Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen: Malsitz

Textdaten
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Autor: M. G.
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Titel: Malsitz
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aus: Markgrafenthum Oberlausitz, in: Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen. Band 3, Seite 167–168
Herausgeber: Gustav Adolf Poenicke
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Erscheinungsdatum: 1854–1861
Verlag: Expedition des Albums Sächsischer Rittergüter und Schlösser
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Commons und SLUB Dresden
Kurzbeschreibung: Beschreibung der Herrschaft Malsitz
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Malsitz


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Malsitz


wendisch Mawssezy, ¾ Stunden nördlich von Bautzen zwischen Oehna und Nimschütz an der Spree gelegen, welche aus einem überbauten Brunnen bei dem Dorfe Gersdorf an der böhmischen Grenze der Oberlausitz entspringt, von da nach den 8 Häusern und Langengrund nördlich bis Ebersbach, dann nach Neusalza über Friedersdorf westlich, und in dieser Richtung über Fugau, Taubenheim und Wehrsdorf fliesst, dann bis Bautzen eine ganz nördliche Richtung nimmt und bis dahin die Orte Sohland, Schirgiswalde, Calenberg, Betewitz, Postewitz, Döbschwitz, Schlunkwitz, Grabschütz und Preiswitz berührt. Von Bautzen aus ist ihr Lauf nördlich und kommt bei Saydau, Oehna und Malsitz vorüber, wo sie dann bei Nimschütz mehr eine östliche Beugung annimmt.

Der Ort Malsitz liegt am nördlichen Abhange eines spitzen Hügels, am linken Flussufer, wogegen das Rittergut mit seinen herrlichen Gebäuden in der Tiefe steht.

Der Ort selbst kommt schon im Jahre 931 vor. Ein Schloss soll erst später hier erbaut worden sein. Der Erbauer desselben ist jedoch nicht bekannt. Nur so viel steht fest, dass Malsitz zuerst den Burggrafen von Bautzen gehörte, worauf es an einen Herrn von Baruth, bekannt als Bischof Bruno II. von Meissen, kam.

Erst später wurde die von Ziegler’sche Familie damit beliehen, deren Stammvater Wigand von Ziegler auf Räcknitz war, welcher schon 1320 gelebt hat. Bei dieser Familie ist das Gut Malsitz bis ins 19. Jahrhundert verblieben.

Die letzten Besitzer dieses Geschlechts waren zunächst Gottlob Ehrenreich von Ziegler und Klipphausen, dem Friedrich Wilhelm von Ziegler und Klipphausen folgte, welcher am 21. April 1792 in Malsitz verstorben, aber nach Cunewalde beerdigt worden ist. Bis zu Ende der 20ger Jahre dieses Jahrhunderts war Erb-, Lehn- und Gerichtsherr der General-Major und General-Adjutant von Ziegler und Klipphausen, so dass diese im wahren Sinne des Wortes hochadliche Familie über 500 Jahre im Besitze von Malsitz war.

Bis vor zwei Jahren war dann Herr Kaufmann W. B. Müller aus Zittau mit dem Gute beliehen, welcher es dann an C. L. Löser verkauft hat, der solches noch besitzt.

Das hiesige Rittergut ist bedeutend und vermöge seiner Lage in der sogenannten goldenen Aue ist der Wiesenbau vortrefflich zu nennen, auch die Feldwirtschaft ist nicht unergiebig. Vom Schlosse aus führen überall hin Alleen und die reizenden Ufer der Spree liefern herrliche Ansichten dem Beschauer.

Zum Rittergute gehörten auch bis hierher Brane und Merka, wie Antheile von Nimschütz und Zeschütz. Ausserdem ist Luttowitz mit einem besondern Herrenhofe ein Vorwerk von Malsitz.

Malsitz zwischen Oehna und Nimschütz liegt im Bereiche der Bautzner Schlacht und ist deshalb mit vielen Nachbarorten an traurigen Reminiscenzen reich.

Die nicht weit von hier entfernten Krekwitzer Spitzberge, welche den Schlüssel von Blüchers Stellung bildeten, sind berühmt geworden durch die Bautzner Schlacht. Nachdem Barkley von Blücher abgeschnitten und Reynier bei Gleina im Rücken der Verbündeten angekommen war, so dass nun Blücher die Durchbrechung des Centrums zu fürchten hatte, wenn er noch mehr Truppen an den rechten Flügel abgäbe, so wurde um 4 Uhr Nachmittags der allgemeine Rückzug angeordnet.

[168] Das Heer verliess das durch 30 brennende Dörfer erleuchtete Schlachtfeld und der Sieg war allein hier der Tapferkeit der Franzosen zuzuschreiben.

Brane, von dem wendischen Worte Bron, die Waffe, liegt nur ¼ Stunde von Ratibor und ist wie Merka und Luttowitz dahin eingepfarrt, wogegen Malsitz, der Ort durch freiwilligen Anschluss, mit Ausschluss der Katholiken, zur St. Michaeliskirche in Bautzen sich hält.

Die Rittergutsherrschaft von Malsitz wird jedoch unter die Parochianen der Petrikirche zu Bautzen gerechnet.

Die 1838 errichtete Schule in Burk, unter der Collatur des Stadtraths von Bautzen, wird von den Kindern der Dörfer Burk, Niederkaina, Oehna, Königsmühle, Basankwitz, Nimschütz und Malsitz mit Neumalsitz besucht und besteht deren Zahl dermalen in 100 Seelen.

Malsitz soll in den frühesten Zeiten den Sitz eines Vehmgerichts gehabt haben. Denn Recht und öffentliche Sicherheit wurden im Mittelalter auch in der Oberlausitz durch Vehmgerichte gehandhabt, wovon die bis auf unsere Zeiten gekommenen üblichen Rügegerichte nur schwache Ueberreste waren. Jenes obbesagte Vehmgericht soll vom König Wenzel gestiftet gewesen und angewiesen worden sein, auf eben so schnelle als strenge Justiz zu sehen.

Vor der Vehme gab es in der Lausitz gewisse Befehlshaber, die im Lande an verschiedenen Punkten ihre Rolande gehabt haben.

An die Stelle der Vehmgerichte traten dann später die böhmischen Hofrichter, welche bis in die Mitte des 16. Jahrhunderts Landrichter hiessen. Die späteren Einrichtungen der Oberlausitz durch Einführung der Amts- und Gerichtsordnung vom König Matthias II. im Jahre 1611 sind als bekannt genug vorauszusetzen, als dass wir es für nöthig finden, uns weiter darüber zu verbreiten.

Die Bewohner von Malsitz beschäftigen sich sämmtlich mit der Viehzucht und dem Ackerbau, und der Boden belohnt ihren Fleiss reichlich, besonders in nicht zu nassen Jahren. Ihre Landgüter sind zwar nur klein und die Wohnungen mit wenigen Ausnahmen, nicht reich aussehend, beherbergen meist zufriedene Inwohner.

Specielle Nachrichten über die frühesten Schicksale der hiesigen Gegend und ihrer Bewohner finden sich nicht mehr auf. Man kann annehmen, dass, wenn auch in den Archiven der Rittersitze früher Etwas der Art vorhanden gewesen, dieses doch durch die alles zerstörenden Hussitten 1429–1431 mit untergegangen. Denn in dieser Schreckenszeit hat Malsitz von den kriegerischen durchziehenden rohen Horden viel gelitten, da in der Nähe von Malsitz mehrmals Lager aufgeschlagen waren und von da, alles verwüstend, gegen Bautzen zogen. Nicht weit von Malsitz nach Nieder-Gurig zu, liegt auf einem bedeutenden Hügel eine Schanze, welche heute noch die Hussittenschanze genannt wird.

Malsitz mit Neumalsitz, so wie Brehna, Merka, Nimschütz, Teschütz und Luttowitz gehören jetzt zum Gerichtsamte Bautzen und zu den übrigen Oberbehörden von dieser Stadt.

Malsitz ist ein kleiner Ort und besteht aus 21 bewohnten Gebäuden mit 122 Einwohnern.

M. G.