Album der Schlösser und Rittergüter im Königreiche Sachsen V. Section/H25

Heft 24 des Voigtländischen Kreises Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen von Gustav Adolf Poenicke
Heft 25 der Section Voigtländischer Kreis
Heft 26 des Voigtländischen Kreises
Die Beschreibungen sind auch als Einzeltexte verfügbar unter:
  1. Reyssig
  2. Unterlosa
  3. Rössnitz
  4. Rothenkirchen



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Reyssig,


auch Reussig und Reissig geschrieben, zerfällt eigentlich in Hinter- und Vorder-Reissig, wovon das erstere 1/8 Stunde von der Elster, 11/4 Stunde nordnordöstlich von Plauen unweit Röttis und Möschwitz auf einer coupirten Gegend; letzteres hingegen 2000 Schritte südwestlich von jenem an der alten Strasse nach Elsterberg an einem Hügel und 3/8 Stunde von der Elster entfernt liegt.

Im letztern befindet sich das neuschriftsässige Rittergut, welches vereint mit Haselbrunn landtagsfähig ist.

Diese Orte sind alle sehr alten Ursprungs und in Urkunden vom 12. Jahrhundert und noch früher kommen sie schon vor. Sie gehörten grösstentheils zu den reichen Besitzungen des Klosters zu Plauen. Die Namen in hiesiger Gegend, wie Pfaffenhaus, Pfaffenmühle, erinnern zu deutlich an die Macht dieses Klosters in Plauen. Die Stiftung erfolgte unzweifelhaft im 12. Jahrhundert und erhielt sich dieses Kloster bis zur Reformation. Zwar wurde es im Hussitenkriege hart mitgenommen, allein der Reichthum desselben war zu bedeutend, als dass es nicht bald sich hätte wieder erholen können. Erst nach der Reformation gelangten die einzelnen Besitzungen in andere Hände und in die Besitzung von Reyssig mit Haselbrunn gelangte der Stadtrath zu Plauen, welcher durch diese Acquisition einen theuren Schatz erhielt; Nutz- und Brennholz standen auf diesen Gütern in einer solchen Masse, dass auch durch die schlechteste Bewirthschaftung in früherer Zeit diese Holzungen nicht verwüstet werden konnten und jetzt in neuerer Zeit ist die dasige Forstkultur wieder eine Zierde der hiesigen Gegend.

Durch den Verkauf von Reyssig in den 30er Jahren dieses Jahrhunderts an einen gewissen Herrn Eduard Wehner, der Sohn des in Zwickau verstorbenen hochverdienten Appellationsgerichtsraths Wehner wäre beinahe ein bedeutender Theil dieser Holzungen durch ein Versehen beim Kaufabschlusse verloren gegangen, da das Rittergut Reyssig mit allen Pertinenzen ohne Ausnahme an Wehnern nach der von demselben eingereichten ersten Klage abgetreten werden sollte und nur durch Umänderung der Klage in modo probandi kam es dahin, dass der Stadtrath den Prozess gewann und die grossen Waldungen, die sogenannten Rosengräben behielt. Herr Wehner hatte dessenungeachtet aber immer noch mit diesem Kaufe ein gutes Geschäft gemacht und konnte bei einigermassen sparsamer Bewirthschaftung hier zum reichen Manne werden. Denn wenn Niemand in hiesiger Gegend eine gute Kornernte gemacht hatte, so war es Wehner, der sich nie zu beklagen hatte.

Die Felder sind für jeden Getreidebau vortrefflich zu nennen und die Wiesen geben ein vorzügliches Futter. Der jetzige Besitzer, Herr Oeconom Schneider aus Crieschwitz versteht es, was aus einem so ergiebigen Boden zu ziehen ist und hat das Gut in einen vortrefflichen Stand gesetzt.

Trotzdem, dass dasselbe beim Verkaufe heruntergekommen, hat derselbe immer noch eine Summe von 22,000 Thlrn. bezahlt, wozu er noch die Summe rechnen muss, welche er auf Ankauf besseren Viehs, auf Schiff und Geschirr verwenden musste.

Durch die Nähe von Plauen hat dieses Gut einen bedeutenden Absatz an Milch, die einen ungemeinen Nutzen gewährt.

[194] Auch bis an den Anhaltepunkt Jocketa an der Sächsisch-Bairischen Eisenbahn ist die Entfernung nur gering zu nennen und gewährt also auch in sofern zur Absetzung seiner Erzeugnisse Vortheile, die andere Güter in der Art nicht haben.

Das Herrenhaus ist nicht allzugross und steht mit einigen Veränderungen und Neubauten erst seit 1801, da das frühere ein Raub der Flammen wurde.

Die Wirthschaftsgebäude sind jetzt in gutem Zustande und Herr Schneider zieht sehr herrliches Rindvieh.

In früheren Zeiten war Reyssig ein Vergnügungsort für Plauens Bürgerstand, worauf es nach dem Jahre 1813 bei dem Entstehen neuer Vergnügungsorte in Plauen selbst in den Hintergrund trat. Erst in den 40er Jahren unseres Jahrhunderts wurde es wieder genannt und kam wieder in Aufnahme durch den in seiner Nähe in Angriff genommenen Brückenbau von Jocketa. Da sah man täglich Fusswanderungen von Jung und Alt vorüberziehen, um den grossartigen Bau dieser Brücke zu bewundern und anzustaunen. Keine Stunde der Nacht verging, wo nicht durch Reyssig Zurückfahrende von dieser Wanderung kamen.

Manch frohe Erinnerung der Jugend wird sich an diese Wanderung in späterer Zeit knüpfen. Denn nur im heitern, frohen Familienkreise wurden gewöhnlich diese Wanderungen unternommen, und wenn diese Kinder herangewachsen sein werden, werden sie gern an diese glücklichste Zeit, diese Wanderungen zurück denken. Schreiber dieses hat es selbst von eignen Kindern erlebt, wie lebhaft sie sich jener Wanderungen noch erinnern.

Es mag zwar eine spätere Zeit kommen, die reicher und genussvoller ist – da der Liebe Zaubermacht Rosen streut, so voll und duftig, dass dagegen die Rosen, welche die Kindheit schmückten, blass und matt erscheinen. Diese Zeit mag berauschender sein – wo aber ist die selige Sorglosigkeit, das tiefe, feste Vertrauen der Kindheitstage?

Unter den süssduftenden, dunkelglühenden Rosen liegen Schlangen mit giftigem Zahne, Erfahrung, Zweifel, Angst und Furcht, von dem allen des Kindes Herz nichts weiss. Und wie oft bewährt sich diese Furcht, wie kurz ist oft der himmlischsüsse Traum, wie bitter das Erwachen.

Darum wird es jedes Vaters heiligste Pflicht, jeder Mutter grösste Sorge sein, dem eignen Kinde die liebliche, sonnige Kindheit nicht zu trüben und unnütz keine Thräne zu vergiessen, damit ihm die Erinnerung an die Kindheit süss und heilig sei, dass sie sich wie ein goldener Faden durch die spätern Tage ziehe.

Doch wohin hin ich gekommen mit meiner Beschreibung von Reyssig? Man wird aber dem Schreiber dieses die kurze Abschweifung verzeihen, wenn er versichert, dass er selbst in dieser Gegend glückliche Tage seiner Jugend und selbst seines Mannesalters verlebt hat.

Wir sind auch somit zum Ende der Beschreibung von Reyssig gelangt und finden nichts Erwähnenswerthes mehr, als dass Reyssig mit Haselbrunn in die Hauptkirche zu Plauen gepfarrt sind und dass es mit seinen Bewohnern unter das Gerichtsamt Plauen gehört.[VL 1]

M. G.     



[195]
Unterlosa


liegt 11/4 Stunde südlich von Plauen, 1 Stunde nordwestlich von Oelsnitz, am südlichen Fusse des Mohnberges und am Anfang des Taltitzer Baches (richtiger wohl Eyditzbach), in einer nicht unangenehmen Gegend, wo sich im Nord und West das Streit-, Koch- und Fuchsholz, südlich das Huthölzchen verbreiten. Nordöstlich ist Oberlosa nahe, wohin Unterlosa gepfarrt ist und weiter nach Süden steigt der Oberloser Kulm empor.

Vor den Zeiten der Reformation mag wohl Oberlosa und Unterlosa ein Ganzes gewesen sein, was um so mehr anzunehmen ist, da die bekannten Besitzer von Oberlosa sich auch erst aus der Zeit der Reformation datiren.

Nach der Reformation finden wir im Besitze von Unterlosa das alte berühmte Geschlecht derer von Tettau, welche es bis nach dem 30jährigen Kriege behauptet, und auch Planschwitz, Bösenbrunn, Dobeneck, Taltitz, Stöckigt und Oberlosa besessen haben. Erst im Jahre 1650 kam Unterlosa in andere Hände und zwar in die der berühmten alten Familie des Voigtlands, in die der Herren von Thoss.

Im 18. Jahrhundert acquirirte die ebenfalls im Voigtlande nicht unbekannte Neumärker’sche Familie das Gut, von welcher es an die Familie Geigenmüller kam.

Vom Vater erbte es dessen Sohn, Herr Carl Ferdinand Geigenmüller, welcher sehr frühzeitig verstarb und es seinen beiden unmündigen Töchtern hinterliess. Während deren Vormundschaft wurde solches an den Sohn des frühern Amtssekretair Weiss auf Döhlau, an Herrn Ferdinand Weiss verkauft, welcher es dermalen noch besitzt.

Das Herrenhaus ist nicht prächtig zu nennen, aber bequem und comfortabel eingerichtet. Die zum Gute gehörigen Felder und Wiesen sind ergiebig und fruchtbar, die Holzungen in guter Pflege und werden solche in einigen Jahren wieder einen schönen Ertrag gewähren.

Das Areal des Dorfes sammt Rittergut beträgt 1243 Acker 10 Ruth. mit 17,365 Thlr. Steuereinheiten.

Die Bevölkerung besteht in 360 Seelen, welche in 54 Feuerstätten vertheilt sind.

Zum Rittergute gehört eine schöne Schäferei und eine gute Brauerei.

Gerichtsuntergebene hatte es bis zur Einführung der neuen Gerichtsorganisation in dem nahen frühern Amtsdorfe Messbach.

In der Nähe des Dorfes ist eine Waldung, die in einer alten Urkunde das Schwarzholz genannt wird, welche aber auf alle Fälle das sogenannte Oberlosaer Schwarzholz ist. Diese Waldung gehörte mit 20 Ackern dem Comthurhofe des deutschen Ordens zu Plauen.

Von Plauen aus führt ein angenehmer Weg über Reinsdorf nach Unterlosa und während der Sommermonate wurde dieser Weg sehr häufig von vielen angesehenen Familien zu Spaziergängen früher benutzt, da im Dorfe Unterlosa selbst noch mehrere angesehene Familien in herrschaftlich eingerichteten Häusern wohnten, wie z. B. die Schuster’sche Familie, von dem der frühere Apotheker Schuster als Landtagsabgeordneter in Sachsen bekannt geworden ist, so auch die Schmidt’sche und die Schicksche Familie.

[196] Alle besassen nebenbei grosse Bauernhöfe, zu denen ergiebige Grundstücke gehörten.

Unterlosa liegt desshalb sehr angenehm, da nach Oberlosa, wo die frequente Strasse von Oelsnitz nach Plauen durchführt nur 1/4 Stunde Entfernung ist und in Oberlosa ein gut eingerichteter Gasthof sich befindet, wo die Bekannten und Freunde der Nachbarschaft stets einen schönen Vereinigungspunkt haben.

Auch Taltitz liegt nicht weit davon entfernt und zwischen Plauen und Oelsnitz liegt es in der Mitte.

Auch Unterlosa hat daher eine gute Absatzquelle bezüglich seiner Naturalien nach Plauen und Oelsnitz.

Ja es wird von Getreide, von Kartoffeln, von Milch und Sahne sogar bedeutende Quantitäten aus den beiden Städten, selbst im Dorfe und im Rittergute abgeholt.

Das Rittergut selbst ist nicht so gross, wie zu Oberlosa, hat aber bessere Felder und Wiesen und in Holzungen steht es dem Rittergute Oberlosa nicht nach. Uebertroffen wird Oberlosa an dem Bau der guten Getreidesorten; vorzüglich ist der Roggen, welcher in Unterlosa gebaut wird, von vorzüglicher Güte.

Ausgezeichnet und berühmt aber in der ganzen Umgegend ist der Ort durch seine schönen, grossen Teiche, worinnen ausgezeichnete grosse Voigtländische Karpfen gezogen werden, die an Geschmack und Güte alle andern übertreffen und den böhmischen in keiner Weise nachstehen.

Der frühere Gutsbesitzer Schick in Unterlosa verstand es vorzüglich Schleien und Spiegelkarpfen zu ziehen, wovon man in den niederen Gegenden keinen Begriff hat. Wenigstens geht dies daraus hervor, wenn man die Köchinnen auf dem Leipziger Markte einkaufen sieht und alle Mal von dem Fischhändler einen kleinschuppigen Karpfen verlangen hört, die im Voigtlande Niemand speist und blos unter dem Namen Schneiderkarpfen bekannt sind.

Die schulpflichtigen Kinder von Unterlosa gehen nach Oberlosa in die Schule, an welcher ein guter Lehrer angestellt ist, wie wir dies schon näher bei der Beschreibung von Oberlosa erwähnt haben.

In der Nähe dieses Ortes, mehr aber nach Oberlosa zu, befinden sich mehrere Gebirgshöhen, z. B. der sogenannte Kemmlerberg, von wo aus man eine reizende Aussicht auf Plauen und in das Elsterthal geniesst, so wie man auf der andern Seite in weiter Ferne Schöneck und die nach Böhmen hin sich ziehenden Gebirge erblickt.

An der Kirche zu Oberlosa, welche bekanntlich Filial von der Kirche zu Plauen ist, predigt der zweite Landdiaconus wechselsweise einen Sonntag und Festtag um den andern.

Unter diesen Predigern ist vorzüglich hier noch M. Georg Samuel Dörffel zu erwähnen und von diesem ein kurzer Nachtrag, welcher eigentlich in die Beschreibung von Oberlosa gehört, hier mitzubringen.

Derselbe hat in der gelehrten Welt einen Namen erworben. Im Jahre 1681 schrieb er eine Disertation de cometa. Veranlasst durch den grossen Kometen des Jahres 1680 stellte er schon vor Newton die Hypothese auf, dass die Bahn jedes Kometen eine Parabel sei, deren Brennpunkt in das Centrum der Sonne falle. Das Verdienst, welches er sich durch diese Idee erwarb, wurde aber erst in der Mitte des vorigen Jahrhunderts anerkannt, wie dies besonders von dem grossen Küstner gesehen. Später hat der unermüdete Mondbeobachter Schröter in Lilienthal Dörffels Andenken dadurch geehrt, dass er ein neuentdecktes Gebirge im Mond nach seinem Namen, den Dörffelsberg nannte.

M. G.     



[197]
Rössnitz


11/2 Stunde von Plauen am östlichen Fusse des Eichigts, am Rosenbache gelegen, ringsum von grossen Waldungen umgeben, die früher noch viel bedeutender waren.

Rössnitz ist ein sehr alter schon von den Sorbenwenden angelegter Ort, welcher nach Vertreibung und Unterjochung derselben im 12. Jahrhundert den deutschen Herren oder dem Orden der Marianer gehörte, welche in dem Besitz dieses und vieler anderer hiesiger Güter bis zur Aufhebung dieses Ordens sich behaupteten.

Erst im 15. Jahrhundert kam auch Rössnitz an eine adliche Familie, und zwar an die reiche und angesehene Familie von Reibold.

Zu Ende des genannten 15. Jahrhunderts lebte der Ahnherr dieser Familie, Philipp von Reiboll auf Rössnitz, welcher das in der Abbildung befindliche alte Schloss erbaut hat.

Ihm folgte Hans von Reibold, welcher das grosse Schloss in Neundorf erbauen liess, und der nach seinem tragischen Ende, dessen wir schon bei der Beschreibung von Neundorf Erwähnung gethan, Joachim von Reibold seine grossen Besitzungen hinterliess. Ausser Rössnitz besass nun Joachim von Reibold auch Neundorf mit Strassberg, Netzschkau, Sachsgrün, Ebmath, Haselbrunn, Polenz, Gutenfürst, Kloschwitz und Thannhof. Auf ihn folgte der Kammerjunker und Obersteuereinnehmer Johann Christoph von Reibold, der es wieder Johann Joachim von Reibold, hinterlies, welcher noch in der Mitte des 17. Jahrhunderts im Besitze von Rössnitz war.

Nach ihm finden wir als Erblehn- und Gerichtsherrn von Rössnitz Johann Adolph von Reibold und mit Beginn des 18. Jahrhunderts den Oberforstmeister Hans von Reibold, welcher bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts Rössnitz noch behauptete.

Zu Anfang des 19. Jahrhunderts kam es an die Familie Adler. Der Advocat Adler besass es noch in den 30er Jahren dieses Jahrhunderts. Derselbe hat viel für die Verbesserung der Oeconomie des Gutes gethan und die Forstkultur auf das Vortrefflichste gepflegt. Unter ihm wurden auch die Hand- und Spannfrohndienste, welche für das Gut geleistet werden mussten, und zwar von verschiedenen Orten, wie von Kloschwitz, Kobitschwalde, Schneckengrün u. s. w. abgelöst und bezüglich der Huthbelasteten ein Vergleich abgeschlossen, der Seitens Herrn Adlers dessen grosse Menschenfreundlichkeit auf das Klarste documentirte.

Bald darauf ging Herr Advocat Adler mit Tode ab und ihm folgte sein Sohn, Herr Adolph Adler, welcher seine Ausbildung auf dem früheren Lyceum in Plauen erlangte.

Er war ein vortrefflich guter Mensch und ein umsichtiger Oeconom. Ihm hat Rössnitz noch viele Verbesserungen zu verdanken. Leider starb derselbe in seinem schönsten Mannesalter und hinterliess seiner Wittwe und seinen unmündigen Kindern sein Gut Rössnitz, welches auch von seiner Wittwe, eine geborne Franz aus Lobenstein, übernommen wurde, die es jetzt noch besitzt.

[198] Das Rittergut hat neue Wohn- und Wirthschaftsgebäude, aber auch das frühere alte Schloss mit seinem Thurme steht noch und die Spuren von Wällen und Gräben sind ebenfalls noch vorhanden.

Umgeben war es in früherer Zeit von dichten Waldungen und hohen Felsen.

Die Felder und Wiesen sind gut zu nennen und der Holzbestand ein vortrefflicher.

Hier wird auch ein vortreffliches Bier gebraut.

Die Schäferei des Gutes liegt am Wege von Plauen nach Rössnitz, ungefähr 10 Minuten von den Gutsgebäuden.

Zu dem Jurisdictionssprengel von Rössnitz gehörten vor der neuen Gerichtsorganisation Antheile von Kloschwitz, Reinhardswalde, Rodau, Ruderitz und Tobertitz, so dass solche wenigstens an 500 Unterthanen umfasst.

Einer der schlechtesten Communicationswege führte in früheren Zeiten von Plauen nach Rössnitz; aber durch die Vermittelung der Herren Adler mit der Königl. Amtshauptmannschaft ward es dahin gebracht, dass diese Strasse bald in einen fahrbaren Stand versetzt und ist auch bis jetzt gut unterhalten wurden.

Rössnitz selbst liegt ungemein romantisch. Eine herrliche Aussicht geniesst man auf dem sogenannten Eichigt oberhalb Rössnitz.

Rössnitz ist mit Schneckengrün, Fasendorf, Mehltheuer, Oberpirk und Drochaus nach Leubnitz eingepfarrt, geht aber viel auch in die Kirche nach Kloschwitz. Nach beiden Orten nach Leubnitz so wohl als nach Kloschwitz führen schöne romantische Wege durch liebliches Waldesgrün und durch üppige Wiesen. Die Schicksale des Ortes anlangend, so sind in den unheilvollen Kriegen des 15ten, 17. u. 19. Jahrhunderts, also in den Hussitten, 30jährigen und deutsch-französischem Kriege auch über Rössnitz alle die Leiden und Drangsale ergangen, welche in den Jahresbüchern der Geschichte schreckvoll genug verzeichnet stehen.

Möge das arme Voigtland vor den Schrecknissen eines neuen uns bevorstehenden Kampfes befreit bleiben.

Rössnitz gehört jetzt mit seinen Bewohnern zum Gerichtsamte Plauen.

(M. G.)     



[199]
Rothenkirchen


5 Stunden von Plauen gegen Ostnordost, 2 Stunden nordöstlich von Auerbach, 2 Stunden östlich von Lengefeld, 2 Stunden nordöstlich von Eybenstock, 3 Stunden südöstlich von Schneeberg und 2 bis 21/4 Stunden südlich von Kirchberg gelegen, nördlich am Fuss des Kuhberges, von wo es sich 3/4 Stunden lang in nördlicher Richtung am obersten Theil des Kirchberger Wassers herunterzieht, so dass es sich durch einige einzelne Häuser, die nordöstlich von der Kirche in einer breiten, aber tiefen Schlucht stehen, mit dem obersten Ende von Bärenwalde im früheren Amte Wiesenburg verkettet; noch grenzt es in den Fluren südöstlich mit Stützengrün und südwestlich einigermaassen mit Wernesgrün.

Die Meereshöhe geht von 1800 bis 2000 par. Fuss, das Klima ist sehr rauh, besonders im Unterdorf, welches gegen den Wind weniger geschüzt ist, als das Oberdorf. Noch ist nicht unerwähnt zu lassen, dass die Lage des Ortes ziemlich zerstreut ist, ja einige Häuser ziehen sich in Südost, in einer finstern Schlucht unterm Kuhherg, fast bis zur nordwestlichen Ecke von Stützengrün.

Die Häuser selbst haben ein dürftiges Ansehen und stechen gegen die des angrenzenden Bärenwalde auffallend ab; gar häufig sind sie nicht übersetzt und nur aus dicken Balken zusammengefügt, ohne Mauerwerk, ja sogar ohne Anstrich.

Sie bilden den treuen Spiegel der Dürftigkeit, welche im allgemeinen hier zu finden ist. Mitten im Winter laufen die Kinder hier halb nackt, ohne Bedeckung des Kopfes und ohne Strümpfe und Schuhe an den Füssen.

Der Ackerbau findet einen dürftigen Boden. Die übrigen Gewerbe ernähren ohne Ausnahme spärlich und bestehen in Holzarbeiten, Klöppelei, Nagelschmieden, Russbrennen, dem Landfuhrwesen, dem Kohlenbrennen u. s. w. auch ziehen viel Einwohner als sogenannte Landreisende umher und vom weiblichen Geschlecht wird häufig weisse Waare genähet und gestickt.

Die eigentlichen früheren Rittergutsgebäude sind von keiner Bedeutung, wie dies auch die Abbildung besagt. Denn schon in früherer Zeit wurde das eigentliche Rittergut mit Ritzengrün combinirt und es fand seit dieser Vereinigung keine besondere Bewirthschaftung von Rothenkirchen mehr statt.

Ritzengrün aber haben wir schon in diesem Album beschrieben, so dass man täglich über die Entstehung des Orts und die weiteren Schicksale derselben hier hinweggehen kann.

Ritzengrün mit Rothenkirchen gehört, wie wir oben schon ebenfalls erwähnt haben, seit Jahrhunderten den Herren von Planitz auf Auerbach u. s. w. Bis Herr Major vorm Planitz auf Ritzengrün mit Rothenkirchen an Herrn Rittergutsbesitzer Opitz auf Netzschkau verkaufte, welcher es dem dermaligen Besitzer Herrn Günther käuflich abtrat.

Die Collatur über die Kirche zu Rothenkirchen so wie über die dasige Schulstelle steht den Rittergutsbesitzern von Auerbach obern und untern Theils zu.

In die Kirche zu Rotheukirchen war sonst auch Schönhaide gepfarrt, so wie Stützengrün im Erzgebirge heute noch Filial von Rothenkirchen ist.

[200] Bis zum Jahre 1840 war in Rothenkirchen, wie in Stützengrün nur eine Schule, woraus seit dieser Zeit 5 geworden sind, 3 in Stützengrün, 2 in Rothenkirchen. Eingeschult wie eingepfarrt ist noch ausserdem mit Rothenkirchen das Jägerhaus Wilhelmshaide, welches auf Plohner Gebiete steht.

Berühmt von hiesiger Gegend ist der Kuhberg. Er steigt anfangs von allen Seiten ziemlich steil an, hat aber einen abgeplatteten und weit gedehnten Gipfel und seine Hauptform ist die Kugelsegmentarische. So erhebt er sich bis zu einer Meereshöhe von 2600 bis 2700 pariser Fuss und zeigt sich in seiner gewaltigen Masse schon deutlich unter Leipzig und Wurzen: sein Ansehn hat von dort die auffallendste Aehnlichkeit mit dem des Brockens. Für die nächsten Orte, dient er auch als guter Wetterprophet. An seinen Fuss lehnen sich südöstlich der oberste Theil von Schönhaide, östlich Stützengrün, nördlich Rothenkirchen und westlich Wernesgrün; südwestlich trennt ihn ein flaches Gehänge vom grossen Schnarrtannerberge. Er ist durchaus mit Waldung bestanden, welche meist dem Staate gehört und häufig der Schwarzwald genannt wird; in derselben findet man die Schönhaider Pechhütte und das Harzreissen wird hier stark betrieben. Der grösste Theil der Waldung, welche überhaupt zum Forstbezirk von Schneeberg gehört, besteht jetzt aus jungen, aber die besten Hoffnungen für die Nachkommen versprechenden Fichten und macht den Forstbeamten wahre Ehre.

Am Abhange des Berges haben 5 Bäche ihre Quellen, nämlich der Schönhaider Salzbach, der Stützengrüner od. Weissbach, das Kirchberger oder Rothenkirchner Wasser, der Wernesgrüner und der dazu fliessende Schnarrtanner Bach. Da letztre beiden mittelst der Göltzsch- und Elster der Saale, die ersten hingegen der Mulde zufliessen, so bildet der Kuhberg einen Theil der Wasserseite zwischen beiden Flüssen. Als ein Gebirgsstock documentirt er sich über dem durch Masse, Gestalt und dadurch, dass fast nach allen Seiten Bäche von ihm ablaufen. Sogar den Gipfel zu trägt er einige geringe Feldklippen, welche eine überaus weite, umfassende und zum Theil auch schöne Aussicht gewähren, so düster dieselbe auch in der Nähe ist: Sie begreift ein ansehnliches Stück vom Voigtland, dem westlichsten Theil des Erzgebirgischen Kreises u. s. w. und reicht in der Ferne bis zum Petersberg bei Halle und bis in die Gegend von Eilenburg, nicht aber nach Böhmen hinein, indem das ganze Grenzgebirge zu grösserer Höhe emporsteigt, so geneigt man auch im Niederlande sich fühlen möchte, hinterm Kuhberge keinen höhern mehr zu suchen.

Unweit der Kirche, welche dem Namen des Orts zufolge blassroth angestrichen ist, steht das Erbgerichtsgut und im Niederorte die Mühle mit 2 Gängen.

Zum Dorfe gehören Antheile von Walde bei Ober-Criniz, sowohl als bei Herlasgrün, so wie einige Teiche, welche in den zahlreichen Schluchten gegen Bärenwalde und Hundshübel hin der hiesige Bach bewässert.

Vor der neuen Gerichtsorganisation hatte Rotheukirchen jeher seine eigne Gerichtsbarkeit allein, die Gerichtstage wurden wegen der früher erfolgten Combination mit Ritzengrün im letzteren Orte gehalten.

Rothenkirchen hat 156 Häuser 1036 Acker 95 □ Ruthen Areal, 12388 Steuereinheiten und circa 1460 Einwohner, welche jetzt zum Gerichtsamte Auerbach gehören.

Die in eine finstere Schlucht unterm Kuhberg sich hinziehende Häuserreihe wird sehr häufig auch Schustersreuth genannt.

(M. G.)     




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Anmerkungen der Vorlage

  1. handschriftlicher Eintrag: Solche Ausführungen werden in einem Geschichtsbuch zum Quatsch.
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