Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Militärisch
Band IV,2 (1901) S. 23522353
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2) Decurio militärisch. a) Ursprünglich der Befehlshaber der kleinsten römischen Reiterabteilung (Fest. ep. p. 71), der Decuria (s. d.). Je drei derselben, aus den drei Stämmen der Ramnes, Tities und Luceres genommen (Mommsen St.-R. III 108), gehörten als die Officiere ihrer zu einer Turma vereinigten Decurien zusammen (Varro de l. l. V 91), und zwar führte der erste von ihnen den Oberbefehl (Polyb. VI 25, 1. Marquardt St.-V. II² 348). Im ganzen gab es anfänglich, entsprechend den 30 Decurien, 30 Decurionen (Marquardt St.-V. II² 322), die nach Mommsen (St.-R. III 261) die Censoren ernannt haben dürften, b) In der Kaiserzeit, als die Reiterdecurien längst eingegangen waren, der Befehlshaber einer Turma der Alae, Cohortes und Equites Singulares, mithin einer Schwadron von 30 und mehr Reitern. Nach Hygin. 16 betrug ihre Zahl bei den Alae — als decuriones alares (CIL III 14, 865) oder alarii (Rev. arch. 1889 II 187) näher bezeichnet — miliariae 24, bei den quingenariae 16; letztere Angabe wird durch die Inschrift CIL III 14 = 6581, die je 16 Decurionen zweier alae quingenariae errichteten, bestätigt. Wieviel Decurionen bei den einzelnen Cohorten standen, ist infolge einer Lücke bei Hygin. 27 nicht ganz sicher. Doch giebt Cichorius (s. o. S. 235) auf Grund der Stammrolle der Cohors I Augusta Lusitanorum (Ephem. epigr. VII p. 458 = UBM 696) entgegen den Ansetzungen v. Domaszewskis (Hyginausgabe p. 50) und Mommsens (Ephem. epigr. V p. 31 = CIL III 6760. Ephem. epigr. VII p. 462) ihre Zahl bei den miliariae wohl richtig mit 6, bei den quingenariae mit 8 an. Völlig unbekannt ist dagegen, wie viele Decurionen das Corps der Equites Singulares zählte (Henzen Ann. d. Inst. XXII 1850, 49). Nach Vegetius II 14 wurden auch die einzelnen Abteilungen der Legionsreiter, deren es 22, jede zu 32 Reitern (Veget. II 6. 14), gab (Chr. Conr. Lange Hist. mut. rei milit. Rom. 90), von Decurionen befehligt. Doch gilt das nur für die späte Kaiserzeit, und wenn Marquardt (St.-V. II² 457, 1) aus CIL II 1681 und Ephem. epigr. IV p. 525 = CIL III 7449 folgert, dass sich auch vordem bereits Decurionen bei der Legionsreiterei nachweisen lassen, so hat Mommsen (CIL III 7449 Anm.) diese Aufstellung unter Hinweis auf CIL VIII 2593 überzeugend widerlegt, vgl. auch Cagnat L’armée d’Afrique 201, 1. Von den Obliegenheiten eines D. (griech. δεκουρίων CIG 5057, Athen. Mitt. XVI 443 oder δεκάδαρχος Arrian. tact. 42. 1; ect. 1, letzteres CIG 5047 und UBM 466, 5. 588 III 4 durch ein X bezeichnet) handelt Veget. II 14. Bisweilen wurden den decuriones alares kleine Commandos übertragen, vgl. CIL III 75. Ephem. epigr. VII p. 427, ein Cohorten-D. erhielt sogar den Befehl über eine Cohors quingenaria mit dem Titel Praepositus, vgl. Ephem. epigr. V 1047 = CIL VIII 21 560. Nach Hygin. 16 standen jedem D. drei Dienstpferde zu. Aus CIL III 7626 erfahren wir von einer Schola decurionum alae I Tungrorum.

Litteratur: Madvig Verfass. und Verwalt. des röm. Staates II 495. Marquardt St.-V. II² 322. [2353] 348. 457, 1. 471, 2. Humbert in Daremberg-Saglio Dict. II 39–41.