Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen III. Section/H11

Heft 10 des Lausitzer Kreises Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen von Gustav Adolf Poenicke
Heft 11 der Section Markgrafenthum Oberlausitz
Heft 12 des Lausitzer Kreises
Die Beschreibungen sind auch als Einzeltexte verfügbar unter:
  1. Nedaschütz
  2. Schwepnitz
  3. Nieder-Sohland an der Spree
  4. Oppach


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Nedaschütz.


Im Amtsbezirke Stolpen, der vom Kurfürst August aus denjenigen Orten gebildet wurde, welche vor der sogenannten „Carlowitzischen Fehde“ dem meissnischen Bischof gehört hatten, liegt auch das Rittergut

Nedaschütz,

umgeben von 34 Wohnungen mit circa 200 Einwohnern, nebst Bürkau, Cannewitz, Coblenz, Dahren, Dobranitz, Kleinpraga, Muschelwitz, Pietzschwitz, Pottschapplitz, Semichau und Wolkau, eingepfarrt in eines der ältesten und wichtigsten Dörfer des Königreichs Sachsen: Göda, in welche Pfarre ausser den ebengenannten Ortschaften noch 22 Dörfer gewiesen sind, die aber nicht, wie jene, in das Stolpener Amt gehören.

Mit der obenerwähnten „Carlowitzischen Fehde“ hatte es folgende Bewandtniss: Nach dem Tode des Bischofs Nicolaus II. aus dem Hause von Carlowitz, verlangte der Neffe desselben, Hans von Carlowitz, von dem Nachfolger seines Onkels, Johann IX., aus der Familie von Haugwitz, das Testament des verstorbenen Bischofs. Johann gab ihm auch, nebst einer Kiste Geld, ein Testament, welches aber Nicolaus noch als Canonicus abgefasst hatte. Allein Carlowitz, nicht damit zufrieden, behauptete, sein Onkel habe noch ein Testament kurz vor seinem Tode im stolpener Schlosse niedergelegt, und dieses müsse er herausgeben, fände es sich nicht vor, so sei es unterschlagen. Der Bischof wünschte die Sache vor ein Schiedsgericht gebracht, hiermit jedoch nicht einverstanden, schickte Carlowitz am 13. September 1558 einen Fehdebrief und schon am folgenden Tage umzingelte er die Burg, um den Bischof gefangen zu nehmen; dieser war jedoch nach Prag entkommen und die Besatzung wies jede Aufforderung zur Uebergabe zurück, weshalb sich Carlowitz mit der Zerstörung und Verwüstung des bischöflichen Gebietes begnügen musste. Da aber, trotz aller Signale zur Hilfeleistung, welche die Besatzung den anwohnenden Landbewohnern gab, Niemand erschien, denn der Bischof war bei den protestantischen Unterthanen nicht beliebt, so riefen die Stolpner den Kurfürst August, als obersten Schutzherrn, zu Hilfe. Dieser, dem das ganze Ereigniss nicht unlieb gewesen zu sein schien, sandte den Bruder des Carlowitz mit einigen Truppen nach Stolpen, welche sofort dort aufgenommen wurden und brachte es durch Unterhandlungen dahin, dass der Bischof seinen Gegner mit 4000 Gulden entschädigte, und statt der Veste Stolpen mit der dazu gehörigen Pflege, [82] welche der Kurfürst für sich in Anspruch nahm, sich mit der Stadt, dem Amte und Kloster Mühlberg begnügte. - Auf diese Weise kam auch unser Nedaschütz unter kurfürstliche Hoheit und ist darin, sowie beim Amte Stolpen, verblieben.

Die Kirche, in welche Nedaschütz eingepfarrt, ist schon im Jahre 1076 erbaut und wohl eine der ältesten des Königreichs. Das beim Brennen des Thurmes 1580 mit verunglückte Geläute soll eins der klangvollsten gewesen sein. An der Kirche wirken 2 Geistliche und wird der Gottesdienst, abwechselnd, in deutscher und wendischer Sprache abgehalten.

Gegenwärtig befindet sich das Rittergut im Besitze der Familie von Wolfersdorf, die man zu dem ältesten Adel Deutschlands zählt, denn ein Ernst von Wolfersdorf kömmt schon im Jahre 932, in der Schlacht bei Merseburg, gegen die Hunnen, vor, zeichnete sich in derselben durch grosse Tapferkeit aus und stand bei Kaiser Heinrich I. und dem Bayern- Herzog Berthold in hohem Ansehen. Ein anderer, Philipp von Wolfersdorf, ward von genanntem Kaiser zum Ober-Aufseher über die Obotriten- Wenden gesetzt, von diesen aber 933 erschlagen. Fast zu allen Zeiten nennt die Geschichte Männer des Geschlechtes von Wolfersdorf, die sich durch militärische Vorzüge oder durch Gelehrsamkeit auszeichneten. So ging Wittigo von Wolfersdorf im Jahre 1147 mit dem Meissner Markgrafen, Conrad dem Frommen, gegen die Sarazenen, trug durch seine Tapferkeit und Umsicht viel zur Eroberung von Damascus bei, starb aber auf der Rückreise auf der Insel Corcyra; - in der Schlacht bei Aussig, im Jahre 1426, fielen George und Dietrich, Beide als Obersten bei den Meissnern; - Gottfried von Wolfersdorf war 1472 Berghauptmann zu Schneeberg und ein anderer Gottfried von Wolfersdorf hat 1484 als kaiserlicher Oberst und Commandant von Wien, die Wiener Neustadt wider die Belagerung des ungarischen Königs gehalten, welcher beim Abzug sich verlauten lassen: „wenn er den kecken Obrist bekommen könnte, wolle er ihn mit Gold auswegen, inmassen ihm noch Keiner solchen Widerstand gethan."

Doch wir könnten Bände schreiben über dieses Geschlecht, - der Zweck dieser Zeilen ist aber ein anderer, und so schliessen wir diesen Bericht indem wir auf die beigegebene Abbildung von Nedaschütz hinweisen.

Klassig.     




[83]
Schwepnitz


Schwepnitz liegt in Mitten der ansehnlichen Waldungen, welche sich von Königsbrück nach Preussens naher Grenze hinziehen, 2 Stunden westlich von Kamenz und 1 5/8 Stunde nördlich von Königsbrück, an der von Kottbus nach Dresden führenden Chaussee und an den sich kreuzenden Strassen nach Hoyerswerda, Senftenberg, Kamenz und Ortrand, und wird von der Goldbach, welche sich in dem benachbarten Grüngräbchen mit dem Schwarzwasser vereinigt, durchschnitten. Der Ort zählt 270 Bewohner und 41 Häuser, worunter 10 Bauergüter und 8 Gärtnernahrungen, und steht seit Ende des Jahres 1855, bis wohin dem Rittergute die Gerichtsbarkeit zustand, unter Jurisdiction des Königlichen Gerichts zu Königsbrück. Bekannt ist Schwepnitz durch seine Thongruben, in welchen das bläulichgraue Material zu den bekannten Königsbrücker Pfeifen und Topfwaaren, die wegen bleifreier Glasur besonders beliebt sind, gefunden wird. Von den circa 2500 Ackern, welche die Flur von Schwepnitz bilden, gehören 1600 Acker zum Rittergute, worunter 1200 Acker Waldung, 50 Acker Wiesen, 220 Acker Ackerland, 50 Acker Hutung und 80 Acker Teiche sind. Der Forst, welcher sich in einem vortrefflichen Zustande befindet, besteht meist aus Kiefern und theilt sich in drei Reviere, die Duberau an der westlichen, die Bahne an der südöstlichen und den Lug an der nördlichen Grenze, mit drei Försterwohnungen. Zum Rittergute gehört seit dem Jahre 1600 eine Ziegelei mit zwei Brennöfen, welche jährlich gegen 400,000 Stück Ziegel von anerkannter Güte liefert.

Wer bis in's 16. Jahrhundert, wo Schwepnitz von dem Freiherrn Christoph von Schellendorf mit der Standesherrschaft Königsbrück vereinigt wurde, die Besitzer des Rittergutes gewesen sind, lässt sich nicht ermitteln; doch sollen seine früheren Besitzer im Mittelalter drei Ritter (Wegelagerer?) gewesen sein, die sich hier in der damals waldigen Gegend [84] an der Strasse von Sachsen nach Schlesien und Polen mögen angesiedelt haben. Im Jahre 1793 wurde es von dem Grafen Siegmund von Redern, der es mit seinen übrigen benachbarten Rittergütern vereinigte, von Königsbrück wieder abgesondert und 1817 von demselben an Gottlob von Heintze verkauft. Nach dessen Tode kam es in den Besitz der Wittwe Jeannette von Heintze, welche es im Jahre 1837 an ihren Schwiegersohn, Ernst Heinrich Feurich, ehemaligen Vermessungsinspector, der es noch jetzt besitzt, verkauft hat. Derselbe bat zur Verschönerung des Gutes, namentlich durch Anlegung eines Parkes mit Gewächshaus viel gethan, und die Gebäude, welche am 19. Juni 1852 in Folge eines Blitzschlages bis auf die Scheune abbrannten, neu aufgeführt, worunter sich ganz besonders das Herrenhaus, welches im gothischen Style erbaut und mit reicher Architectur verziert ist, auszeichnet.

Nach Schwepnitz sind Grüngräbchen, Kosel und das preussische Dorf Sella mit zusammen 1000 Seelen eingepfarrt und steht das Collaturrecht der Rittergutsherrschaft zu. In der Kirche, welche zur Zeit des Papstthumes unter dem Meissnischen Bischofe stand und zum Kamenzer Sprengel gehörte, ist bis in die Mitte des 16. Jahrhunderts wendischer Gottesdienst gehalten worden. Dieselbe ist im 18. Jahrhunderte zweimal abgebrannt, den 13. April 1722 und den 3. December 1746, und das Jahr darauf 1747 wieder hergestellt worden, in welcher Gestalt sie noch jetzt besteht.

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[85]
Nieder-Sohland


An den Ufern der Spree, drei Stunden von Bautzen liegt in einem freundlichen Thale, unfern der böhmischen Grenze eines der wichtigsten Weberdörfer der Ober-Lausitz, Sohland.

Sohland theilt sich in vier Dörfer, nämlich Ober-Sohland mit 204 Wohnungen und 1326 Einwohnern; Mittel-Sohland mit 139 Wohnungen und 891 Einwohnern; Wendisch-Sohland (mit Neuscheidenbach) mit 86 Wohnungen und 509 Einwohnern und


Nieder-Sohland


mit 84 Wohnungen und 542 Einwohnern. Das Rittergut des letzteren, ein wenn auch nicht in grossartigem Style gebautes, doch sehr freundlich gelegenes Wohnhaus stellt unser Bild dar.

Von diesen Dörfern ist Wendisch-Sohland wahrscheinlich der Stammort, so dass die übrigen Theile erst später und zwar nach und nach entstanden sind.

Die Zeit der Entstehung von Sohland lässt sich eben so wenig ermitteln, als die Entstehung seines Namens. Aus dem Ankauf des Thales und seiner Berge durch die Herren von Schleinitz im 12. Jahrhundert, welche das neue Land „Zuland," woraus „Zoland" und später „Sohland" entstanden, will man den Ursprung des Wortes herleiten, Andere vermuthen dagegen, dass Sohland das in einer Urkunde von 1228 erwähnte Salom sei, — wer von Beiden Recht habe? steht schwer zu ermitteln.

Genannte Herren von Schleinitz hatten so viele Besitzungen, besonders in Böhmen, dass der ganze Strich von Hohnstein bis in die böhmischen Besitzungen das „Schleinitzer Ländchen" genannt wurde.

So schenkte im Jahre 1486 der Herzog Albrecht von Sachsen dem Ober-Marschall von Schleinitz die Herrschaft Hohnstein, nachdem er nach [86] des letzten Birken von der Duba, (eines zu damaliger Zeit hochberühmten und reichen Geschlechtes,) Tode dasselbe erhalten hatte; Schleinitz' Söhne verkauften sie jedoch schon 1523 wieder an Ernst von Schönburg, der sie dem Herzog Moritz gegen Penig, Wechselburg und Zinneberg vertauschte. Nieder-Sohland gehörte nebst Wendisch-Sohland lange Zeit zu einem Besitz; eine Urkunde von 1728 weisst Kaspar Ernst von Metzrad als Besitzer nach; auch die Herren von Nostitz und Jänkendorf werden als solche einmal angeführt, in den ersten Decennien dieses Jahrhunderts besass es der k. k. österreichische Kammerherr, Graf Joseph August von Seilern und Aspang, — gegenwärtig gehört es dem Landes-Aeltesten der Ober-Lausitz, Herrn von Nostitz-Wallwitz zu Bautzen.

Die Einwohner beschäftigen sich mit Ackerbau, namentlich aber mit Weberei, Spinnerei und Bleicherei, deren Erzeugnisse durch die hier und in den benachbarten Städten wohnenden Faktors vertrieben werden. Auch Handwerker aller Art findet man hier und ein nicht geringer Theil der Bewohner findet seine Beschäftigung auf den Rittergütern und in den nahen Steinbrüchen. Die genannten Dörfer zählen 8 Mühlen und 4 Gasthöfe, auch befindet sich ein Königliches Zollamt hier.

Die drei Schulen der Orte werden von über 600 Kindern besucht, die Kirche in ihrer jetzigen Gestaltung seit 1824, besitzt 3 Glocken, von denen die beiden kleineren uralt.

Ein schönes Bild sächsischen Gewerbefleisses, weiss Sohland seine Bewohner zu ernähren und bildet in der Krone des Vaterlandes eine herrliche Perle die gehegt durch die Umsicht und Vorsorge der Gutsherren, einem immer mehr sich steigernden Gedeihen entgegensieht.

Klassig.     




[87]
Oppach


Zu den bedeutendsten und zugleich in jeder Beziehung angenehmsten Besitzungen in der Ober-Lausitz gehört unzweifelhaft das Rittergut Oppach an den von Neustadt bei Stolpen und von Bautzen nach Zittau führenden Chausséen, 3 Stunden von Bautzen und ebensoweit von Löbau, am rechten Ufer der Spree gelegen.

Oppach, nicht von den Wenden, sondern wahrscheinlich durch Deutsche erbaut, verdankt seinen Namen muthmasslich dem Umstande, dass es von Böhmen aus ob oder über dem Bache gelegen, woraus Obbach und später Oppach entstanden. Schon im Anfange des 13. Jahrhunderts geschieht seiner Erwähnung und schon zu dieser Zeit besass es seine eigne Kirche. Das ganze Besitzthum, die Ortschaften Oppach, Neu-Oppach, Ober-Oppach, Lindenberg, Picka und Wurbis einschliessend, ist ringsum von Anhöhen umgeben, die zum Theil noch auf Oppacher Gebiete zu beträchtlichen, bewaldeten Bergen ansteigen, von denen der Beli-Bog (jetzt Beiersdorfer Berg) und der Ezorny-Berg die berühmtesten sind, denn es ist bekannt, dass hier die alten heidnischen Sorben dem weissen und dem schwarzen Gotte ihre Opfer darbrachten. – Das älteste der genannten Dörfer ist Oppach, früher in Nieder- und Mittel-Oppach geschieden, welche in den Jahren 1555 bis 1695 im Besitze zweier Herrschaften waren. Einen Complex von circa 400 Feuerstätten bildend zählen diese Orte 2200, theils Ackerbau, mehr aber Leinweberei treibende, Einwohner.

Der erste Besitzer, welcher in einem Lehnsbriefe von 1426 vorkommt, ist Nicolaus von Kopperitz. Im Jahre 1511 war Hans von Rechenberg, Hauptmann in Budissin, Herr von Oppach. Von dieser Zeit bis 1695 war Oppach im Besitze derer von Rechenberg. Ebengenanntem Hans von Rechenberg folgten seine Söhne, Hans und Ernst, von denen der Letztere im Jahre 1594 starb, der Erstere aber seinem Sohne Hans Christoph 1601 die Besitzung vererbte, von dem sie 1626 an Rudolph von Rechenberg kam, dem seine Söhne, Hans Ernst und Rudolph Ernst, folgten. Dieser Rudolph Ernst von Rechenberg verkaufte seinen Anteil wahrscheinlich, denn 1657 wird neben Hans Christoph von Rechenberg, Wolff Christoph von Nostitz als Besitzer eines Theiles von Oppach genannt. Aus der Familie von Rechenberg besassen einen Theil von Oppach noch: Heinrich Ernst von Rechenberg um 1663, Hans Ernst, welcher 1694 starb und Gottlob Ehrenreich von Rechenberg von 1665 an. Dieser Letztere verkaufte 1695 an Johann Casper von Nostitz auf Jänkendorf, welcher im darauf folgenden Jahre auch Mittel-Oppach käuflich erwarb und seit jener Zeit ist Oppach im Besitze der Familie von Nostitz-Jänkendorf. Johann Casper von Nostitz, Herr von Jänkendorf, Coma, Wiesa, Thiemendorf, See, Sproitz, Kleinbautzen und Kottmarsdorf starb 1706 und hinterliess als Erben 2 Söhne, von denen jedoch der Eine ihm bereits 1708 in die Ewigkeit folgte und Wolf Adolph Traugott von Nostitz alleiniger Besitzer wurde, nach dessen 1735 erfolgtem Tode, sein Sohn Moritz Ferdinand die Herrschaft übernahm, bald darauf jedoch unvermählt starb und seinem Bruder, Wolf Gottlob, Oppach hinterliess. Dieser verkaufte sein Erbtheil an seine Mutter, Charlotte Elisabeth, eine geborene von Ziegler-Klipphausen, von der er es jedoch 1746, nach ihrem [88] Tode wieder erbte. Schon im Jahre 1768 starb auch er und hinterliess als Besitzer seiner Güter einen einzigen Sohn, Gottlob Adolph Ernst von Nostitz, welcher Oppach 15 Jahre unter Vormundschaft und von 1783 ab noch 53 Jahre besass. Verdankt diesem vorzüglichen Manne Oppach zahlreiche Verbesserungen im Kirchen-, Schul- und Gemeinde-Wesen, ist die Verschönerung des Schlosses und seiner Umgebungen grossentheils sein Werk, so müssen diese Vorzüge doch unbedingt in den Hintergrund treten, vor den vielen Verdiensten, die er sich um das Gesammt-Vaterland erwarb. Bereits im Jahre 1785 zum wirklichen Finanz-Rath befördert, ward er 1792 Landesältester des Budissiner Kreises, 1804 Ober-Amtshauptmann, 1806 Ober-Consistorial-Präsident und 1809 Conferenz-Minister. Als solcher hat er die stürmischen Kriegsjahre, die Zerstückelung des Vaterlandes, aber auch sein allmäliges Wiederemporblühen gesehen und war in trüben wie in guten Tagen ein treuer Rathgeber seines Königs und Herrn. Sachsen verdankt ihm die Irren-Anstalt zu Sonnenstein und die Sonderung der Irren und Gemüthskranken; er ist der Stifter des Landwaisenhauses zu Bräunsdorf bei Freiberg, das er 1824 ins Leben rief, nachdem die frühere Anstalt Langendorf, mit an Preussen gekommen. Aber auch der Poesie huldigte er, und die herrlichen Gedichte Arthurs von Nordstern (unter welchem Namen er sie veröffentlichte), sind ein Gemeingut der ganzen deutschen Nation geworden. Er schloss sein langes und thatenreiches Leben auf seinem Stammsitze Oppach, im Jahre 1836 gesegnet von seinen Untergebenen, beweint von den Seinen, betrauert von seinem Könige wie von dem ganzen Vaterlande. Erbe seiner Besitzungen wie seiner Tugenden war sein Sohn, Herr Eduard Gottlob von Nostitz und Jänkendorf, Staatsminister des Innern, Probst des Domstiftes St. Petri zu Bautzen, Senior des Hochstifts Meissen und Kapitular des Stiftes zu Wurzen. Er war bis 1844, wo er Kränklichkeitshalber den Staatsdienst verliess, Mitglied des Ministeriums Lindenau, eines Ministeriums, dessen Andenken Sachsen noch nach Jahrhunderten segnen wird.

Die vielfachen Arbeiten die die hohe Stellung des jetzigen Herrn Besitzers mit sich führten, haben ihn nicht abhalten können, auch an sein Oppach zu denken. Zu den beiden Schulen des Ortes, die von drei tüchtigen Lehrern geleitet werden, hat sich ein Rettungshaus für Knaben gesellt, worin gegenwärtig 23 Zöglinge sich befinden. Den Einwohnern, welche seit 1676 sich mehr und mehr der Leinweberei zugewandt, sind die nach und nach um mehr als dreihundert Acker vermehrten Grundstücke des Rittergutes parzellenweise in Pacht gegeben; der Park, der das schöne in rein gothischem Style erbaute Schloss umgiebt, zählt durch vielfach angebrachte Verschönerungen zu den schönsten des Landes. Die romantisch gelegene Kirche seit 1787 in ihrer gegenwärtigen Grösse und Einrichtung, seit 1834 mit neuen Glocken geziert, erfreut sich in jeder Weise der Aufmerksamkeit des die Collatur innehabenden Herrn Gutsbesitzers — kurz, der Gesammt - Anblick von Oppach zeigt, dass hier Klugheit, Wohlwollen und Milde gewaltet haben und fort und fort gehandhabt werden!

Klassig.     





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Nedaschütz
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Schwpnitz
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Nieder - Sohland
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Oppach


Anmerkungen (Wikisource)

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