat der frühere Obrist-Lieutenant und Klostervoigt von Marienstern Hans Karl von Metzrad für die wendischen Armen 420 Thlr. als ein unbezahltes Kapital auf dem Oberhof mit jährlicher Verzinsung von 21 Prc. legirt, welche letztere am Neujahrstage folgendermassen vertheilt werden: 1) erhält der Pfarrer einen Thaler; 2) sollen vier der ärmsten Wittwenkinder frei in die Schule gehen und mit Büchern versehen und nach der Confirmation mit einem wendischen Gesangbuche beschenkt werden. Eben so erhalten die hiesigen Armen alle Jahre am 30. Nov. 50 Thaler [162] von 360 Thalern Zinsen, welche der am 28. Oct. 1794 verstorbene Besitzer von Malschwitz, Andreas Graf von Riaucour legirt hat und wovon überhaupt 320 Thaler seine wendischen Unterthanen, und 40 Thaler die katholischen Armen zu Bautzen erhalten.

Auch die Kirche hat Liebesgaben edler Herzen aufzuweisen: Christiane C. verw. Neumann aus Malschwitz legirte im Jahre 1832 ein Capital von 100 Thlr. und der frühere Pastor Schirach ebenfalls 100 Thlr., dass das Kirchenvermögen im Ganzen 1000 Thlr. beträgt.

Die Kirche selbst steht mitten im Dorfe von Häusern umgeben. Sie ist ein geräumiges Gebäude mit hölzernen Thurm. Die Erbauung derselben in ihrer jetzigen Gestalt fällt ins Jahr 1716, nachdem durch ein am 12. April 1715, Freitags vor Palmarum Abends 9 Uhr, in der alten Schenke ausgebrochenes Feuer die ältere kleine Kirche nebst Schule, und den sämmtlichen Wohn- und Wirtschaftsgebäuden von Nieder-Malschwitz, sowie mit 14 Bauergütern ein Raub der Flammen geworden war.

Das Kirchspiel Malschwitz bildet erst seit dem Jahre 1839 eine abgerundete Parochie. Früher gehörten dazu blos die Orte Plisskowitz, Doberschütz, der Doberschützer Antheil von Briesing und Krumbförstchen. Jetzt sind noch dazu gepfarrt: Nieder-Gurig, Klein-Dubrau, Lubas, Teschütz, Quatitz.

Ausserdem halten sich noch zur hiesigen Kirche die meisten protestantischen Bewohner des, in die katholische Kirche zu U. L. Frauen in Bautzen eingepfarrten Dorfes Dahlowilz, so wie einige Bewohner des zu der katholischen Parochie Radibor gehörigen Ortes Gross-Dubrau.

Die Feier der kirchlichen Vereinigung aller dieser vorgenannten Orte fand am 1sten Sonntag n. Trin. den 2. Juni 1839 statt. An diesem Tage früh nach 7 Uhr ging die hiesige Schuljugend und erwachsene weibliche Jugend begleitet vom Pfarrer und den beiden Schullehrern in festlichem Zuge, an den sich die herrschaftlichen Pächter und Beamten von Malschwitz und Pliesskowitz, die Gerichtspersonen und Gemeinderäthe der eingepfarrten Orte anschlossen, gefolgt von einer unzähligen Menge Einheimischer und Auswärtiger, denen häufig die Zähre der Rührung in dem heiteren Antlitze zitterte, den neuen Gemeinden bis auf die Hälfte des Weges nach Nieder-Gurig entgegen.

Auf einem freien grünen Platze harrten letztere mit ihrer festlich geschmückten Jugend der ihnen Entgegenkommenden. Nach Schliessung eines grossen Kreises wurde ein Vers unter Begleitung von Posaunen gesungen, worauf der Pfarrer den Anwesenden einen Bewillkommnungsgruss zurief, und zwar erst in deutscher, dann in wendischer Sprache, und sie dann aufforderte, mit ihm und ihren Mitchristen in das gemeinschaftliche Gotteshaus zu wallen. Hierauf setzte sich der Zug in Bewegung, an der Spitze die Kinder der 3 Schulen der Parochie, sodann die erwachsene Jugend, auf welche Pfarrer und Schullehrer einhertraten, denen sich die Erwachsenen anschlossen. Während des Zuges schien der Himmel selbst seine Freude über das Fest bezeugen zu wollen; denn trübe Wetterwolken theilten sich und die Sonne in milder Morgenluft schien freundlich herab und stimmte Gemüther und Herzen höher. Mit Posaunenklang und Sang erreichten die vereinigten Gemeinden die Kirche. Nach erfolgtem Eintritt in dieselbe begann der Gottesdienst nach der hier üblichen Liturgie zuerst in wendischer Sprache.

Die Ansprache des Pfarrers wurde in deutscher und wendischer Sprache gehalten und auf die Erfordernisse einer wahrhaft christlichen Gemeinde aufmerksam gemacht. Den Schluss der Festlichkeit machte der Gesang des Liedes: „Nun danket alle Gott.“

Das Andenken an diese Festlichkeit wurde noch ausserdem durch schöne reiche Geschenke wach zu erhalten gesucht, und so die Bürgschaft mehr gewährt, dass eine engere geistige Verbindung nur wohlthuend für die Menschheit wirken muss.

Das nach Malschwitz mit eingepfarrte ¼ Stunde entfernte Pliesskowitz wird von einer Menge von Hügeln begrenzt, welche gute Granitsteinbrüche enthalten und auf denen der sogenannte Teufelsstein, ein freier, aus 3 Theilen bestehender Felsen liegt, von welchem die schauerlichsten Geschichten von jeher erzählt worden sind.

Diese Felsenparthie ist nicht mit dem 1½ Stunde nördlich von Johanngeorgenstadt auf der linken Seite des Schwarzwassers gelegenen Teufelstein zu verwechseln. Dieser Fels hat die Gestalt einer alten Burgruine: denn man nimmt Spuren von Fenstern, Thüren und Bogen wahr. Er steigt, gleich einer Treppe von der einen Seite zu beträchtlicher Höhe auf und senkt sich auch so auf der andern Seile wieder hinab.

[163] Doch genug hiervon. Wir werden in diesem Album bei Beschreibung einer Ritterburg des Erzgebirges darauf wieder zurückkommen.

Malschwitz, Ober- und Nieder-Malschwitz zählt zusammen 162 Nummern, worunter 8 Bauern, 11 Grossgärtner, 11 Kleingärtner, 53 Häusler und 2 Mühlen sich befinden. Die Bewohner, welche eine Zahl von 639 ausmachen, leben meistenteils vom Ackerbau und der Viehzucht.

Ober- und Nieder-Malschwitz ist jetzt dem Gerichtsamte Bautzen einverleibt, und mithin auch den übrigen höhern Behörden dieses Ortes zugewiesen.

M. G.