Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band V,2 (1905), Sp. 1875–1876
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Dymanes (Δυμᾶνες) ist der Name einer der drei Phylen, in die die bürgerliche Bevölkerung jedes dorischen Staates geteilt war. Bezeugt ist das durch Steph. Byz. s. Δυμᾶν und Herod. V 68, und reichliche inschriftliche Funde gestatten überdies in einzelnen dorischen Staaten die Dymanen direct nachzuweisen, in andern, in denen die beiden andern dorischen Phylen der Hylleer und Pamphyler bezeugt sind, zu erschliessen. Vgl. K. O. Müller Die Dörfer II 70ff. Schon das Epos (Od. XIX 177) kennt diese Dreiteilung, indem es die Dörfer τριχάικες nennt, und Hesiod frg. 8 Rzach giebt als Erklärung dafür οὕνεκα τρισσὴν γαῖαν ἑκὰς πάτρης ἐδάσαντο. Auf Grund dieses Zeugnisses und wegen der Allgemeinheit dieser Dreiteilung bei den Dörfern kann die Behauptung aufgestellt werden, dass die in der Geschichte überall als eroberndes Volk auftretenden Dörfer bei der Occupation fremden Gebiets eine Dreiteilung des Bodens vorgenommen haben, die Grundlage dieser Phylenteilung wurde, und dass aus der Zugehörigkeit zum Boden der Phyle allmählich eine personale Zugehörigkeit geworden ist. Vgl. Szanto Die gr. Phylen, S.-Ber. Acad. Wien CXLIV 5 S. 4ff. Für eine einzige dorische Besiedlung, die von Halikarnass, ist durch Kallimachos bei Steph. Byz. s. Ἁλικαρνασσός bezeugt, dass nur eine einzige Phyle, und zwar die der Dymanen, aus Trozan zur Colonisierung ausgezogen ist; aber die Glaubwürdigkeit dieser Nachricht ist zweifelhaft. In Sparta bestand in historischer [1876] Zeit eine andere Phyleneinteilung, doch lässt sich die ursprüngliche dorische aus Demetrios von Skepsis bei Athen. IV 141 E. F erschliessen. In Rhodos scheinen die drei Städte ursprünglich den drei Phylen entsprochen zu haben. Bei den argivischen Doriern ist im allgemeinen das Princip festgehalten worden, die unterworfene einheimische Bevölkerung in eine vierte Phyle gleichen Rechtes zu vereinigen. So besteht in Argos neben den drei dorischen Phylen noch die hyrnethische, in Sikyon die aigialeische, in Trozan die der Σχελιάδαι, in Megara tritt erst in der Kaiserzeit eine vierte Phyle, die der Ἀδριανίδαι, hinzu. In Dyme in Achaia sind die drei Phylen umgenannt, ebenso wie vorübergehend in Sikyon und in Kalymna. Nachweise bei Szanto a. a. O. 13ff. In Kreta sind die drei Phylen bezeugt, die Dymanen speciell für Gortyn und Hierapytna (Busolt Gr. Gesch. I² 347, 2), ebenso in Thera (IG XII 3, 377f.) und in Kos (Paton-Hicks 341), ferner in Corcyra, Corcyra nigra und Akragas. Umgenannt sind die Phylen wahrscheinlich auch in Kyrene (Belege bei Szanto a. a. O.).

Der Name D., dessen Stamm im Stadtnamen Δύμη wie im gleichen Namen der späteren localen Phyle von Sparta wiederkehrt, ist offenbar eine Ortsbezeichnung. Als infolge der in ganz Griechenland obwaltenden Tendenz, politische Zusammengehörigkeit genealogisch zu erklären, die Annahme allgemein wurde, dass sämtliche Dymanen von einem einzigen Ahnherrn abstammen, ist unter dem Einfluss des genealogichen Epos dieser Ahnherr, der den Namen Dymas empfing, gleich Pamphylos, dem fictiven Ahnherrn der Phyle der Pamphylen, zum Sohne des Aigimios, des Sohnes des Doros geworden, und zugleich der dritte Eponyme Hyllos, dessen Phyle auch die Herakliden umschloss, und der daher Sohn des Herakles sein musste, als Adoptivsohn des Aigimios angesehen worden (vgl. E. Meyer Geschichte des Altertums II 162f. 207). Über den Cult der Dymanen und ob es einen einheitlichen dymanischen Cult gab, ist nichts bekannt. Nur sind in einer koischen Inschrift (Paton-Hicks 367) die Dymanen und Hylleer als φυλαὶ αἵς μέτεστι τῶν ἱερῶν Ἀπόλλωνος καὶ Ἡρακλεῦς bezeichnet, und daher ist Apollon als Phylengott der D. anzusehen, wie er auch sonst als Gott von Stämmen und Staaten auftritt.