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Textdaten
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Autor: Elise von Hohenhausen
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Titel: Schöne Geister und schöne Seelen
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aus: Die Gartenlaube, Heft 16, S. 266–268
Herausgeber: Ernst Keil
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Erscheinungsdatum: 1873
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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Schöne Geister und schöne Seelen.
Eine Dichterfreundschaft.

In einem alten düstern, aber stattlichen Hause der Oderstraße zu Frankfurt an der Oder wohnte Frau Wagner, die Wittwe eines reichen Weinhändlers, eine originelle, humoristische Dame, die zu den Honoratioren der Stadt gezählt wurde. Doch genügte diese Auszeichnung ihrem Ehrgeize nicht, und als einst ein General von Zielinski, eine der militärischen „Spitzen der Behörden“, die in kleinen Städten wie halbe Monarchen gefeiert werden, Wohlgefallen an ihrem erblühenden Töchterchen fand, beredete sie dasselbe, den alten Mann zu heirathen und die Schaar der jugendlichen Verehrer von sich zu weisen.

Die junge schöne Generalin fühlte sich jedoch durchaus nicht unglücklich; wie die Dame von Savern streng gegen Huldigungen erotischer Art, ließ sie sich gern als vornehme Dame feiern. Eine reizende Villa am Ufer der Oder, nahe bei dem Denkmal des Herzogs von Braunschweig, richtete sie sich als Tusculum ein und verbrachte hinter dem vergoldeten Gitter ihres Balcons das glückliche Traumleben der ersten Jugend. Schon damals ging ihr nachheriger Gemahl, Herr von Treskow, in stiller Bewunderung vor dem bezaubernden lebenden Bilde vorüber, das sie unbewußt darstellte. Einmal begleitete er eine Dame, deren Schöngeisterei mit ihrer Bildung nicht gleichen Schritt gehalten hatte; sie sagte: „Das ist doch die schönste Wohnung der Stadt; ich bin ganz verliebt in dem Hause.“

„Ja, auch ich bin ganz verliebt in dem Hause,“ seufzte er, den Beugefall in seinem Falle richtiger anwendend als die Dame, die jedoch aus dieser Aeußerung Stoff zu einer Klatschgeschichte zog und die Aufmerksamkeit der bösen Welt auf die Neigung des Lieutnant von Treskow für die Generalin von Zielinski lenkte.

Als letztere kurze Zeit nach ihrer Verheirathung Wittwe wurde, schien sie jedoch nicht geneigt, die wiedergewonnene Freiheit sobald wieder aufzugeben, sondern folgte einer Einladung Rahel’s von Varnhagen, nach Berlin zu kommen. Dort brachte ihr Rosenantlitz im Trauerflor eine vollständige Bezauberung hervor. Rahel selbst liebte die Schönheit wie eine Wohlthat und bewunderte sie völlig neidlos; in ihrem Salon wurde die junge Generalswittwe als Idol verehrt, von ihr selbst wie eine Tochter geliebt. Die berühmten Männer, die damals bei Rahel verkehrten, Heine, Karl Schall, Chamisso, Fouqué und vor Allen der Fürst Pückler-Muskau, huldigten der schönen Frau und entdeckten bald, daß ihr Geist ihre Schönheit noch überstrahlte. Aber auch ihr Herz war nicht aus geringerem Stoffe; es zog sie mit Allgewalt zurück nach Frankfurt, wo ihre alte Mutter weilte, eine traute Häuslichkeit und vielleicht auch ein anderes schönes Erdenglück ihr winkte. Ein Brief von Rahel an sie giebt so anmuthigen Aufschluß darüber, daß er hier folgen möge:

„Sonntag, den 25. September 1831 (bei einer idealischen Mondnacht, die ordentlich fruchtbares Wetter in sich hat, aber leider gewiß uns wieder starken Regen bringt).

Liebe Tochter!

Wie gönne ich Ihnen Ihr Zuhause! das Sie mir so reizend beschreiben, wie Sie es nach Ihrer Rückkehr gefunden haben. Ihre Muße, Stille, Aufgeräumtheit der Zimmer, Möglichkeit zum Fleiß – den weiten Horizont Ihrer Fenster, die Lichter in der Ferne, die Umrisse der Bäume, den hellen Himmel und sein Wolkenspiel, die frische Luft, den Geruch, die Farben der Landschaft, das Schwanken der Zweige und Gewächse, des Windes Töne, das Wasser, den Garten, Alles, Alles. Es ist eine Erholung, wenn ich Sie mir in diesem Asyl denke, – schönes Local und ungestandene Liebe, – unsere uneigennützige Freundschaft nicht zu vergessen! – Pückler ist in Ihrem Anblick so vergnügt gewesen, als wenn ein sechsundzwanzigjähriger Mensch zum ersten Mal eine Rose gesehen und bis dahin alle anderen Blumen geliebt hätte.“ – –

Die „ungestandene Liebe“ kam indessen doch endlich zum Aussprechen und die Generalswittwe entschloß sich eine Lieutenantsfrau zu werden. Die ehrgeizige Mutter erzürnte sich darob mit ihr und verweigerte jede Unterstützung aus ihren reichen Geldmitteln. Die Wittwenpension fiel durch die Wiederverheirathung fort, ebenso eine Leibrente, welche die Familie ihres ersten Mannes gezahlt hatte. Die gesetzlich vorgeschriebene Caution bei einer Officiersehe konnte nicht geleistet werden. Herr von Treskow hatte daher die Wahl, entweder seinen Abschied zu nehmen oder die Heirath aufzugeben. Er entschloß sich zu ersterem, und das liebende Paar sah sich darauf angewiesen, die „Hütte“ für sein Glück anderweitig zu bauen. In Frankfurt ging dies nicht an; die Erinnerung an die früheren glänzenden Verhältnisse wäre allzu störend gewesen. So wurde denn Berlin zum Aufenthaltsort gewählt. Indessen belohnte man dort geistige Arbeit sehr karg, und andere verstanden die jungen Eheleute nicht zu thun. Es ging ihnen anfangs traurig genug, doch besiegten sie durch Fleiß und Wissen bald die tägliche Noth. Die Kenntniß fremder Sprachen war damals noch nicht so allgemein verbreitet wie jetzt. Herr von Treskow erlangte dadurch eine Anstellung im Ministerium des Auswärtigen und erwarb auch durch belletristische Uebersetzungen manche Zubuße zur jährlichen Ausgabe. Sein lebhafter Geist warf sich auch auf das noch wenig bebaute Feld der finanziellen Speculation, und so gelang es ihm, nach verhältnißmäßig [267] kurzer Zeit ein anständiges Vermögen zusammen zu bringen.

Sein häusliches Glück ward durch die Geburt zweier Kinder vermehrt. Das älteste starb in zartem Alter; das jüngste, eine Tochter, Ada genannt, blühte hoffnungsvoll heran. Die Mannigfaltigkeit der Talente Ada’s verursachte anfangs ein Schwanken über die Richtung der Ausbildung derselben. In Musik und Malerei war sie reich begabt, doch siegte schließlich die Poesie über alle anderen Künste, und unter dem Namen Günther von Freiberg trat Ada von Treskow mit Erfolg in die Autorwelt. Ihre frühzeitige Geistesreife gab ihr die Stelle einer Freundin neben ihrer liebenswürdigen Mutter, und es war schwer zu sagen, welche der beiden Damen die begabteste sei. Wie einst in Paris die Marquise de Sevigné und ihre Tochter berühmt waren als geistreich und liebenswürdig, so hatten Frau und Fräulein von Treskow sich durch dieselben Eigenschaften in Berlin Geltung gewonnen. Die Erblichkeit des geistigen Vermögens hatte sich in erfreulicher Weise bei ihnen bewährt.

Der Kreis, der sich um sie bildete, trug den Stempel des Ungewöhnlichen, obwohl er keineswegs exclusiv war, denn die gesellschaftliche Rangordnung galt darin nicht, sondern nur die Aristokratie des Geistes. Neben dem damals schon siebzigjährigen, aber noch jugendfrischen Fürsten Pückler, gehörten Schirmer, Hildebrand, Leopold von Ranke, Ludwig Rellstab, Bernhard von Lepel und Andere zu den nächsten Freunden des Hauses und nicht nur in dem eigenen Salon, sondern auch in dem von Fräulein Selmar, Bettina und Frau von Olfers übte die Familie von Treskow in ihrem Dreiblatt von Vater, Mutter und Tochter ihren anregenden Einfluß aus. „L’élite d’élite“ schaarte sich um sie, wie der allezeit gern französirende Fürst Pückler sagte. Ada von Treskow wußte besonders durch ihr mimisches Talent die Gesellschaft auf’s Angenehmste zu unterhalten. Sie verstand es, die Rachel und die Ristori in ihren Glanzrollen zu copiren; die fremden Sprachen hatte sie dabei völlig in ihrer Gewalt und erntete jedesmal einen ebenso rauschenden Applaus im Salon, wie die berühmten Tragödinnen auf der Bühne.

Einmal wurde sie in einer besonders glänzenden Privatgesellschaft aufgefordert, die Juditta, eine Hauptrolle der Ristori, zu sprechen; sie kam dieser Aufforderung nach, brach aber mitten in der Declamation ab, sich mit mangelndem Gedächtniß entschuldigend. Da trat ein hochgewachsener Ulanen-Officier hervor und recitirte die fehlenden Verse aus dem Gedächtniß, aber leise, indem er sich erbot, als Souffleur zu wirken. Erstaunt hörte sie ihm zu und war nicht wenig überrascht, als der gelehrte Ulan sich ihr durch seinen Adjutanten vorstellen ließ. „Prinz Georg von Preußen“ wurde er genannt. Sein dunkles Auge und seine hohe Stirn ließen schon den Dichter in ihm ahnen; aber er galt damals nur für einen Musik-Enthusiasten und war ein Virtuose auf dem Clavier wie der geniale Prinz Louis Ferdinand, sein naher Verwandter, dem er auch im Aeußern glich. Er bat dann mit der Höflichkeit, die man bei einem so hochgebildeten Manne voraussetzen durfte, die Tochter möge ihn ihrer Mutter vorstellen.

Frau von Treskow erwiderte die verbindliche Anrede des hohen Herrn mit ihrer eigenthümlichen Freimüthigkeit und reizenden Lebhaftigkeit, die wie Sonnenstrahlen die trübe Atmosphäre gesellschaftlicher Gemeinplätze durchleuchteten und der Unterhaltung gleich mit dem ersten Worte eine anregende Wendung gaben. Auf die Frage, ob sie musikalisch sei, antwortete sie lächelnd:

„Nein, ich bin von jedem Talent verschont geblieben.“

In einem Berliner Salon, wo fast alle Anwesende mit ihren Leistungen glänzen wollen, war diese Anschauungsweise, das Talent wie ein Unheil zu betrachten, allerdings vollkommen begreiflich; der Prinz Georg fand sie sehr humoristisch und fühlte sich der liebenswürdigen Frau gegenüber gleich auf einen heitern Ton gestimmt, der nie wieder verklingen und ein ernstes Freundschaftsband anknüpfen sollte.

Schon am andern Morgen und dann fast alle Tage hielt die Hof-Equipage mit galonnirtem Jäger vor dem bescheidenen Gartenhäuschen in der Louisenstraße (später wohnten Treskows am Leipziger Platz Nr. 18 und zuletzt in der Bernburgerstraße Nr. 15 u. 16), welches Frau von Treskow sich wie eine Oase in der steinernen Wüste von Berlin mit ihrem Geschmack für Ländlichkeit eingerichtet hatte. Nebenan wohnte ihr alter Freund, Leopold von Ranke, der vom Gymnasiallehrer in Frankfurt an der Oder sich zum berühmtesten Historiker Deutschlands emporgearbeitet hatte. Der Prinz Georg fühlte sich rasch heimisch in dem Kreise der Familie von Treskow; er erzählte selbst später, daß es ihn dort wie Luft aus einer bessern Welt angeweht habe. Seine geistigen Bestrebungen wurden dort zum ersten Male auf ein bestimmtes Ziel hingeleitet und seine gemüthlichen Anforderungen vollkommen befriedigt. Er lernte dort die heitere Kunst und das ernste Leben in idealer Gestalt kennen. Namentlich aber regte in der befreiten und beglückten Stimmung dieses Hauses die Poesie ihre Schwingen; die Lust des Dichtens und Trachtens entflammte die Geistesfunken zu heller Glut.

Ada von Treskow hatte damals soeben ihre erste Sammlung von hochpoetischen Novellen drucken lassen, und Fürst Pückler schrieb mit Bleistift entzückte Randbemerkungen dazu. Kritik und Kunstregeln wurden eifrig besprochen; Prinz Georg hörte gedankenvoll zu und gab nach einigen Abenden voll lebhafter Erörterungen über Literatur ein Drama an Frau von Treskow. Nachdem sie es gelesen, sagte sie zu ihm: „Gnädigster Herr, das kann keine Erstlingsarbeit sein; sie haben schon mehr geschrieben.“ Das Geständniß, daß er schon lange heimlich dichte, erregte die Theilnahme seiner Freundin im höchsten Grade, doch versuchte sie niemals, ihn mit Rathschlägen zu behelligen; sie achtete die freie Entfaltung der Individualität des Genius viel zu hoch, um in den Fehler der meisten literarischen Rathgeber zu verfallen, durch guten Willens Ungeschick den Autor zu beirren, sie blieb jahrelang die schweigende Mitwisserin des Dichtergeheimnisses, das jedoch natürlich dem Freundschaftsbündniß zwischen ihr und dem Prinzen Georg eine besondere Weihe gab.

Prinz Georg sträubte sich lange gegen das Hervortreten mit seinen Productionen; erst durch wiederholtes Zureden der Genossen des Treskow’schen Kreises entschloß er sich, „Phädra“ dem ihm nah befreundeten Dichter, Baron Putlitz, mitzutheilen. Durch denselben wurde die Tragödie auf die Bühne gebracht und damit die Bahn für die übrigen dramatischen Werke des Prinzen gebrochen. Eine novellistische Arbeit „Vergilbte Blätter“, eine Porträtskizze aus dem Rahel-Kreise frühester Periode, die er nur durch Frau von Treskow vom Hörensagen kannte, ist erst kürzlich (Berlin, bei Hertz) erschienen und bewies seine Gabe für dieses Genre in überraschender Weise.

Den ersten Impuls zum Selbstproduciren hatte der Prinz durch die persönliche Bekanntschaft mit Rachel Felix empfangen. Mit staunender, begeisterter Bewunderung war er ihren Leistungen gefolgt; sie erschien ihm wie die Verkörperung der tragischen Muse. Seine Vorliebe für antike Stoffe ist namentlich ihrem Einflusse zuzuschreiben. Er sah sie zuletzt in Ems, wo sie, von ihrem Todesleiden schon ergriffen, ihm noch die schönsten Stellen aus ihren Rollen vortrug und dadurch einen nachhaltigen Eindruck auf seine ohnehin leicht erregbare Phantasie machte.

Frau von Treskow und ihre Tochter theilten seine Bewunderung für die große Tragödin, wie sie auch für alle seine anderen Sympathien immer ein reges Verständniß hatten. Das gegenseitige Vertrauen wuchs noch durch die Beziehungen, die der Prinz zwischen seinen hohen Verwandten und Herrn von Treskow vermittelte, indem er ihn zum Vorleser bei den Prinzen Friedrich und Alexander vorschlug. Die heiteren und geistreichen Abende, die sich auf diese Weise bald im prinzlichen Palais, bald im Salon der Familie Treskow aneinanderreihten, wurden indessen durch die Reisetage des Sommers für längere Zeit unterbrochen. Namentlich Treskows waren sehr reiselustig und scheuten keine Entfernung; sie betrachteten Constantinopel und Paris nur wie die Ziele eines Spazierganges, von dem sie für die Winterabende Stoffe zum Besprechen und Verarbeiten heimbrachten.

Auf einer Reise nach Italien stellte sich jedoch endlich ganz unverhofft eine Schicksalswendung ein, die Verlobung der Tochter, die von den Eltern abgöttisch geliebt wurde. Sie lernte den sardinischen Justizbeamten Signor Pinelli kennen und gab nach längerer Werbung seinen Bitten Gehör. Kaum hatte sie aber den schweren Entschluß gefaßt, ihre Eltern zu verlassen, als ihrem Vater die drohende Trennung von seinem einzigen Kinde durch einen raschen, schmerzlosen Tod erspart wurde. Herr von Treskow starb auf der Reise und wurde an einem seiner Lieblingsplätzchen in der Schweiz begraben.

[268] In tiefster Betrübniß kehrten die Seinigen nach Berlin zurück; daß Ada’s Myrthe von Cypressen verdunkelt wurde, that dem Mutterherzen der Frau von Treskow innigst leid; sie beschloß, sich nicht von der Tochter zu trennen, sondern ihr nach der neuen Heimath zu folgen, und ging daran, mit fester Hand die traute Häuslichkeit in Berlin aufzulösen. Trauernd sah Prinz Georg ihr zu; er ahnte, wie verwaist Herz und Geist durch die Trennung von der langjährigen Freundin sein würden. Seine Equipage hielt Stunden lang vor ihrem Hause. Er half sogar oft mit eigener Hand die Bilder und liebgewordenen Hausgeräthe in die Kisten und Kasten verpacken, die wie Särge einer schönen Vergangenheit dastanden, und geizte mit jeder Stunde, die er noch in dem Treskow’schen Hause zubringen konnte.

Um diese Zeit war ich als Wittwe von Frankfurt an der Oder nach Berlin gezogen; gemeinsame Erinnerungen an erstere Stadt und gleiche Trauer führten mich mit Frau von Treskow zusammen. Ich hatte den Prinzen Georg bei ihr kennen und werthschätzen gelernt; in einem Anfluge von Humor sagte ich einst, sie solle mich zur Erbin des Reichthums, den sie in Berlin hinterlasse, ernennen. Wehmüthig lächelnd gab sie mir dieses Versprechen und hat es gehalten. Durch ihre freundliche Fürsprache ist es mir zu Theil geworden, daß der Prinz Georg mir zuweilen sein Ohr leiht und mich in meiner bescheidenen Klause, die von den gütigen Berlinern „Salon“ genannt wird, mit seiner Gegenwart erfreut.

Frau von Treskow lebt seit beinahe sieben Jahren in Italien, wo ihre Tochter glücklich verheirathet ist. Prinz Georg steht noch im lebhaftesten Briefwechsel mit Frau von Treskow. Erst kürzlich hat sie ihm das Bild ihres Enkelsohnes – ein Raphael’sches Engelsköpfchen – zugesendet. Der Prinz fährt zuweilen langsam durch die Straße, wo seine Freundin gewohnt hat, und gedenkt der Vergangenheit mit sinnendem Auge.

Der hohe Grad von Werthschätzung, den der Prinz für Frau von Treskow an den Tag legte, wurde in manchen Gesellschaftskreisen allerdings „unbegreiflich“ gefunden, denn gar viele Augen sind blind für den Glanz des Geistes und die Schönheit der Seele, woran sie so reich ist. – In dem reizenden Romane „Fiamma“ hat Günther von Freiberg der Lesewelt ein treues Spiegelbild dieses schönen Zusammenlebens und dieser edeln Dichterfreundschaft geschenkt.
F. v. Hohenhausen.