BLKÖ:Purgstall, Albert Graf von

Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 24 (1872), ab Seite: 83. (Quelle)
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Purgstall, Albert Graf von (Priester der Gesellschaft Jesu, geb. zu Gratz 13. April 1671, gest. zu Wien 24. December 1744). Ein Sohn des innerösterreichischen Statthalters und geheimen Rathes Johann Ernst Grafen von Purgstall [s. d. S. 87, Nr. 13], des Erwerbers der berühmten Riegersburg, aus dessen erster Ehe mit Regina Freiin von Galler. Sein eigentlicher Taufname war Ernst, erst, nachdem er im Jahre 1686, damals 15 Jahre alt, in den Orden der Gesellschaft Jesu getreten war, nahm er den Namen Albert an. Er setzte im Orden die Studien fort, erlangte die philosophische und theologische Doctorwürde und wurde alsdann im Lehramte verwendet. Er trug die Dicht- und Redekunst, die Philosophie zu Wien, dann verschiedene theologische Gegenstände zu Gratz und Wien durch mehrere Jahre vor. Darauf war er durch sieben Jahre Rector des Gymnasiums und Jesuiten-Convicts zu Gratz und führte zuletzt durch 17 Jahre die Oberleitung des Profeßhauses. Aus seinem Vermögen stiftete P. Albert das Jesuiten-Gymnasium zu Marburg. Er war auch als Schriftsteller thätig und hat folgende Werke in lateinischer Sprache herausgegeben: „Ludi poetici Parnassi Viennensis in scenam dati“ (Viennae 1702, Voigt, 8°.); – „Hilaria Rhetorum Viennensium sive ludus scenicus etc.“ (ibid. 1703, 8°.); – „Simplicitas rediviva seu temulentia castigata. Drama“ (Viennae 1706, Cosmerovii, 12°.); – „Synopsis vitae et doctrinae Confucii 30 gnomis comprehensa“ (ibid. 1706, 12°.); – „Exercitium academicum Theologiae polemicae“ (Graecii 1708, Widmann, 8°.); – „Exercitium academicum Theologiae polemicae dissertatione dialoga propositum“ (ibid. 1709, 8°.); – „Exercitium academicum scripturisticum de libro et prophetia Danielis“ (ibid. 1713, 4°.); – „Theatrum gloriae Josephi I. Rom. Imp. Oratio funebris etc.“ (Viennae 1717, Voigt, Fol.) – und „Sparamancus et Schampulus, comediae Plautinae“. Stöger in dem in den Quellen bezeichneten Werke berichtet, daß er im Hause und auswärts allgemein als heiliger Mann („vir [84] sanctus“) bezeichnet wurde. Auch sonst galt er als ein offener, heller, wissenschaftlich gebildeter Kopf. Eine große Anzahl seiner Briefe, mit sicherer, fester Hand, mit klarem. wohlberechnetem Geiste, ganz im Sinne seines Ordens geschrieben, wurden und werden vielleicht noch im Archive zu Hainfeld aufbewahrt. Sein Bildniß – in der Hand hält er einen Schlüssel und die Urkunde der Abtretung der Herrschaft Riegersburg – befand sich noch vor einigen Jahren im Speisesaale dieses Schlosses. Noch sei hier des Erbschaftsstreites gedacht, der sich nach Ableben seines Vaters Johann Ernst und Bruders Rudolph entwickelt hatte. Nachdem nämlich Albert’s Vater, Graf Johann Ernst, im Jahre 1695 gestorben und dessen Sohn Rudolph noch vor ihm mit Tod abgegangen war, war nur noch Pater Albert von der steirischen Linie der Purgstall übrig und die österreichische Jesuiten-Provinz trat in Albert’s Namen mit Ansprüchen auf die Riegersburg hervor. Die Gesellschaft, wie unsere Quelle berichtet, verschmähte nicht List und nicht nächtliche Ueberraschungsversuche, um in den Besitz dieser stattlichen Burg zu gelangen. Aber Wenzel Karl Graf Purgstall [S. 88, Nr. 26] von der böhmischen Linie trat gegen diese Umtriebe mit Entschiedenheit auf und vereitelte die Anschläge der würdigen Väter. Neunzehn Jahre dauerte der Rechtsstreit um die Riegersburg, an welchem sich nebst den Jesuiten noch die Gräfin von Saurau, als Witwe von Pater Albert’s verstorbenem Bruder Rudolph, die Freiin von Blasbiegel, Johann Ernst’s dritte, später an den Grafen Colloredo und zuletzt an den Grafen von Kollonitsch vermälte Gattin, betheiligt hatten. Erst im Jahre 1713 erhielt Graf Wenzel Karl die Erbschaft, zahlte aber an Pater Albert die Abfindungs-Summe von 40.000 fl. aus, welche dieser zur Stiftung des Gymnasiums in Marburg verwendete, das im Jahre 1758 in’s Leben trat.

Stoeger (Joh. Nep.), Scriptores Provinciae Austriacae Societatis Jesu (Viennae 1855, Lex. 8°.) p. 284. – Steiermärkische Zeitschrift. Redigirt von Dr. G. F. Schreiner, Dr. Albert von Muchar, C. G. Ritter von Leitner, A. Schrötter (Grätz 1844, Damian u. Sorge, 8°.) Neue Folge. VII. Jahrgang, Heft 1, S. 82. – Fest-Programm des k. k. Gymnasiums in Marburg u. s. w. 1858 (gr. 8°.) S. 92: „Geschichte des k. k. Marburger Gymnasiums“.