BLKÖ:Herrmann von Herrmannsdorf, Johann Franz Ritter von

Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 8 (1862), ab Seite: 395. (Quelle)
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Herrmann von Herrmannsdorf, Johann Franz Ritter von (Culturhistoriker, Hofrath bei der Hofkammer in Wien, geb. in Wien 1748, gest. ebenda 21. März 1816). Vater des Vorigen. In Wien erzogen, trat er 1768 in den Staatsdienst, in welchem er bei dem Aufstande der Bauern in Böhmen eine solche Umsicht bewährte, daß ihn die Kaiserin Maria Theresia im Jahre 1777 taxfrei in den Adelstand erhob. 1778 wurde H. Hofsecretär bei der böhmisch-österreichischen Hofkanzlei, 1780 von Kaiser Joseph zum Gubernialrath in Böhmen befördert, als welcher er sich bei der Steuerregulirung wieder so auszeichnete, daß ihm der Kaiser 1784 das erbländische Ritterstands-Diplom verlieh. Darauf wurde H. auch Hofrath bei dem böhmischen Gubernium. Nach dem Regierungsantritte des Kaisers Leopold II. 1790 wurde H. zur Hofkammer in Wien, nach deren Vereinigung mit der böhmisch-österreichischen Hofkanzlei 1792 in den Ruhestand versetzt. H. zählte damals erst [396] 44 Lebens- und darunter 24 Dienstjahre. Einer der tüchtigsten und gediegensten Arbeiter war er das Opfer jener verderblichen Politik geworden, die mit Beamten willkürlich schaltet und waltet, und unbekümmert um den Staatsschatz, denselben einerseits mit Pensionen belastet, während sie andererseits die trefflichsten Kräfte der Verwaltung entzieht. Die reichliche Muße, die ihm blieb, verwendete H. zu literarischen Arbeiten und künstlerischen Zwecken, da er trefflich musikalisch gebildet war. Von seinen ersteren erschien im Drucke: „Versuch einer Biographie Karl Egons Fürsten von Fürstenberg“ (Dresden 1788, Walther, mit K., 8°.); – „Geschichte der Israeliten in Böhmen von den ältesten Zeiten bis zum Schlusse des Jahres 1813“ (Wien 1819, Haas, 8°.). Außer diesen beiden gedruckten Schriften hinterließ er aber in Handschrift schätzbare Materialien zur Culturgeschichte von Böhmen, welche nach H.’s Tode Franz Graf Sternberg käuflich an sich gebracht hat. Diese enthalten: Eine Statistik von Böhmen, 1788; – Einen geschichtlichen Umriß der merkwürdigsten Epochen von den Fort- und Rückschritten des böhmischen Volkes in der Cultur; – Materialien zu einer Bibliographia Boemica, welche alle gedruckten und handschriftlichen Werke Böhmens verzeichnet enthält. – Ferner reiche Materialien zu einem böhmischen Gelehrten-Lexikon, welches als Ergänzung der Werke von Pelzel, Balbin u. A. dienen sollte. Außerdem viele staatswirthschaftliche und politische Aufsätze, die er in seinem Wirkungskreise als Staatsbeamter und später als unbetheiligter Beobachter der öffentlichen Zustände niederschrieb. Herrmann erlebte den Heldentod seines Sohnes und erhielt von Erzherzog Johann jenes Schreiben, welches in den Quellen über seinen Sohn [S. 395] mitgetheilt steht. Er selbst starb im Alter von 68 Jahren.

Abhandlungen der kön. böhmischen Gesellschaft der Wissenschaften (Prag, 8°.) Bd. III (1818), S. 23–27: „Nekrolog“. – Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1835, 8°.) Bd. II, S. 569. – Dlabacz (Gottfr. Joh.), Allgemeines historisches Künstler-Lexikon für Böhmen ... (Prag 1815, G. Haase, 4°.) Bd. I, Sp. 615. – Kneschke (Ernst Heinrich Prof. Dr.), Die Wappen der deutschen freiherrlichen und adeligen Familien (Leipzig 1857, T. O. Weigel, 8°.) Bd. IV, S. 189. – Oesterreichische Biedermanns-Chronik. Ein Gegenstück zum Fantasten- und Prediger-Almanach (Freiheitsburg [Akademie in Linz] 1785, 8°.) 1. (und einziger) Theil, S. 97. [Diese entwirft folgende Charakteristik von Hermann: „Ein Mann von vortrefflichen Talenten, aufgeklärtem Verstande und wohlthätigem Herzen, der das Gute eifrig befördern hilft, nach Ueberzeugung handelt, der Wahrheit mit allen Geisteskräften nachspürt und sich davon durch kein Ansehen der Person, noch weniger durch Schmeichelei und Kunstgriffe abbringen läßt, sondern sie frei und unerschrocken vertheidigt.“] – Adelstands-Diplom vom 10. September 1777. – Ritterstands-Diplom und böhmisches Incolat vom 25. September und 8. November 1786. – Wappen. Gevierteter Schild. 1 und 4 in Roth ein vor- und rechtsstehender silbern geharnischter Mann, dessen Helm mit drei silbernen Straußfedern besteckt ist und welcher in der Rechten ein Schwert mit goldenem Griffe nach oben schwingt, die Linke aber in die Seite setzt. 2 und 3 in Blau ein die Hörner rechtskehrender silberner Mond mit Gesichte, vor welchem noch rechts drei sechsstrahlige silberne Sterne untereinander stehen. Auf dem Schilde erheben sich zwei gekrönte Helme. Der rechte Helm trägt drei Straußenfedern, roth, silbern, blau, aus dem linken wächst der Ritter von 1 und 4 heraus. Die Helmdecken sind rechts roth und silbern, links blau und silbern.