BLKÖ:Löschenbrand, Blasius

Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Lörincz, Andreas
Band: 15 (1866), ab Seite: 399. (Quelle)
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Löschenbrand, Blasius (Tiroler Landesvertheidiger, geb. zu St. Johann im Gerichte Kitzbüchl 3. Februar 1775, gest. 23. Mai 1849). Der Sohn eines Glasers; bereits mit 21 Jahren, im Jahre 1796, machte er unter dem Schützenhauptmanne Andreas Feller den ersten Feldzug nach Ober-Innthal gegen die schwäbische Grenze mit, wurde seines muthvollen Betragens wegen zum Corporalen befördert und mit der silbernen Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet. Im Jahre 1797 marschirte er mit einer Compagnie Scharfschützen in das Etschland, wo es öfter mit den Republikanern zum Kampfe kam und sie dieselben bis nach Roveredo verfolgten, aber nicht weiter vorgegangen waren, weil sie keine Erlaubniß dazu erhielten. Im December 1800 bekam die von dem Hauptmann Georg Reischer geführte Schützen-Compagnie, in welcher Löschenbrand diente, Befehl nach Unken vorzugehen. Bei dieser Gelegenheit gab L. am 19., 21. und 24. neue Proben seiner seltenen Tapferkeit. Bei einer Gelegenheit rettete er einem kaiserlichen Dragoner das Leben; am 19., bei Aufhebung der feindlichen Piquette am Jettenberge, erschoß er einen Oberofficier und zwei Gemeine und nahm mit eigener Hand sieben Franzosen gefangen; einige Tage später rettete er einen Huszaren, den drei feindliche Chasseurs verfolgten, indem er den einen der Verfolger von der Stelle, wo er stand, niederschoß, worauf die beiden anderen das Weite suchten. L. wurde dafür mit Decret vom 22. Mai 1801 mit der zweiten silbernen Tapferkeitsmedaille [400] ausgezeichnet. Im Jahre 1805 zog er wieder in’s Feld. Am 2. November, während der Feind den Posten im Marchgraben des Strubpasses, wo die Tiroler Schützen standen, mit Kartätschen beschoß, that L., obgleich er schon einen Prellschuß an der linken Hüfte und im Handgemenge bei Zurückwerfung einer feindlichen Abtheilung einen Bajonnetstich an der vordersten Brustseite erhalten hatte, wahre Wunder der Tapferkeit. 26 Feinde, darunter einen Hauptmann, hatte er an diesem Tage mit seinem Stutzen erlegt und eine bayerische Fahne erobert. Graf Wolkenstein, k. k. Major, bestätigte dem tapfern L., nachdem er die nöthigen Erhebungen gemacht, die Wahrheit dieses ausgezeichneten Verhaltens. Durch eine eigenthümliche Verkettung von Umständen blieb L.’s Tapferkeit unbelohnt. Hingegen wäre es ihm im Jahre 1809 schlimm ergangen. Bei der Compagnie des Hauptmanns Wintersteller eingetheilt, lauerte L. eines Tages auf einen feindlichen Officier, den er auf sein Korn nehmen wollte. Als er endlich eines solchen ansichtig wurde, schoß er, jedoch ohne zu treffen. Bei der gleich darauf durch General Chasteller vorgenommenen Inspection fragte der General, wer ohne Befehl geschossen habe. L. bekannte sich ohne Säumniß zum Schusse. „Verfluchter Kerl“, rief Chasteller – dieser Bericht ist Löschenbrand’s Selbstbiographie entnommen – „also bist du es, der ohne Commando auf eigene Faust Feuer gibt? Auf der Stelle lasse ich dich hängen“. Chasteller befahl nun den Schützen, sie sollen L. sogleich an den nächsten Baum hängen; allein Niemand fand sich, der diesen Befehl vollzöge, und da nun Chasteller zu seiner Pistole griff, schlug L. sein schon wieder geladenes Gewehr auf ihn an, mit dem Vorsatze, sobald er mit der Pistole auffahre oder das Pferd auf ihn sporne, loszudrücken, denn mehr als sterben dürfe er doch nicht. So befanden wir uns, erzählt L., eine kleine Weile gegenüber, worauf der General langsam zurückreitend, die Pistole sinken ließ, umkehrte und davon gallopirte. Auch ich schwang mein Gewehr auf den Rücken, als die Gefahr vorüber war und die um mich herumstehenden Schützen sagten nun: „Hättest ihn nur z’sammg’schossen, es wäre das Beste gewesen, denn er meint’ es nicht aufrichtig und hat die angesuchten Kanonen den Schützen mit den Worten verweigert: „Lieber seien ihm hundert Bauern-Canaillen hin, als eine Kanone oder ein Soldat“. – Nachdem die Franzosen aus dem Lande getrieben waren, kehrte L. zu seinem Glasereigeschäfte zurück und betrieb es bis zu seinem im Alter von 74 Jahren erfolgten Tode.

Peternader (Anton), Tirols Landesvertheidigung nebst interessanten Biographien und Skizzen merkwürdiger Tiroler Landesvertheidiger, drei Theile in Einem Bande (Innsbruck 1833, A. Witting, 8°.) Theil II, S. 43–59; Theil III, S. 220.