RE:Stratonikeia-Hadrianopolis

Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
korrigiert  
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Stadt im mys.-lyd. Grenzgebiet = Hadrianopolis
Band S VII (1940) S. 12441250
Stratonikeia in Wikidata
Stratonikeia bei Pleiades
Bildergalerie im Original
Register S VII Alle Register
Linkvorlage für WP   
* {{RE|S VII|1244|1250|Stratonikeia-Hadrianopolis|[[REAutor]]|RE:Stratonikeia-Hadrianopolis}}        

Stratonikeia-Hadrianopolis[1], Stadt im mysisch-lydischen Grenzgebiet. Die Zugehörigkeit [1245] zu Mysien ist nirgends ausdrücklich bezeugt, die zu Lydien erst vom 5. Jhdt. n. Chr. an (s. u.); daher wird neuerdings die Bezeichnung ,S. am Kaikos‘ bevorzugt, L. Robert Villes d’Asie Mineure 43, 1.

Inschriften. 1. Le BasIII nr. 1043 und p. 407 zu nr. 1720 (aus Siledik nach Kyrkaghatsch verschleppt, Bull. hell. XI [1887] 115) = Inschr. 3 p. 134. nr. νβ’. IGR IV nr. 1159.

2. Curtius Abh. Akad. Berl. 1872 (1873) 63f. (aus Siledik nach Kyrkaghatsch verschleppt, jetzt in Paris) = Inschr. 3 p. 131 nr. να’. Michel nr. 643. A. Dain Inscriptions gr. du Musée du Louvre, Les textes inédits (1933) nr. 41 (mir nicht zugänglich). L. Robert Rev. arch. II 1933, 128f. (eingehende Besprechung von A. Dain); Villes d’Asie Min. 45, 3.

3. Μουσεῖον καὶ βιβλιοθήκη, ἐν Σμύρνῃ I 1873–1875 (1875), p. 131f. nr. να’. νβ’. νδ’ (Earinos). – (nr. να’ s. Inschr. 2. – nr. νβ’ s. Inschr. 1. – νδ’ = Inschr. 4 p. 127 nr. 3).

4. Radet Bull. hell. XI (1887) 109f. I–III (Jaghmurlu). S. 126f. nr. 1. 2 (ebd.). nr. 3–5 (Siledik). S. 477 nr. 54 (Khoumetli = Hamitli?). S. 479 nr. 58 (Siledik). – (S. 109f. = Lafoscade De epistulis imperat. Rom. nr. 23–25. IGR IV nr. 1156. Syll.² nr. 387. Syll.³ nr. 837 [I]; Athen. Mitt. XXIV 220 nr. 50 [zu I 13f.]. CIL III p. 1268 zu nr. 7003 [zu II 8/9]. Bd. III A S. 2456, 12f. [zu I 15]. Laqueur Quaestiones epigr., Diss. Straßburg 1904, 17 [zu III 6; mir nicht zugänglich] Weber Unters. z. Gesch. des Kaisers Hadrianus 136. L. Robert Villes 46, 3. – S. 126 nr. 1 = IGR IV nr. 1158; L. Robert a. O. – nr. 3 s. Inschr. 3 nr. να’. – S. 477 nr. 54 [Khoumetli] = Inschr. 5 nr. 48 [Hamitli]. – S. 479 nr. 58 [aus Siledik nach Kyrkaghatsch verschleppt] = Inschr. 5 nr. 40).

5. Schuchhardt Athen. Mitt. XXIV 215f. nr. 40. 48–51. – (nr. 40 s. Inschr. 4, 479 nr. 58. – nr. 48 s. ebd. 477 nr. 54. – nr. 49 [Hamitli] = Grégoire Recueil des inscr. gr. chrét. I [1922] 18 nr. 58; L. Robert Villes 45, 2. – nr. 50 s. Inschr. 4 S. 109. – nr. 51 [Gelembe] = Grégoire 19 nr. 59. Pergamon I 138 nr. 53).

Schuchhardt Pergamon I 138 nr. 52 nimmt an, daß die Inschriften aus Siledik, Jaghmurlu und Ahmetli (doch wohl = Hamitli, Khoumetli, s. Inschr. 4 S. 477 nr. 54) zu S. gerechnet werden können. Wie viele der zahlreichen in Kyrkaghatsch gefundenen Inschriften zu S. gehören, läßt sich nicht feststellen; denn dorthin werden alte Steine aus der ganzen Umgegend verschleppt, L. Robert Villes 36, 6. 72f. 175f.; vgl. Philippson Peterm. Mitteil. Erg.-H. 167, 64f.

Münzen. Zuerst wurden die Münzen von S. am Kaikos anderen gleichnamigen Städten zugeteilt, so bei Mionnet I. II. III. Suppl.-Bd. V. VI, meistens dem karischen S., aber auch dem bithynischen und dem thrakischen Hadrianopolis. Aber schon 1875 sprach es Earinos Μουσεῖον II 1875/76 [1876] 138, 4 aus, daß viele der angeblich karischen Münzen nach der Stadt am Kaikos gehörten. Deren Münzen hat Imhoof-Blumer Griechische Münzen (1890) 199–202 (M. 1) und Lydische Stadtmünzen (1897) 28–37 (M. 2) zusammengestellt und kritisch bearbeitet. Sonstige Publikationen sind: [1246]

3. Inventaire Waddington, Rev. num. IV. sér., I (1897) nr. 1001–1003; nr. 2523 (fälschlich einer nicht existierenden Stadt Pedia in Karien zugeteilt); nr. 2573. 2574 (unter S. in Karien).

4. Catal. of Gr. coins, Lydia (1911) CXVf. 284f.

5. Head HN² (1911) 657.

Nach den Nummern dieser Listen werden Inschriften (Inschr.) und Münzen (M.) im folgenden zitiert.

Lage. M. 4 S. 285 nr. 4 aus der Zeit des Gordianus-Gallienus (M. 4 S. CXV) mit der Darstellung eines Flußgottes und der Beischrift ΚΑΙΚΟC gibt einen allgemeinen Hinweis auf die Lage. Earinos hat im Μουσεῖον II (1876) 138, 4 auf Grund von Inschr. 1 (Ehrenbeschluß, den ἡ βουλὴ καὶ ὁ δῆμος Ἁδριανοπολειτῶν Στρατονεικέων gefaßt haben) die alte Siedlung zwischen Siledik (Silerik, Seledik, Σελεντίκ) und Jaghmurlu, 50–55 km östlich von Bergama (Pergamon), für S. in Anspruch genommen. 1886 ist diese Annahme glänzend bestätigt worden durch die Auffindung von Inschr. 4 S. 109f., drei Briefe des Kaisers Hadrian an Ἁδριανο[πολ]ειτῶν Στρατονεικέ[ω]ν. Inschr. 4, 126 nr. 1 ist eine Ehreninschrift für Antoninus Pius vom Demos [Ἁδριανοπολιτῶν Στρατονι]κέων.

Außerdem hat Radet ll7 in der alten Siedlung Münzen mit Στρατονικέων und Ἁδριανοπολιτῶν Στρατονικέων gefunden. Danach kann kein Zweifel bestehen, daß dort S.-H. gelegen hat.

Geschichte. In literarischen Quellen kommt S. erst sehr spät vor (Steph. Byz. Not. episc. Concilienunterschriften); aus ihnen lernen wir, daß der Name Stratonikeia war, nicht Stratonike, wie H. Kiepert FOA IX und Text 3 b Z. 50 und ihm folgend Schuchhardt Pergamon I 138 und Philippson Petermanns Mitt Erg.-H. 167, 64f. 68 schreiben. R. Kiepert FOA VIII hat die richtige Form. Nur Mansi XIII 544. 566. 627 (im J. 787) steht die Genetivform Stratonices, von Stratonice, was sich sonst nur als Nebenform für den Namen der karischen Stadt S. findet, Bd. IV A S. 322, 40f.

Aus viel früherer Zeit stammen die Inschriften und Münzen. Da S. am Kaikos an Bedeutung weit hinter dem karischen S. zurückstand, sind, ehe die alte Siedlung bei Seledik als S. erkannt wurde, die Nachrichten über beide meistens nicht richtig auseinandergehalten worden, obgleich das in der älteren Literatur gelegentlich, z. B. bei Le Quien Or. christ. I 893f., ganz richtig geschah. Besonders charakteristisch ist der Kommentar zu Inschr. 1 (vgl. L. Robert 44), aus der Earinos den wahren Sachverhalt erkannt hatte. Bei Cramer Asia Minor II 204 werden alle Nachrichten auf die karische Stadt bezogen; vgl. L. Robert Villes 45, 4.

Die älteste Münze von S. ist ein Kistophor mit der Legende ΒΑ ΕV Δ ΣΤΡΑ. Das Δ ist eine chronologische Angabe. Man berechnete sie früher nach einer Aera, deren Ausgangspunkt die Vergrößerung des Pergamenischen Reiches nach der Besiegung des Königs Antiochos d. Gr. sein sollte, d. h. ungefähr das J. 190 v. Chr. Daher wurde der Kistophor vermutungsweise ins J. 186 gesetzt, z. B. M. 2 S. 29. M. 4 S. 284 nr. 1. M. 5, [1247] 657. Von einer solchen Aera ist aber sonst keine Spur bekannt, daher ist die Zahl Δ vielmehr mit L. Robert Villes 34f. 48 als Bezeichnung eines Regierungsjahres anzusehen. Die Münze ist also im 4. Jahre des Königs Eumenes geprägt worden, d. h. 194 v. Chr. S. muß damals natürlich schon bestanden haben. Es kann mithin nicht nach Stratonike, der Gemahlin von Eumenes II., benannt worden sein, wie meist angenommen wird, Head HN² 657. M. 4 S. CXVI. Syll.³ nr. 837, 2, da deren Heirat erst im J. 188 stattfand, s. Bd. IV A S. 321, 28. Es hat seinen Namen vielmehr nach der gleichnamigen Gemahlin von Antiochos I., s. Bd. IV A S. 319, 31f., L. Robert Villes 48f. Das stimmt auch zu Steph. Byz. Allerdings ist dessen Artikel nicht klar, und man hat ihn auf die mannigfachste Art in Ordnung zu bringen gesucht, vgl. zuletzt L. Robert 43f.; Études anat. 561. Durch diese neue Deutung der Münze wird die Geschichte von S. um ein volles Jahrhundert hinaufgerückt, S. ist eine seleukidische Gründung. Ob sie an die Stelle einer schon bestehenden älteren Siedlung getreten ist, läßt sich noch nicht erkennen.

Nach dem J. 194 v. Chr. fehlt für lange Zeit jede Kunde von S. Denn das S., nach dem Aristonikos im J. 130 flüchtete, ist nicht das lydisch-mysische (so M. 2, 29. M. 5, 657. M. 4 S. CXVI), sondern das karische, s. Bd. IV A S. 323, 41f. L. Robert Villes 47f. Früher glaubte man, das Verschwinden der Stadt mit dem letzten Kampf des Aristonikos in Verbindung bringen zu können, die Römer hätten S. nach der Eroberung die Beteiligung am Krieg schwer büßen lassen, und von diesem Schlag hätte es sich erst zur Zeit Hadrians wieder erholt, Weber Untersuchungen z. Gesch. d. Kaisers Hadrianus 136, 491. Ramsay Cities and Bishoprics of Phrygia I 300 nahm weiter an, es wäre dem benachbarten Thyateira steuerpflichtig und damit völlig bedeutungslos geworden. Aber Weber a. O. hat mit vollem Recht darauf hingewiesen, daß diese Vermutung auf ganz schwachen Füßen steht und abgelehnt werden muß. Und ganz unbedeutend kann S. schließlich in der Zwischenzeit auch nicht gewesen sein. Denn Inschr. 2, die Michel (und wohl auch Thraemer Pergamos 409f. unter Bezugnahme auf Curtius) ans Ende des 2. Jhdts. v. Chr., Dain in die zweite Hälfte 2. Jhdts. oder an den Anfang des 1. Jhdts. v. Chr. setzen, die aber nach L. Robert 131 ,en plein 1er siècle‘ gehört, ist eine Ephebenliste, die nicht gerade den Eindruck macht, als ob sie aus einer dürftigen Kleinstadt oder gar einem Dorfe stammte. Und ungefähr in dieselbe Zeit (Ende des 2. Jhdts. und 1. Jhdt. v. Chr.) gehören die Pergamenischen Ephebenlisten, in denen ein Στρατονικεὺς τῶν ἀπὸ Ἰνδειπεδίου vorkommt, Athen. Mitt. XXXV 422 nr. 11, I 10. Dasselbe Ethnikon kann wohl auch ebd. XXXΙI 443 nr. 319, 3 (... τονικεύς), I 319, 7 (... νικεύς), nr. 320, 5 (... στρατ...), S. 446 nr. 328, 1 (...ατον..) ergänzt werden, s. L. Robert Villes 52, 7. Das Ethnikon zu Ἰνδειπέδιον war, meist stark verkürzt als ΙΝΔ, ΙΝΔΙ, ΙΝΔΕΙ (M. 2 nr. 2. 5–9), nur zweimal vollständig als ΙΝΔΙΠΕΔΙΑΤΩΝ (M. 2 nr. 3. 4), schon früher von Münzen bekannt gewesen, L. Robert Villes 46. 50, vgl. Philol. Woch. 1937, 1257. [1248] Reste von ihm sind auch noch auf anderen pergamenischen Ephebenlisten erhalten, Athen. Mitt XXXII 446 nr. 328, 4. 5. Man hat ihn aber nicht erklären können. Die Lösung der Schwierigkeit hat L. Robert Villes 46. 50f. gegeben. Der Name ist dem der Stadt S. hinzugefügt worden, um es von dem gleichnamigen S. in Karien zu unterscheiden. Das Ind(e)ipedion muß die Ebene am oberen Kaikos zwischen S. und dem heutigen Kyrkaghatsch sein, ihre Bewohner waren die Ind(e)ipediatai. Unter Traian fing S. wieder an zu prägen, zuerst steht auf den Münzen nur Ἰνδιπεδιατῶν oder Abkürzungen davon (M. 2 nr. 2–4. 9), aber schon unter Traian (ebd. nr. 5. 6) erscheint dahinter das abgekürzte Ethnikon CΤΡΑΤΟΝΕΙ(κέων), unter Hadrian CΤΡΑ (nr. 7. 8). Das Verhältnis zwischen den Indipediatai und S. ist nicht bestimmt zu erfassen. Man könnte annehmen, daß die verschiedenen Gemeinwesen im Indipedion, die Indipediatai, sich in einer Sympolitie vereinigt und gemeinsam Münzen geprägt haben, vgl. L. Robert Villes 69. Daher tragen die ersten Prägungen nur die Legende Ἰνδ(ε)(πεδιατῶν), M. 2 nr. 2–4. Dann hat S. als wichtigster Ort unter Traian eine Vormachtstellung gewonnen und hat seinen Namen Cτρα(τονει) neben den der Gesamtheit gesetzt, M. 2 nr. 5–8. Allerdings ist es dann auffällig, daß M. 2 nr. 9, eine Münze Hadrians, nur den Namen ΙΝΔ hat. L. Robert Villes 54. 66. 69 gibt noch eine andere Erklärung: die Ebene hätte schon frühzeitig ein städtisches Zentrum gehabt, vielleicht mit Namen ,Inda‘, demgegenüber die Stratonikeier eine untergeordnete Rolle gespielt hätten. Daher wären zuerst nur Münzen mit ΙΝΔΕΙ usw., und erst später welche mit dem Zusatz CΤΡΑΤΟΝΕΙ geprägt worden. L. Robert 69 sieht keine Möglichkeit, zwischen beiden Erklärungen zu entscheiden. Mir scheint die größere Wahrscheinlichkeit für die erste zu sprechen. Denn da Hadrian S. besonders auszeichnet, liegt es nahe anzunehmen, daß es die wichtigste Gemeinde im Gebiet der Ebene war. Aber unsicher bleibt die Sache.

Gegen L. Robert wendet sich in einer Besprechung der ,Villes‘ A. H. M. J. Journ. hell. stud. LVI (1936) 84. Er findet es auffällig, daß S. als eine königliche Gründung von einiger Wichtigkeit im Ende des 2. und Anfang des 1. Jhdts. v. Chr. nicht geprägt hat, und nimmt deswegen an, daß es doch in den Aristonikoskrieg verwickelt und von Rom dafür bestraft worden ist. Es hätte vorher das Indeipedion als Gebiet besessen, nach dem Kriege wäre ihm dieses genommen worden, die Einwohner (außer S.) hätten die unabhängige Gemeinde der Indeipediatai gebildet. Später hätten sich dann diese und S. in einer Sympolitie zusammengeschlossen, und schließlich hätte Hadrian eine Gemeinde aus ihnen gemacht. Der Ausgangspunkt dieser an sich natürlich auch möglichen Entwicklung ist aber bedenklich. Gewiß läßt sich weder für das mysische noch für das karische S. der zwingende Beweis führen, daß es die Stadt ist, in die Aristonikos flüchtete. Aber für Karien hat L. Robert wenigstens etwas Positives anführen können, während das bei der mysischen Stadt nicht der Fall ist. Vor allem aber fehlen Münzen des mysischen S. nicht erst seit dem Ende des Aristonikos, [1249] sondern schon seit dem J. 194 v. Chr. (s. o.). Also kann die Lücke in den Prägungen der Stadt ihren Grund nicht in einer Bestrafung vom J. 130 v. Chr. haben.

Ob S. schon unter Traian, als sein Name zuerst wieder auf Münzen vorkommt, Stadt gewesen ist, läßt sich ebenfalls nicht mit Sicherheit sagen. Lange vor dem J. 127 kann die Erhebung zur Stadt aber nicht stattgefunden haben, da Hadrian, der im J. 123 in S. war (Weber Untersuchungen 123. 141. 148), in einem Briefe aus dem J. 127 von S. als von einer ἄρτι γενομένη πόλις spricht, Inschr. 4 Ι 8f. Vielleicht ist der Name gleich nach der Erhebung auf die Münzen gekommen. Aber es ist auch möglich, daß erst Hadrian S. zur Stadt gemacht hat. Sein Besuch hatte auch sonst günstige Folgen; in dem eben genannten Brief bewilligte ihr der Kaiser wichtige pekuniäre Hilfe, vgl. dazu Radet zu Inschr. 4 S. 120. Ramsay Cities and Bishoprics of Phrygia I 330. Weber Unters. 137, 494. Syll. nr. 837, 4. L. Robert Villes 65, 3. Die Stadt nahm daher den Namen Hadrianopolis an und prägte Münzen mit Ἁδριανὸς κτίστης, M. 2 nr. 12. 14. Daß damit Hadrian nicht als Erstgründer, sondern als Neugründer bezeichnet werden sollte, ist vollkommen selbstverständlich, L. Robert Villes 65f. Neben dem einfachen Ἁδριανοπολειτῶν, z. B. M. 2 nr. 13, findet sich auf Münzen Hadrians CΤΡ (in Monogramm), offenbar eine Abkürzung von S., M. 2 nr. 14. 16. Dieser Doppelname Ἁδριανοπολιτῶν Στρατον(ικέων) bleibt dann auf allen Münzen von Septimius Severus, M. 4 S. 286 nr. 12, bis Gallienus, mit dem die eigene Prägung von S. aufhört, und ist sicher auch auf einer Ehreninschrift für Antoninus Pius, Inschr. 4 S. 126 nr. 1 zu ergänzen [Ἁδριανοπολιτῶν Στρατον]ικέων).

Die weiteren Nachrichten über S. verdanken wir kirchlichen Quellen. Hierokles erwähnt die Stadt nicht. Ramsay glaubte eine Spur von ihr in dem noch nicht überzeugend erklärten (L. Robert Villes 45, 2) Ξίος Τράδοςin der ἐπαρχία Ἑλλησπόντου bei Hierokl. 663, 11 erkennen zu können; er erklärte die Worte als entstanden aus εἰς Στρατον[ίκειαν], Am. Journ. Arch. II (1886) 22. Aber schon in Asia Minor 129 äußerte er Bedenken an der Richtigkeit seiner Erklärung, und Cities and Bishoprics I 205 hat er sie mit Recht wieder zurückgezogen.

In den kirchlichen Quellen wird die Stadt durchweg S. genannt und, wenn ihre politische Zugehörigkeit angegeben wird, zu Lydien gerechnet. Der Name Hadrianopolis ist vollständig verschwunden. Am Concil von Ephesos im J. 431 nahm teil Εὐθήρθιος τῆς Στρατονικέων πόλεως Λυδίας, Schwartz Acta concil. oecum. I 1, 2 S. 63, 179. 7 S. 115, 111. 8 S. 31. In Kalchedon war im J. 451 der Bischof Gemellus, Mansi VI 573f. 947f. 979f. 1089. 1171. VII 46. 124. 153f. 406. 435f. 682. 713. 726. 740. Er unterzeichnete auch im J. 458 den Brief der Bischöfe von Lydien an den Kaiser Leo, Mansi VII 573, ebenso im J. 520 Sabbatius den Bericht über die Einsetzung des Epiphanius als Erzbischof von Constantinopel an den Papst Hormisda, Corpus scriptor. eccles. lat. XXXV, II nr. 234, 14 (S. 715, 1). Michael war einer der Teilnehmer am zweiten Nikainischen Concil vom J. 787, Mansi XII 1101 f. [1250] XIII 143f. 544. 566. 627. 725. 734; vgl. Le Quien Oriens Christ. I 839f. Gams Series episc. 447. Ramsay Am. Journ. Arch. II 22. L. Robert Villes 44, 5. Bei V. Schultze Kleinasien fehlt S.

Die Not. episc. führen S. unter den letzten Bistümern von Lydien an, I 184. III 117. VII 171 (in der vollständigen Ausgabe von Gelzer Abh. Akad. München XXI [1901] 537). IX 103. X 244. Georg. Cypr. 1321 (Gelzer). In X 244 (aber nur in dieser, nicht in einigen, wie Ramsay a. O. sagt) steht ὁ Στρατονικείας ἤτοι ὁ Καλάνδρου. Das bedeutet, daß neben S. ein Bistum Kalandos Bedeutung gewonnen hatte. Diesem Ort entspricht das heutige Gelembe östlich von S., L. Robert Villes 671, in dessen Umgebung christliche Gräber, zum Teil mit Inschriften, gefunden worden sind, Inschr. 5 nr. 51.

Von der Verfassung von S. ist nur wenig bekannt. (οἱ ἄρχοντεσ καὶ) ἡ βουλὴ λαὶ ὁ δῆμος werden mehrfach genannt, Inschr. 1. Inschr. 4, 109 I 7. II 6. III 5/6; der Demos allein ebd. S. 126 nr. 1; die Gesamtheit der Ämter und Leiturgien Inschr. 1. Von Einzelbeamten kommen vor ein Prytane, ein Strateg (sehr oft auf den Münzen von Hadrian an, z. B. M. 2 nr. 10–13. 15–18, meist in der Form ἐπὶ στ[ρα], nr. 10–12 steht für den Namen ein Monogramm); ein Archon, Inschr. 4, 109 I 21. Der eponyme Beamte ist zuerst wohl der Prytane gewesen, Inschr. 2, 1 (1. Jhdt. v. Chr.), der Strateg offenbar seit Hadrian. Eine Zusammenstellung aller auf den Münzen genannten Beamten steht M. 4 S. CXVIIIf. und Münsterberg Num. Ztschr. N. F. V 1912 (1913) 86 (150). Die ἐκκλησία kommt in Inschr. 4, 109 I 21 (II 16. III 15) vor. In Inschr. 2 werden außer dem Prytanen, nach dem sie datiert ist, der Gymnasiarch, der Ephebarch und der γραμματεὺς τῶν ἐφήβων erwähnt.

Folgende Götter sind auf den Münzen von S. dargestellt (ich gebe immer nur einen Beleg): Zeus M. 2 nr. 5. – Hera? ebd. nr. 13. – Athene, ebd. – Artemis, M. 4 nr. 3. – Ephesische Artemis, M. 2 nr. 15. – Asklepios, M. 4 nr. 15. – Nike, nr. 6. – Dionysos, ebd. nr. 14. – Homonoia, M. 4 nr. 12. – Herakles?, M. 2 nr. 17. – Θεὰ Ῥώμη, ebd. nr. 2. – Ἱερὰ Σύνκλητος, ebd.

Die alte Siedlung bei Siledik ist also das alte S. Außer Steinblöcken und Granitsäulen fand Radet 1886 noch Reste eines großen Gebäudes, das er vermutungsweise als das Gymnasium ansah, weil dort die Ephebenliste, Inschr. 2 gefunden worden ist, Inschr. 4 S. 116f. Schuchhardt sah dort kein Mauerwerk mehr, Pergamon I 138 nr. 52 (mit Bild). S. lag in fruchtbarer Gegend (v. Diest Peterm. Mitt Erg.-H. 94, 17f. L. Robert Villes 47, 1), an einer wichtigen Stelle, da es die Straße vom Makestos- nach dem Kaikos-Tal beherrschte, d. h. ein Stück der großen Straße vom Hermostal (Smyrna, Magnesia am Sipylos, Sardes) nach Kyzikos und der Propontis, Philippson Peterm. Mitt. Erg.-H. 167, 68. L. Robert Villes 46, 1. 50.

[Ruge. ]

Nachträge und Berichtigungen

Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
fertig  
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Band R (1980) S. 210
Stratonikeia in Wikidata
Stratonikeia bei Pleiades
Bildergalerie im Original
Register R Alle Register
Linkvorlage für WP   
* {{RE|R|210||Stratonikeia-Hadrianopolis|[[REAutor]]|RE:Stratonikeia-Hadrianopolis}}        
[Abschnitt korrekturlesen]

Stratonikeia-Hadrianopolis

Stadt im mys.-lyd. Grenzgebiet. S VII. = Hadrianopolis (VII 2173 Nr. 1); vgl. XIII 2151,60ff.

Anmerkungen (Wikisource)

Bearbeiten
  1. Tritt an Stelle von o. Bd. VII S. 2173, 33f. XIII s. 2151, 60f.