Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 17 (1867), ab Seite: 372. (Quelle)
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Mensi, Franz (Tonsetzer, geb. zu Bistra im Chrudimer Kreise Böhmens 27. März 1753, Todesjahr unbekannt). Sein Vater, Venetianer von Geburt, stand als Hofmeister in Diensten des Grafen Hohenems, und heirathete die Tochter des gräflichen Wirthschaftsdirectors, Barbara Bittmann, welche ihm den Sohn Franz gebar. Dieser zeigte im frühesten Knabenalter großes Talent für Musik, und erhielt neben dem Unterrichte aus den Elementargegenständen den tüchtigsten musikalischen Unterricht. Später kam er mit seinen Eltern nach Prag, wo er die Humanitäts- und philosophischen Classen besuchte, und sich dann dem Studium der Theologie zuwendete. Er erlangte die philosophische und theologische Doctorwürde, letztere im Jahre 1776. Nach beendetem Studium der Theologie trat er in die Seelsorge, zuerst als Caplan in Smeczno, wo er 11 Jahre zubrachte, worauf er Localist zu Hrobčič und endlich Pfarrer zu Pcher wurde. Neben seinem Seelsorgerberufe blieb er der Kunst treu, und übte sie fleißig in seinen Mußestunden. Während seiner Studienzeit in Prag hatte er bei Joseph Reicha Unterricht im Violoncell und bei Cajetan Vogel in der Composition genommen, und nunmehr mit tüchtigen Kenntnissen in der Theorie der Musik, wie in der Behandlung einzelner Instrumente ausgestattet, verlegte er sich, und wie von Kennern ihm nachgerühmt wird, mit Erfolg auf die Composition. Er schrieb viele und mannigfache Tonstücke, als: Messen, Offertorien, Gradualien, Rorate, Antiphonen, Litaneien, und in weltlicher Musik Symphonien und Quartetten. Der Kirchenchor zu Strahow besitzt mehrere seiner Compositionen, welche noch, wie Dlabacz berichtet, zu seiner Zeit, im Jahre 1815, mit Beifall aufgeführt wurden. Ein vollendeter Violin- und Violoncellspieler, hat er auch mehrere tüchtige Schüler, darunter den Grafen Philipp Sweerts Spork, Johann Brodeczky, Wenzel Czižek u. A. ausgebildet. Im Jahre 1808 lebte er noch als Pfarrer zu Pcher. M. war damals 55 Jahre alt. Ob von seinen Compositionen etwas im Drucke erschienen, wie auch sein Todesjahr, ist nicht bekannt.

Dlabacz (Gottfr. Johann), Allgemeines historisches Künstler-Lexikon für Böhmen und zum Theile auch für Mähren und Schlesien (Prag 1815, Gottl. Haase, 4°.) Bd. II, Sp. 807. – Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1835, 8°.) Bd. III, S. 308. – Slovník naučný. Redaktor Dr. Fr. Lad. Rieger, d. i. Conversations-Lexikon. Redigirt von Dr. Franz Lad. Rieger (Prag 1859, Kober, Lex. 8°.) Bd. V, S. 245.