BLKÖ:Schmutzer, Mathias (1752–1824)

Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 30 (1875), ab Seite: 353. (Quelle)
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5. Mathias Schmutzer (geb. zu Wien 11. Mai 1752, gest. ebenda 19. Juni 1824). Stammt von der Künstlerfamilie Schmutzer, war Hofbotanikmaler und Hofzeichenmeister, wird als ein gewandter Künstler, der dem Künstlernamen Schmutzer Ehre machte, geschildert. Nähere Angaben über seine Künstlerschaft fehlen; hingegen sind deren reichere vorhanden über ihn in seiner Eigenschaft als Mitglied der berühmten „Sebensteiner Ritterschaft“, dieses berühmten ersten Geselligkeits-Vereins Oesterreichs – die „Grüne Insel“ in ihrer besten Zeit (1852 bis 1864) war ganz nach dessen Muster zugeschnitten – welchem die glänzendsten Persönlichkeiten seiner Zeit, so z. B. Erzherzog Johann (als Hanns von Oesterreich der Thernberger). Erzherzog Anton, Karl August von Weimar, Prinz Leopold von Salerno, Prinz Wilhelm von Preußen, Prinz Leopold von Sachsen, der nachmalige König der Belgier, Erzbischof Somerau-Beckh von Olmütz, dieser Letztere als Burgpfaff der Gesellschaft, als Mitglieder angehörten. Die Sebensteiner Ritterschaft oder die sogenannten „Ritter von der blauen Erde“, welche sich zu Sebenstein, einer zwei Stunden hinter Wiener-Neustadt gelegenen Veste, versammelten, nahm im Jahre 1792 ihren Anfang und wurde von Anton David Steiger Edlen am Stein gegründet. Joseph Feil gibt in den „Berichten und Mittheilungen des Alterthums-Vereins in Wien“ (Bd. I, S. 203 u. 228) nähere Nachrichten über diese Gesellschaft und die interessanteren Mitglieder derselben, daher Jene, so sich näher darüber unterrichten wollen, auf diese Darstellung gewiesen werden. Auch Mathias Schmutzer ließ sich in dieselbe aufnehmen. Er wurde Knappe und hieß als solcher Alf von Fürwangen. Da es in der Gesellschaft eine Vorrückung zu Edelknecht, Ritter u. s. w. gab, so wollte auch Schmutzer Edelknecht werden. Jede solche Vorrückung war von verschiedenen Bräuchen und Proben begleitet. Schmutzer trug zu jener Zeit noch stark gepudertes Haar mit einem kurzen Zopfe, der bei Schmutzer’s hüpfendem Gange immer hin und her baumelte und ihm, da er sehr viel Geckenhaftes in seiner Erscheinung hatte, ein ungemein lächerliches Aussehen gab. Schmutzer sollte Edelknecht werden. Er mußte also nach Rittersitte [354] Waffenwacht halten, wurde vor da Vehmgericht geschleppt, sein Zöpfchen sorgfältig auf den Block gelegt und nachdem der Obervehmrichter eine Rede über diese Schmach und Unzierde eines Ritters gehalten, wurde das Zöpfchen mit dem – noch in Sebenstein befindlichen – Richtschwerte abgehauen. So war Schmutzer Edelknecht geworden, aber er hatte auch die Mystification, deren Opfer er geworden, durchgeschaut, gefühlt, wie er sich lächerlich gemacht und kehrte nie mehr in die Gesellschaft der Sebensteiner zurück. Da der Mangel seines Zopfes aber alsbald auffiel, erhielt er den Namen: „das Mandel ohne Zopf“ und bildete als solches lange Zeit eine der Wiener komischen Volksfiguren. [Wiener Courier 1858, Nr. 64: „Wiener Volksfiguren“. – Fremden-Blatt. Von Gust. Heine (Wien 1°.) 1867, Nr. 441. Beilage: „Das Mandel ohne Zopf“.] –