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Textdaten
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Autor: Dr. F. B.
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Titel: Naturforscher und Volksdichter
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 15, S. 246-248
Herausgeber: Ernst Ziel
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1878
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Originaltitel:
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Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
Siehe Autorenseite Franz von Kobell
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Naturforscher und Volksdichter.

Nicht leicht einen Zweiten wird es geben, welcher bei der ernstesten wissenschaftlichen Forschung sich bis in das höchste Alter eine so urwüchsige Lebensfrische erhalten hat, wie Professor Franz von Kobell in München. Ziemlich weiß ist freilich das Haar, etwas nachlässig seine Haltung geworden, aber noch schreitet die Gestalt oftmals rüstigen Schrittes durch die Straßen. Ist auch Kobell’s Blick um einen Grad ernster geworden, so leuchtet sein Gesicht doch noch heute bei dem ersten Worte des Gespräches von herzlichem Wohlwollen, zunächst mit einer guten Portion Schalkhaftigkeit, und von ungetrübter Heiterkeit. Wie sonst entfaltet sich noch eine Fülle von Humor, dessen Färbung eine so echt süddeutsche harmlos heitere ist, daß man die Tiefe des Grundes ganz vergißt, auf welchen er wurzelt. Längere Vertrautheit mit seinen poetischen Arbeiten ist ja auch erforderlich, um deren verborgenen ethischen Gehalt immer und überall herauszulauschen. Selbst den Nahebefreundeten drängt sich auch immer und immer wieder die Frage auf, ob es denn möglich sei, daß der auf dem Gebiete der Mineralogie und Chemie in der ganzen wissenschaftlichen Welt bekannte Forscher und Erfinder, der populäre mineralogische Schriftsteller, der phantasievolle, selbst von einem Alexander von Humboldt neidlos bewunderte poetische Geologe ein und dieselbe Person ist mit dem Jagdhistoriographen, mit dem lyrischen Dichter, mit dem Sänger lustiger Volksstücke und heiterster Volks-„Gesangln“, mit dem volksthümlichen Epiker und prosaischen Fabulanten, mit dem liebenswürdigsten Erzähler weit und breit, gleichviel, ob er die harte oberbaierische oder die zungengeläufige pfälzische Mundart als Werkzeug wählt. Dabei haben wir noch gar nicht in Anschlag gebracht, daß Ebenderselbe auch ein unermüdlicher Jäger, besonders im Hochgebirge, ist und an Gemsen allein nicht weniger als zweihundertvierundvierzig Stück geschossen hat, daß er, wie männiglich bekannt, jederzeit zu geselligen Freuden aufgelegt und bereit ist und in sich ein gesellschaftliches Talent herangebildet hat, welches überall seines Gleichen sucht, und daß er bei keiner Volksvereinigung zu Scherz und Erholung je fehlt, sodaß der Mann in der Lodenjoppe, die nie verlöschende Cigarre im Munde, zu einem lebendigen Wahrzeichen der Stadt München geworden ist.

Franz von Kobell wurde in München am 19. Juli 1803 geboren. Sein Vater, welcher ebenfalls Franz von Kobell hieß, war Generalsekretär im Ministerium daselbst, stammte aber aus Mannheim. Seine Mutter, ein Fräulein von Burger, war eine geborene Münchnerin. Im zwanzigsten Lebensjahre (1823) erhielt der Sohn Franz seine erste Anstellung als Adjunct an dem Conservatorium der mineralogischen Sammlungen des Staats und rückte hier später zum Conservator vor. Im dreiundzwanzigsten Lebensjahre (1826) war er bereits außerordentlicher, acht Jahre später ordentlicher Professor der Mineralogie an der Hochschule in München. Die baierische Akademie der Wissenschaften hat ihn 1827 zum außerordentlichen, 1842 zum ordentlichen Mitglied erwählt.

[247] Werfen wir, um diesem reichen Leben näher zu treten, vor Allem den Blick in seine Wohnung! Trifft es zwar auch bei Kobell zu, daß der Rock den Menschen zeigt, so ist doch heutzutage die Wohnung ein noch viel zuverlässigerer Prüfstein, als die Kleidung. Wie schlicht ist doch dieses mit Geschenken und Zeichen der Liebe und dankbarer Verehrung von überall her reich versehene Wohn- und Studirzimmer (denn es ist beides in Einem)! Die Photographien ohne Zahl aus lieben Händen, Bild an Bild, ernste und heitere, besonders die in Laune und Witz unübertrefflichen Farbenscherze des unserem Kobell engbefreundeten Geistesverwandten Grafen Franz Pocci – alles ist einfach aufgenagelt an Thüren und Wänden. Nur ein paar kleine Oellandschaften haben sich zu einem Goldrahmen aufgeschwungen und einige Lithographien wurden unter Glas gebracht. Stolz tritt nur die Jagdlust auf. Da hängt in einer Ecke eine stattliche Zahl trefflicher Jagdgewehre und nicht weit davon das einzige große Oelgemälde, einen gewaltigen Nimrod vorstellend, den Großvater Kobell’s; eine ganze Wandseite ist überdeckt mit „Gamskrickeln“ und anderem Gehörne selbsterlegten Wildes. An der anderen Wand ferner stehen auf zwei Bretterlagen Becher und Humpen ehrwürdigster Gestalt bedächtig neben einander. Den besten Platz im großen Zimmer mit dem hellsten Lichte aber nimmt der massive Schreibtisch ein, auf ihm ein paar Regale voll Bücher. Ihm gegenüber ein gewaltiger verschließbarer Kasten für Mineralien, Bücher und Schriften. Ueberall Ordnung, aber prunkloseste Einfachheit. Zuhöchst über dem Kasten schaut auf uns ein schöner Jagdhundkopf hernieder, das Zeugniß derjenigen Erfindung Kobell’s, deren unschätzbarer Werth als Vervielfältigungsmittel für die zeichnende und malende Kunst nur dadurch zurücktrat, daß sie von der neuen Erfindung der Photographie überholt worden ist. Wir meinen die Galvanographie. Für Bequemlichkeit ist im Zimmer auffallend schlecht gesorgt. Rohrstühle mit kerzengrader hoher Rücklehne sind die einzigen gebotenen Ruhesitze. (Ein Divan bleibt unbenützt.) Nur ein Luxus fällt in die Augen – auf die Fensterbretter gestellte Scherben mit Blumen und Blaupflanzen. Und nun erst das anstoßende Schlafzimmer! Das einfachste Bett von der Welt, mit einem Musselindeckel zugedeckt, ein paar weitere kolossale Kästen – das ist so ziemlich Alles, was das schlichte Zimmer birgt. Die Wände sind hier ohne jeden Schmuck gelassen. Kurz, wir können uns nie des Eindruckes erwehren, als befänden wir uns in der Wohnung eines sehr „soliden“ Studenten.

Freilich etwas anders sieht es in den anstoßenden, von der liebenswürdigen, zart- und feingebildeten und – wie der Gatte – noch geistesfrischen Gemahlin Karoline bewohnten Räumen aus. Eine wärmere Behaglichkeit waltet in ihnen, aber auch hier fehlt all der raffinirte Luxus der Neuzeit, welchen die junge Generation für eine unerläßliche Nothwendigkeit anzusehen liebt.

Die Gartenlaube (1878) b 247.jpg

Franz von Kobell.
Nach einer Photographie auf Holz gezeichnet von Adolf Neumann.

Frau wie Mann, Jedes in seiner Weise, zeigen schon auf den ersten Blick dem Fremden wie dem Freunde ein Wesen gerade so einfach und schlicht – wie die vorhin geschilderte Häuslichkeit. Kobell hat bekanntlich jüngsthin sein fünfzigjähriges Doctorjubiläum gefeiert. Es hatte für mich sein Tiefrührendes, Beide die Ueberraschung schildern und die tiefempfundene Dankbarkeit äußern zu hören über die in jenen Tagen gehäuften und beinahe bis zur „Strapaze“ gesteigerten Beweise von Anerkennung und Theilnahme, und wie sie vor Allem es rühmten, daß selbst König Ludwig ihn, „den einfachen Professor“, zu einer Hoftafel geladen hätte, an der außer ihm lauter hohe Würdenträger gesessen seien.

Die Gratulanten waren zahlreich. Da war vor Allem die Alma mater Erlangen mit einem großen lateinischen Festdocumente gekommen. Die Universität München wetteiferte mit der Schwester und ließ unter Anderem eine Festabhandlung durch Oberbergrath Gümpel eigens als Festschrift drucken. Gleiches geschah Seitens der Akademie der Wissenschaften, welche ebenfalls eine Jubelschrift durch Prof. Dr. August Vogel verfassen ließ. Andere gelehrte Gesellschaften drückten in gleicher oder ähnlicher Weise dem Jubilar ihre Theilnahme aus. Daß auch Dichter mit ihren Glückwünschen anrücken würden, war nicht anders zu erwarten. Scheffel sang aus Schwaben herüber, und Bodenstedt grüßte aus sächsischen Landen.

Betrachten wir nun das Schaffen Kobell’s selbst, so können wir nur einige aus der großen Masse der wissenschaftlichen Arbeiten berücksichtigen und auch sie nur – nennen. Die weiteste Verbreitung haben wohl die „Tafeln zur Bestimmung der Mineralien mittelst chemischer Versuche“ gefunden, da sie seit ihrem ersten Erscheinungsjahre (1833) schon die neunte Auflage erlebt haben und in’s Französische, Englische, Italienische und Russische, sodann die populären „Skizzen aus dem Steinreiche“, welche in’s Englische und Dänische übersetzt worden sind. Von der „Leicht faßlichen Mineralogie“ (1847) ist bereits die vierte Auflage (1871) erschienen. Zu den einflußreichsten Schriften Kobell’s gehörten ohne Zweifel auch die, welche sich „Mineralnamen und mineralogische Nomenclatur“ (1853) betitelt, sowie die krystallographischen und krystalloptischen Abhandlungen, und besonders die über das von Kobell erfundene Stauroskop (1855). Bahnbrechend endlich war auch die „Geschichte der Mineralogie“ (1864), von welcher jene Göttinger Adresse sagt, daß ihr Autor sich schon durch dieses Werk allein ein unvergängliches Verdienst erworben haben würde. Schließen wollen wir diese Bemerkungen mit der Erinnerung daran, daß Kobell zu Ehren ein Mineral Kobellit benannt worden ist.

Unter den poetischen Arbeiten Kobell’s und zwar denen der ernsten Gattung nimmt das Lehrgedicht „Die Urzeit der Erde“ (1856) die erste Stelle ein. In demselben werden mit einer nur der Phantasie des Dichters möglichen Lebendigkeit und Anschaulichkeit die einzelnen Perioden der Erdbildung an der Hand der Ergebnisse der Geologie geschildert. Mit einem wunderbaren Geschicke [248] und zum Theile in packender Weise weiß er hierbei die lehrhafte Monotonie zu vermeiden, indem er mit zwei von verschiedenen Standpunkten der Betrachtung ausgehenden Stimmungen, theils an die Urzeit, theils an die Gegenwart sich anschließend, und mit zweierlei Versbau abwechselt.

Am Schlusse der sogenannten Schöpfungsgeschichte singt Kobell folgende zwei sein ganzes Wesen kennzeichnende Endstrophen:

D’rum gieb dich vertrauenden Herzens hin
Und – werde was da werde! –
Mit dankender Seele pflücke den Tag;
Vom Himmel ja kommt er zur Erde!

Und lausche und lern’ von der Vöglein Gesang,
So friedlich tönend und labend!
Sie grüßen den Morgen und, sorglos der Nacht,
Auch grüßen sie freudig den Abend.

Als classisches Werk gilt in sachverständigen Kreisen Kobell’s illustrirtes Prachtwerk „Der Wildanger, Skizzen aus dem Gebiete der Jagd und ihrer Geschichte“ (Cotta 1859). Lange vorher schon hatte aber Kobell im Vereine mit Pocci als Illustrator das Herz der Jäger durch seine „Alten und Neuen Jägerlieder mit Bildern und Singweisen“ (1843) erfreut.

Ein Band ernster, hochdeutscher Gedichte (1852) fand ebenfalls warme Aufnahme. Was jedoch den dichterischen Ruf Kobell’s zunächst fest begründet hat, das waren seine Gedichte in oberbaierischer (6. Auflage 1862) und pfälzischer Mundart (5. Auflage 1862). Die Beherrschung beider, selbst der letzteren Mundart, welche Kobell nur seinen Kindsmägden ablernte, die der besorgte Vater wegen ihrer Zuverlässigkeit aus der Pfalz nach München hatte nachkommen lassen, ist eine vollständige. Ganz in demselben Grade gelang es ihm auch, in das Denken und Treiben beider Volksstämme sich zu versenken und eine solche Lebenswahrheit und Anschaulichkeit in der Darstellung zu erreichen, daß man die einzelnen Personen der Gedichte, möge es nun Burschen oder Mädchen, Junge oder Alte sein, leibhaftig agiren zu sehen oder sprechen zu hören glaubt, ein Eindruck, welcher überdies von den betreffenden Volkstheilen selbst nach einstimmigem Zeugnisse ebenfalls getheilt wird. Reichthum in Erfindung, Bestimmtheit in Charakterisirung und Individualisirung einerseits, dann heitere, aber edle Lebensphilosophie, offener und warmer Sinn für Natur und Genuß ihrer Güter, tiefes, aber kräftiggesundes Gefühl, harmloser und doch scharftreffender Spott, urkomische Selbstironie andererseits, sind nur einige der Vorzüge, deren Zusammenwirken den unsäglichen Reiz erzeugen, welcher diesen Gedichten beinahe allen in gleichem Grade eigen ist und welcher im Stande ist, wohl selbst den Traurigsten aufzuheitern. Wahre Perlen des deutschen heiteren Dichtungsschatzes aus alter und neuerer Zeit sind z. B. „der Verdruß“ (oberbaierisch) und „die Gemsjagd“ (pfälzisch). Was die einzelnen Arten von Gedichten betrifft, so sind es theils lyrische theils epische, theils Idyllen, Stimmungs- und Genre- besonders Jagdbilder, theils Erzählungen, darunter patriotische Abrisse aus der specifisch baierischen Geschichte und ein paar längere novellenartige Erzählungen. Auch an Sagen und am Hereinragen einer dämonischen Welt fehlt es nicht. Das Originellste bilden die sogenannten „Schnadahüpf’ln“, das heißt die im Gebirge heimische Spott-Strophen, welche zumeist, wie ähnlich ernste Dichtungen in Italien von Zweien oder von zwei mehrköpfigen Parteien gegen einander gesungen werden. Kobell sitzt als volksthümlicher Stegreifdichter so fest im Sattel, daß er selbst schon solche Wettkämpfe mit den reim- und singfertigen Burschen des Gebirgs aufnahm. Einmal sollten zwei als solche Sänger bekannte Holzknechte sich bei Gelegenheit einer Jagd vor dem König hören lassen. Beide standen verdutzt da und waren nicht zum Anfangen zu bringen. Da verhalf ihnen Kobell in’s Geleise und zwar dadurch, daß er in ein paar kräftigen Schnaderhüpf’ln sie selbst angriff, ihnen vorwarf, daß ihre Kunst nicht weit her sein müsse, weil sie nicht die „Schneid’“ (den Muth) hätten, vor ihrem König zu singen. Da gingen sie los, packten erst Kobell wacker an und sangen dann gegen einander frisch und lustig fort. Ein anderes Mal griff in St. Bartholomä ein solcher Sänger ihn von freien Stücken an und forderte ihn förmlich auf einen Wettgesang heraus; Kobell mußte sich stellen. „Ich habe,“ erzählte er, „eine Zeitlang mit ihm gesungen, es ging mir aber doch früher das Trumm aus, wie ihm.“ – Er selbst stellt das Wesen des Schnaderhüpfels in folgenden zwei „Stuckeln“ dar:

Und a Schnadahüpfei
Is’ an offa’s Briefei,
Und da steht’s deutli’ drinn,
Wie dir is in dein Sinn.

Und a Schnadahüpfei
Hat an lustinga Stand,
Und macht überall auf,
Is a Landmusikant.

Zur Erleichterung des Verständnisses oder wenigstens zur Anbahnung eines solchen bei Fremden, der süddeutschen Dialekte Ungewohnten, sind den Schnadahüpf’ln Register der fremdartigsten Ausdrücke beigegeben.

Die Vorzüge der obenerwähnten Gedichtsammlungen theilen im Allgemeinen auch die späteren Erzeugnisse der Kobell’schen Muse. Es erschien nämlich in dem bekannten Münchener Verlage von Braun und Schneider, theilweise in Wiederholung aus den „Fliegenden Blättern“ eine „Sammlung von (neuen) Schnadahüpf’ln und prosaischen Erzählungen“ (ohne Jahreszahl). Unter letzteren ist besonders die „G’schicht’ von’ Brandner-Kasper“ und der „Türken-Hansl (Turco), a G’schichtl aus’n Krieg vo’ 1870“ in die weitesten Volkskreise gedrungen. Werthvoll ist eine Beigabe, auf welche wir besonders aufmerksam machen; es ist dies die längere Abhandlung: „Zur Charakteristik oberbaierischer und verwandter Dialektpoesie“.

Auch ein Büchlein mit prosaischen Novellen im pfälzischen Dialekte hat Kobell uns geschenkt. Der Titel lautet: „P’älzische G’schichte’“ (1863). Die neueste Gabe endlich ist das besonders von den Volkstheatern freudig begrüßte „G’schpiel“, das heißt eine Sammlung von Volksstücken und (neuen) Gedichten in oberbaierischer Mundart (1868). Theaterstücke von Kobell giebt es vier: „Der Roaga“ (Recher), „Der Rauba“, „Die Untersberger Maannl’n“ und „Brugger-Marie“.

Uebrigens ist unserm Dichter die Gabe der Identificirung mit der Volkssprache im weitesten Sinne eigen. Kobell hat sich auch im Schwäbischen wie im Englischen bereits mit Erfolg versucht. Sein Nachahmungstalent ist auch noch in anderer Richtung ein wahrhaft staunenswerthes. Wer das Glück gehabt hat, Kobell auch nur Eines seiner dialektischen Gedichte selbst declamiren oder sogar nur vorlesen zu hören, vergißt die frappante Täuschung nie mehr. Je näher man die Bauern des baierische Gebirges, die pfälzischen Spießbürger ober endlich unsere Schwaben kennt, um so mehr glaubt man sie selber zu hören und mit allen ihren eigenartigsten Manieren zu sehen, wenn man Kobell’s Werke liest.

Franz von Kobell gehört zu den originellsten Dichtererscheinungen der Gegenwart.

Dr. F. B.