BLKÖ:Hormayr, Joseph I. Freiherr

Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Horjah, Nikolaus
Band: 9 (1863), ab Seite: 275. (Quelle)
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Hormayr, Joseph (I.) Freiherr (Tirolischer Kanzler, Staatsmann, geb. zu Innsbruck 16. Mai 1705, gest. ebenda 8. August 1778). Einem alten bayerisch-tirolischen Adelsgeschlechte entstammend, kam Joseph früh verwaiset nach Wien, Wetzlar und Regensburg in die Comitialreichshofraths- und Kammergerichtspraxis, diente als Oberamtsrath und Landvogt in Schwäbisch-Oesterreich, wurde schließlich tirolischer Kanzler und Geheimrath und von der großen Maria Theresia bei der Stiftung des kön. ungarischen St. Stephans-Ordens in Anerkennung seiner Verdienste in die Reihe der ersten damit Ausgezeichneten aufgenommen. Am 11. Jänner 1777 wurde H. in den erbländischen und Reichs-Freiherrnstand erhoben. Kanzler Hormayr war ein Liebling der großen Kaiserin; bei verschiedenen Gelegenheiten, und zwar nach Kaiser Karl’s VI. Tode gegen die Ansprüche Karl’s VII.[WS 1] und dessen Bekämpfung der pragmatischen Sanction, beim Uebertritte des Erbprinzen von Hessen-Cassel zur katholischen Religion, dann anläßlich der Belehnungspflicht der Reichsstände, war er, obwohl stets anonym, aber mit Gründlichkeit und voller Sachkenntniß als staatsrechtlicher Polemiker aufgetreten. Kanzler Hormayr besaß ein mächtiges Wissen, war ein unermüdeter Forscher und Sammler und Freund der Künste und Wissenschaften, deren Jünger an ihm einen wohlwollenden, fördernden Mäcen fanden. In 22 Foliobänden hatte er ein großartiges Materienregister über alle Gegenstände seiner Berufswissenschaft – staatsbürgerliches und peinliches Recht – mit genauer Bemerkung der verschiedenen Ansichten aller von ihm gelesenen und zu diesem Endzwecke ausgezogenen Schriftsteller, verfertigt. Auf seinen Reisen in Deutschland, den Niederlanden und in Italien hatte er einen wahren Schatz, damals noch ungedruckter und zum großen Theil ungekannter in- und ausländischer Urkunden, zur Geschichte des Kaiserstaates und Tirols insbesondere gesammelt, welche ihm bei seinen verschiedenen Arbeiten, wie bei seiner Dienstleistung als Hofcommissär, bei der Coadjutorswahl im Hochstifte Trient, bei den verwickelten und heftigen Grenzstreitigkeiten mit Venedig, bei der Aufhellung des verworrenen Lehenwesens und bei der Organisirung Tirols, die er gemeinschaftlich mit dem Baron, nachmaligem Grafen Enzenberg leitete, von großem Nutzen waren. Tiefgelehrt und aufgeklärt, ein persönlicher Freund von Männern, wie die beiden Fontana, Maffei, Muratori, Scopoli, Tartarotti, Vanetti und die Dichterin Laura Saibante, hatte er stets die Rechtmäßigkeit und Zweckmäßigkeit der Folter, den Gespenster- und Hexenglauben heftig angegriffen; den Sinn für vaterländische Geschichte und Naturwissenschaften mit Erfolg geweckt; in Wien die Bestätigung der gelehrten Akademie degli Agiati zu Roveredo durchgesetzt, welche der Wiederherstellung [276] des bessern Geschmackes, der Bearbeitung wichtigerer Streitfragen und der Herausgabe einheimischer Geschichtsquellen gewidmet war. Stets einen gewählten Kreis edler Geister und Künstler um sich versammelnd, von letzteren Maler Troger, Sim. Bened. Feistenberger [IV, 164), J. G. D. Grasmayr, [V, 311], den ältern Unterberger u. A., fanden jüngere Künstler bei ihm Ermunterung und Beschäftigung, und Kanzler Hormayr war es, der des Hirten Peter Anich [I, 41] aufkeimendes Genie einer der Ersten bemerkte, vor Neid und Mißgunst schützte und wesentlich in seinen merkwürdigen Arbeiten unterstützte. Er und sein einziger (am 9. Juli 1803 verstorbener) Sohn, gleichfalls Joseph, haben zusammen 108 Jahre (jener 56, dieser 52) dem Erzhause gedient; und des tirolischen Kanzlers Enkel ist der berühmte Historiograph Joseph Freiherr von Hormayr, über den der folgende Artikel handelt.

Archiv für Geographie, Historie, Staats- und Kriegskunst (Wien; 4°.) VI. Jahrg. (1815). Nr. 118 und 119. – „Beyträge zum gelehrten Oesterreich“ [nach diesem geb. 16. Mai 1705, gest. 8. August 1778]. – Ersch und Gruber, Allgemeine Encyklopädie der Wissenschaften und Künste, II. Section, 10. Theil, S. 495. – Oesterreichische National-Encyklopädie herausgegeben von Gräffer und Czikann (Wien 1835, 8°.) Bd. II, S. 643. – Hormayr (Joseph Freiherr), Taschenbuch für vaterländische Geschichte (Leipzig, Reimer). XXV. Jahrg. der gesammten und VII. der neuen Folge (1836), S. 455 u. f. [in der Lebensskizze seines Enkels Joseph (II.), siehe den Folgenden]. – Leidenfrost (Karl Florentin Dr.), Historisch-biographisches Handwörterbuch der denkwürdigsten, berühmtesten und berüchtigsten Menschen aller Stände, Zeiten und Nationen (Ilmenau 1825, B. F. Voigt, 8°.) Bd. III, S. 128. – Zur Genealogie der Freiherren van Hormayr. Schon in Urkunden des 14. Jahrhunderts erscheinen die Hormayr unter den Adeligen Tirols. Ein Sebastian Ritter Hormayr steht auf einer Urkunde des Jahres 1361 mit anderen Adeligen als Zeuge. – Ein Lorenz Sebastian H. organisirte durch ganz Tirol das Post- und Botenwesen, daher das Posthorn im Herzschilde ihres Wappens. Auch machte er von Hall an den Inn schiffbar und wurde dafür mit Verleihung des erblichen Schiffmeisteramtes in Tirol und den sämmtlichen Erblanden und am 27. Mai 1518 mit einem österreichischen Adelsbriefe belehnt. Diesen Adelsbrief bestätigte später, 24. Februar 1665, Erzherzog Sigmund Franz, nachdem die Familie große Verluste an ihrem Eigenthume durch Erdbeben und Feuersbrünste, welche ihren Wohnsitz, die Stadt Hall, heimgesucht, erlitten hatten. Ein Lorenz von Hormayr war Hofkammerrath und mit Veronika von Jordan vermält, einer Tochter des berühmten Leibarztes des Kaisers Leopold I. Dieser Monarch vermehrte auch dem Hofkammerrathe Lorenz von H. mit Diplom vom 22. März 1682 das Wappen und verlieh ihm das Prädicat zu Hortenburg, wie Hormayr’s außer Innsbruck gelegener Edelsitz hieß. Der erbländische und Reichsritterstand kam mit Diplom von Kaiser Karl VI. mit 6. Jänner 1725 in die Familie. Dem tirolischen Kanzler Joseph wurde, wie oben bemerkt, mit Diplom vom 11. Jänner 1777 die Freiherrnwürde verliehen; die Aufnahme in die tirolische Adelsmatrikel fand im December 1749, jene in die Landmannschaft des Herzogthums Steiermark mit 19. November 1812 Statt. Ein Zweig der Hormayr blühte in Bayern fort und von diesem letzteren wurde Ignaz von H. als Oberkriegscommissär der bayerischen Hilfsvölker bei dem Entsatze Wiens und vor Belgrad von Kaiser Leopold I. durch besondere Gnadenzeichen belohnt. – Gegenwärtiger Stand der Familie. Die Hormayr’sche Familie ist im Mannsstamme erloschen. Der berühmte Historiograph Joseph Freiherr von Hormayr (geb. 20. Jänner 1781, gest. 5. November 1848), der letzte dieses Geschlechtes, war zweimal vermält: (seit 1. August 1803) mit Theresia gebornen Anderser von Hohenwald, und (seit 16. Mai 1837) mit Maria Freiin Spek-Sternburg (geb. 26. Mai 1813). Nur aus erster Ehe ist eine Tochter vorhanden: Therese (geb. 20. Jänner 1811), vermält (seit 1. Mai 1835) mit Friedrich Karl Alexander Freiherrn Buirelle von Oehlefeld, k. bayer. Kämmerer und Landrichter. Von des Freiherrn Hormayr Schwestern lebten noch 1855: M. Anna Cajetana (geb. 18. Juni 1783), vermält (seit 18. October 1811) mit [277] Joseph von Althammer, und M. Katharina Aloisia (geb. 3. Februar 1791), vermält (seit 1812) mit Joh. Nep. Erhart von Erhartstein, k. k. oberösterreich. Gubernialrathe und Protomedicus. Ersch und Gruber, Allgemeine Encyklopädie der Wissenschaften und Künste, II. Section. 10. Theil, S. 494 (von Albert Freiherrn von Boyneburg-Lengsfeld). – Gothaisches genealogisches Taschenbuch der freiherrlichen Häuser (Gotha, Just. Perthes, 32°.) Jahrg. 1848, S. 173 und 174; 1849, S. 202; 1855, S. 271. – Freiherrnstand-Diplom vom 11. Jänner 1777.] – Wappen. Quadrirter Schild mit Herzschild. Herzschild: In Gold ein quergelegtes, mit dem Mundstück nach rechts gekehrtes schwarzes Posthorn mit nach oben stehender schwarzer Schnur. Hauptschild: 1: in Roth eine silberne Mauer mit vier zweispitzigen Zinnen, hinter dieser aufwachsend ein grüngekleideter Ungar mit goldenen Knöpfen und goldenem (und nicht wie Kneschke beschreibt „ein junger Mann mit silbernem) Leibgürtel, dessen Kopf mit einer weißen, den Zipfel rechtskehrenden Mütze mit breitem Aufschlage – nach Anderen mit einer weißen abhängenden Haube – bedeckt ist und welcher mit der Linken ein rothes Herz emporhebt, die Rechte aber in die Seite stemmt; 2 und 3. in Blau auf grünem Boden eine rothbedachte Burg zwischen zwei viereckigen gezinnten weißen Thürmen; 4: in Roth ein einwärts springendes silbernes Einhorn. Auf der den Schild bedeckenden goldenen Freiherrnkrone erheben sich drei gekrönte Helme; der rechte trägt das rechtssehende silberne Einhorn des 4. Feldes: der mittlere einen rechtssehenden, goldgekrönten und bewehrten ausgebreiteten schwarzen Adler; der linke den Ungar des 1. Feldes mit dem Herzen. Die Helmdecken des mittleren Helmes sind schwarz und golden; die des rechten roth und silbern; die des linken blau und silbern. Schildhalter: Zwei auswärtssehende goldene Löwen mit ausgeschlagener Zunge. Devise: „Geschwind gewinnt“. Diese Wappenbeschreibung ist nach dem Diplome vom 11. Jänner 1777 und berichtigt die irrigen, im Werke von Kneschke enthaltenen Angaben in mehreren Puncten. [Die Wappen der deutschen freiherrlichen und adeligen Familien (von Kneschke) Leipzig 1855, T. O. Weigel, 8°.) Bd. I, S. 209.]

Anmerkungen (Wikisource)