Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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kretischer Gott mit Kult auf Zypern, richtig Velchanos
Band VII,1 (1910) S. 968970
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Gelchanos (Γελχάνος), richtig Velchanos (Ϝελχάνος) und Velkanios (Ϝελκάνιος), ein kretischer Gott, dessen Kult auf Kypros als Valkanios wiederzukehren scheint. Bisher ist der Kult für folgende Orte bezeugt:

1. Phaistos: Münzen mit der Beischrift Ϝελχάνος stellen den Gott als nackten bartlosen [969] Jüngling dar; er sitzt auf einem Baum und hält mit der Rechten einen Hahn auf dem Schoße, in der gesenkten Linken vielleicht einen kleinen Zweig. Abbildungen u. a. bei Overbeck Kunstmythologie Zeus 197 Münztaf. III 3. Head HN 401, 255. Friedländer-Sallet Kgl. Münzkabinet2 77 nr. 160 Taf. III. Cat. Brit. Mus. Crete 63f. Taf. XV 10. 12. Gardner Types of Greek coins 165 Taf. IX 17. Svoronos Numism. de Crète ancienne I 259 Taf. XXIII 24–26;

2. Lyttos: Fest Ϝελχάνια, geschrieben Βελχάνια, Bull. hell. XIII 1889, 61 ;

3. Gortyn: Inschrift τῶι (Ϝ)ελκανίωι, nicht τοῖ(ς) (Ϝ)ελκανίοι(ς), Comparetti Leggi di Gortyna, Monum. antichi d. Lincei III 23 nr. 10. Collitz-Bechtel Griech. Dialektinschr. III 248 nr. 4963;

4. Knossos: Monat Ϝἐλχάνιος, geschrieben Ἐλχάνιος, Bull. hell. XXIX 1905, 204 nr. 67;

5. Golgoi auf Kypros: kyprische Inschrift, von Otto Hoffmann Griech. Dial. I nr. 160 mit Ϝαλκανίο, von B. Keil Götting. Gel. Nachr. 1895, 361, 1 mit Ϝαλχανίω umschrieben.

Auch den nur aus einer Inschrift von Magnesia bekannten Apollon Βιλκώνιος in dem kretischen Bilkon hat Kern Inschr. v. Magnesia nr. 20 mit dem Velkanios verglichen. – Andererseits wird der Velchanos mit Zeus identifiziert, Hesych. Γελχάνος, ὁ Ζεὺς παρὰ Κρησίν.

Über das Wesen des Gottes sind wir nicht näher unterrichtet. Die Gleichsetzung mit Zeus oder Apollon hat sicherlich zu neuen Sagen über das Verhältnis des griechischen Hauptgottes zu dem ihm jetzt untergeordneten Velchanos geführt, beweist aber für das Wesen des einstigen Sondergottes wenig. Daß Velchanos auf den Münzen von Phaistos auf einem Baume sitzt, läßt verschiedenartige Erklärungen zu (vgl. o. Bd. VI S. 1295. Gruppe Griech. Myth. 779ff.), ebenso daß er einen Hahn in der Hand hält, vgl. Baethgen De vi ac significatione galli, Göttingen 1887. Gruppe a. a. O. 794f. Wie schon Pausanias V 25, 9 den Hahn als Schildzeichen des kretischen Idomeneus von seinen Beziehungen zu Helios herleitet, so hat man wegen des Hahnes meistens auch Velchanos für einen kretischen Sonnengott und zugleich wegen des Sitzens auf dem Baum für einen Vegetationsgott erklärt, vgl. Overbeck a. a. O. Welcker Griech. Götterl. II 244. Preller-Robert Griech. Myth. I 136. Rossbach (Rh. Mus. 1889, 437ff.) meint dagegen, der Hahn sei nur das bekannte erotische Attribut des παῖς χαλός und Velchanos trage ihn als Liebling des Zeus, wie Ganymedes.

Der Name ist zum Teil unter Hinweis auf Elchanan II Samuel. 21, 19 für semitisch erklärt worden, vgl. M. Schmidt zu Hesych. Γελχάνος. Panofka (Abh. Berl. Akad. 1840. 348) verwies auf Hesych σέρκος · ἀλεκτρυὼν καὶ ἀλεκτορίδες σέλκες, und da der Hahn der persische Vogel heißt, zugleich auf Hesych Σελχροί· Πέρσαι. Roulez (Choix de vases de Leide 39 Taf. X) zog den Namen eines Hahns auf einer schwarzfigurigen Vase mit einer Theseus-Darstellung heran, den er γέλκος las (der neue Catalogue van het Rijksmuseum te Leiden 1905 I 62 liest ,γεκκος?‘). Man folgerte daraus, daß Ϝελχάνος mit einem kretischen Ϝέλκος = Hahn zusammenhänge; vgl. [970] Baethgen a. a. O. 10, 2. Andere haben auf die Ähnlichkeit von Velchanos und Volcanus hingewiesen; vgl. schon Secchi in den Dissert. della pontif. accad. Romana X 1842, 331ff. Nach Fick in Bezzenbergers Beiträgen III 1878, 166 läge beiden Namen die Wurzel Ϝελκ = glänzen zu Grunde.

[Jessen. ]