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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Lavagnoli, Antonio
Band: 14 (1865), ab Seite: 230. (Quelle)
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Lavos, Joseph (Maler, geb. zu Wien im Jahre 1807, gest. ebenda zu Anfang November des Jahres 1848). Er besuchte die Akademie der bildenden Künste in Wien, wo Professor Gselhofer [Bd. V, S. 403], der dort nach Maurer’s Abgang das Elementarzeichnen lehrte, einigen Einfluß auf den talentvollen Jüngling und auch auf seinen Bruder Karl [siehe den Folgenden] übte. Ohne sonstige Bildung, wie die Mehrzahl der Maler in Wien damals und auch noch heute, betrieb er seine Kunst, da er Talent besaß, mit einigem Erfolge, und da er von seiner Einnahme, die übrigens nie zu groß war, auch noch seine armen Eltern ernährte, so lastete die Hand der Sorge schwer auf ihm und übte auf die der freien ungehemmten Entfaltung bedürftige Künstlerseele einen äußerst hemmenden Einfluß. Schon im Jahre 1828 hatte er in der Ausstellung der Akademie der bildenden Künste mehrere Arbeiten, Aquarelle und Oelbilder ausgestellt und seit dieser Zeit – jedoch nicht regelmäßig – begegnete man in Ausstellungen seinen Werken. Unbeachtet lebte und malte er historische Bilder, des Erwerbes wegen Porträte und manches Andere auf Bestellung, mit Vorliebe aber Madonnen. Im J. 1848 war er in der akademischen Legion. Niemand beachtete ihn näher, er ging still vor sich hin seine Wege, denn er war wahnsinnig. Nach dem Einmarsch der kaiserlichen Truppen in Wien stürzte er sich in den ersten Novembertagen in einem Anfalle von Wahnsinn aus dem dritten Stocke seiner in der Jägerzeile gelegenen Wohnung auf die Straße und war todt. Von seinen Bildern waren ausgestellt in der Akademie der bildenden Künste bei St. Anna, im Jahre 1828: mehrere Porträte, Aquarelle und Oelbilder, darunter sein eigenes in Oel; – im Jahre 1834: „Ein Knabe mit Kaninchen“; – „Ein Mädchen mit Weintrauben“; – im Jahre 1835: „Eine betende alte Frau“, und in beiden Ausstellungen auch mehrere Porträte; – im Jahre 1836: „Ein armes Weib vor einem Grabmale an der St. Stephanskirche in Wien“; – „Ein ermüdeter Knabe“; – im Jahre 1840: „Abgebrannte“; – „Das Schäfermädchen“; – im Jahre 1842: „Der Liebesbrief“; – im Jahre 1843: „Ungarischer Krämerjunge“, und im genannten Jahre befanden sich in seinem Atelier der Vollendung nahe: „Die Mutter der Gracchen“; – „Venedig“, ein allegorisches Bild; – im Jahre 1845: „Gretchen am Spinnrocken“; – im Jahre 1847: „Madonna mit dem Kinde; – „Zechende Croaten“ (140 fl.); – „Das Marienfest bei der Säule der tausendjährigen Capelle zu Deutsch-Altenburg“ (350 fl.); – im Belvedere befindet sich von ihm in der Abtheilung der modernen Schule: „Ein kleiner Knabe“, Halbfigur, 1826 gemalt; – im Besitze von Privaten: „Manfred, den Geist beschwörend“ (nach Byron); – „Die Jungfrau von Orleans“; – „Die Weissagung“, nach dem gleichnamigen Gedichte L. A. Frankl’s (ein Astrolog am Hofe Friedrich’s verkündet dem Pagen Rudolph von Habsburg [231] seine künftige Größe); – „Die nächtlicher Kunde“, ebenfalls nach einem Gedichte von L. A. Frankl (der Burggraf von Nürnberg verkündet dem Grafen Rudolph von Habsburg, daß er deutscher Kaiser geworden ist), beide Bilder gelangten in Besitz des Grafen Revitzky, damaligen österreichischen Gesandten in Florenz; – und einige Jahre nach seinem Tode war im österreichischen[WS 1] Kunstverein (im April 1853) ausgestellt das Oelbild: „Betende Slovaken“, ein Seitenstück zu den oben angeführten „Zechenden Croaten“. Lavos’ Talent war nicht auf Großes angelegt, aber es war ihm Ernst um die Kunst und deßhalb führte er seine Arbeiten mit großem Fleiße, ja fast zu ängstlich durch, was immer einen störenden Eindruck in seinen Bildern hervorbrachte. L. besaß eine Technik, wie sie mancher französische Maler der Gegenwart nicht aufzuweisen hat, aber ihm fehlte die Bildung, die jeder, auch der letzte französische Maler besitzt und dieser Mangel ist vornehmlich am Stofflichen seiner Gemälde zu bemerken. – Sein jüngerer Bruder Karl, der in jungen Jahren – kaum etwas über die Zwanzig alt – starb, erhielt auch seine Ausbildung auf der Akademie der bildenden Künste, wo er sich der Kupferstechkunst widmete, und schon im Jahre 1828 waren einige Arbeiten seiner Hand ausgestellt, und zwar: „Amor in Wolken“, Zeichnung; – im Jahre 1834: „Der Abschied“, Zeichnung nach Beaume, und „Der alte Geiger“, Zeichnung nach Waldmüller. Bald darauf starb er.

Engerth (Erasmus), Catalog der modernen Schule der k. k. Gemälde-Gallerie im Belvedere zu Wien (Wien 1860, Gerold’s Sohn, 8°.) S. 18. – Frankl (Ludw. Aug.), Sonntagsblätter (Wien, 8°.) I. Jahrgang (1842), S. 366; II. Jahrg. (1843), S. 599, 915; V. Jahrg. (1846), S. 620. – Kataloge der Kunstausstellungen in der Akademie der[WS 2] bildenden Künste in Wien, im Jahre 1828, S. 11, Nr. 135 u. 136; S. 17, Nr. 95, 101, 104; S. 18, Nr. 111 u. 112, 125; S. 19, Nr. 131; S. 22, Nr. 207; – 1834, S. 22, Nr. 170; S. 24, Nr. 234; S. 26, Nr. 272; – 1835, S. 19, Nr. 167, 174; S. 23, Nr. 254; – 1836, S. 20, Nr. 221, 233; S. 25, Nr. 308; – 1840, Nr. 283, 292, 551; – 1845, Nr. 1, 17, 117; – 1847, Nr. 51, 177, 254. – Ungarns Männer der Zeit. Biografien und Karakteristiken hervorragendster Persönlichkeiten. Aus der Feder eines Unabhängigen [C. M. Kertbeny recte Benkert) (Prag 1862, A. G. Steinhauser, kl. 8°.) S. 128 [gibt das Jahr 1845 als sein Todesjahr an, was falsch ist; auch wäre nach diesem Lavos ein Ungar, was nicht der Fall, da er ein geborner Wiener und gar nicht in Ungarn war].

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: östersterreichischen.
  2. Vorlage: de.