Beantwortung der Vertheidigung der Afterärzte zu Opferbaum und Rieden Amts Arnstein

Textdaten
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Autor: Joseph Nikolaus Thomann
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Titel: Beantwortung der Vertheidigung der Afterärzte zu Opferbaum und Rieden Amts Arnstein
Untertitel:
aus: Journal von und für Franken, Band 6, S. 600-606
Herausgeber: Johann Caspar Bundschuh, Johann Christian Siebenkees
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1793
Verlag: Raw
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Erscheinungsort: Nürnberg
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: UB Bielefeld, Commons
Kurzbeschreibung:
s. a. Miscellaneen (Journal von und für Franken, Band 2, 2)#2, Erklärung eines Fränkischen Patrioten, der unparteyisch seyn will, über die angegebenen Afterärzte zu Opferbaum und Rieden im Amte Arnstein
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VI.
Beantwortung der Vertheidigung der Afterärzte zu Opferbaum und Rieden Amts Arnstein.

Nicht das Seichte und Unzulängliche des Aufsatzes im Journal v. und f. Franken 6 Bd. 3 Heft S. 303 über die Afterärzte zu Opferbaum und Rieden, sondern die verletzte Wahrheit allein fordert mich auf, ein Paar Worte zu reden. Es ist nicht genug, Dinge auf Geradewohl in die Welt zu schreiben, oder aus vollem Halse Begebenheiten hinein zu schreyen; nicht genug verwegen zu behaupten, „das Publicum sagt es“ sondern sie müssen, wenn sie nicht das Gepräg einer niederträchtigen Verläumdung haben sollen, durch sichere und ächte Beweißgründe bestättigt werden können.

 Unbegreiflich ist mir, wie man bey gegenwärtigen aufgeklärten Zeiten der Quacksalberey, der Unwissenheit, der Dummheit (allgemein bekannte Eigenschaften der Bader von den genannten Orten) das Wort reden könne. Ein solcher eifriger Vertheidiger macht sich selbst lächerlich: denn jeder denkende Leser findet leicht den Ungrund, die Quelle seiner| Vertheidigung. Sie entspringe gewiß nicht aus reinem, edeldenkendem Herzen, sondern aus Leidenschaft, aus der verwerflichen Absicht, den guten Ruf eines rechtschaffenen Mannes zu schwachen.
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 Ich würde viele Zeit verlieren, welche ich zu edleren Absichten bestimmt habe, wenn ich jede Unwahrheit in diesem Aufsatz widerlegen oder untersuchen wollte, z. B. ob der Einsender in diesem Journal 2 Bd. 2 Heft S. 218 den Badern zu Rieden und Opferbaum, wo sie als Quacksalber und Betrüger dargestellt werden, zuviel gethan habe; ob die von dem gnädigsten Landesherrn aufgestellte Commission, diese Pfuscher zu untersuchen, die Medicamenten zu besichtigen, und wegzunehmen, ob sie Gründe dazu hatten oder nicht; ob überhaupt der Befehl und das Verfahren des weisesten Regenten tadelhaft war; ob das Verbot für beyde Bader in Absicht der medicinischen Hülfe (das Heilen der Wunden und Geschwüre, wie der V. falsch erwähnt, war ihnen nicht verboten) und im Übertretungsfall die aufgelegte Strafe zu mißbilligen sey; ob die hinweg genommenen Medicamente 2000 fl. (!!) wehrt waren; (ich war, als die Medicamenten untersucht wurden, nicht bey der Commission, hatte nicht den| Fürsten durch Vorschläge oder verkehrte Vorstellungen hintergangen, um mich als Physikus, wie der V. vielleicht glauben mag, aufstellen zu lassen, sondern ich studirte damahls noch in Göttingen und wurde nach meiner Zurückkunft ohne mein Ansuchen bloß auf gnädigsten Befehl des Landesherrn in den bewußten Ämtern aufgestellet.) Ferner ob eine gute Medicinal-Policey Afterärzte, ob sie gleich das blinde Zutrauen des Volkes haben, dulden dürfe; ob ein dreyjähriges Reifen in die Fremde einen Lehrjungen zu einem geschickten Wundarzt bilde; ob ein in Condition stehender Barbierer, bey der vielen Bartpraxis, wenn er gleich manchmahl Collegien höret und Spitäler besucht, die Chirurgie und Medicin binnen 3 Jahren erlernen könne, ob das Collegienhören allein den Dummkopf zum Wundarzt umschaffe u. d. g. Dieses zu erörtern fühle ich mich diesesmahl nicht berufen. Ich will das Unheil jedem denkenden Leser überlassen.

 Nur drey Puncte, die eigentlich meine Ehre betreffen sollen, will ich berühren:

 1) „Daß es durch meine Anstellung als Physikus mit der medicinischen Hülfe weit schlechter in beyden Ämtern aussah, und daß seit dieser Zeit 2 Theile Menschen mehr gestorben| sind als zuvor.“ Eine offenbare Lüge. Ich fordere alle Beamten dieser Gegend auf, ob sie dieses mit gutem Gewissen behaupten können; ich kann mich hier so gut, wie der Vertheidiger der Pfuscher, auf das Publicum berufen. Dieß soll reden und mein Zeuge seyn, nicht ein oder der andere Anhänger jener Afterärzte, nicht der Neider, der Verfolger. Bey meiner Ehre kann ich betheuern, daß während der Zeit meiner dortigen Praxis mir nicht mehr als zwey Lungensüchtige, eine Frau am Schlagfluß, eine an der Brustwassersucht, eine andere aus ihrem Verschulden an einer Milchversetzung nach dem Unterleib und zwey Kinder gestorben sind. Und wo ist der Arzt, welchem, wenn er anders Kranke zu behandeln hat, keine sterben? – Wenn auch wirklich in einem oder dem andern Jahre die Sterblichkeit der Menschen zunimmt, geschieht dieses aus Verschulden des Arztes; oder aus dem Grunde, weil man der Quacksalberey Einhalt thut?
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 2) „Daß die Kranken mich allezeit mit Widerwillen und Mißtrauen rufen ließen“ ist eine eben so ungegründete Behauptung, als die erstere. Ich könnte, wenn ich mich lang mit Widerlegen aufhalten wollte, eine große Anzahl von Leuten nennen, welche mit| vollem Vertrauen meine Hülfe anflehten, und mir mit völliger Zufriedenheit den verdienten Lohn, ertheilten. Ich berufe mich hier wieder, so gut wie der V., auf das Publicum. Freylich konnte ich nicht binnen eines anderthalbjährigen Aufenthaltes das allgemeine Zutrauen erlangen. Welcher Arzt wird es in einer so kurzen Zeit erwerben können? Besonders wo, bey meiner Anstellung, wie jedermann leicht urtheilen kann, da die genannten Pfuscher viele Anhänger und Verwandte von dieser Gegend hatten, man mit Fleiß und Bosheit gegen mein Aufkommen, gegen meine Wissenschaft, gegen meinen Charakter arbeitete. Ich mußte daher viele Verfolgungen und üble Nachreden erdulden: nicht aus Überzeugung, nicht des gemeinen Bestens wegen, sondern aus Eigensinn und aus übertriebener, blinder Anhänglichkeit an die Afterärzte. Vieles wurde erdichtet, worunter nun auch die 10 Rthlr gehören.
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 3) „Daß ich nicht eher einer armen Kreisenden meine Hülfe ertheilte, bevor mir 10nbsp;Rthlr. ausgezahlt wurden.“ Ich könnte, wenn ich eine so genaue Rechenschaft meines Verfahrens dem V. schuldig zu seyn glaubte, bewährte Zeugen anführen, welche zu eben dieser Zeit, als mich der Bote zu der| Kreisenden abrief, gegenwärtig waren, meine Reden sowohl als mein Betragen gegen den Boten hörten und beobachteten. Diese sollen bezeugen, daß ich unverzüglich, ohne zuvor einen Accord abzuschließen, mein Pferd bestieg, um der Kreisenden zu Opferbaum, zwey Stunden von Arnstein zu Hülfe zu eilen. Ich versäumte nichts, sie auf die beste und kürzeste Art zu entbinden, schickte ihr die ihr nöthigen Arzneyen, besuchte sie während ihrer kranken Tage noch zweymahl, und für alles dieses, ich kann es als ein ehrlicher Mann versichern, bekam ich von ihrem Gatten, welcher nur in mittelmäßigen Umständen zu seyn betheuerte, ohne vorher Bedingungen gemacht zu haben, erst nachher 12nbsp;Gulden Rh. also keine Karolin, noch 10nbsp;Rthlr. Und dies ist dem Herrn Verteidiger so auffallend? Wovon soll der Physikus leben, wenn er einen schlechten Lohn für so wichtige Dienste nehmen soll? Würde er so gut belohnt seyn, wie mancher Beamte und Pfarrer, so könnte er freylich weit wohlfeiler seine Dienste den Leidenden leisten. Meines Erachtens war der Lohn, für drey gemachte Besuche zu Pferd, für die Medicamente und für die Bemühung als Geburtshelfer, noch viel zu wenig; besonders wenn die jährliche Bestallung für den Physikus| sehr gering ist. – Ich war nie eigennützig, und bin es noch nicht. Das Publicum rede und alle die, welche ich jemahls als Kranke behandelt habe. Ich rufe alle Einwohner und Bürger von Mergentheim auf, wo ich gegenwärtig die Arzneykunst ausübe, ob auch sie mir den schändlichen Charakter eines eigennützigen Physikus beylegen können. Doch dieß sey genug!

 Solche Verläumdungen verdienen nicht so weitläufig beantwortet zu werden: denn sie sind des Wortes und des Zeitverlusts nicht wehrt und können schlechterdings nicht den guten Ruf eines ehrlichen Mannes verdunkeln.

 Ist der Vertheidiger der Afterärzte ein ehrlicher Mann, und trauet er sich zu, seine Sätze zu behaupten, so nenne er sich öffentlich. – – Sollte nur einmahl ein solcher eifriger Vertheidiger und Anhänger der Quacksalberey und der Afterärzte in ihre Hände fallen, und an seinem eigenen Körper empfinden die zwar so jämmerlich, aber doch vertheidigte Wunderkraft der Afterärzte; er würde vielleicht einer andern Meinung.

Dr. Thomann 
Physikus und Geburtshelfer
zu Mergentheim.