Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
korrigiert  
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Band V,2 (1905), Sp. 17461747
Linkvorlage für WP   
* {{RE|V,2|1746|1747|Dryope 1|[[REAutor]]|RE:Dryope 1}}        

Dryope (Δρυόπη), ,die Dryoperin‘, s. Dryops, Dryades, Dryas. Dibbelt Quaest. Coae mythol., Diss. Gryphisw. 1891, 23. 45ff. 1) Tochter des Dryops, des Königs am Oita, Nik. frg. 41 = Ant. Lib. 32, oder des Eurypylos am Oita, Steph. Byz., oder des Eurytos von Oichalia, Ovid. met. IX 330ff. Nikander erzählt: Als D. die Herden des Vaters weidete, wurde sie von den Hamadryaden zur Gespielin gemacht. Während sie sangen und spielten, ersah sie Apollon. Er verwandelte sich in eine Schildkröte und liess sich von ihr auf den Schoss nehmen, dann in eine Schlange, so dass die Nymphen erschreckt flohen. D. ergiebt sich dem Gotte. Bald darauf wird sie an Andraimon, des Oxylos Sohn, verheiratet und gebiert von Apollon den Amphissos, der später die Stadt Amphissa gründet und dort dem Apollon einen Tempel baut. Aus diesem wird D. von den alten Gespielinnen entführt. Die Nymphen lassen [1747] an ihrer Stelle eine Schwarzpappel aufspriessen und einen Quell emporsprudeln. D. selbst wird aus einer Sterblichen eine Nymphe. Zum Dank für die Anhänglichkeit gegen die Mutter gründet Amphissos den Nymphen ein Heiligtum und bestellt einen Wettkampf im Lauf. Frauen dürfen aber am Feste nicht teilnehmen, weil zwei Mädchen die von den Nymphen entrückte D. verraten hatten. Zur Strafe wurden sie in Fichten verwandelt.

Bei Ovid will D. den Nymphen Kränze darbringen. Unterwegs pflückt sie, dem kleinen Amphissos zur Freude, Blumen; doch eine Lotosblume brechend verletzt sie die Nymphe Lotis und wird zur Strafe dafür in einen Baum verwandelt. Die Genealogie weist D. ins Spercheiosthal, Amphissos dagegen, den Eponymen von Amphissa, in die Gegend am Parnass. Die Geschichte von D. ist die rationalistische Umdeutung eines alten Dryadencults. Mannhardt Ant. Wald-und Feldculte 17. Töpffer Aus der Anomia 42.