ADB:Reublin, Wilhelm

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Artikel „Reublin, Wilhelm“ von Ludwig Keller in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 28 (1889), S. 279, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Reublin,_Wilhelm&oldid=- (Version vom 9. Juli 2020, 03:28 Uhr UTC)
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Reublin: Wilhelm R. hat als Prediger und Theologe zur Zeit der Reformation, zumal in der Geschichte des sog. Anabaptismus, seinen Namen bekannt gemacht. Er war zu Rothenburg[1] am Neckar um das Jahr 1490 geboren. Er begegnet uns zuerst in Basel, wo er im J. 1521 Prediger an St. Alban war, nachdem eben dasselbe Amt erst von Caspar Hedio und dann von Wolfg. Fabr. Capito verwaltet worden war. Hier legte R. (nach den Worten des Basler Chronisten Fridolin Ryff) „die heilige Schrift so christlich und wohl aus, daß dergleichen vorher nie gehört worden, so daß er ein mächtig Volk überkam“. Er hatte namentlich die Zünfte, vor allem den Oberzunftmeister Lux Ziegler auf seiner Seite, auch die einflußreichen Buchdrucker und Formschneider waren seine Parteigänger. Das Pfarrhaus von St. Alban war damals ein Mittelpunkt der Baseler Reformfreunde; auch auswärthige Gelehrte, wie Herm. v. d. Bussche, fanden dort gastliche Aufnahme. Im Herbst 1522 mußte R. indessen seinen Gegnern weichen: er wurde aus der Stadt ausgewiesen. Im April 1523 finden wir ihn als Prediger zu Wytikon. Als im Herbst desselben Jahres zu Zürich der Conflict zwischen Zwingli und Konrad Grebel ausbrach, stellte sich R. auf Grebel’s Seite und blieb den Grundsätzen, die er damit zu den seinigen machte, auch dann noch treu, als Zwingli’s Sieg über seine evangelischen Gegner entschieden war, ja R. ist einer der thätigsten und erfolgreichsten Agigatoren gerade für den schweizerischen Anabaptismus oder für die „apostolischen Täufer“, wie sie Bullinger nennt, geworden. Es gelang ihm zunächst den Dr. B. Hubmaier zum Empfang der Spättaufe zu bestimmen und später hat er auch den Mich. Sattler zu Rothenburg am Neckar in die „Brüderschaft“ aufgenommen. Nach mancherlei Schicksalen – zu Anfang 1529 ward er zu Straßburg eine Zeit lang in das Gefängniß gesperrt – wanderte er mit der Mehrzahl der strengeren Richtung nach Mähren aus, wo die „Schweizer Brüder“ damals freie Bahn für die Ausgestaltung ihrer Ideen fanden. Indessen war R. doch zu einsichtig, um Alles zu billigen, was hier geschah, und so gerieth er mit den Mähren über die Frage der Gütergemeinschaft und Anderes in einen Streit, der seinen Ausschluß aus der Gemeinschaft zur Folge hatte. Ueber das Jahr seines Todes ist nichts bekannt.

Füßlin, Beiträge zur Erl. d. Kirchen-Ref.-Gesch. Zürich 1754, II, 374; III, 241; IV, 45, 83. – Ochs, Gesch. v. Basel, 1796, V, 357 ff., 436. – Heß, Joh. Oecolampad, S. 50. – Bullinger, Ref.-Gesch. I, 108. – Cornelius, Gesch. des Münsterschen Aufruhrs II, 16 ff. – Basler Chroniken, I. Bd. (Leipzig 1872) S. 33 ff. – Forschungen zur deut. Gesch. Bd. XXII, 445. – J. Beck, Geschichtsbücher der Wiedertäufer in Oestreich-Ungarn. Wien 1883, S. 86 ff. – L. Keller, Die Reformation und die älteren Reformparteien. Leipzig 1885, S. 381.

[Zusätze und Berichtigungen]

  1. S. 279. Z. 3 v. o. l.: Rottenburg. [Bd. 45, S. 670]