Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen: Kleinmilkau

Textdaten
<<< >>>
Autor:
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Kleinmilkau
Untertitel:
aus: Leipziger Kreis, in: Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen. Band I, Seite 209–210
Herausgeber: Gustav Adolf Poenicke
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1860
Verlag: Expedition des Albums Sächsischer Rittergüter und Schlösser
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer: {{{ÜBERSETZER}}}
Originaltitel: {{{ORIGINALTITEL}}}
Originalsubtitel: {{{ORIGINALSUBTITEL}}}
Originalherkunft: {{{ORIGINALHERKUNFT}}}
Quelle: Commons = SLUB Dresden
Kurzbeschreibung:
{{{SONSTIGES}}}
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite
[Ξ]
Album der Schlösser und Rittergüter im Königreiche Sachsen I 320.jpg
[209]
Kleinmilkau


2 Stunden südöstlich von Rochlitz entfernt, in einer fruchtbaren Gegend gelegen, welche die herrlichsten Aussichten bietet.

Das dasige Rittergut ist von den Herren von Milkau gegründet, wie ebenfalls auch Grossmilkau. Nach der Reformation besassen es 1536 Caspar und Wolf von Milkau gemeinschaftlich, sowie 1652 Hans Heinrich von Milkau, 1653 Georg Wilhelm von Milkau, Churfürstl. Sächs. Oberst exisirten. Letzterer verkaufte 1679 das Gut an den Churfürstl. Sächs. bei den Ritterpferden bestellten Cornet von Alnpeck und dieser wieder 1710 an den Hauptmann Reichardt Friedrich von Schlieben, dessen Wittwe, Martha Sophia geb. Edle von der Planitz, dasselbe 1752 an den Bürgermeister, Kauf- und Handelsherrn zu Mittweyda, Johann Gottfried Lorenz anderweit käuflich überliess. Nach diesen ging es auf den berühmten Johann Gottfried Freiherrn von Lorenz über, und nach dessen Ableben übernahm es dessen Schwiegersohn, der Oberhofgerichtsrath Amts- und nachherige Kreishauptmann Heinrich Gottfried von Nitzschwitz auf Königsfeld, in dessen Namen es von 1815 an der Schwiegersohn, Herr Karl Friedrich August Freiherr von Keller auf Kitzscher, Weimar. Major, administrirte, bis es 1833 an obengenannten Herrn Johann Gottfried Rose verkauft wurde, welcher auch 1837 Grossmilkau acquirirte. Dem Rittergute standen bis zur Einführung der neuen Gerichtsorganisation Ober- und Untergerichte zu und Neumilkau gehörte dazu, welches heute noch nebst der sogenannten Fichtenmühle eine Gemeine ausmacht.

Grossmilkau wird von Kleinmilkau aus mit bewirthschaftet, und das Gut selbst ist dadurch nicht unbedeutend geworden. Das Rittergut selbst hat im Jahre 1773 die Schriftsässigkeit erlangt und wurde dasselbe in Erbe verwandelt.

So wenig wie die Zeit der Erbauung des Orts, lässt sich auch die Erbauung der Kirche in Grossmilkau angeben. Die Milkaus kamen schon im 13. Jahrhundert hieher, welche von Ungarn nach Sachsen geflüchtet waren und sich um die Cultivirung der hiesigen Gegend grosse Verdienste erworben haben.

Das Gut in Grossmilkau ist 1500 abgebrannt und seit dieser Zeit nicht wieder aufgebaut worden.

In Kleinmilkau ist im vorigen Jahrhundert das Rittergut, das Schänkengut und in späteren Zeiten, 1818, ein Haus ganz und das Nachbarhaus [210] zum Theil vom Feuer verheert worden, so wie 1526 ebenfalls ein Haus in Rauch aufging und am 28. Mai 1529 hat ein Blitz die Mühle entzündet, deren gänzlicher Untergang durch heftige Regengüsse bei mehrern, im südlichen Theile des Landes entstandenen Wolkenbrüchen abgewendet wurde.

Das im neuern Style in Kleinmilkau erbaute herrschaftliche Wohnhaus gewährt ein freundliches Bild.

Die Wirthschaftsgebäude sind im vortrefflichen Zustand und die Oeconomie des Guts nicht unbedeutend zu nennen.

Das Areal der ganzen Parochie enthält 1836 Acker, 154 Qu.-Ruthen und die Zahl der Steuereinheiten beläuft sich auf 40,412 Thlr. Die ganze Bevölkerung dagegen auf 1134 Seelen.

Die Parochie selbst ist in den neuesten Zeiten von der Ephorie Chemnitz, worunter sie ehedem bei einer Entfernung von 6 Stunden stand, abgetrennt und an die Ephorie Rochlitz gewiesen worden.

Die Herren von Milkau hatten früher auch einen grösseren Jurisdictionssprengel bei ihren Gütern: So z. B. war Zettlitz und Zschauitz denen von Milkau. Ernst Hiob von Milkau verkaufte 1588 das Gericht von Zschauitz als ein Zubehör von Zettlitz an den Churfürsten.

In Zschauitz wurde, nachdem der Heidenapostel Windfried (Bonifacius) aus England nach Deutschland herübergekommen war, um das Evangelium auszubreiten, zuerst durch Erbauung der Leonhardts-Capelle der Samen des göttlichen Wortes ausgebreitet. Sein Schüler und Begleiter, Lüdiger, welchen Manche Hugo Grafen von Käfernberg nennen, stiftete auch hier einen Confent von einigen Personen, welche die von ihm bekehrten Sorben-Wenden nicht nur im christlichen Glauben erhalten, sondern auch denselben weiter ausbreiten sollten. In der Kirche zu Selitz, welche er zu Ehren der heiligen Anna, der Mutter Maria, aufbauen liess, errichtete er ein wunderthätiges Marienbild. Dieses Selitz, welches mit den Besitzungen der Herren von Milkau genau zusammenhängt, da von Sachsendorf mehre Häusser in die Kirche nach Grossmilkau eingepfarrt sind, besitzt eine der ältesten und berühmtesten Kirchen Sachsens. Schon im 8. Jahrhundert stand dieselbe.

Diese Kirche ist mit 2 Thürmen geziert und wird weithin gesehen; sie gewährt auf der Mittag-, Abend- und Mitternachtseite eine reizende Aussicht und wird von überaus anmuthigen Thälern umgeben.

Die Pfade zu derselben sind rücksichtlich des vielfach durchschnittenen Terrains zwar zum Theil beschwerlich, aber auch sehr abwechselnd, ansprechend und erhebend für jedes den Schönheiten der Natur offne Herz. Der Besucher dieses Gotteshauses, er mag kommen oder gehen, fühlt sich mächtig, aber auch wohlthuend bei der Vorstellung des Allwaltenden ergriffen, der die Spuren seiner unendlichen Grösse und Liebe auf Berg und Thal finden lässt.

Wer sollte, bewahrt man nur seinen Fuss, wenn man zu diesem Hause Gottes geht, nicht in der Tiefe des Gemüths zu dem Anbetungswürdigen hingezogen sich fühlen, dessen Ehre in diesem Heiligthume wohnt.

Die Kirche zu Grossmilkau ist nicht so alt und hat zuerst 1783 eine Renovation erhalten, wo der Blitzstrahl dieselbe zerstört hatte. Ein völliger Neubau fand wegen der damals obwaltenden Differenzen mit dem damaligen Besitzer von Grossmilkau nicht statt, sondern da die alten Mauern stehen blieben, nur eine Veränderung der innerlichen Einrichtung.

Erst im Jahre 1828, wo der Blitz wieder diese Kirche traf, wurde dieselbe neu hergestellt und seit dieser Zeit hat sie ein freundliches Ansehen erhalten, so dass sie ebenfalls die hiesige Gegend ziert.

Kleinmilkau mit dem Rittergute, sowie 7 Gärtnern, 36 Häuslern, noch der Mahl- und Schneidemühle und einem Gemeindehause, gehört mit Grossmilkau zum Gerichtsamte Rochlitz. –