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Artikel „Radbod, Bischof von Utrecht“ von Ernst Ludwig Dümmler in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 27 (1888), S. 110–112, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Radbod&oldid=- (Version vom 15. Dezember 2019, 02:14 Uhr UTC)
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Band 27 (1888), S. 110–112 (Quelle).
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Radbod, Bischof von Utrecht (899–917). R., der Sprößling einer vornehmen fränkischen Familie, empfing seinen Namen von dem alten heidnischen Friesenherzog Radbod († 719), der der Ahnherr seiner Mutter gewesen war. Als ein begabter Knabe wurde er frühzeitig seinem mütterlichen Oheim, dem Erzbischofe Gunther von Köln (850–864), zur Erziehung übergeben, der als ein [111] Freund und Gönner der Studien gefeiert wird, bis seine Beihilfe zur Scheidung Lothar’s II. ihn ins Verderben stürzte. Gleich anderen Söhnen edler Geschlechter begab sich R. zu seiner weiteren Ausbildung an den Hof Karl’s des Kahlen, des westfränkischen Herrschers, wo er an Manno, dem damaligen Leiter der Hofschule (später Propst zu St. Claude) einen sehr gelehrten Lehrer und an Stephan und Mancio, den nachmaligen Bischöfen von Lüttich und Chalon, ausgezeichnete Mitschüler fand. Nach dem Tode Karl’s († 877) kehrte R. zu seinen Verwandten in den Lommagau (um Namur) zurück, in welchem wir, wie es scheint, seine Heimath zu suchen zu haben; auch lebte er zeitweise in der Umgebung des berühmten Abtes Hugo von Tours († 886), der zwar auch in der Dialektik und Rhetorik gerühmt wurde, vornehmlich aber unter den Enkeln Karl’s des Kahlen und unter Karl III. als die Seele des westfränkischen sich die größten Verdienste erwarb. R., über dessen nächste Schicksale Dunkelheit verbreitet ist, wurde nach dem Tode des Bischofs Odilbald im J. 899 auf den Stuhl von Utrecht erwählt und von Arnolf bestätigt. Der Sitz des Bisthums befand sich jedoch damals nicht an der altgeweihten Stätte, welche durch die Normanneneinfälle völlig verödet war, sondern in Deventer. R. ließ sich als Bischof alle geistlichen Tugenden, namentlich auch die Mildthätigkeit auf das strengste angelegen sein, er übte die größte Enthaltsamkeit in den Speisen und trank nur Wasser, dagegen hielt er sich von dem Hofe fern und suchte weltliche Geschäfte, als mit seinem priesterlichen Berufe unvereinbar, soviel wie möglich, zu vermeiden. Man schrieb ihm unter andern Gaben vorzüglich die der Weissagung zu: so soll er vorher gesagt haben, wie es durch Otto den Großen geschah, daß die westfränkischen Könige sich unter das deutsche Kaiserthum beugen würden, doch nicht für immer. Sein eigenes Ende sah er drei und ein halbes Jahr sicher voraus und wiederholt bezeichnete er den Jüngling Baldrich, den Sohn des Grafen Ricfrid, der öfter bei ihm verkehrte, in prophetischem Geiste als den, der dazu berufen sein würde, das Bisthum und den Bischofssitz aus dem Verfalle wiederherzustellen und durch diese Schenkungen zu schmücken und zu bereichern. Wenn wir uns erinnern, daß Baldrich der Lehrer Bruno’s, des Bruders Otto’s des Großen, wurde und daß dieser mit Recht als einer der wesentlichsten Erneuerer der Studien in Deutschland gepriesen wird, so leuchtet ein, daß durch diese Verzweigung das Licht, welches von der Hofschule Karl’s des Kahlen ausging, seine wohlthätigen Wirkungen weit über unser Vaterland erstreckte. R. starb, schon längere Zeit kränkelnd und hochbejahrt, am 29. Nov. 917 zu Ootmarsum in Overyssel, einem seiner Lieblingsorte, und wurde unter sehr lebhafter Theilnahme der Bevölkerung in Deventer beigesetzt.

Das Andenken Radbod’s wurde der Nachwelt nicht nur durch einen Biographen erhalten, der etwa ein halbes Jahrhundert nach seinem Tode und schätzbare Nachrichten über ihn überlieferte (M. G., SS. XV, 568–571), sondern auch durch eigene Schriften. Wie er ein großer Verehrer der Heiligen, ein Dichter und Musiker war, so hat er vorzüglich zu Ehren jener theils Predigten in Prosa theils Verse und Gesänge verfaßt. So verherrlichte er Swidbert, den Apostel des bergischen Landes, den angelsächsischen Glaubensboten Liafwin (Lebuin), den hl. Servatius und Amalberga, sowie ein Wunder des hl. Martin, durch welches im J. 903 die Stadt Tours vor den stürmenden Dänen errettet worden sein soll. Ansprechender und gemüthvoller als die Verse zum Preise der Heiligen, die jedoch ein fleißiges Studium des Vergil und eine gute metrische Bildung verrathen, ist sein in dieser Zeit ganz vereinzelt stehendes Gedicht auf die Schwalbe. Auch über die Ereignisse des Jahres 900 hinterließ er eine kurze Aufzeichnung. Sein früherer Mitschüler Stephan zeichnete sich ebenfalls als lateinischer Dichter aus.

[112] Ueber Radbod handeln: Wattenbach in den Geschichtsquellen Deutschlands 5. Aufl. I, 349 und Ebert in der Geschichte der Literatur des Mittelalters III, 184–188.