BLKÖ:Haszlinger-Hassingen, Johann von

Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Hasslinger, J.
Band: 8 (1862), ab Seite: 46. (Quelle)
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Haszlinger-Hassingen, Johann von, bekannt unter dem Pseudonym Johannes Hager (Musiker und Componist, geb. zu Wien am 24. Februar 1822). Widmete sich nach beendeten Studien dem Staatsdienste, in welchem H. gegenwärtig die Stelle eines Hofsecretärs im Ministerium des kais. Hauses und des Aeußern bekleidet. Neben seinem amtlichen Berufe trieb er in angestammter Neigung und mit ausgesprochenem Talente Musik, machte seine künstlerischen Studien theils in Wien unter Becher, Fischhof, Hauser; später in Leipzig unter M. Hauptmann und zum Theile unter Felix Mendelssohn-Bartholdy. Hauptsächlich ist es das Quartett und die Gesangsmusik in größerer und kleinerer Form, theilweise mit wesentlich orchestraler Richtung, wofür H. als Compositeur bisher gewirkt hat. Seine ersten veröffentlichten Werke erschienen unter seinem wahren Namen; so ein „Trio für Clavier, Violine und Violoncell“; – 3 Hefte „Lieder“; – ein Heft „Duetten“ (sämmtlich in Wien bei Karl Haslinger aufgelegt); später bewogen ihn theils öffentliche, theils Privatrücksichten zur Annahme obigen Pseudonyms, und unter diesem erschienen (in Wien bei Spina) 1 Heft „Volkslieder“; – „8 Gesänge für Sopran oder Tenor“; – ein Heft von „4 Liedern“; – „3 Balladen (Pharao, nächtliche Heerschau, Traumkönig) für Alt oder Bass“; – ein „Quartett für Streichinstrumente in H-moll“; – eine „Concertarie für Sopran mit Orchesterbegleitung“ (in Partitur und Clavierauszug), letztere zuerst öffentlich vorgetragen von Frau Dustmann-Mayer in Wien in einem Concerte der Gesellschaft der Musikfreunde im Jahre 1858. In Handschrift befindliche, doch bereits öffentlich aufgeführte Werke des Künstlers sind ein „Quartett für Streichinstrumente in E-dur“, vorgetragen in den Quartettproductionen von J. Hellmesberger (1852); – ein „Clavier-Trio“, ebd. (1856); – ein „Sextett für Streichinstrumente“, 1857/58; – ferner größere Werke: „Ouverture zu (Chamisso’s Erzählung) Peter Schlemihl“, in einem Concert spirituel zu Wien im Jahre 1848; – ein „Concert für Violoncell mit Orchester“, vorgetragen vom Kammervirtuosen Karl Schlesinger in den Concerten des Wiener Musikvereines (1853); – „Ouverture für Orchester zu Shakespeare’s Sturm“, ebd. (1857); – die zweiactige lyrische Oper „Jolanthe“, Text nach Hendrik Hertz, aufgeführt am 29. November 1849 im k. k. Hofoperntheater; – das große Oratorium „Johannes der Täufer“, [47] aufgeführt in Wien am 1. März 1855 zum Besten des Wohlthätigkeitsvereines der Frauen Wiens, dann am 16. Mai 1860 in London in einem der Abonnementsconcerte von St. Martin’s Hall; – und dessen „Messe in D-dur für Soli, Chor und Orchester“, ausgeführt bereits in verschiedenen Kirchen. Außer diesen ungedruckten aber öffentlich vorgetragenen Werken besitzt der Künstler noch mehrere handschriftliche, welche nicht aufgeführt wurden, darunter: Musik zu Goethe’s „Jery und Bäthely“; – eine „Symphonie“; – eine „grosse Oper in vier Acten“, Text von Mosenthal; – ein „Nonett für Blas– und Streichinstrumente“, dasselbe vom Componisten der Mannheimer Tonhalle eingesandt und von dieser als zweites Preisstück bezeichnet. Ueber H. als Componisten fügen wir das Urtheil in der (Fürst Czartoryski’schen) „Monatschrift“ (1856, S. 62) bei, es lautet: „Wir finden in H. einen Tonsetzer von entschiedendster Begabung, ausgestattet mit dem, was man durch Studium erwirbt, wie mit dem, was man als Himmelsgeschenk im Dichter verehrt, berufen, jenes durch Fortbildung zu erweitern, dieses durch ruhige Beharrlichkeit zu kräftigen. Den Ausdrücken zarter, sinniger, keuscher Gefühle wendet sein Talent sich vorzugsweise zu, schwärmerische Wehmuth, beseligende Ruhe, heitere Sorglosigkeit versteht er getreu zu schildern, ebenso die reinste Andachtstimmung in unserem Herzen zu erwecken; er hat Sinn für Einfachheit, Wahrheit und richtiges Maß, auch freie Formen stehen ihm zu Gebote. Ob er mit gleicher Tüchtigkeit einerseits tragisch-heroische leidenschaftliche, andererseits das fein- oder derb-komische Element zu bewältigen verstünde, muß vorläufig, bis uns weitere Werke seiner Thätigkeit vorliegen, dahingestellt bleiben.“ H. ist auch ungarischer Indigena.

Wiener allgemeine Musik-Zeitung, herausgegeben von Aug. Schmidt, 1845, Nr. 32, S. 127: „Johann von Haßlinger“. [Das in diesem Aufsatze von Julius Becker ausgesprochene, einem Leipziger Musikjournal nachgedruckte Urtheil lautet an einer Stelle: „Die Richtung, welche Hr. v. H. genommen ist eine durch und durch solide, von allem modernvirtuosen Elemente freie. In seinen Vorbildern, Fr. Schubert und Mendelssohn, hat die entschiedene, einer sinnigen, nirgend schwächlich sentimentalen, sondern frischen Lyrik zugeneigte musikalische Natur, den Componisten nicht untergehen lassen. Was er producirt trägt daher den Stempel einer abgeschlossenen Individualität, welche nur das Aeußerliche, die gewandte Technik jener Vorbilder, sich zu eigen gemacht hat.“] – Presse 1859, Nr. 271, im Feuilleton, von Ed. Hanslick. – Monatschrift für Theater und Musik. Redigirt von dem Verfasser der „Recensionen“ (Fürst Czartoryski) (Wien, Klemm, 4°.) II. Jahrgang (1856), S. 55–62: „Johannes Hager“. – Nagy (Iván), Magyarország családai czimerekkel és leszármazási táblákkal, d. i. Die Familien Ungarns mit Wappen und Stammtafeln (Pesth 1859, Moriz Ráth, 8°.) Bd. V, S. 66. –