Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen I. Section/H27

Heft 26 des Leipziger Kreises Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen von Gustav Adolf Poenicke (Hrsg.)
Heft 27 der Section Leipziger Kreis
Heft 28 des Leipziger Kreises
Die Beschreibungen sind auch als Einzeltexte verfügbar unter:
  1. Kleinmilkau
  2. Wolftitz
  3. Ossa
  4. Gepülzig


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Kleinmilkau


2 Stunden südöstlich von Rochlitz entfernt, in einer fruchtbaren Gegend gelegen, welche die herrlichsten Aussichten bietet.

Das dasige Rittergut ist von den Herren von Milkau gegründet, wie ebenfalls auch Grossmilkau. Nach der Reformation besassen es 1536 Caspar und Wolf von Milkau gemeinschaftlich, sowie 1652 Hans Heinrich von Milkau, 1653 Georg Wilhelm von Milkau, Churfürstl. Sächs. Oberst exisirten. Letzterer verkaufte 1679 das Gut an den Churfürstl. Sächs. bei den Ritterpferden bestellten Cornet von Alnpeck und dieser wieder 1710 an den Hauptmann Reichardt Friedrich von Schlieben, dessen Wittwe, Martha Sophia geb. Edle von der Planitz, dasselbe 1752 an den Bürgermeister, Kauf- und Handelsherrn zu Mittweyda, Johann Gottfried Lorenz anderweit käuflich überliess. Nach diesen ging es auf den berühmten Johann Gottfried Freiherrn von Lorenz über, und nach dessen Ableben übernahm es dessen Schwiegersohn, der Oberhofgerichtsrath Amts- und nachherige Kreishauptmann Heinrich Gottfried von Nitzschwitz auf Königsfeld, in dessen Namen es von 1815 an der Schwiegersohn, Herr Karl Friedrich August Freiherr von Keller auf Kitzscher, Weimar. Major, administrirte, bis es 1833 an obengenannten Herrn Johann Gottfried Rose verkauft wurde, welcher auch 1837 Grossmilkau acquirirte. Dem Rittergute standen bis zur Einführung der neuen Gerichtsorganisation Ober- und Untergerichte zu und Neumilkau gehörte dazu, welches heute noch nebst der sogenannten Fichtenmühle eine Gemeine ausmacht.

Grossmilkau wird von Kleinmilkau aus mit bewirthschaftet, und das Gut selbst ist dadurch nicht unbedeutend geworden. Das Rittergut selbst hat im Jahre 1773 die Schriftsässigkeit erlangt und wurde dasselbe in Erbe verwandelt.

So wenig wie die Zeit der Erbauung des Orts, lässt sich auch die Erbauung der Kirche in Grossmilkau angeben. Die Milkaus kamen schon im 13. Jahrhundert hieher, welche von Ungarn nach Sachsen geflüchtet waren und sich um die Cultivirung der hiesigen Gegend grosse Verdienste erworben haben.

Das Gut in Grossmilkau ist 1500 abgebrannt und seit dieser Zeit nicht wieder aufgebaut worden.

In Kleinmilkau ist im vorigen Jahrhundert das Rittergut, das Schänkengut und in späteren Zeiten, 1818, ein Haus ganz und das Nachbarhaus [210] zum Theil vom Feuer verheert worden, so wie 1526 ebenfalls ein Haus in Rauch aufging und am 28. Mai 1529 hat ein Blitz die Mühle entzündet, deren gänzlicher Untergang durch heftige Regengüsse bei mehrern, im südlichen Theile des Landes entstandenen Wolkenbrüchen abgewendet wurde.

Das im neuern Style in Kleinmilkau erbaute herrschaftliche Wohnhaus gewährt ein freundliches Bild.

Die Wirthschaftsgebäude sind im vortrefflichen Zustand und die Oeconomie des Guts nicht unbedeutend zu nennen.

Das Areal der ganzen Parochie enthält 1836 Acker, 154 Qu.-Ruthen und die Zahl der Steuereinheiten beläuft sich auf 40,412 Thlr. Die ganze Bevölkerung dagegen auf 1134 Seelen.

Die Parochie selbst ist in den neuesten Zeiten von der Ephorie Chemnitz, worunter sie ehedem bei einer Entfernung von 6 Stunden stand, abgetrennt und an die Ephorie Rochlitz gewiesen worden.

Die Herren von Milkau hatten früher auch einen grösseren Jurisdictionssprengel bei ihren Gütern: So z. B. war Zettlitz und Zschauitz denen von Milkau. Ernst Hiob von Milkau verkaufte 1588 das Gericht von Zschauitz als ein Zubehör von Zettlitz an den Churfürsten.

In Zschauitz wurde, nachdem der Heidenapostel Windfried (Bonifacius) aus England nach Deutschland herübergekommen war, um das Evangelium auszubreiten, zuerst durch Erbauung der Leonhardts-Capelle der Samen des göttlichen Wortes ausgebreitet. Sein Schüler und Begleiter, Lüdiger, welchen Manche Hugo Grafen von Käfernberg nennen, stiftete auch hier einen Confent von einigen Personen, welche die von ihm bekehrten Sorben-Wenden nicht nur im christlichen Glauben erhalten, sondern auch denselben weiter ausbreiten sollten. In der Kirche zu Selitz, welche er zu Ehren der heiligen Anna, der Mutter Maria, aufbauen liess, errichtete er ein wunderthätiges Marienbild. Dieses Selitz, welches mit den Besitzungen der Herren von Milkau genau zusammenhängt, da von Sachsendorf mehre Häusser in die Kirche nach Grossmilkau eingepfarrt sind, besitzt eine der ältesten und berühmtesten Kirchen Sachsens. Schon im 8. Jahrhundert stand dieselbe.

Diese Kirche ist mit 2 Thürmen geziert und wird weithin gesehen; sie gewährt auf der Mittag-, Abend- und Mitternachtseite eine reizende Aussicht und wird von überaus anmuthigen Thälern umgeben.

Die Pfade zu derselben sind rücksichtlich des vielfach durchschnittenen Terrains zwar zum Theil beschwerlich, aber auch sehr abwechselnd, ansprechend und erhebend für jedes den Schönheiten der Natur offne Herz. Der Besucher dieses Gotteshauses, er mag kommen oder gehen, fühlt sich mächtig, aber auch wohlthuend bei der Vorstellung des Allwaltenden ergriffen, der die Spuren seiner unendlichen Grösse und Liebe auf Berg und Thal finden lässt.

Wer sollte, bewahrt man nur seinen Fuss, wenn man zu diesem Hause Gottes geht, nicht in der Tiefe des Gemüths zu dem Anbetungswürdigen hingezogen sich fühlen, dessen Ehre in diesem Heiligthume wohnt.

Die Kirche zu Grossmilkau ist nicht so alt und hat zuerst 1783 eine Renovation erhalten, wo der Blitzstrahl dieselbe zerstört hatte. Ein völliger Neubau fand wegen der damals obwaltenden Differenzen mit dem damaligen Besitzer von Grossmilkau nicht statt, sondern da die alten Mauern stehen blieben, nur eine Veränderung der innerlichen Einrichtung.

Erst im Jahre 1828, wo der Blitz wieder diese Kirche traf, wurde dieselbe neu hergestellt und seit dieser Zeit hat sie ein freundliches Ansehen erhalten, so dass sie ebenfalls die hiesige Gegend ziert.

Kleinmilkau mit dem Rittergute, sowie 7 Gärtnern, 36 Häuslern, noch der Mahl- und Schneidemühle und einem Gemeindehause, gehört mit Grossmilkau zum Gerichtsamte Rochlitz. –



[211]
Wolftitz


2½ Stunden südsüdöstlich von Borna, ¼ Stunde südöstlich von Frohburg, 4½ Stunden von Penig, 2½ Stunden von Altenburg und Ceithayn, 1 von Kohren, an den Strassen von Leipzig nach Chemnitz, die jetzt verödet sind. In früheren Zeiten ging diese Strasse von Wolftitz aus durch den Streitwald über Kohren nach Penig.

Die Meereshöhe des Ortes beträgt gegen 450 Pariser Fuss und seine Lage ist sehr mild, da ihn in Ost und Nordost steile, obgleich nicht ausgezeichnete Höhen vor den rauhen Winden schützen. Diese Anhöhen setzen längs dem rechten Ufer der Wiehra in südlicher Richtung bis über Gnandstein hinauf fort und bilden nach Kohren hin, längs der Sprottau, ein niedriges aber stark coupirtes, mit dem Streitwalde bedecktes Gebirge. Der Name dieses Waldes ist von den Streitigkeiten über so vielfache Grenzen hergekommen. Das in diesem Walde befindliche Jägerhaus dient als Belustigungsort für die Umgegend von Kohren und Frohburg. Wenn dagegen in mehrern Topographieen eines Schlosses gedacht wird, welches 500 Schritte von diesem Jägerhause gestanden und Kunz von Kaufungen gehört haben soll, so ist dies unrichtig. Zwar findet sich an dieser Stelle ein ellipsenförmig gezogener Wall und Graben, ganz mit Bäumen überwachsen, allein dieser Platz ist ganz und gar nicht für eine Burg geeignet: Denn der Platz ist so enge, dass man sich darauf kaum eine ärmliche Hütte, geschweige eine Ritterwohnung denken kann. Auf alle Fälle stand hier nur eine Warte, und die Burg, die der Erde gleich gemacht worden ist, war auf irgend einem der zahlreichen Bergvorsprünge im Walde erbaut.

Südöstlich, nahe bei Wolftitz, beginnt die Rahne, ebenfalls ein ansehnlicher Wald, der südlich mit dem deutschen Holz, nördlich mit der Thräne und dem wiehraischen Holze zusammenhängt, und grösstentheils zu Frohburg gehört.

In die Wiehra fallen unter dem Dorfe der Osser Bach, und über demselben die Sprotta oder der Kohrener Bach, welcher ein romantisches Thal bildet.

Ueberhaupt fängt bei Wolftitz die Gegend, die noch von zweifelhafter Schönheit ist, erst an, reizend zu werden.

Wolftitz war schon im 12. Jahrhundert im Besitze der altadlichen Familie von Einsiedel: Denn wenn 1223 nur ein Dietrich von Wolftitz und 1337 ein Heinrich von Wolftitz genannt werden, so sind diese wohl als die Ahnherrn Derer von Einsiedel zu betrachten, da es üblich war, in jenen Zeiten nach den Vornamen und dem Orte sich zu benennen, um die einzelnen Linien zu unterscheiden. Jener Dietrich von Wolftitz war Domherr von Naumburg, und aus diesem Geschlechte stammen die Burggrafen von Zeitz. Die Hauptlinie dieser von Einsiedel ist in Gnandstein und Wolftitz, hat mit Gnandstein auch längere Zeit hindurch gleiche Besitzer. Vom 15. Jahrhundert an findet man im Schlosse zu Gnandstein die einzelnen Bildnisse der Besitzer von Gnandstein und Wolftitz.

Der jetzige Besitzer von Wolftitz ist Herr Detlew von Einsiedel.

Das Schloss umschliesst mit seinen Nebengebäuden einen besondern grossen Hof und besteht hauptsächlich aus 2 getrennten, 9 Fenster breiten Flügeln, davon der südliche ein Thürmchen trägt, der östliche aber die Schlosscapelle oder die sogenannte Betstube enthält.

Das Schloss ist von einem von Einsiedel schon vor der Reformation [212] gebaut und hat keine wesentliche Veränderung erfahren. Der südl. am Rittergute liegende Garten ist nicht eben sehr gross.

Der Oeconomie nach ist das Gut von mittelmässigen Belange und die veredelte Schäferei, deren Gebäude westlich vom Gute 1000 Schritt entfernt stehen, nebst der Brauerei, sind nicht beträchtlich. Dagegen hat es schöne bestandene und ansehnliche Holzungen, besonders Antheile an dem Streitwalde und der Rahne, sowie an der Bocke und dem deutschen Holze. Die früheren Nutzungen von der Gerichtsbarkeit und der Jagd u. s. w., waren ansehnlich, nicht so bedeutend die von der Fischerei.

Da Wolftitz eine Kirche nicht besitzt, so sind nur noch 3 Gebäude bemerkenswerth: Das sogenannte Geleitshaus, die Abtmühle und der neue Gasthof, welcher etwas abgelegen in der Gegend des Schlosses steht.

Die Abtmühle ist noch weiter und zwar nördlich vom Dorfe entlegen und nächst dabei steht ein, schon zu Frohburg gehöriges Haus. Ehedem war diese sehr wichtige Mühle herrschaftlich, ist aber gegen einen Erbzins von 200 Thlr. verkauft worden.

Merkwürdig ist sie dadurch, dass ihr Mühlgraben hoch genug gespannt ist, um – wie er wirklich thut – zweierlei Werke hintereinander, oberschlechtig treibt.

Eingepfarrt ist Wolftitz nach Gräfenhayn, dessen Kirche mit 2 egalen Thürmen die hiesige Gegend noch mehr ziert.

Wolftitz, das Rittergut, ist gleich den andern Gütern, welche schon zu Luthers Zeiten Einsiedelisch waren, frei vom Lehngeld, sowohl bei Verkäufen, als bei Vererbungen bis auf ½ Scheffel.

Unter die frühere Gerichtsbarkeit gehörten Wolftitz der Ort, ein Theil von Gräfenhayn und Eschefeld, und ein Theil von Bocke, wiewohl die Obergerichte im letztern[WS 1] Orte dem Altenburger Kreisamte zustanden, und nur die geistlichen Gebäude, 2 Halbhüfner und 3 Häusler dem Rittergute Wolftitz die Gerichtsbarkeit zustand.

Merkwürdig sind noch von Wolftitz der ⅜ Stunde von hier entfernte grosse Eschefelder oder Frohburger Teich und die südlich von hier gelegenen Gnandsteiner Jaspis und Porphyrbrüche. Der Stein ist unter dem Namen Bänderjaspis oder Gnandsteiner Bandstein bekannt. In dem thonartigen Gebirge liegt er in Lagen und Schichten von verschiedener Stärke, die fast alle von gleichem feinsten Kerne, aber von ungleicher Härte sind. Auf dem Bruche ist er muschligt, von Farbe hellgrün mit grünlichen gleichlaufenden schmalen Streifen und eingemengten dunkelrothen Flocken versehen, die sich, nebst den Streifen mit ihren Grenzen unmerklich mit einander verlieren. Die vortreffliche Politur die er annimmt, giebt ihm ein ausserordentlich schönes Ansehen.

Wolftitz enthält wenig Güter und darunter keins von Bedeutung, im Ganzen hat es 42 Häuser, worinnen 250 Einwohner leben, die dem Gerichtsamte Frohburg einverleibt sind.

M. G.     



[213]
Ossa


2¼ Stunde westsüdwestlich von Rochlitz, 1 Stunde südlich von Geithayn, 1¼ Stunde ostwärts von Kohren und 3 Stunden nordnordwestlich von Penig, in einer sehr anmuthigen, hügeligen, stark coupirten Gegend, welche durch eine Menge kleiner Holzungen sehr abwechselnd wird und ziemlich fruchtbar ist, zu beiden Seiten des Osser Baches, am Wege von Kohren nach Rochlitz, von 600 bis zu 700 Pariser Fuss über dem Meere.

Ossa ist ein sehr alter, von den Sorben erbauter Ort und ward später das Stammhaus derer von Ossa (oder Ossen), einer in Sachsen schon längst nicht mehr ansässigen Familie, welche das Gut bis zum 10. Mai 1570 besass.

Ein Hans von Ossa war 1482 im Besitze des Vorwerks Kleinganzig. Die Wappen derer von Ossa waren 3 rothe Kugeln im schwarzen Grunde und auf dem Helm ein Paar Adlerflügel. Auch der berühmte Melchior von Ossa wurde hier geboren. Von dem letzteren von Ossa kam das Rittergut an den Kanzler Dr. Wenzel von Neumann. Nachher acquirirten es die Herren von Schweinitz und dann die von Werdern, worauf Adolph Nicolaus Sahren von Sahr succedirte, von dem es 1703 Christoph aus dem Winkel übernahm. Dann folgte Hans Christoph von Wolfersdorf und diesem Wilhelm Christian von Brandenstein, worauf es die Familie Bastineller in Lehn erhielt.

Diese Familie stiftete ein schönes Stipendium, welches das Collegium Professorum in Leipzig conferirt.

Später übernahmen das Gut 3 Brüder von Bastineller. Unter diese wurde der Besitz des Rittergutes so getheilt, dass dem zuerst genannten die eine Hälfte, den beiden letzten dagegen die andere Hälfte angehörte.

Das Gut hat seine wohl eingerichteten Gebäude, welche ihrer sonderbarer Vertheilung wegen vier Höfe bilden, am steilen Abhange des Berges; mitten innen steht das 8 Fenster breite und gegen Nord 3 Geschoss hohe Herrenhaus, welches auf den Grund des alten Schlosses gebaut ist und einer angenehmen Aussicht geniesst. Die Schäferei ist nicht von so grosser Bedeutung. Das Gut hat aber nicht geringe Waldungen und schöne Fischerei.

Das Rittergut wurde unterm 12. Juni 1679 für schriftsässig erklärt und mit Ritterpferden verdient. Schriftsässig gehörten ganz Kolkau, Seifersdorf und der grössere Theil von Niederpirkenhayn dazu.

Die Kirche von Ossa steht dicht über dem Rittergut, auf einer steilen Höhe, gegen 40 Ellen über der Schmiede, und ist ein altes, aber nicht grosses Gebäude, dem aber der hohe Thurm ein grossartiges Ansehen verleiht. Sie steht auf einer hoch aufgebauten Terrasse. Hieher gepfarrt sind Bruchheim, Kolkau, Nieder- und Oberpirkenhayn, Seifersdorf und Wenig-Ossa oder Wink-Ossa.

Der Gottesacker ist weit von der Kirche durch den Rittergutsgarten davon getrennt am östlichen Ende des Dorfes.

[214] Die Pfarrwohnung steht der Kirche gegenüber, sie hat wenig Ansehen von aussen, ist innen aber gut und geräumig.

Die Collatur über Pfarre und Schule steht natürlich dem Rittergute zu. Eingepfarrt nach Ossa sind Bruchheim, Kolkau, Niederpirkenheyn, Oberpirkenheyn, Seifersdorf und Wenig-Ossa.

Unter den Mühlen ist die Holzmühle gegen Südost etwas abgelegen, die Niedermühle aber mit einer Bretmühle versehen und durch zwei nicht unbedeutende Rittergutsteiche vom Dorfe getrennt.

Die Unterthanen von Ossa haben fast gar kein Feld, sondern nur einige Pachtäcker. Sie nähren sich mit etwas Spinnerei und Weberei, übrigens aber mit Tagelöhnerei. Auch ist im obersten oder östlichsten Theile des Ortes ein Wirthshaus und im Thale eine Schmiede.

Der Osserbach entspringt in dem hochgelegenen Ort Moosdorf bei Wechselburg, wo er anfangs einen seichten Grund bildet. Er berührt auf seinem 3 Stunden langen, meist westlichen, bei Ossa aber fast nördlichen Laufe die Dörfer Seifersdorf, Ossa, Kolkau, Syhra und Thaisdorf. Hier tritt er bald in den Streitwald ein und mündet[WS 2], nachdem er sich mit der Sprotta vereinigt, bei Wolftitz in die Wiehra. Er treibt 6 Mühlen. Sein Thal ist überhaupt sehr anmuthig und zeigt gewöhnlich auf irgend einer Seite steile und bewaldete, auf der andern flach ansteigende Höhen, welche die lieblichsten Wiesen und hübsche Dörfer einschliessen.

Die Einwohner von Ossa, welche in 19 Häusern leben, gehören dem Gerichtsamte Geithain an.

Die meisten Häusler nähren sich von Handarbeit, die sie auf dem Rittergute finden, in Ossa giebt es unter ihnen auch mancherlei Handwerker.

Nachträglich ist noch zu erwähnen, dass in der Parochie 2 Schulhäuser, nämlich 1 zu Ossa und 1 zu Seifersdorf sich befinden. Das zu Ossa ist etwas über 100 Jahr alt und wurde vor einigen Jahren theilweise erneuert. Das zu Seifersdorf ward 1838 neu erbaut und am 16. October desselben Jahres eingeweiht. Zu dem gebildeten Schulbezirke gehört ausser Seifersdorf der nach Wickershain eingepfarrte Ort Narsdorf. Die Zahl der Kinder, welche die Schule zu Ossa besuchen, beträgt 133 und das Schulgeld ist auf 143 fixirt, wozu noch eine Entschädigung von 12 Thlr. für den Gregoriusumgang kommt.

Die Vereinsschule zu Seifersdorf wird von 63 Kindern besucht, worunter 40 aus Narsdorf.

Ehedem besass das Rittergut Ossa einzelne Güter und Gerechtsame in der nahe liegenden, zur Parochie Kohren gehörigen Dörfern Walditz, Linda und Meusdorf.

Diese wurden aber sämmtlich, nebst den sogenannten Hammelbirken, an die Herren von Einsiedel verkauft, mit denen die Besitzer von Ossa nachmals öfters in Streitigkeiten verwickelt waren.

M. G.     



[215]
Gepülzig

1 Stunde von Rochlitz und 2 von Mitweyda entfernt, in einer angenehmen, fruchtbaren Gegend gelegen. Von abwechselnden Bergen, Thälern und Waldungen umgeben, gewährt diese Gegend an verschiedenen Puncten eine schöne freie Aussicht auf eine Umgegend von mehrern Stunden, ja selbst das Schloss Augustusburg und mehrere hohe Berge im Erzgebirge, stellen sich dem Auge dar.

Das hiesige Rittergut ist unstreitig von den Herren von Milkau gegründet, die sehr frühzeitig hierher kamen und von dem Bischof zu Meissen für treu geleistete Dienste die Gegend von Rochlitz bis Waldheim geschenkt erhalten haben.

Schon in den ältesten Zeiten haben diese Herren Gepülzig besessen. Im 17. Jahrhundert John von Milkau, Georg Wilhelm von Milkau und dessen Sohn Hans Heinrich von Milkau, welche beide Letztere zugleich Besitzer von Kleinmilkau waren.

Hierauf folgte Hans Friedrich von Alnpeck, welcher die Lehn seinem Sohne Christian von Alnpeck überlies, von welchem solche an seinen Vetter und Mitbelehnten gleiches Namens und von diesem an Karl Heinrich von Biesamrod gekommen ist, auf den Julius Heinrich von Pöllnitz und auf diesen letzten Sohn Karl Heinrich von Pöllnitz, Churfürstl. Sächs. Lieutenant gefolgt sind, von welchem letztern dieses Rittergut Hans Joachim von Wallwitz auf Schweikershain 1733 erkaufte, von welchem es dessen Sohn Gottlieb Lebrecht von Wallwitz, Oberstlieutenant von der Cavallerie und Kreis-Commissarius, im Leipziger Kreise 1764 ererbte, nach dessen Tode 1789 dasselbe an seinen Bruder, den Königl. Sächs. Conferenz-Minister, Präsidenten des Geheimen Finanz Collegii und wirkl. Geheimderath, Herrn Georg Reinhardt Graf von Wallwitz auf Schweikershain, Limbach, Schmorkau, Liegau, Wiesau kam; nach dessen Tode 1807 dasselbe sein Sohn, der Geheimderath und Kammerherr, Herr Georg Reinhardt Graf von Wallwitz auf Schweikershain ererbte und nach dessen Tode 1835 dasselbe der Schwiegersohn,der Königl. Sächs. Major von der Infanterie, Herr Curt Ewald von Germar übernahm.

Das Herrschaftliche Schloss von Gepülzig ist nicht unansehnlich und in demselben befindet sich eine im grauen Alterthume gestiftete Kapelle, Leonhardts-Kapelle genannt, welche von einem freundlichen Garten umgeben ist.

In dieser Kapelle hat der Pfarrer der Stiftung gemäss allwöchentlich, so oft es die anwesende Gutsherrschaft verlangt, Freitags Gottesdienst mit Predigt und Communion zu halten.

Waren von 1789 bis 1835 diese gottesdienstlichen Handlungen, da die Besitzer das Gut nie wesentlich bewohnten, 46 Jahre unterblieben, so wurde nach der Besitznahme des jetzigen Besitzers, Herrn Major von Germar, im Jahre 1833 diese Kapelle erneuert und eingeweiht und seitdem wird jährlich 2 Mal Gottesdienst, Predigt und Communion gehalten, woran mit der Gutsherrschaft auch die Unterthanen [216] von Gepülzig, Naundorf und Neugepülzig jedesmal mit Antheil nahmen.

Obgleich diese Kapelle als ein Privateigenthum von der Herrschaft unterhalten wird, so muss doch der Ertrag des Cymbels und Communicantenbeckens an die Parochialkirche Grossmilkau abgegeben werden.

Zu Gepülzig dem Rittergute gehört das Vorwerk Naundorf, welches in den ältesten Zeiten die Familie von Milkau als eignes Rittergut besessen hat, bis es zu Ende des 17. Jahrhunderts an Gepülzig gekommen und von da mit bewirthschaftet wird.

Einer Sage nach war das Vorwerk ein Nonnenkloster und soll der Ort selbst Nonnendorf geheissen haben.

Neugepülzig aus 12 Häusern bestehend, liegt an der Rochlitz-Mitwaidaer Strasse macht mit Gepülzig nur eine Gemeinde aus. Der Gasthof zum rothen Hirsch ist in der ganzen Gegend unter dem Namen der Winterschenke bekannt, von dem ersten Erbauer so genannt.

Gepülzig ist mit Grossmilkau, Kleinmilkau, Neumilkau, Schönfeld, Naundorf, Neugepülzig und Zschauitz nach Grossmilkau eingepfarrt.

Erwähnenswerth von Zschauitz ist die Sage, dass bei Aufhebung der Leonhards-Kapelle und deren Versetzung nach Gepülzig in einem nahen Holze bei Zschauitz viele Kleinodien vergraben worden sein sollen.

Die Collatur, unter welcher die Kirche und die zu Crossen steht, ruhet nicht auf dem Rittergute Grossmilkau, sondern stehet dem jedesmaligen Senior der Milkauschen Familie zu, derselbe mag sich befinden wo es sei, im Inn- oder Auslande.

In der neuern Zeit hat sich ein Herr von Milkau zur Ausübung des Collaturrechts nicht gemeldet und deshalb ist solches von den derzeitigen Besitzern Grossmilkau ausgeübt worden, ohne dass sonst der geringste Widerspruch dagegen erhoben worden wäre.

Als einer besondern Erwähnung werth, muss man noch von Gepülzig das Ereigniss von 1828 in der Nacht vom 1. zum 2. November erachten. Eine Mutter mit ihrer Tochter wurde in jener Nacht von 3 Raubmördern in ihrer Schlafkammer überfallen und mit tödtenden Werkzeugen lebensgefährlich verwundet. Dessenungeachtet wurden die Räuber durch den herrischen Widerstand der Tochter von ihrem boshaften Vorhaben gezwungen abzustehen und die Flucht zu ergreifen. Nach wenig Tagen entdeckte man die Raubmörder und sie mussten ihre Unthat mit 10jähriger Zuchthausstrafe abbüssen.

Ausser dem Schlosse hat der Ort keine besonderen nennenswerthen Gebäude, wenn man nicht die dasige Mühle dazu rechnen will.

Die Häusserzahl beläuft sich auf 21, worinnen 320 Eiwohner leben.

Der Ort selbst ist jetzt dem Gerichtsamte Rochlitz einverleibt.

M. G.     




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Anmerkungen (Wikisource)

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