Die Predigt am Magdalenentage

Textdaten
<<< >>>
Autor: Leopold Friedrich Günther von Goeckingk
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Die Predigt am Magdalenentage
Untertitel:
aus: Die zehnte Muse. Dichtungen vom Brettl und fürs Brettl. S. 339–340
Herausgeber: Maximilian Bern
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1904
Verlag: Otto Eisner
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Berlin
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Commons = Google-USA*
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
Die zehnte Muse (Maximilian Bern).djvu
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite
[339]

Die Predigt am Magdalenentage.

Ein Priester predigte am Tage Magdalenen
     Vom Greuel ihrer ersten Lebensart;
Doch ward nachher das Lob der Schönen
     Ob ihrer Reu’ und Busse nicht gespart –

5
Nun fuhr der Redner zu den Damen,

     Die vor ihm sassen, eifernd fort:
»Wie viel sind unter euch, die mehr zu diesem Ort
     Sich zu belustigen, als zu belehren kamen! –

Absonderlich ist eine unter euch,

10
     Bei der hilft weder Droh’n noch Bitten –

An Leichtsinn und an losen Sitten
     Bleibt sie vielmehr sich immer gleich! – –

Wie heilig hat sie alle Jahr’
     Im Beichtstuhl Besserung versprochen –

15
Allein wie allzubalde war

     Stets dies Gelübd’ gebrochen? –

Und da sie ihre Frechheit immerdar
     Noch gar vermehrt – wer kann’s verwehren,
Wenn wir sie öffentlich beschwören? –

20
     Das will ich jetzt auch thun! – Es ist – es ist –
[340]

Was meint ihr? soll ich namentlich sie nennen? –
     Ich sollt’ es freilich wohl – doch wisst – –
Allein warum nicht? – Gut, ihr sollt sie kennen! –
     Vielleicht bringt dies zu ihrer Pflicht

25
Sie noch zurück[WS 1] – so leid mir’s thut, sie zu beschämen.

     Es ist – doch – ohne Makel könnt’ ich nicht
Den Namen nur auf meine Zunge nehmen! –
     Ich will sie drum auf andre Art der Welt

Kundmachen und an ihr das Strafamt schärfen.

30
     Dort sitzt sie! – Wie sie sich nicht stellt! –

Jetzt werd’ ich mein Gebetbuch nach ihr werfen! –
     Gebt acht! – Gebt acht! auf wen es fällt!« – –

Indem er nun empor mit seinem Buche fuhr,
     War jede bange vor dem Falle,

35
Und jede bückte sich. –

 »Verborbene Natur! –
Ich dacht’, es wäre eine nur –
     Nun seh’ ich wohl – sie sind es alle!«


L. F. G. von Göckingk.
(1748–1828.)



Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: zürück