BLKÖ:Komers, Anton E.

Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Komenda, Anton
Band: 12 (1864), ab Seite: 400. (Quelle)
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Komers, Anton E. (Landwirth und Fachschriftsteller, geb. zu Humpoletz im südlichen Böhmen 11. Juni 1815). Widmete sich dem Studium der Landwirthschaft und trat schon im Jahre 1831 in die Dienste des Grafen Thun-Hohenstein zu Tetschen und Perutz. Seine Thätigkeit und sein Drang nach weiterer Ausbildung veranlaßten den Grafen, ihn nach Hohenheim in die berühmte landwirthschaftliche Schule Württembergs zu senden, wo sich K. in den Jahren 1836–1838 zum tüchtigen Landwirthe heranbildete. Nach seiner Rückkehr wurde K., nachdem er die politischen Prüfungen abgelegt, 1840 Amts- und Oekonomiedirector in Perutz. Auf diesem Posten führte er glückliche Wirthschaftsreformen ein und hob die Ertragszweige der Domäne, insbesondere die Schafzucht. Der Productenwerth von Perutz war von 93.600 fl. bis auf 172.000 fl. gestiegen, und bei überdieß gesteigerter Bodenkraft stetig geblieben. Im Jahre 1844 zum Wirthschaftsrath und Domänen-Centraldirector ernannt, übersiedelte er nach Tetschen, wo sich ihm reichlich Gelegenheit bot, seine Thätigkeit segensvoll zu entfalten. Einem 1844 der k. k. patriotisch-ökonomischen Gesellschaft in Böhmen vorgelegten Plane zur Errichtung von Ackerbauschulen in Böhmen ließ er alsbald die That folgen, indem er im Jahre 1845 im Bodenbacher Meierhofe selbst eine derlei Anstalt ins Leben rief; auch entwarf er später für die Stadt Kaaden den Plan zu einer landwirthschaftlichen Fachschule vom praktischen Standpuncte. Diese energische und fruchtbringende Thätigkeit K.’s richtete ebenso die Blicke seiner Mitbürger, wie der Regierung auf ihn. K. wurde für Humpoletz in den ersten österreichischen Reichstag gewählt und nahm an den Verhandlungen desselben zu Kremsier Theil; wurde Beisitzer der Grundentlastungs-Commission, Prüfungscommissär für Landwirthschaft und Schafzucht, Abgeordneter zu mehreren Weltausstellungen und landwirthschaftlichen Congressen, als: Cleve, München, Wien u. s. w. Um sich mit den landwirthschaftlichen Zuständen fremder Länder durch den Augenschein bekannt zu machen, unternahm er mehrere große Reisen: 1851 nach Belgien, England und Schottland; 1853 und 1854 nach Preußisch-Schlesien; 1855 nach Holland und Frankreich; 1857 und 1858 in die Lombardie und in’s Venetianische. Daß er den sich jährlich wiederholenden Wanderversammlungen der Land- und Forstwirthe und auch denen anderer Industrie- und gemeinnütziger Vereine als werkthätiges Mitglied beiwohnte und mitberathen half; daß er auf dem seiner unmittelbaren Leitung anvertrauten Grund und Boden die nützlichsten und ergiebigsten Schöpfungen, als Zucker-, Spiritusfabriken, Kunstmühlen in’s Leben rief, Straßen baute, Obstanlagen gründete [401] und überhaupt Verschönerungen und Verbesserungen einführte, kann hier, als selbstverständliches Ergebniß seines eigensten Berufes, nur allgemein angedeutet werden. Seit Jahren bereits ist K. als Schriftsteller seines Faches thätig, und in den Schriften der böhmisch-patriotisch-ökonomischen Gesellschaft trat er zuerst als solcher auf. Ueberdieß sind von ihm zahlreiche, zum Theile halbamtliche Schriften, zum Theile Gelegenheitsaufsätze im Drucke erschienen. Selbstständig hat er herausgegeben: „Beitrag zur Lösung der Frage über die Einrichtung eines landwirthschaftlichen Institutes in Böhmen“ (Prag 1848); – „Betrachtungen über die landwirthschaftliche Unterrichtsfrage und die landwirthschaftliche Lehranstalt zu Tetschen-Liebwerd“ (ebd. 1856, 8°.); diese und die frühere Schrift erschienen auch unter dem gemeinschaftlichen Titel: „Ueber landwirthschaftliche Unterrichtsanstalten in Böhmen“, 1. und 2. Heft; – „Die Bodenkraft-Erschöpfung“ (Prag 1864, Calve, 8°.); – „Die Lage der Rübenzucker- und Spiritusfabrikation. Beitrag zur Beurtheilung derselben“ (ebd. 1859, 8°.); – „Landwirthschaftliche Notizen für den Besuch von «Tetschen und Perntz“ (ebd. 1856, 8°.); – „Notizen über die administrativen Verhältnisse der Domäne Neuhof im Czaslauer Kreise in Böhmen“ (Tetschen 1864). Auch begründete K. das „Jahrbuch für österreichische Landwirthe“, welches, von Schmalfuß redigirt, seit dem Jahre 1861 regelmäßig in Verbindung mit einem landwirthschaftlichen Kalender erscheint. K. hat für dasselbe die tüchtigsten Fachschriftsteller gewonnen, leiht aber dem Unternehmen nicht vornehm etwa nur seinen Namen, sondern spendet ihm lehrreiche, gründlich gearbeitete Artikel, wie schon im 1. Jahrgange einen „Statistischen Ueberblick der Landwirthschaft Oesterreichs“; – die Abhandlungen: „Ueber Ziele und Mittel des Fortschrittes in Oesterreichs Landwirthschaft“; – „Inwieweit ist die Hinweisung der österreichischen Landwirthschaft auf die englisch-schottische begründet?“ – im 2. Jahrgange: „Die Bodenkraft-Erschöpfung als vorbereitender Beitrag zur Beantwortung der Frage: Beruht die moderne Landwirthschaft nach Wissenschaft und Erfahrung in der That auf Beraubung des Bodens“, hervorgerufen durch Liebig’s Aufschrei über die heutige Bodencultur, die er in einem „Raubbau“ überschriebenen Aufsatze, der die Runde durch alle Blätter gemacht, energisch gegeißelt. Eine so verdienstvolle Thätigkeit, wie K. seit Jahren sie entwickelt, konnte ihm nur eine Reihe der mannigfaltigsten Ehren einbringen. Seine Vaterstadt verlieh ihm das Ehrenbürgerrecht, viele landwirthschaftliche Humanitäts- und Industrie-Vereine des In- und Auslandes nahmen ihn unter die Zahl seiner Mitglieder auf; das priv. Prager Scharfschützencorps ernannte ihn zum Ehrenhauptmann und Se. Majestät zeichneten ihn durch das Ritterkreuz des Franz Joseph-Ordens aus. Komers lebt als Wirthschaftsrath und Centraldirector der Franz Graf Thun’schen Domänen und als Director der ersten böhmischen Ackerbauschule in Tetschen-Liebwerd abwechselnd auf seinen Besitzungen, in Prag und in Tetschen.

Oesterreichische Signale für Theater, Kunst, Literatur, Musik u. s. w., herausgegeben von Karl Joseph Kinderfreund (Wien, 4°.) 1862, Beilage zu Nr. 20: „Gallerie vaterländischer Berühmtheiten. IV. Ant. E. Komer’s“. – Klutschak (Franz), Böhmische Adelsitze als Centralpuncte volkswirthschaftlicher und humanitärer Bestrebungen (Prag 1852, gr. 8°.) 1. (und einziges) Heft S. 43 u. f. [enthält eine ausführliche Schilderung der administrativen Thätigkeit von K.]. – Literarisches Centralblatt [402] für Deutschland. Herausgegeben von Dr. Friedrich Zarncke, 1864, Sp. 663. – Porträt. Unterschrift: Anton E. Komers, Wirthschaftsrath. Nach einer Photographie lithographirt von V. Katzler. Gedruckt bei Jos. Stoufs (Wien, 4°.). –