Album der Schlösser und Rittergüter im Königreiche Sachsen IV. Section/H19

Heft 18 des Erzgebirgischer Kreis Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen von Gustav Adolf Poenicke
Heft 19 der Section Erzgebirgischer Kreis
Heft 20 des Erzgebirgischer Kreis
Die Beschreibungen sind auch als Einzeltexte verfügbar unter:
  1. Wiesenburg
  2. Niederzwönitz
  3. Weissbach
  4. Alberoda


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Wiesenburg.


war früher der Sitz eines nicht unbedeutenden Amtes, welches in dem uralten Schlosse sich befand. Die Lage des Letztern ist ungemein schön und deshalb hat sich solches auch sehr oft des Besuches von Naturfreunden zu erfreuen. Das breite Muldenthal, welches man von einem Platze ganz in der Nähe des Schlosses übersehen kann, gehört zu den reizendsten und sanftesten Thalparthien, wo die Mulde sich nördlich von Grünau und westlich nach Silberstrasse schlängelt.

Das Schloss selbst bietet von Norden her eine malerische Ansicht: Aber als Burg betrachtet hat es für den Alterthumsforscher nicht mehr das hohe Interesse, weil von derselben eigentlich nichts mehr übrig ist, als einiges Gemäuer (dessen Zwecke nicht mehr kenntlich sind), und ein ungeheuer runder Thurm mit 6½ Ellen starken Mauern. In letzterem konnte man sonst hinaufsteigen und fand oben einen Boden mit Brustlöcher, wo sich eine herrliche, eben so reiche als gefällig gruppirte Aussicht darbot, wo früher bisweilen sogar getanzt wurde: jetzt ist die Treppe sammt Eingang verschüttet. Letzterer befand sich in der Höhe, wie in andern runden Burgthürmen jenes Alters z. B. in Gnandstein, Scharfenstein, Kohren, Seida u. s. w.

In den Schlosshof führt das innere Burgthor unter einem Thurme hinweg, wogegen ein äusseres Thor schon vorher den Eingang in einen gartenähnlichen Hof öffnet, an dessen Ostseite sonst das eigentliche Herzoglich-Holstein-Wiesenburgische Residenzschloss stand, welches in Folge eines Brandes im vorigen Jahrhundert abgetragen werden musste.

Die Räume und Abhänge um das Schloss waren grösstentheils für das Amtspersonale in Gärten verwandelt worden.

Wer eigentlich der Erbauer des alten Schlosses war, lässt sich nicht mit Gewissheit ermitteln. So viel steht fest, dass es erst nach Vertreibung der Sorben-Wenden aus hiesiger Gegend erbaut worden ist. Der hiesige Bezirk gehörte zum Gau Zwickowe; aber das ganze Gebiet war zu den Zeiten der Sorben nur tiefer undurchdringlicher Wald. Der Name Wiesenburg selbst auch deutet auf deutschen Ursprung und mag der Ort selbst als Grenzfeste gegen die Sorben-Wenden ursprünglich gedient haben.

Die ersten bekannten Besitzer der spätern Herrschaft Wiesenburg waren die Herren von Planitz. Ums Jahr 1500 hatte es der Reichsritter von Planitz, welcher von 1494 bis 1513 Kreishauptmann und Gouverneur zu Zwickau war, vom Kaiser 1522 die erbliche Würde eines Edlen erhielt und 1530 in die Kirche zu Planitz begraben wurde. Von seinen Söhnen erbte es nicht der berühmte kaiserliche Orator Hans von der Planitz, sondern der Augsburger Rath Rudolph, welcher es noch 1572 besass.

Damals reichten die Planitzschen Besitzungen von der Schönecker bis in die Lössnitzer Gegend.

Nach den Herren von Planitz acquirirte die Herrschaft der Stadtrath zu Zwickau, von welchem solche 1618 Johann George I. erkaufte: Letzterer verpachtete die Besitzung an den reichen Stadtrichter Hans Schnorr in Schneeberg. Im Jahre 1662 wurde die ganze Herrschaft dem Herzog Philipp Ludwig zu Schleswig-Holstein Sonderburg überlassen, dessen Linie nunmehro sich die von Holstein-Wiesenburg nannte, gewöhnlich in Wiesenburg residirte und 1744 ausstarb, jedoch schon seit 1724 Wiesenburg nicht mehr besass. Herzog Leopold K. K. Rath verkaufte 1724 die Herrschaft an K. Friedrich August I., der mit Zuziehung noch einiger Orte ein Amt daraus bildete und die Besitzung selbst in ein Amtsvorwerk oder Kammergut verwandelte, was nun seit Einführung der Constitution in Sachsen Staatsgut geworden ist.

Die Lage des Orts, besonders des Schlosses ist ungemein schön, wozu das breite Muldenthal, mit den üppigsten Wiesen erfüllt, die der Fluss in grossen Bogen durchzieht, das meiste beiträgt. Von den herrlichen Wiesen scheint auch der Ort und die Burg den Namen erhalten zu haben, weil es weit und breit eine solche Wiesenfülle nicht mehr giebt. Am rechten Ufer der Mulde wird von derselben der Schönauer Bach aufgenommen, von welchem auch ein grosser Bewässerungsgraben [146] über den Fluss durch einen Aquäduct geleitet ist. Die Berge auf der Wiesenburger Seite sind niedriger aber steiler, als am rechten Ufer, wo in Nordost der 200 Ellen hohe Aschberg ansteigt, an dessen nordwestlichem Abhange jährlich das Schönauer Radschiessen gehalten wird. In Nordost stehen am linken Muldenufer durch eine Allee mit der Hölle verbunden, diejenigen 8 Häuser von Silberstrasse, welche eigentlich die arme Ruhe genannt wurden, später die alte Ruhe getauft worden sind. Die erwähnte Hölle ist ein Gasthaus unterm Schlossfelsen dicht an der Mulde, über welche hier die 70 bis 75 Ellen lange bedeckte Höllbrücke nach Schönau, so wie die Strasse von Kirchberg nach Wildenfels führt. Nach dem nahen unterm Ende von Weissbach führt längs der Mulde hinauf der Narrensteig und schliesst mit dieser zusammen die alte Wörth, eine schöne Wiese mit einem Teiche, ein; die Wiesen unter Schönau hingegen heissen die Auwiesen und auf ihnen soll der Volkssage nach ein Kloster gestanden haben; 2000 Schritt nördlich vom Schlosse im Oberhaselauer Gebirge sind noch Ruinen von einer Burg übrig, von welcher die Geschichte gänzlich schweigt. Vermuthlich ist solche schon zu Zeiten des Faustrechts zerstört und nicht wieder aufgebaut worden.

Durch die früheren und durch den jetzigen Domainenpachter ist die Oeconomie des Gutes von Wiesenburg fast in jeder Art verbessert worden.

Das gesammte Feld suchte man urbar zu machen, legte grosse Bewässerungsgräben an, bestimmte durch Rainsteine die Grenzen des Gutes, vermehrte und verbesserte die ganze Schäferei, so dass die hiesige Wirthschaft wirklich eine Musterwirthschaft geworden ist. Die neuen Wirthschaftsgebäude zeichnen sich mit Brauerei und Branntweinbrennerei vorzüglich aus, so wie auch eine ausgezeichnete Viehmastung existirt.

Der Ort Wiesenburg hat sich in neuern Zeiten sehr gehoben und an Einwohnern[WS 1] zugenommen. Es zählt jetzt 54 bewohnte Gebäude mit 459 Einwohnern. Im Orte befindet sich ein Gasthof, der als Vergnügungsort von Schneebergs Bewohnern, von Zwickauer Bürgern häufig besucht wird. Ein sehr schönes, 3 Etagen hohes, mit herrlichem Garten versehenes Gebäude bewohnte sonst Herr Amtshauptmann von Zeschwitz, welches später ein Kaufmann Krause besass, dem es Herr Medicinalrath D. Unger abkaufte. Zuletzt acquirirte dasselbe Herr Factor Kunz aus Wildenfels.

Der Ort selbst, welcher nach Einziehung des dasigen Amts und nach Errichtung eines besondern Landgerichts in Kirchberg, zu dem letzteren Orte gewiesen worden war, ist dem neuen Gerichtsamte Kirchberg einverleibt geblieben.

Hinsichtlich seiner kirchlichen Verrichtungen ist Wiesenburg nach Schönau verwiesen und der Diöces Zwickau zugetheilt.

Das Schloss Wiesenburg hatte zwar in frühern Zeiten seine eigene Schlosscapelle, in welcher der Pfarrer von Schönau aller 14 Tage Gottesdienst abhalten musste: Durch ein Rescript vom 13. April 1725 hörte diese Einrichtung auf, wurde aber auf eingeholte Königl. Erlaubniss den 30. Sept. 1748 wieder hergestellt. Im Jahre 1803 entdeckte man die Schadhaftigkeit dieser Schlosscapelle, weshalb solche nach angestellten Erörterungen abgetragen werden musste und der Gottesdienst in selbiger aufhörte. Von dieser Zeit an haben die Wiesenburger die Kirche in Schönau besucht.

Die Kirche in Schönau hat eine neue Orgel vom Orgelbauer Trampeli in Adorf. Für das frühere Amtspersonal, für den Rittergutsbesitzer in Silberstrasse und für einen Gutsbesitzer in Schönau sind Kapellen eingebaut.

Diese Kirche ist deshalb sehr merkwürdig, weil in derselben Dr. Luther gepredigt und den ersten protestantischen Geistlichen hier eingeführt haben soll.

M. G.     



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Niederzwönitz


das grosse herrliche Dorf unsers lieben Erzgebirges, ist mit der Stadt Zwönitz so innig verbunden, dass zum Theil die Häuser ganz unter und durch einander stehen. Von dort erstreckt es sich am Zwönitzbache ziemlich eine Stunde lang von Süd nach Nord bis dicht an Dorfchemnitz, so dass Zwönitz, Dorfzwönitz und Dorfchemnitz gleichsam Einen Ort von 2 Stunden Länge bilden.

Das Thal der Zwönitz ist tief, aber doch auch offen genug, weil gegen Westen die Höhen nur sanft ansteigen, so dass die beiden Bäche, welche dort an der Schönburg. Grenze entspringen, (der obere und niedere Helbigsbach) ganz sanfte flache Wiesengründe bilden; dagegen erheben vom rechten Ufer der Zwönitz sich die Berge schroff und steil, deren Felskoppen und Klippen ein wildes romantisches Ansehen gewähren; hinter denselben steigt das hohe fast gar nicht ocupirte Waldgebirge hin, welches bei Zwönitz beginnt und bei Hermersdorf wieder fällt, in der Breite aber bis fast nach Gayer[VL 1] sich erstreckt. Niederzwönitz ist – von der Pfarrkirche aus gerechnet – 2 Stunden von Stollberg gegen Südsüdwest 1½ Stunde von Löstnitz nordöstlich, und 2 Stunden von Gayer westnordwestlich entfernt. Durch das Oberdorf führt die Strasse von Stollberg nach Zwönitz.

Niederzwönitz ist einer der ältesten Orte hiesiger Gegend und gehörte vom Anfange seiner Erbauung zur Burggrafschaft Stollberg, welche 1287 ein Eckerbert von Stollberg als kaiserliche Besitzung und Reichslehn überkam. Im Jahre 1300 folgte ihm Heinrich, Graf von Stalburg. Die Burggrafschaft bestand dann nicht lange mehr; denn 1330 waren schon im Besitze dieser Herrschaft die von Schönburg. Friedrich von Schönburg, der beliehene Besitzer von Stollberg starb 1338, welcher solches Friedrich dem Jüngern hinterliess. Im Jahre 1347 ging Friedrich der Jüngere mit Tode ab, worauf bis zum Jahre 1367 die Gebrüder Herrmann und Bernhart im Besitze dieser Herrschaft blieben. In diesem Jahre verkauften sie solche mit des Kaisers Bewilligung um 6000 Schock Groschen an den König Wenzel. Daher konnte Johann von Görlitz 1393 die Herrschaft nebst andern Orten dem Meissnischen Markgrafen Wilhelm versprechen, wenn er ihm zur Böhmischen Krone verhelfen würde.

Im 15. Jahrhundert und zwar 1422 verpfändete diese Herrschaft König Sigismund statt Rückzahlung aufgebürdeter Kriegskosten, nebst vielen andern voigtländisch-böhmischen Gütern an Friedrich den Streitbaren. Die Einlösung erfolgte nicht rechtzeitig und nun ward die Herrschaft völlig sächsisch. Der in dieser Zeit dann damit beliehene Besitzer war ein gewisser von Kager, von welchem solche an die Familie Schlick kam: Denn schon 1447 verkaufte Friedrich der Sanftmüthige diese Herrschaft, – von dieser Zeit an als das „Amt“ Stollberg in den Urkunden bezeichnet, – an den Herrn zu Weisskirchen, Ritter Matthias Schick von Lazan, Burggrafen zu Eger und Ellenbogen um 5415 fl. rhein., die er demselben schuldete, und zwar 3415 fl. auf Voigtsberg, und 2000 fl. auf Stollberg, die der wahre Gläubiger Hans von Karger dem Schlick mittelst Cession abgetreten hatte. In der hierher gehörigen Urkunde wird Stollberg besonders als ein Theil des Voigtlandes behandelt. Der Egersche Vertrag gab Sachsen das Oberlehnseigenthum über Stollberg, mit welchem nun Ernst und Albert 1466 den Matthias Schlick von Neuem belehnten. Letzterer besass auch Gornsdorf und Würschnitz. Im Jahre 1499 kauften die ganze Herrschaft die Brüder Caspar und Heinrich der Aeltere von Schönberg, welche durch die grossen Ausbeuten vom Schneeberger Bergwerke zu ungeheurem Vermögen gelangt waren. Heinrich der Aeltere überliess seinem Bruder Caspar seine Hälfte der Herrschaft Sachsenburg, welche derselbe schon vom Jahr 1497 an unterpfändlich besessen hatte.

Im Jahre 1539 werden Friedrich und Caspar von Schönberg auf Stollberg und Purschenstein genannt, deren Nachfolgern Kurfürst August am 10. Juni 1565 die Herrschaft ohne Niederzwönitz abkaufte. Im letzteren Orte hatten die Herren von Schönberg das Lehngericht angekauft und einen Rittersitz erbaut, auch für das neue Gut und für den Ort selbst sich mehre Begünstigungen reservirt, welche im [148] Jahre 1756 von Neuem bestätigt wurden. Nach diesen Reversen war Niederzwönitz frei von Schock-, Fleisch- und Tranksteuern, auch von Kriegskosten und Recrutirung. Der einzige Fall war ausgenommen, dass dann, wenn die Türken den deutschen Boden betreten sollten, und ein Contingent bestellt werden müsse, die Steuern zu entrichten seien.

Die Art und Weise der Entstehung des hiesigen Ritterguts befreite dasselbe auch von Bezahlung von Ritterpferdsgeldern.

Das von den Herren von Schönberg zuerst hier erbaute Schloss wurde im 30jährigen Kriege in Asche gelegt.

Das jetzige herrschaftliche Wohnhaus auf der Anhöhe nördlich nach dem unteren Theile des Dorfes ist neu, geräumig, massiv und mit Schieferbedachung versehen.

Die Wirthschaftsgebäude sind weitläuftig, schliessen einen grossen Hofraum ein, der ein Viereck bildet. Dabei befindet sich ein schön und zweckmässig eingerichteter Kuchengarten mit Obstbäumen.

Auf der Südseite nicht weit von der Kirche auf der Anhöhe befindet sich das seit dem Brande vom 21. April 1779 neu erbaute Wunnerlich’sche Gut, welches der jetzige Gerichtsherr, Herr Caspar August Ferdinand, Dam von Schönberg auf Thamenhayn, Gelenau u. s. w. erkauft und zum Sommeraufenthalt für die Familie bestimmt hat.

Ausserdem zeichnen sich noch im Orte aus das Erbgericht, die Pfarrwohnung, die neuerbaute Schulwohnung und die Ausel’sche Baumwollenspinnerei. Die hiesigen Mühlenbesitzer sind zugleich Brod- und Weissbäcker. Die 4 Sägemühlen des Dorfes und die Brettmühle am Haselbusche schneiden viel Bretter. Auch finden sich im Dorfe 4 Fleischbänke.

Die Einwohner treiben Acker-, Flachsbau und Viehzucht, Leinweberei, Strumpfwirkerei und Spitzenklöppeln.

Eine ansehnliche Torfgräberei liegt auf dem sogenannten Lehmbach an der Gayer’schen Grenze und auf der Forstwiese nach Stollberg, welche dem dasigen Rittergute zugehört.

Letzteres besitzt überhaupt ein bedeutendes Areal an Feldern, Wiesen und Wald, hatte früher Ober- und Untergerichte und übt jetzt noch das Patronatrecht über Kirche und Schule. Im Dorfe befinden sich zwei Kirchen.

Die Hauptkirche St. Johannis steht auf einer Anhöhe gegen Süden, inmitten des Gottesackers, der mit einer Mauer umgeben, die gegen Osten und Süden mit steinernen Platten belegt, aber gegen Westen mit Schindeln gedeckt ist. Ein Thor, vor welchem Stufen sich finden, führet zur Kirche.

Diese Kirche ist nach dem Brande 1779 neu erbaut und erst im Jahre 1789 wurde der Grundstein dazu gelegt.

Der Thurmbau wurde erst im Jahre 1820 in Angriff genommen und im Jahre 1821 bis auf geringe Kleinigkeiten vollendet.

Die zweite Kirche ist dem St. Blasius geweiht und steht in der Länge vom Morgen nach Abend in der Mitte eines Kirchhofs, auf welchem die Verstorbenen von der Wehrbrücke an beerdigt worden, der mit einer Mauer umgeben, in welcher ein gewölbtes Einlassthor ist. Die Kirche ist steinern mit Schieferdach im alten Styl, hat eine steinerne Vorhalle an der Mittagsseite, die zur Kirche führt und eine von Brettern angebaute Halle auf der Abendseite, welche zum Chor und Thurme leitet. Auf dem Kirchhause steht ein Sattelthurm, der mit der Kuppel 13 Ellen hoch ist.

In dieser Kirche wird jährlich 3 Mal Gottesdienst und Communion gehalten, und zwar am Sonntage nach Ostern, Pfingsten und Weihnachten, überdies Leichenpredigten und Abdankungen bei den Leichen, die auf diesen Gottesacker beerdigt werden. Ueber dem Haupteingange in der Kirche sind 5 Hufeisen auf eine blaue Tafel geschlagen, deren Bedeutung bis heute nicht entziffert ist.

Ortschaften sind in diese Kirchen nicht eingepfarrt.

In Niederzwönitz sind 2 Schulen, die Kirchen- oder Hauptschule und die Nebenschule im obern Theile der Gemeinde. An der Hauptschule ist ein Hilfslehrer angestellt, die Schuljugend ist in 3 Classen getheilt.

In der Hauptschule sind 170, in der Nebenschule 140 Kinder, im Ganzen 310 Kinder.

Die Schule obern Theils der Gemeinde wurde Ostern 1831 gegründet, ihr steht ein Lehrer vor.

Niederzwönitz war früher berühmter wegen der sogenannten guten Brunnen oder Gesundbrunnen zu St. Annen. Diese Mineralquellen, welche man ihrer Hauptingredienzien nach unter die Sauerwässer zu zählen hat, liegen nahe beisammen, westlich vom Dorfe nahe am Schönburgischen [149] Gebiete in einem nicht gar tiefen Grunde, auf einer mit Wald umgebenen Wiese, deren Ansehen zwar gefällig ist, welche aber einen sehr sumpfigen Boden hat.

Der erste sogenannte gute Brunnen ist im Jahre 1501 entdeckt worden. Im Jahre 1558 erfolgte durch einen Wolkenbruch und durch zu grossen Schneefall eine Schwächung des Wassers. Später und zwar ums Jahr 1608 reinigte man das Wasser und es erlangte seinen frühern Ruhm, vorzüglich heilsam erwies sich der Gebrauch desselben gegen Ausschläge, Magenbeschwerden u. s. w. Den grössten Flor erreichten diese Quellen um 1717, wo der Besuch zu derselben so stark war, dass an Sonn- und Festtagen oft 600 Personen hier waren, und die Besorgung von Lebensmitteln dahin den Bewohnern von Zwönitz und Stollberg einen namhaften Nahrungszweig an die Hand gab. Später drangen wieder wilde Wasser hinzu und so blieben die Quellen unbenutzt, bis sich im Jahre 1818 in Stadt Zwönitz unter dem Stadtrichter und Geburtshelfer Glück eine Gesellschaft bildete, welche die Brunnen von den wilden Wassern wieder reinigen liess. im Jahre 1819 wurde ein Badehaus von 20 Badestübchen und 14 Logis für Kranke erbaut, wozu später noch ein besonderes Speisehaus kam.

In der Neuzeit ist aber der Besuch dieses Bades ganz wieder eingegangen, da nach mehrseitigen Untersuchungen die Quellen nicht stark genug zur Hebung gewisser Krankheiten erfunden wurde.

Trotz der vielen Verwendungen und Anstrengungen, an denen es die späteren Besitzer von Niederzwönitz nicht fehlen liessen, um durch Aufbringung des Bades dem Orte einen reichen Nahrungsquell zuzuwenden, so blieben doch alle Versuche ohne Erfolg und ohne Unterstützung, eine Thatsache, die nur zu beklagen ist, da wir überhaupt noch viel zu wenig in Vereinbarung der Beschaffenheit der Mineralquellen und ihrer Wirksamkeit ins Klare gesetzt sind, um sagen zu können, diese Quelle wird diese und jene wird jene Krankheit heben.

Bemerkenswerth ist noch, dass die früheren Besitzer von Niederzwönitz eine ansehnliche Kasse – unter dem Namen testirte Kasse – gestiftet haben, woraus die hiesigen Ortsarmen monatliche Unterstützung erhalten. Diese Kasse steht unter der Leitung des hiesigen Gerichtsherrn, der den Kassirer und Rechnungsführer wählt.

Ausser einer Königl. Schlachtsteuer- und Chausseegelder-Einnahme ist hier weiter kein Sitz einer Königl. Behörde.

Der ganze Ort bildet eine Gemeinde, wozu das herrschaftliche Jägerhaus und die Brettmühle ohnfern des Haselbusches, ingleichen der oben erwähnte gute Brunnen gehört.

Der sogenannte Schäferberg mit dem daneben liegenden Berge gewährt eine schöne Aussicht nach Morgen, Abend und Mitternacht; im Süden ist solche beschränkt durch den Ritterguts- und Pfarr-Wald. Oben auf der sogenannten Koppe über dem herrschaftlichen Pfarrwald geniesst man eine der herrlichsten Aussichten nach fast allen Himmelsgegenden hin.

Niederzwönitz, Dorf und Rittergut mit seinen 217 bewohnten Gebäuden, 491 Familienhaushaltungen und 2345 Einwohnern gehört zum Gerichtsamt Stollberg, zum Bezirksgericht und zur Amtshauptmannschaft Chemnitz, zum Regierungsbezirk Zwickau.




Weissbach


hat seinen Namen von dem Bache erhalten, welcher sich mitten durch den grösseren Theil des Dorfes hinzieht und daher auch richtiger Weissbach, als Weisbach geschrieben wird.

Zum Unterschiede von Weissbach bei Schneeberg wird unser Weissbach Weissbach bei Zschopau genannt, von welchem Orte es nur eine Stunde entfernt liegt.

Der Ort erstreckt sich grösstentheils in nordöstlicher, zuletzt östlicher Richtung, von einer freien Höhe an dem Bache herunter, oberwärts in einem seichten, nicht gefälligen Grunde, unten hingegen in einem tiefen, schönen Thale, welches zuletzt zwischen steilen, bewaldeten häufig auf felsigen Bergen ins Thal der Wilisch ausgeht. Die Länge des Dorfes ist über ¾ Stunde, seine Meereshöhe geht von 1120 bis [150] gegen 1360 pariser Fuss, und das Oberdorf hat ein bedeutend rauheres Klima, als das, gegen alle Winde geschützte Niederdorf, dessen Anblick mitten in einer reizend-abwechselnden Natur und bei gefälliger Bauart der Wohnungen sehr ergötzlich ist, besonders von den Höhen vor Schlössel herab. Die Gegend ist überhaupt sehr interessant und reich an schönen Aussichten.

Waldungen umgeben die beträchtliche Dorfgemarkung von allen Seiten ausser nordwärts nach Schlössel hin; ostwärts befindet sich der Zschopauer Rathswald, welcher den Raum zwischen Schlössel, der Zschopau und der Wilisch ausfüllt.

Das Rittergut Weissbach, unter dessen Gerichtsbarkeit bis in die neueste Zeit, also bis zur Aufhebung der Patrimonialgerichte, die Dörfer Dittersdorf, Kemtau, Einsiedel, Erfenschlag und Reichenhayn standen, gehörte in früherer Zeit zu den Besitzungen der Herrschaft Scharfenstein, welche den Anarchen und Herren von Waldenburg gehörte. Von den Herren von Waldenburg kam Scharfenstein mit Weissbach im 14. Jahrhundert an die Herren von Möckau, von welcher die Herrschaft die Herren von Einsiedel erworben haben. Im Jahre 1548 besass Weissbach, der berühmte kaiserliche Canzler, Georg Haubold von Einsiedel in Gemeinschaft mit seinen Brüdern Heinrich Abraham und Heinrich Hildebrand.

Durch testamentarische Verfügung des Herrn General Hans von Einsiedel wurde Weissbach eine Besitzung der Frau Renate Auguste geb. Gräfin von Schönburg, jetzt vermählter Gräfin von Löwenhjelm in Stockholm, welche durch den Herrn Amtshauptmann Freiherrn von Biedermann auf Forchheim commissarisch vertreten wird.

Obschon des Ritterguts Grund und Boden im Weissbacher Flurenbereiche liegt, so befinden sich doch die herrschaftlichen Gebäude, sowie auch der grösste Theil der Oeconomiegebäude auf Dittersdorfer Grund und Boden.

Die daselbst befindlichen herrschaftlichen Fluren sind aus dem Ankaufe von bäuerlichen Grundstücken zusammengebracht worden.

In Weissbach sind von den Oeconomiegebäuden blos die Schäferei, das Malzhaus, die Ziegelei und eine grosse Scheune vorhanden.

Der Ort Weissbach, welcher nur eine einzige Gemeinde in sich schliesst, enthält 31 Bauergüter, 5 Gärtnerwohnungen und 7 Häusler mit einer Einwohnerzahl von 160 Seelen.

Die Schicksale des Ortes anlangend, so hat Weissbach im 30jahrigen Kriege unsaglich gelitten, so dass die Bewohner bis auf wenige Familien ganz ausgestorben sind. Vor dieser Unglücksperiode hat Weissbach einen grösseren Umfang mit seinen Wohngebäuden umschlossen als jetzt.

Auch Feuer und Brand hat diesen Ort zu verschiedenen Zeiten heimgesucht. Im Jahre 1782 wurden die Schulgebäude durch einen Blitzstrahl ein Raub der Flammen und im Jahre 1836 die Gebäude der Pfarrei ebenfalls durch einen Blitzstrahl entzündet. Merkwürdig dabei ist, dass es wegen nothwendiger Erneuerung beider Wohnungen, unter der Gemeinde vor dem unglücklichen Ereignisse mannigfache unglückselige Zerwürfnisse entstanden waren.

Die Kirche ist ebenfalls im Jahre 1782 neuerbaut und ein grosses schönes Gebäude, welches ein geschmackvoller Thurm ziert.

Der Kirchhof, auf welchem die Kirche steht, ist weder geräumig genug für die jetzige Einwohnerzahl, noch bietet derselbe sonst etwas Merkwürdiges in Absicht auf Einrichtung oder darauf befindlicher Denkmäler dar.

Ein anderer Ort ist hierher nicht eingepfarrt und nicht eingeschult, doch giebt es neben der Hauptschule noch eine Fabrikschule, da hier zwei Baumwollen-Garnspinnereien existiren, welche nebst der Strumpfwirkerei die Hauptnahrungszweige der Ortsbewohner ausmachen.

Die Collatur über Kirche und Schulen steht der jedesmaligen Gerichtsherrschaft von Weissbach zu.

Das nahe Dittersdorf, welches seinem Namen von einem gewissen Dittrich, der sich vor uralten Zeiten hier angesiedelt haben soll, ist der Filialort von Weissbach und grenzt gegen Süden an Weissbach und Gornauer Fluren, gegen Norden an Einsiedel, an die von Chemnitz nach Zschopau führende Chaussee, gegen Westen an Kemtau und Eibenberg.

Früher gehörte Dittersdorf zu Einsiedel und erst im Jahre 1689 ist die Parochie Weissbach mit Dittersdorf errichtet worden. Dittersdorf hatte aber auch schon vorher eine kleine Kapelle, worinnen ein kleiner Theil der Bewohner seinen eignen Gottesdienst abgehalten hat, welcher von dem Pfarrer zu Einsiedel geleitet wurde. An diese Kapelle erbaute man, nachdem die Dittersdorfer Gemeinde zu Weissbach als Filia gekommen war, die jetzt noch stehende Kirche. Der jetzige Thurm ist erst im Jahre 1732 aufgerichtet.

Vor der Errichtung der Parochie Weissbach war letzterer Ort Filia von Gelenau.

Der Erfinder der Parochie Weissbach war der Churfürstl. Sächs. Geheime Rath Heinrich Hildebrand von Einsiedel auf Scharfenstein, welcher sich um Kirche und Schule grosse Verdienste erworben hat, dessen Andenken durch alle Zeiten fortleben wird.

[151] Die Parochie Weissbach ist die nördlichste der Inspection Annaberg.

Das oberste Haus von Weissbach ist ein Gasthof, die Weissbacher Schenke genannt, wo die Strasse von Zschopau nach Stollberg sowohl als nach Thum, auch an jener von Chemnitz nach Wolkenstein, Drebach u. s. w. Im Orte befindet sich auch eine kleine Mühle.

Merkwürdig ist noch von Weissbach, dass hier auf der Rittergutsschäferei eine überaus starke und feinwollige Schaafheerde unterhalten wird.

Das ehemals in Niederdorf befindlich gewesene Eisenhammerwerk ist schon längst eingegangen, so wie auch der nie beträchtlich hier gewesene Bergbau.

Die Viehzucht im Ganzen genommen, ist stärker als der Feldbau, obschon letzterer wegen des starken Flachsbaues nicht übel lohnt.

Weissbach liegt östlich an Schlösschen Porschendorfer, nach Westen an Kemtauer-, nach Süden an Gelenauer- und nach Norden an Gornauer und Dittersdorfer Fluren.

Weissbach selbst gehört jetzt zum Gerichtsamt Zschopau, zum Bezirksgericht Augustusburg, zur Amtshauptmannschaft Chemnitz, zum Regierungsbezirk Zwickau.

M. G.     




Alberoda


am rechten Ufer der Mulde auf dem Wege von Lössnitz nach Schneeberg gelegen.

Der Ort gehört als Vasallendorf zur Herrschaft Hartenstein, über welches die Grafen von Schönburg die ihnen zustehende Landeshoheit üben. Die Grafschaft Hartenstein erstreckte sich einst viel weiter hinauf, bis an die Grenze von Böhmen. In der Mitte des 16. Jahrhunderts gehörten zu ihr noch mehrere Städte, so wie Elterlein, Scheibenberg, Wiesenthal, und eine Menge um dieselben herumliegender Dörfer mit vielen Hammerwerken und grossen Waldungen. Ursprünglich war Hartenstein eine kaiserliche Herrschaft, mit der im 13. Jahrhundert die Burggrafen von Meissen belehnt worden sind. Von diesen ging die gesammte Herrschaft im Jahre 1406 an die Herren von Schönburg über, da in diesem Jahre der Burggraf Heinrich I. dieselbe dem Herrn Veit von Schönburg auf 8 Jahre für 8000 böhmische Goldgülden verpfändete, dem sie auch, da die Einlösung nicht erfolgt war, 1415 von Kaiser Sigismund in Lehn gereicht wurde. Inzwischen fanden über die Lehns- und Landeshoheit Misshelligkeiten statt, bis endlich der letzte Burggraf von Meissen Heinrich Reuss II. von Plauen im Jahre 1449 seinem Schwiegersohn Veit II. von Schönburg seine Ansprüche an Hartenstein als Aussteuer abtrat und im Jahre 1456 der Kaiser befahl, dass Hartenstein als chursächs. Lehn betrachtet werden solle. Der erste sächs. Lehnbrief ist 1481 von dem Kurfürsten Ernst und dessen Bruder Albert an Herrn Ernst von Schönburg ausgestellt worden. Hartenstein wird seit der Abtrennung des oberen Theils nur die niedere Grafschaft genannt.

Diese Abtrennung ist im Jahr 1559 erfolgt, in welchem unter den minderjährigen Söhnen Ernst II., Georg, Hugo und Wolf, die sogenannte obere Grafschaft für 146,000 meissn. Gulden an den Kurfürsten August verkauft wurde. Die niedere Grafschaft übernahm Hugo I. der sich mit seinen beiden Brüdern abfand. Von ihm gelangte sie an seinen ältesten Sohn, Hugo II. und im Jahre 1606 an dessen 5 Söhne, von denen Otto Albrecht seine Brüder beerbte und im Jahre 1680 die Grafschaft seinem Sohne Otto Ludwig ungetheilt hinterliess. Im Jahre 1700 wurde der letztgenannte, so wie sämmtliche Herrn von Schönburg vom Kaiser Leopold in den Reichsgrafenstand erhoben. Otto Ludewig, welcher im Jahre 1701 starb, bildete für seine 4 Söhne, Georg Albert, Otto Wilhelm, Ludwig Friedrich und Christian Heinrich, vier besondere Herrschaften. Georg Albert erhielt Hartenstein, das, nachdem dessen Sohn, Friedrich Albert im Jahre 1787 kinderlos verstorben war, auf Otto Karl Friedrich überging. Dieser war der einzige Sohn des Grafen Albert Karl Friedrich von Schönburg-Stein, dem im Jahre 1754 die Herrschaft Waldenburg mit den übrigen dazu gehörigen Besitzungen zugefallen war und hinterliess, seit 1796 in den Fürstenstand erhoben, bei seinem, im Jahre 1800 unerwartet schnell erfolgten Tode, vier Söhne, von denen der dritte, Friedrich Alfred, endlich im Jahre 1818 die niedere Grafschaft Hartenstein mit der Herrschaft Stein in Besitz nahm.

Dieser allgemein beliebte und durch hohe Geistesgaben ausgezeichnete Fürst beschloss sein Leben den 15. Juni 1840 in Folge eines Schlagflusses zu Wien, im 34. Jahre seines Alters, und seit dieser Zeit sind beide Recessherrschaften in dem gemeinschaftlichen Besitze der drei Fürstenbrüder, Otto Victor, Heinrich Eduard und Otto Herrmann von Schönburg.

Das zu dieser Herrschaft Hartenstein oben erwähnte Dorf Alberoda [152] nebst Gut, ist ein sehr alter Ort und kommt schon im 11. Jahrhundert vor. Doch kann die Zeit der Erbauung dieses Ortes selbst, nicht genau bestimmt werden. Früher war Alberoda unmittelbar den Herren von Hartenstein unterworfen und erst zu Ende des 16. oder Anfang des 17. Jahrhunderts wurde es als selbstständiges Gut erhoben und dem altadlichen Geschlechte derer von Milkau verliehen. Jetzt besitzt Alberoda die Familie von Planitz, welche seit dem 18. Jahrhundert die Alberodaer Linie gebildet hat.

Der derzeitige Besitzer ist Herr J. G. von Planitz.

Das Gut ist nicht unbedeutend. Dasselbe enthält einen Flächenraum von 69 Acker Land, circa 20 Acker Wiesen, ausserdem 2 rentable Schieferbrüche. Das Schloss[1] selbst ist zweckmässig und bequem eingerichtet. Die Wirthschaftsgebäude sind in vortrefflichem Zustand. Zum Gute gehören auch 80 Acker Waldboden, wodurch der Werth des Gutes von Jahr zu Jahr sich steigert.

Der hiesige Feldbau ist, wenn auch nicht der stärkste, doch auch nicht gering, obschon das Klima hier rauh wird.

Die Einwohner nähren sich theils von allerlei Arbeit für die lössnitzer Fabriken, theils mit Klöppeln, theils durch die auf Affalter Flur befindlichen vortrefflichen Dachschieferbrüche, die jetzt durch eine Actiengesellschaft betrieben werden.

Nieder-Affalter und Nieder-Zwönitz sind der Gerichtsbarkeit von Alberoda zum Theil unterworfen.

Niederaffalter liegt nur ½ Stunde westlich von Alberoda und soll seinen Namen von Afrae altare erhalten haben, indem ein Burggraf von Meissen hier eine Capelle errichtete. In südlicher Richtung stösst Niederaffalter an den sogenannten Hasenschwanz, d. i. die letzten Häuser der sehr langen Vorstadt von Lössnitz.

Niederlössnitz liegt unmittelbar unterhalb der Stadt Lössnitz und ist ebenfalls ein sehr alter Ort. Hier giebt es eine Tuchwalkmühle, mehre Mühlen und ein früheres frohnfreies Gut, worinnen vor Zeiten ein herrschaftliches Jagdhaus von Alberoda gewesen sein soll.

Das ganz nahe bei Alberoda befindliche sogenannte Pfarrgut gehört nicht mehr zu dem genannten Orte, sondern zur Stadt Lössnitz, wohin Alberoda mit Niederaffalter und Niederzwönitz, so wie mit Oberaffalter, Streitwald, Grüna, Leukersdorf, Wiede und Pfannenstiel eingepfarrt ist.

Die Kirche in Lössnitz zeichnet sich durch eine schöne Symmetrie im Innern aus, so wie auch die Grösse derselben mit der gegenwärtigen Bevölkerung der hiesigen Parochie in einem guten Verhältniss steht. Zu den milden Stiftungen, welche für dieselbe in der Vorzeit sind gemacht worden, gehört auch vorzüglich der sogenannte Gotteswald. Ein wohlhabendes Frauenzimmer, Namens Wenzeln Stockin, hat im Jahre 1442 ein nicht unbedeutendes Stück Wald der Kirche zu Lössnitz geschenkt, mit der Bedingung, dass künftig Seelenmessen für sie sollten gehalten werden.

Dieser Wald ging von Alters her bei der Wildenfelser Herrschaft zu Lehn und ist ein sogenanntes Sonnenlehn, indem alljährlich am Michaelistage, früh vor Sonnenaufgang, von den hiesigen Lehnträgern dieses Waldes an Amtsstelle zu Wildenfels ein gewisser und sehr geringer Zins entrichtet werden musste.

Mit diesem Gotteswalde ist auch noch ein anderes Stück Wald verbunden, welches an jenen angrenzt und der Grünewald heisst, welcher ebenfalls Eigenthum der Kirche ist.

Aus diesem Wald erhalten die Geistlichen und Schullehrer ihren jährlichen Holzbedarf, auch wird zu Reperaturen und Bauten an Kirche und Schulen das Holz dazu aus diesem Wald genommen.

Die Kirche zu Lössnitz ist von den vier grossen Bränden in den Jahren 1521, 1616, 1637 und 1806 nicht verschont geblieben, was seinen Grund darin haben mag, dass an die Stelle des früher um die Kirche gelegt gewesenen Gottesackers, Häuser gebaut worden sind.

Alberoda, wie Nieder- und Oberaffalter, Streitwald haben alle ihre besonderen Schulen.

Alberoda hat eine Dorfschule, worinnen Knaben und Mädchen, zusammen 87 Kinder unterrichtet werden.

Ob Alberoda und Affalter in den frühesten Zeiten nicht in einem gewissen kirchlichen Verbande mit Hartenstein zuerst standen, ist unentschieden. So viel steht fest, dass bis auf die neuesten Zeiten an den Pastor der Kirche zu Hartenstein von Alberoda und Affalter Zinsen bezahlt werden mussten, welche von den papistischen Zeiten herrühren und für die in der Kirche zu Hartenstein gestandenen Altäre St. Nicolai und St. Catharinen entrichtet worden sind.

Alberoda enthält 23 eigentliche Bauergüter, 6 sogenannte Gartenhäuser oder kleinere Güter, wozu nur wenige Grundstücke gehören, 39 kleinere Häuser ohne Feldwirthschaft. Die Anzahl der Einwohner beträgt 450.

Das neue Organisationsgesetz für Einführung eines neuen Gerichtsverfahrens im Königreich Sachsen ist in den Schönburgschen Landen noch nicht angenommen, weshalb hier noch die alten Einrichtungen existiren und die alten Gerichtssprengel bestehen.

M. G.     



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Anmerkungen der Vorlage

  1. handschriftliche Korrektur: Geyer

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Finwohnern
Heft 18 des Erzgebirgischer Kreis Nach oben Heft 20 des Erzgebirgischer Kreis
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  1. Das früher erbaute Schloss stand zuerst in dem noch heutigen Tages sogenannten Bärenwinkel, brannte daselbst ab in Folge eines Streites mit den lössnitzer Bürgern, welcher sich dadurch entspann, dass sich die Herren von Milkau zum Vergnügen 2 Bären hielten, welche zwei Kinder zerrissen haben sollen. Das später wieder erbaute Schloss, wurde ½ Stunde von der Stadt in nordwestlicher Richtung verlegt, wo es jetzt noch steht. Die Milkauische Familie besass das Gut bis ins 18. Jahrhundert, von welcher es an Herrn von Römer kam, dessen Tochter sich mit dem Oberlieutnant Edlen von der Planitz, dem Grossvater des jetzigen Besitzers, verehelichte und das Gut als Mitgift erhielt. Das Stammschloss dieser Edlen von Planitz ist bekanntlich Planitz bei Zwickau, und die Grossväter der Alberodaer und der Auerbacher Linie waren Brüder.