Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band V,1 (1903), Sp. 1080–1082
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13) Dios, Monatsname, in Makedonien und im nordwestlichen Griechenland heimisch. 1. Bei den Aitolern der vierte Monat des Kalenderjahres, sehr häufig erwähnt in delphischen Freilassungsurkunden, die bezeugen, dass er dem Poitropios [1081] der Delpher und demnach dem attischen Poseideon (December) parallel lief, z. B. Wescher-Foucart Inscr. rec. à Delphes 124 (Sammlung der gr. Dialektinschriften II 1789). 145 (Dialektinschr. II 1810). 188 (Dialektinschr. II 1853). 199 (Dialektinschr. II 1864). 252 (Dialektinschr. II 1917). 304 (Dialektinschr. II 1969) u. a. Vgl. E. Bischoff Leipziger Studien VII 363. 2. In dem Kalender der Perrhaiber wird der D. dem thessalischen Themistios gleichgesetzt, IGS III 10 689 (Dittenberger Syll.² 453, 8). C. Wachsmuth Rh. Mus. XVIII 546 weist ihm mit Bestimmtheit die Stelle des gleichnamigen makedonischen Monats, gleichlaufend dem attischen Pyanopsion (October), zu. Dagegen neigt E. Bischoff Leipziger Studien VII 322f. 336 mehr zur Identification mit dem aitolischen D., dem attischen Poseideon (December). Keine von beiden Annahmen lässt sich beweisen; ja nicht einmal, dass auf jeden Fall eine von beiden richtig sein muss, ist sicher. Denn so gut Makedonier und Aitoler unter einander in seiner Stellung differierten, konnten auch die Perrhaiber von beiden abweichen. Der thessalische Themistios ist selbst unbestimmbar, kann also hier auch nicht weiter helfen. 3. In dem altnationalen Mondsonnenjahr der Makedonier, das mit der Herbstnachtgleiche begann, war der D. der erste Monat, entsprechend dem attischen Pyanopsion (October). Er findet sich teils in makedonischen Inschriften (CIG 2007 d, 10), teils seit Alexander in den Urkunden der hellenistischen Reiche und Gemeinden des Orients, die den makedonischen Kalender angenommen hatten. So in Pergamon in der Datierung zweier Briefe Attalos III. aus dem J. 135 v. Chr. (Altert. von Pergamon VIII 1, 248, 44. 61) und in Ziegelstempeln der Königszeit (Altert. v. Pergamon VIII 2, 670. 678; zweifelhaft in der Lesung 713. 724), im Seleukidenreich in einem Brief König Antiochos III. an die Behörden zu Antiocheia aus dem J. 189 v. Chr. Le Bas-Waddington Inscr. III 2713 a. In dem römischen Sonnenjahr der Provinz Asia dagegen, das mit dem Geburtstag des Augustus begann (s. unter Daisios), wurde für den Anfangsmonat allein unter allen der makedonische Name nicht beibehalten, sondern durch Καῖσαρ ersetzt (Athen. Mitt. XXIV 1899, 289 Z. 54 der Inschrift). Das sonst jenem Provincialkalender sehr ähnliche Sonnenjahr, das im Hemerologium Florentinum den Ephesiern zugeschrieben wird, differiert in diesem Punkt, indem es die Reihe der Monate mit dem 30 tägigen Dios (24. September bis 23. October) eröffnet. Thatsächlich kommt auch in Inschriften der Kaiserzeit, die aus der Provinz Asia stammen, der Monatsname mehrfach vor, z. B. CIG 3440 (Le Bas-Waddington Inscr. III 671, aus Lydien, 215 n. Chr.). Le Bas-Waddington III 701 (Koloë in Lydien, 133 n. Chr.). 710 (Silandus in Lydien, 102 n. Chr.). 1639, 15 (Aphrodisias). Mit grösserer oder geringerer Verschiebung kehrt der D. wieder in den römischen, auf dem Sonnenjahr beruhenden Kalendern der Araber (Anfangstag 18. October), der Gazaeer (28. October), dem syromakedonischen (1. November), dem von Tyros (18. November), Askalon (27. November) und Sidon (1. Januar), die wir aus den Hemerologien kennen. Für Tyros giebt einen urkundlichen Beleg das dortige Ratsprotokoll [1082] in der Inschrift von Puteoli, CIG 5853 (IGI 830), mit der Datierung κα [Δ]ίου (Z. 20). Ausserdem vgl. Le Bas-Waddington Inscr. ΙΙI 1877 (Abila Lysaniae). In Palmyra wird er dem syrischen Kanûn gleichgesetzt in der bilinguen Inschrift bei Le Bas-Waddington Inscr. III 2618, 2; s. auch 2591, 7. Einen ähnlichen Kalender setzen auch die Inschriften des bosporanischen Reichs aus der Kaiserzeit, in denen der D. erwähnt wird (Latyschew Inscr. Gr. orae sept. Ponti Eux. II 43, 16. 182², n. 400, 7. 446, 30. 453, 21), voraus. 4. In gar keinem Zusammenhang mit dem makedonischen Kalender steht dagegen das Vorkommen des Namens in Bithynien, wo er nach dem Hemerologium Florentinum die fünfte Stelle einnahm und vom 21. Februar bis zum 23. März (31 Tage) dauerte (Ideler Handbuch der Chronologie I 421). Denn so ähnlich das kalendarische System dieser Jahrform dem asiatischen und den diesem verwandten Provincialkalendern ist, so wenig haben die bithynischen Monatsnamen etwas mit den makedonischen zu thun. Sie sind vielmehr ganz selbständig und nach einem bestimmten Princip (s. unter Dionysios Nr. 167) gebildet; darnach wird man annehmen müssen, dass der Name hier an den in einer bithynischen Griechenstadt bestehenden Zeuscultus, anknüpft. 5. Eine Inschrift unbestimmbarer Herkunft, CIG 6850 A, nennt den Monat ebenfalls. Sie der Insel Lesbos zuzuweisen, wie nach Vorgang des Herausgebers vielfach geschehen ist, genügt weder der von diesem dafür beigebrachte Name Κλεανακτίδης noch die Thatsache, dass von den übrigen Monatsnamen einer, Ἀπολλώνιος, allerdings für Lesbos nachweisbar ist (s. o. Bd. II S. 163 Nr. 129). Ein Blick auf die Gesamtheit der vorkommenden Namen (Ἀπολλώνιος, Δεῖος, Ἡφαίστιος, Ἰουλαῖος, Ποσίδαιος) lässt hier vielmehr einen Kalender römischer Zeit erkennen, dessen Nomenclatur nach einer ganz ähnlichen Methode wie in dem bithynischen (s. o.) gebildet ist. Vgl. E. Bischoff Leipziger Studien VII 349.

Nachträge und Berichtigungen

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Band S III (1918), Sp. 338
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[Abschnitt korrekturlesen]
S. 1080, 64 zum Art. Dios Nr. 13:

Dieser Monat als ἐμβόλιμος wird auch erwähnt auf einer Inschrift zu Buttos im westlichen Lokris um die Mitte des 2. Jhdts. v. Chr. Nachmanson Athen. Mitt. XXXII nr. 29 und S. 53.