BLKÖ:Kinsky von Wchinitz und Tettau, Franz Ferdinand Graf

Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
Band: 11 (1864), ab Seite: 288. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
in der Wikipedia
Franz Ferdinand Kinsky in Wikidata
GND-Eintrag: 137740506, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Kinsky von Wchinitz und Tettau, Franz Ferdinand Graf|11|288|}}

Kinsky von Wchinitz und Tettau, Franz Ferdinand Graf (Staatsmann und Ritter des goldenen Vließes, geb. 1. Jänner 1678, gest. 12. September 1741). Dritter Sohn des Grafen Wenzel Norbert Octavian aus dessen erster Ehe mit Anna Franziska Gräfin Martinitz. Graf Franz Ferdinand trat nach beendeten Studien in den Staatsdienst und wurde schon im Jahre 1705, damals erst 27 Jahre alt, in Rücksicht auf seines Vaters große Verdienste Vicekanzler von Böhmen. Als Eugen in Italien siegte und General Heister durch Ungarn nach Siebenbürgen vordrang, ergriff Kaiser Joseph I. die Gelegenheit, den alten Glanz des kaiserlichen Ansehens zu erneuern und zuvörderst die der böhmischen Krone zukommenden churfürstlichen Rechte wieder geltend zu machen. Seit Niederwerfung des böhmischen Aufstandes unter Kaiser Ferdinand II. waren diese Rechte nicht mehr geltend gemacht und als Kaiser Leopold I. versucht hatte, die Privilegien der böhmischen Krone zu erneuern, nicht mehr anerkannt worden. Der Graf wurde nun als churböhmischer Comitial-Gesandter zu diesem Zwecke nach Frankfurt zum Churfürstenrathe entsendet und es gelang, die Hindernisse zur Reactivirung dieser Rechte hinwegzuräumen, am 7. September 1708 Sitz und Stimme im Churfürstenrathe und von den katholischen Fürsten die Einsetzung einer neuen Chur zu Gunsten eines protestantischen Fürsten zu erlangen. Drei Jahre später, 1711, wirkte er neuerdings als churböhmischer Gesandter bei der Kaiserwahl Karl’s VI. und in so vortheilhafter Weise, daß alle in der Wahlcapitulation enthaltenen, Oesterreich nachtheiligen Puncte weggelassen wurden. Auch wohnte er dann der Krönung des Kaisers daselbst bei. 1715 wurde er Hofkanzler, 1717 Beisitzer des größeren Landrechtes, 1721 Gesandter in Rom bei der Wahl Innocenz’ XIII.; 1722 endete ihn der Kaiser auf den ungarischen [289] Landtag nach Preßburg, um die Abgeordneten der katholischen Gespanschaften im Namen des Königs von ihrem hartnäckigen Widerstande gegen einige den Protestanten zu gewährende Puncte abzumahnen, welche Sendung jedoch erfolglos blieb. Am 24. Juni 1723 wurde er zum Oberstkanzler in Böhmen ernannt; leitete als solcher die Vorbereitungen zur bevorstehenden Krönung des Kaisers Karl VI. und seiner Gemalin, erhielt bei dieser Gelegenheit das goldene Vließ und wohnte dann auch der Krönung bei. Nach Starhemberg’s Tode 1726 sandte ihn der Kaiser an den churpfälzischen Hof. 1729 als königlichen Commissär zu dem noch immer versammelten Landtage nach Preßburg, auf dem die Protestanten, der Bedrückungen endlich müde, ihre Beschwerden eingebracht hatten; aber auch dießmal war der Graf nicht so glücklich, einen Erfolg zu erzielen, er kehrte also noch zu Ende des Jahres nach Wien zurück, wo die Verhandlungen über die alienirten Kammer- und Tafelgüter und die Landtagsprotokolle seine Thätigkeit in Anspruch nahmen. Unter seiner Leitung wurden auch die im Jahre 1366 zwischen der Krone Böhmens und dem Bischof von Würzburg aufgerichtete Erbverbrüderung, sowie die Judicia delegata in Böhmen. Mähren und Schlesien, denen alle Salz-, Mauth-, Zoll-, Tabak- und Tranksteuer und Contreband zugewiesen war, erneuert. Bereits seit längerer Zeit so leidend, daß er anhaltender geistiger Beschäftigung entsagen mußte, zog er sich am 3. Jänner 1736 in’s Privatleben zurück, welches er nur mehr wenige Jahre genoß, da er schon 1741, 63 Jahre alt, starb. Graf Franz Ferdinand hatte, da er einer der jüngeren Söhne Wenzel Norbert’s und mit Uebergehung zweier älterer von seinem Vater zum Majoratsherrn bestimmt worden war, von Seite derselben manche Anfeindungen zu überstehen und konnte nur unter kaiserlichem Schutze nach seines Vaters Tode das Majorat antreten. In einer zweimaligen Ehe, zuerst mit Maria Theresia Freiin von Fünfkirchen, dann mit Maria Augustina Gräfin Palffy, wurde er Gründer der noch heute blühenden Grafenlinie, aus welcher eine Reihe der tapfersten um das Vaterland hochverdienten Krieger entsprang. Gleich zwei seiner Söhne, Franz Joseph [s. d. Folg.], der berühmte Oberdirector der Wiener-Neustädter Akademie, und Joseph [s. d. S. 296], Maria Theresien-Ordensritter, eröffneten den Reigen.

Bei den abweichenden Angaben der Geburt und des Todes des Grafen Franz Ferdinand K. ist es schwer, die Daten festzusetzen; nach Folkmann und Wißgrill ist er am 1. Jänner 1678, nach der Nouvelle Biographie générale am 1. Jänner 1668 geboren; nach Folkmann ist er an zwei verschiedenen Tagen, (im Texte der Schrift S. 54) am 12. September 1741, (auf der Tafel) am 22. Sept. 1741 gestorben; Wißgrill (V, 136) gibt den 13. September 1741 als seinen Todestag an. – Folkmann (Joseph Erwin), Die gefürstete Linie des uralten und edlen Geschlechtes Kinsky. Ein geschichtlicher Versuch (Prag 1861, Karl André, Lex. 8°.) S. 51, 52 u. f. – Wißgrill (Franz Karl), Schauplatz des landsässigen Nieder-Oesterreichischen Adels vom Herren- und Ritter-Stande (Wien, 4°.) Bd. V, S. 135. – Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1835, 8°.) Bd. III, S. 199. – Nouvelle Biographie générale ... publiée par MM. Firmin Didot frères sous la direction de M. le Dr. Hoefer (Paris, 1850 et s., 8°.) Tome XXVII, p. 760. – Porträt. Unterschrift: Herr Frantz Ferdinand des Heili. | Römischen Reichs Graf Kinsky | Königler böhmischer Vice Cantzlar | und hinterlassener Kaiserlicher | Cäm̄erer wie auch zur Kaiserlichen | Wahl hochverordneter Gesandte. | Jos. a Montalegre sc. (kl. Fol.).