Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Landau, Moses I.
Band: 14 (1865), ab Seite: 68. (Quelle)
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Landau, Ezechiel (Oberrabbiner, geb. zu Brody in der Bukowina im Jahre 1713, gest. zu Prag im Jahre 1793). Nachdem er sich für den Stand der Rabbiner frühzeitig ausgebildet, lebte er von 1745 bis 1755 zu Jampol in Podolien und erweckte schon damals durch seine Gelehrsamkeit bald die Aufmerksamkeit seiner selbst in fremden Landen lebenden Glaubensgenossen in hohem Grade. In Folge dieses glänzenden Rufes erwählte ihn die Prager Israelitengemeinde zu ihrem Rabbiner. Nahezu vierzig Jahre leitete er die geistlichen Angelegenheiten der Juden in Böhmen, deren letzter Oberrabbiner er war. Die Ehrfurcht und Bewunderung, die man für ihn hegte, vermeinte man am besten dadurch zu bethätigen, daß man keinen zweiten nach ihm als dieses höchsten von ihm bekleideten Amtes würdig anerkennen wollte. Da er ein sehr scharfsinniger Talmudist war und dieß bei mehreren streitigen Fällen durch seine Aussprüche bethätigt hatte, so wurden seine Entscheidungen im jüdischen Ritualgesetze nicht nur in den Gemeinden anerkannt die seiner Leitung zunächst unterstanden, sondern auch fremde Judengemeinden [69] unterwarfen sich denselben freiwillig. Streitfragen, sowohl in theoretischen Lehrsätzen als in praktischen Fällen, in Rechts- und Glaubensangelegenheiten wurden ihm zur Entscheidung vorgelegt und er selbst von der hohen Schule der Rabbiner zu Jerusalem zur Auflösung subtiler rabbinischer Zweifel beigezogen. Die Kehrseite dieses glänzenden Bildes ist aber, daß er starr am Alten festhaltend jeder Neuerung Widerstand entgegenstellte, der Anführer jener Partei war, welche gegen jede Reform seiner Glaubensgenossen eiferte, und somit auch als ausgesprochener Gegner Mendelssohn’s, dessen Bestrebungen, soweit es in seiner Macht lag, zu lähmen bemüht war. Jedoch muß zur Richtigstellung seiner Charakteristik ausdrücklich bemerkt werden, daß sich in diesem Festhalten an dem Althergebrachten nur Strenggläubigkeit kundgab und daß sein Mißtrauen gegen die durch Mendelssohn hervorgerufene freiere Bewegung der Geister nie in Fanatismus ausartete. Denn neben seiner Strenggläubigkeit war er doch ein helldenkender Kopf, ein entschiedener Gegner des Mysticismus und der Kabbala, und vor Allem darauf bedacht, der Secte der sogenannten Sabbathäer, die damals in Prag noch viele Anhänger zählte, mit aller Entschiedenheit entgegen zu treten. Im Drucke hat er mehrere Werke herausgegeben, und zwar: „Noda bzje Juda“, 2 Theile (Prag 1775, zweite Ausgabe Zołkiew 1828, dritte 1859), Abhandlungen über den Talmud, sein Hauptwerk, voll Scharfsinn und ein Schatz großer Gelehrsamkeit; – „Zelach“, 3 Bände (Prag 1785, 1791 und 1798), Erklärungen über einzelne Tractate des Talmud; – „Dagol Mirwaba“ (ebd. 1794), Bemerkungen zum juridischen Codex; – „Doresch kezion“ (ebd. 1830), Predigten; die beiden letzteren Werke wurden aus seinem Nachlasse von seinem Sohne Samuel [s. d. S. 70, im Texte] herausgegeben und mit Anmerkungen begleitet. Seine auf den Tod der Kaiserin Maria Theresia in jüdischer Mundart gehaltene Trauerrede wurde von einem L. T. in’s Deutsche übersetzt und ist in dieser Uebersetzung (Prag 1780, J. F. Edler v. Schönfeld) im Drucke erschienen.

Emek habacha. Eine Trauerrede auf den Tod des Rabbi Ezechiel Landau, Oberrabbiner in Prag. Gehalten von R. Baruch Jeitteles (Prag 1793). – Pascheles (Wolf), Sippurim. Sammlung jüdischer Volkssagen, Erzählungen u. s. w. (Prag 1858, gr. 8°.) 4. Sammlung, S. 325, in der Lebensskizze[WS 1] „Rabbi Jonathan Eibenschütz“ von Gutm. Klemperer.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Lebenssklizze.