Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen I. Section/H03

Heft 2 des Leipziger Kreises Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen von Gustav Adolf Poenicke (Hrsg.)
Heft 3 der Section Leipziger Kreis
Heft 4 des Leipziger Kreises
Die Beschreibungen sind auch als Einzeltexte verfügbar unter:
  1. Gnandstein
  2. Pomsen
  3. Otterwisch
  4. Benndorf


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Gnandstein.


Das Schloss Gnandstein, ein Bild des grauen Alterthums, liegt an der einstmaligen berühmten Peter-Paulsstrasse, die im Mittelalter von Böhmen und Baiern nach dem Osterlande und der alten Messstadt Naumburg führte, zwei Stunden von der herzoglichen Residenzstadt Altenburg entfernt, auf einem isolirten Prophyrfelsen. Nur wenige Schlösser Sachsens sind vom Zahne der Zeit und der Zerstörung menschlicher Kräfte so verschont geblieben wie Gnandstein; noch haften die gewaltigen Mauern fest und sicher auf ihrem Felsengrunde, obgleich viele Jahrhunderte an ihnen vorübergezogen sind. Romantisch und anmuthig bietet sich von der Höhe des Schlosses eine Aussicht in das weithingespaltene Thal mit dem Dorfe Gnandstein, während am Fusse des umfangreichen Felsens, welcher die Veste trägt, das Flüsschen Wyhra zwischen schattigen Baumgruppen und üppigen Wiesen sich hinschlängelt und der Landschaft einen neuen Reiz verleiht. So unschuldig das Flüsschen auch bei gewöhnlichem Wasserstande erscheint, kann es doch bei Gelegenheit einen sehr bösartigen Charakter annehmen; namentlich nach heftigen Regengüssen tritt der schäumende Wasserstrom aus seinen ziemlich tief eingewühlten, zerklüfteten Ufern, und richtet dann nicht wenig Verheerungen an.

Nach dem Schlosse hinauf windet sich ein breiter Fahrweg bis an das niedere in Felsen gesprengte Thor, welches früher mit Graben und Zugbrücke verwahrt, nach dem Vorhofe führt, aus dem man durch ein zweites, seitwärts angebrachtes Thor in den eigentlichen Burghof gelangt. Im vorderen Hofe befinden sich ein gewaltiges, aus dem Felsen herausgearbeitetes Gewölbe, das als Pferdestall benutzt wird, sowie verschiedene Eingänge zu einer Anzahl gleichfalls aus dem Gestein gebrochener Keller und weiten Räume, in deren einem sich der finstere Schlund eines zweihundert Ellen tiefen, jetzt nicht mehr gebrauchten Brunnens öffnet. Hohe, schöne Wendeltreppen führen aus dem inneren[WS 1] Hofe nach den zahlreichen Gemächern des Schlosses, die, bei aller Eleganz, mit welcher die Neuzeit sie ausgestattet, dennoch mit ihren hohen, zum Theil gewölbten Decken und tiefen Fensternieschen an die Zeit erinnern, wo Sporenklirren und Waffengeräusch, oder das lustige Anklingen mächtiger Trinkgefässe, die ehrwürdigen, weiten Hallen belebte. – Nahe dem äusseren Thore, welches durch hohe mit Zinnen gekrönte Streichwehren vertheidigt wurde, erhebt sich der neunzig Ellen hohe, altersgraue Wartthurm mit seinen acht Ellen starken Mauern, ohne Zweifel das älteste Gebäu der Burg, dessen Zinnen theilweise, der Alles vernichtenden Zeit zum Opfer gefallen sind. Hochoben im Thurme befindet sich noch ein ziemlich geräumiges Gemach, in dem früher der Burgwart hauste. Die dem Wartthurme zunächst stehenden Theile des Schlosses – offenbar die ältesten – sind ziemlich verfallen, doch erkennt man noch darin den einstmaligen Rittersaal, durch dessen unverwahrte Fensteröffnungen jetzt Sturm und Wetter ungehindert ihren Einzug halten. Den Fussboden deckt noch ein ziemlich wohlerhaltener Estrich.

Ehrfurchtsvoller Schauer ergreift den Besucher des Schlosses Gnandstein bei Eintritt in die kunstreich gewölbte, in Kreuzesform erbaute Kapelle, welche, sich weit hindehnend, in einen thurmartigen Halbkreis ausläuft. Der vordere Theil der Kapelle enthält die Ahnenbilder des Einsiedelschen Geschlechts, dessen Wiege die Burg ist, seit länger als einem halben Jahrtausend. – Ernst blicken sie von der Wand herab, die stolzen finsteren Rittergestalten und die bleichen kalten Frauenantlitze, als wollten sie den Beschauer an die Vergänglichkeit aller irdischen Güter mahnen. Sie Alle, die einst in grauer Vorzeit an dieser heiligen Stätte beteten, des Lebens Freuden und Leiden fühlten in den ehrwürdigen Mauern ihres Stammhauses, sie Alle sind in Staub zerfallen und schlummern in der uralten Dorfkirche, wo ihre, aus Stein gehauenen Bilder in Lebensgrösse gleich erstarrten Wächtern über den Ahnengrüften des edlen Geschlechts stehen, dessen Name auf Erden fast ein Jahrtausend hindurch so vielmal mit Ehren genannt worden ist.

Zwei Reihen holzgeschnitzter Kirchstühle sind durch einen Gang getrennt, der nach dem Chore führt. Hier befinden sich nächst der mit Schnitzwerk verzierten Kanzel, drei prachtvolle mit Gold und Bildwerk reichgeschmückte Altäre, sowie in den Fenstern alte werthvolle Glasmalereien. In der Kapelle zu Gnandstein pflegte Luther bei seinen Besuchen auf dem Schlosse bisweilen zu predigen, denn der Burgherr war sein Freund und ein eifriger Beförderer der Reformation. – An den vorderen Kirchstühlen sind drei hölzerne Figuren, zwei männliche und eine weibliche, zur Erinnerung an ein interessantes Familienereigniss angebracht, von dem wir später berichten wollen. – Der Dorfpfarrer ist zugleich Schlossprediger, und hat gegen ein nicht ablösbares Einkommen als solcher die Verpflichtung, auf Verlangen des Schlossherrn den Gottesdienst in der Burgkapelle zu versehen, und alle in der Familie desselben erforderlichen, kirchlichen Akte zu verrichten.

Ueber die älteste Geschichte des Schlosses herrscht völliges Dunkel. Die Behauptung alter Geschichtschreiber, dass Graf Wipprecht von Groitzsch [26] Eigenthümer und wohl gar Erbauer Gnandsteins gewesen sei, ist gänzlich unbegründet, gleichwie die Sage, der Graf habe mit dem Burgherrn auf Gnandstein in Fehde gelebt, das Schloss durch Verrätherei in seine Gewalt bekommen, und das Hauptgebäude aufzuführen begonnen; ehe jedoch der Bau zum Ende gediehen, sei der vertriebene Burgherr zurückgekehrt, und durch einen glücklichen Sturm wiederum in Besitz der Burg Gnandstein gelangt. Die erste historische Erwähnung des Schlosses geschieht in einer Urkunde des Landgrafen Heinrich von Thüringen, wo ein Henricus camerarius de Gnannenstein als Zeuge angeführt ist; dreissig Jahre später zeichnete sich Günther de Gnannenstein in dem Kriege Albrechts des Unartigen mit seinen Söhnen als tüchtiger Kriegsmann aus, ebenso werden zwei Conrade von Gnannenstein sowie ein Dietrich von Gnannenstein genannt, von denen Letzterer in das Torgauer Herrengeschlecht heirathete, und ein Conrad und Heinrich von Gnannenstein schenkten 1236 dem Kloster Buch das Dorf Lautenhain bei Rochlitz; ob aber diese Ritter von Gnannenstein dem Geschlechte der Einsiedel angehörten, und nach der Sitte damaliger Zeit sich nach ihrem Schlosse nannten, ist nicht zu ermitteln, obgleich mancher Grund dafür spricht, dass sie einer anderen Familie angehörten. Conrad von Einsiedel wird 1365 genannt, seine Gemahlin war eine geborene von Hohlbach, und dieser wird als der Stammvater aller noch blühenden, gräflichen und freiherrlichen Linien der Familie Einsiedel betrachtet.

Die Familie von Einsiedel, welche seit dem vierzehnten Jahrhundert in unmittelbarster Beziehung zur Geschichte des Sachsenlandes steht, leitet ihre Abstammung von den Grafen von Sulgan her, mit welcher zugleich eine uralte interessante Familiensage zusammenhängt, die wir unseren Lesern nicht vorenthalten dürfen. Kaiser Lothar I. soll nämlich den Himmel um einen Sohn gebeten, und das Gelübde gethan haben, wenn sein Flehen erhört würde, denselben der Kirche zu weihen. Des Kaisers Bitte ging in Erfüllung, und als der Knabe zum Jüngling heran gewachsen war, zog er in die Wildniss, baute sich eine Klause und lebte als Waldbruder. Nach einigen Jahren erwachte indessen in dem kaiserlichen Einsiedler die Sehnsucht nach ritterlichem Werke, er verliess also heimlich die Waldzelle, verschaffte sich ein Ross sammt einer guten Rüstung und nahm kurz vor einer Schlacht Dienste im Heere des Kaisers, seines Vaters. Im Treffen benahm sich nun der Einsiedler so tapfer, dass er vom Kaiser nicht unbemerkt blieb, der nach gewonnener Schlacht den fremden Kriegsmann zu sich bescheiden liess, und mit freudiger Ueberraschung in ihm seinen Sohn, dem Klausner erkannte, welcher bald darauf vom Papste des geistlichen Gelübdes entbunden und vom Kaiser zum Grafen von Sulgan erhoben wurde; den Einsiedler mit Hacke und Rosenkranz aber nahm er als Wappenbild an. – Die Einsiedel gehörten früher zu den mächtigsten und einflussreichsten Adelsfamilien Sachsens, hatten bereits im Jahre 1450 die Böhmische Dynasten- und Freiherrendignität, und siegelten in der zweiten Hälfte des sechszehnten Jahrhunderts mit rothem Wachse, als Zeichen besonderer Begnadigung und hoher Würde. Uebrigens verbreiteten sich die Einsiedel über Ungarn, Böhmen, Preussen und Anhalt.

Hildebrand von Einsiedel, ein schlauer gewandter Mann, war Hofmarschall des Churfürsten Friedrich, den die Geschichte wohl mit Unrecht den Sanftmüthigen nennt, und eine seiner Schwester, Anna, die Gemahlin des Prinzenräubers Kunz von Kaufungen, die nach ihres Herrn Tode auf einem in der Nähe von Gnandstein gelegenen Vorwerke, ihrem Leibgedinge, lebte und auch daselbst starb, in der Kirche zu Kohren aber begraben liegt. Die andere Schwester, Elisabeth war mit Helfreich von Meckau auf Kohren vermählt, der einige seiner, im Altenburgischen Lande gelegenen Güter, nicht, wie man allgemein glaubt, wegen seiner Betheilung am Prinzenraube, oder weil er den Ritter Kaufungen in der Nacht vor dem Raube auf der Burg Kohren beherbergte, verlor, sondern wegen seiner ritterlichen Selbsthülfe. Im sogenannten Bruderkriege hatten nämlich Kriegsleute des Churfürsten ein ihm zustehendes Haus in Gnandstein, sowie mehrere zum Leibgedinge seiner Frau gehörige Güter zerstört und verwüstet, deshalb sandte Helfreich von Meckau dem Churfürsten einen Fehdebrief, stürmte am 8. Juli 1451 die Stadt Altenburg und liess Feuer in die Gebäude werfen, wodurch das ganze Bartholomäuskirchspiel von den Flammen verzehrt wurde. Die Rache des Churfürsten blieb nicht aus, und die Helfreichschen Güter fielen durch Hildebrands von Einsiedel Einfluss an Georg von Meckau, Helfreichs Vetter, doch musste er der Gemahlin des vorigen Besitzers bis zu deren Tode die Nutzniessung überlassen. Nach diesen Ereignissen scheinen die Meckaus sich in Sachsen nicht mehr wohlbefunden zu haben, denn schon im Jahre 1453 kaufte Hiidebrand von Einsiedel alle Meckauische Güter, die indessen wohl grösstentheils zum Leibgedinge seiner Schwester Elisabeth gehört haben mochten, an sich, und die Meckaus wandten sich nach Oesterreich.

Hildebrand von Einsiedel vereinigte mehrere angekaufte Vorwerke, wie das zu Walditz, welches einem Ritter von Hopfgarten zustand, sowie ein anderes, das Carl von Taupadel gehörte, mit Sahlis, und gründete auf diese Art das jetzige Rittergut Sahlis, worüber er 1455 die Gesammtbelehnung erhielt. Als Helfreich von Meckau im Jahre 1458 mit Tode abging, suchten dessen Brüder Melchior, Caspar und Balthasar ihre Ansprüche an Kohren, das jetzt dem Hofmarschall gehörte, zwar geltend zu machen, sie liessen sich jedoch durch einen zu Grimma abgeschlossenen Vergleich zufrieden stellen, und begnügten sich mit einer Abfindungssumme von vierhundert alten Schocken. Im Jahre 1455 kaufte Hildebrand von Einsiedel das Kirchlehn und Erbgericht zu Flemmingen und Frommsdorf von Hans von Kaufungen, wodurch die noch jetzt bestehenden Gerechtsame des Rittergutes Sahlis in diesen beiden Ortschaften herrühren, und erwarb 1459 noch das Dorf Langenleube-Oberhain, mit allen Zinsen und Gerichten. Als einer der reichsten Ritter des Landes starb Hildebrand von Einsiedel 1461 auf seinem Stammschlosse Gnandstein und wurde in der dasigen Ortskirche beigesetzt, wo seine steinerne Rittergestalt noch jetzt über der Erbgruft zu sehen ist.

Die sehr bedeutenden Güter des Hofmarschalls von Einsiedel, darunter Gnandstein, Wolftitz, Sahlis, Syhra und Scharfenstein, gingen auf dessen Sohn Heinrich über, der Dienstags nach dem St. Thomastage vom Churfürsten Friedrich dem Sanftmüthigen damit belehnt wurde, und gleich darauf im sechsundzwanzigsten Jahre seines Alters nach Palästina zog, um dort am heiligen Grabe die Ritterwürde zu erlangen. Späterhin leistete dieser Heinrich von Einsiedel, den fürstlichen Brüdern Ernst und Albrecht grosse Dienste, und brachte die Theilung der väterlichen Länder zwischen ihnen zu Stande (1485). Da die Gebrüder Heinrich und Wenzel von Rüdigsdorf noch einige Ansprüche an das Kohrener [27] Burglehn besassen, so kaufte Heinrich von Einsiedel ihnen durch eine Summe Geldes nicht nur diese Anrechte, sondern auch einen Theil des Vorwerks Rüdigsdorf nebst etlichen Zinsen zu Neumörbitz, Schönbach, Meusdorf und Linda ab. Heinrich von Einsiedel starb 1507, und hinterlies drei Söhne, Haubold, Heinrich und Abraham. Er war dreimal verheirathet, einmal mit Catharina von Schönberg auf Rothschönberg, dann mit Margarethe von Schleinitz und endlich mit Ilse von Schönberg auf Stallberg, die ihren Gemahl überlebte, und verschiedene Jahre als Oberhofmeisterin am churfürstlichen Hofe zubrachte. Der älteste dieser drei Söhne, Haubold, führte während der Minderjährigkeit Heinrichs und Abrahams deren Vormundschaft. Er war geistlichen Standes und Domherr zu Naumburg, bekannte sich aber später zur lutherischen Kirche und starb im Jahre 1522. Heinrich und Abraham zeichneten sich durch ihren Eifer für die neue Lehre aus, und Ersterer, ein sehr gelehrter Mann, führte mit Luther, Melanchthon und Bugenhagen, einen sehr gehaltvollen Briefwechsel, von dem das Archiv des Schlosses noch einen Theil aufbewahrt. Interessant ist auch ein Brieflein von Catharina von Bora, Doctor Martin Luthers Wittwe, an ihre Schwägerin Christine von Bora, worin sie dieselbe ersucht, den Ritter Heinrich um Verwendung für ihren Neffen, Florian von Bora, anzugehen, der sich um ein Wittenberger Stipendium beworben habe. Das ebenfalls nach vorhandene Dankschreiben des jungen Florian beweist, dass Heinrich von Einsiedel ihm das gewünschte Stipendium verschaffte. Luther vergass auf der Reise nach seinem Gütchen Zeilsdorf niemals, auch bei seinem lieben und ehrenfesten Junkherrn auf dem Gnandsteine einzusprechen, und oft predigte er in der Schlosskapelle, wie auch in der Dorfkirche, welche letztere sein Freund Lucas Kranach mit einem Bilde schmückte. Die Belehnung mit den ererbten, väterlichen Gütern empfingen die Brüder im Jahre 1508, und zwar vom Churfürsten Friedrich über Kohren, Sahlis, Hopfgarten und Wolftitz; vom Herzog Georg dem Bärtigen über Syhra, Scharfenstein und einige kleinere Besitzungen; vom Burggrafen Hugo von Leissnig über Gnandstein, und vom Abte zu Chemnitz über Elbisbach und Dittersdorf. Durch den 1553 erfolgten Tod eines Vetters, Valentin von Einsiedel, kamen die Brüder auch in Besitz des Rittergutes Priessnitz.

Bereits im Jahre 1532 hatten die Brüder Heinrich und Abraham von Einsiedel die Absicht, sich in die väterlichen Güter zu theilen, dieselbe kam indessen erst 1534 zur Ausführung, wo auf dem Schlosse Scharfenstein der Vertrag geschlossen wurde, dass Heinrich Gnandstein, Priessnitz und Syhra, Abraham hingegen Scharfenstein, Wolftitz und Sahlis mit Kohren besitzen sollte. Von dieser Zeit an betrachtete man nicht mehr, wie bisher Gnandstein und Sahlis als ein Gut. Abraham von Einsiedel wohnte auf dem Schlosse Scharfenstein und starb 1568. Die Kirche in Albersdorf birgt seine Reste. – Heinrich von Einsiedel war einer der reichsten Ritter Sachsens; er besass neun Söhne und fünf Töchter, konnte aber doch jedem der Ersteren ein Rittergut hinterlassen. Wegen seiner eifrigen Hinneigung zur Reformation musste er vom Herzog Georg viel Unbill leiden, und sich namentlich manche Vermögensverkürzung gefallen lassen; der wackere Ritter aber blieb standhaft, sorgte väterlich für seine Unterthanen durch testamentarische Verfügungen und Vermächtnisse, die noch in der Gegenwart segensreich fortwirken, und starb 1557 auf seinem Schlosse Gnandstein zur tiefen Betrübniss aller guten Menschen. Heinrich von Einsiedel war es, auf dessen Frage: „ob nach Annahme der Reformation die Bauern noch Frohnen thun sollten?“ Luther die tröstliche Antwort gab: „jawohl! denn wenn der Bauer nicht muss, so rührt er weder Hand noch Fuss!“ doch rieth er dem Ritter zur Herabsetzung gewisser Steuern, und namentlich des Lehngeldes, welches auch bis in die neuste Zeit auf einen halben Gülden reducirt blieb.

Zur Zeit dieses Heinrichs von Einsiedel war es, wo Kaiser Karl V. auf seinem Zuge gegen Churfürst Friedrich den Grossmüthigen (1547) am Gnandstein vorüberzog, und auf dem Schlosse zu rasten wünschte. Der Burgherr war in nicht geringer Verlegenheit, nicht weil es an irgend Etwas zur geeigneten Aufnahme des kaiserlichen Herrn gefehlt hätte, sondern weil seine Tochter Elisabeth so eben mit einem Herrn von Schönberg zum Altar gehen sollte, und die Burg mit Hochzeitsgästen angefüllt war. Schon betrat des Kaisers Ross die Zugbrücke, als der Schlossherr, gefolgt von den bestürzten Gästen dem Monarchen entgegenkam und ihn ehrerbietig willkommen hiess. Aber der Kaiser bemerkte sehr bald, dass er zu unrechter Zeit angelangt sein müsse, und bald erfuhr er den Grund der allgemeinen Verlegenheit, sowie die vom Schlossherrn angeordnete Verschiebung des unterbrochenen Familienfestes. Der Kaiser gab das nicht zu, der Hochzeitszug musste sich ordnen, und der katholische Monarch reichte der Braut den eigenen Arm, um sie nach der Kapelle zu führen, wo er der nach protestantischem Ritus stattfindenden Trauung bis zum Schlusse beiwohnte, und alsdann am Hochzeitschmause theilnahm. Zur Erinnerung an diesen charakteristischen Zug Karls V. liess der hocherfreute Ritter Heinrich an dem Kirchenstuhle, welchen der vornehme Brautführer einnahm, dessen geschnitztes Bild und Namen, am nebenstehenden Stuhle aber die Bilder des Brautpaares anbringen. Noch heute heisst das Zimmer, in dem Karl V. übernachtete, und zum Andenken seinen Namen in eine Fensterscheibe grub, die Kaiserstube, daher dies Gemach hochgehalten und nur solchen Gästen eingeräumt wird, die man vorzüglich ehren will.

Im Jahre 1632 wurde das Schloss von schwedischen Truppen in Brand gesteckt, baldige Hülfe verhütete indessen grossen Schaden. Nach der Volkssage soll einst ein unterirdischer Gang die beiden Burgen Gnandstein und Kohren verbunden haben, und wirklich scheint dieselbe nicht unbegründet zu sein, indem man vor nicht langer Zeit unter dem Schlosse Gnandstein in der Richtung nach Kohren hin, einen verfallenen gemauerten Gang entdeckt hat. – Die alten Chronisten erzählen, dass der ganze Länderstrich von Wolkenstein bis weit über Borna hinab den Einsiedeln meist eigenthümlich zugehörte. Noch jetzt befinden sich eine grosse Anzahl der daselbst gelegenen Güter im Besitze dieser Familie. Schloss und Rittergut Gnandstein nebst Scharfenstein, Dittersdorf mit Weissbach, Wolkenburg, Syhra, Hopfgarten, Wolftitz, Priessnitz und Grosszössen gehören zu den unveräusserlichen Einsiedelschen Fideicommissgütern, an denen alle Lehnsvettern die gesammte Hand haben.

Das Dorf Gnandstein, mit etwa 70 Häusern und 400 Einwohnern liegt am Fusse des Schlossberges in einem Thalkessel, und enthält, ausser dem stattlichen Pfarrhause auch ein vormaliges Stift, worin weibliche Abkömmlinge der Familie Einsiedel ein sorgenfreies Alter fanden. Besonders erwähnenswerth ist jedoch die alte, schöne von Sandsteinquadern erbaute Kirche, welche 1518 [28] und 1577 bedeutende Reparaturen erfuhr. Sie hat zwei Kanzeln, auf deren einer Luther oft predigte. Neben dieser Kanzel hängt Luthers Portrait, von Lucas Kranach gemalt, und neben diesem Bilde ein Denkmal des 1582 hier verstorbenen Johanns von Ende und seiner Gemahlin Magdalena. Das Schnitzwerk des Altars ist ebenso wenig sehenswerth, wie dessen mit den Bildnissen mehrerer Pastoren geschmückte Rückwand. Vorzüglich bemerkenswerth ist dagegen ein Kranachsches Gemälde, welches Heinrich von Einsiedel in Rittertracht darstellt, umgeben von seinen neun Söhnen; gegenüber steht seine Hausfrau mit den fünf sittsam in Nonnentracht gekleideten Töchtern. Das Bild ist von einer grossen Anzahl Wappen umgeben, von denen eines – man sagt das Kaufungensche – ausgetilgt ist. Neben dem Bilde umstehen den Altar dreizehn lebensgrosse steinerne Gestalten, sämmtlich Personen des Einsiedelschen Geschlechts darstellend. Die älteste Figur ist die des 1461 gestorbenen Hofmarschalls Hildebrand, der wegen seiner Würde ein Scepter in der Hand hält. Ihm folgte Heinrich I., gestorben 1507 als Ritter des heiligen Grabes; Hans Hildebrand von Einsiedel; Heinrich II. von Einsiedel, Luthers Freund; Johann von Einsiedel, ein sehr gelehrter Mann und Kenner der hebräischen Sprache; Heinrich III. von Einsiedel, Ritter vom heiligen Grabe, ein tüchtiger Kriegsmann, der 1594 bei seiner Rückkehr von Jerusalem in Ungarn erschlagen wurde; Hildebrand von Einsiedel starb 1598; Sybille von Ende starb 1605; Hildebrand von Einsiedel starb 1647, die lateinischen Verse der Unterschrift sind sein eigenes Werk; Haubold von Einsiedel starb 1687; Abraham von Einsiedel auf Döllnitz in der Aue; Conrad von Einsiedel starb 1744; Johann Abraham von Einsiedel starb 1756, und ist der Letzte der Bildergruppe, indem das Denkmal seines Sohnes Hildebrand von einem Altenburger Bildhauer so schlecht gearbeitet war, dass man es zerschlug und in eine der Kirche nahe liegende Grube warf. Dafür erhielt der 1802 verstorbene Hildebrand von Einsiedel in der Schlosskapelle ein sehr schönes Denkmal von Alabaster. – Eine Stiftung des edlen Heinrich II. von Einsiedel darf hier nicht unerwähnt bleiben. Sie bestimmte die Zinsen eines ansehnlichen Capitals zur Unterstützung der Wittwen und nachgelassenen Kinder der Einsiedelschen Pfarrherren zu Altmörbitz, Bocka, Eschefeld, Gnandstein, Niedergräfenhain, Oberfrankenhain, Priessnitz, Roda und Syhra, welche Dörfer, mit Ausnahme Oberfrankenhains, noch jetzt den Einsiedeln gehören. Dem Pfarrer und Schlossprediger in Gnandstein, der die Stiftungsurkunden in Verwahrung hat, liegt es ob, alljährlich die neun Pfarrer zu einem Convente zu vereinigen, wobei ein damit Beauftragter die von ihm geführte Rechnung ablegt. – Kirche und Schule, deren Collator der hiesige Rittergutsbesitzer ist, stehen unter der Inspection Borna; in die Kirche sind ausser dem Dorfe Gnandstein auch Dolsenhain und Wüstenhain eingepfarrt.

Das Rittergut Gnandstein ist seiner Bodenbeschaffenheit nach zu den besten des Königreichs zu zählen. Es hat ungefähr 300 Acker Feld, 400 Acker Waldung und 70 Acker Wiesen. Die Mühle am Schlossberge ist erst 1750 vom Rittergute abgekommen. Zwischen Gnandstein und dem Städtchen Frohburg, im sogenannten Eulenberge, bricht ein vortrefflicher Jaspis, unter dem Namen Bänderjaspis oder Gnandsteiner Bandstein bekannt, der zu den schönsten Steinarten Sachsens gehört. Auch den Schlossfelsen, welcher aus dem östlichen Wyhragebirge westwärts hervorspringt, durchzieht der Jaspis, und man findet in den Wänden des durch den Fels gesprengten Hauptthores der Burg sehr schöne zu Tage ausgehende Adern, wodurch Gnandstein der Burg Anhalt ähnlich wird; die ältere Dichter ob ihres Jaspisgrundes hoch rühmen und ihr daraus unvergängliche Dauer prophezeihen. Der Gnandsteiner Jaspis ist auf dem Bruche muschelig, von Farbe hellgrün mit grünlichen gleichlaufenden schmalen Streifen und eingemengten dunkelrothen Flecken versehen, die sich nebst den Streifen mit ihren Grenzen unmerklich in einander verlieren. Die vortreffliche Politur, welche er annimmt, giebt ihm ein ausserordentlich schönes Ansehen.

Otto Moser, Redact.     




Pomsen.


Hart an der Kunststrasse, welche Leipzig mit Grimma verbindet, erhebt sich am nordöstlichen Ende eines ziemlich grossen Dorfes das hohe stattliche mit Ziergiebeln und Thürmen geschmückte alterthümliche Schloss Pomsen. Das hiesige Rittergut ist das bedeutenste des Leipziger Kreises, und sein weitumfassender, obwohl nicht beisammenliegender Sprengel könnte wohl eher eine Herrschaft genannt werden, indem er den Raum von mehr als einer Quadratmeile einnimmt. Zu dem Rittergute gehören, ausser dem Städtchen Naunhof, die Dörfer Pomsen, Grethen, Klinge, Kleinsteinberg, Seifartshain, Albrechtshain, Fuchshain, Erdmannshain, Stockheim und das vormalige Antonierkloster Eicha, welches letztere der Churfurst von Sachsen im Jahre 1525 einzog, und dem Ritter von Minkwitz für 900 Gülden verkaufte. Das Areal des Gutes Pomsen mit Naunhof und den Vorwerken Fuchshain und Eicha enthält einen Flächenraum von 2220 Aeckern, bestehend in 1100 Aeckern Feld, 220 Aeckern Wiesen, 100 Aeckern Teichen mit bedeutender Fischerei, und 800 Aeckern Waldung. Im Jahre 1847, wo der jetzige Herr Besitzer Pomsens die Bewirthschaftung der Güter selbst übernahm, wurde in Pomsen eine Dampfbrennerei erbaut, welche jährlich nicht weniger als 20–30,000 Dresdner Scheffel Kartoffeln verarbeitet, und in neuester Zeit hat die Feldwirthschaft durch umfangreiche Meliorationen und Urbarmachungen bedeutende Erweiterungen erfahren. An technischen Gewerben hat das Rittergut, ausser der Brennerei eine Brauerei, eine Mehl-, Oel- und Schneidemühle an dem nahen Flusse Parthe, eine Ziegelei beim Vorwerk Eicha und eine Mehlmühle bei Albrechtshain. Das Schloss, ein altes weitläufiges Gebäude, welches im Laufe der Jahrhunderte mancherlei Reparaturen erfuhr, wurde in den Jahren [29] 1848 und 1849 durch einen gründlichen Umbau ungemein verschönert, auch entstand in den Jahren 1847 und 1848 ein hübscher Park. Pomsen mit Naunhof üben Gerichtsbarkeit über die Ortschaften Naunhof, Pomsen, Stockheim, Grethen, Klinge, Erdmannshain, Eicha, Albrechtshain, Kleinsteinberg, Seifartshain und Fuchshain; sowie die Collatur über die Pfarr- und Schulstellen zu Pomsen, Naunhof mit Klinge, Albrechtshain mit Erdmannshain, Seifartshain mit Fuchshain, und die Schulstellen zu Grethen und Stockheim. In früheren Zeiten hatte Pomsen das Recht der peinlichen Justizpflege, und eine Menge noch vorhandener Urkunden, sowie ein noch jetzt „der Köppberg“ genanntes Stück Feld geben hinreichende Beweise von vielen hier stattgefundenen Hinrichtungen.

In den ältesten Zeiten gehörte das Rittergut einer Familie von Pomsen, die jedoch schon im dreizehnten Jahrhundert ausgestorben war. Der letzte Spross dieses Geschlechts, Feige von Pomsen, wird als ein tapferer und mannhafter Ritter geschildert, der Schwert und Lanze ebenso rüstig zu schwingen verstand, wie den gefüllten Becher. Als Ritter von ächtem Schrot und Korn lebte er in unaufhörlicher Fehde mit seinen geistlichen Nachbarn, den Mönchen des Augustinerklosters zu Grimma, und es gehörte zu Ritter Feiges besonderen Genüssen einen dieser Augustiner zu maltraitiren. Auf der Wartburg bei Eisenach zeigt man noch jetzt eine zentnerschwere eiserne Rüstung, welche einst Feiges von Pomsen Eigenthum war, und einen Begriff giebt von der ungeheuren Grosse und Körperstärke ihres ritterlichen Trägers. – Im Jahre 1444 besass Hans Pflugk das Rittergut Pomsen, nebst den Dörfern Seifartshain, Fuchshain, Möckern, Gohlis, Lausa, Göhrens und Albrechtsdorf, und als er um das Jahr 1490 starb erbte die väterlichen Güter, mit Ausnahme des Dorfes Fuchshain, sein Sohn, Hans Pflugk, der im Jahre 1520 mit Tode abging, und vier Söhne hinterliess, von denen Johannes, Zschocher und Gohlis, Moritz Pomsen und Seifartshain, Georg Pötzschkau und Albertsdorf und Wolf Winndorf, Lausen, Göhrens und Möckern erhielten.

Die Stammtafeln des uralten Geschlechts der Pflugke nennen einen Julius Pflugk, Bischof von Naumburg und Zeitz, der bereits zum Cardinal bestimmt war, den Glücklichen – sie erwähnen aber auch einen Moritz Pflugk mit dem Zusatze „der Unglückliche“ und dieser war der Besitzer Pomsens. Im Jahre 1534 verkaufte er das Rittergut an Nickel von Minkwitz und zog nach Leipzig, wo er als ein Freund der Wissenschaften sich namentlich mit theologischen Studien beschäftigte. In dem Knopfe des Thomasthurmes zu Leipzig befindet sich eine Schrift vom Jahre 1537, welche über das unglückliche Ende Moritz Pflugks Aufschluss giebt. Es heisst darin: „Nicht weniger hat man auch in diesen so glücklichen Zeiten Recht und Gerechtigkeit wohl gehandhabet, denn als Moritz Pflugk, der aus einem berühmten und mächtigen Geschlechte und Hause entsprossen, und ein Sohn war Hans Pflugks auf Zschocher, mit Barbara, Johann von Legmers Tochter und Christoph Weissens hiesigen Bürgers Eheweib, Ehebruch getrieben, ihren Ehemann, als er dazu gekommen, umgebracht und nach geschehener That, als der Ermordete noch in seinem Blute gelegen, bei dem Weibe geblieben, das von dem bösen Handel Wissenschaft hatte und gleichwohl die Ermordung ihres Mannes bis den anderen Tag verborgen gehalten, da ist mitten auf dem Markte eine Schaubühne aufgerichtet worden, auf dass jedermänniglich es besser sehen könne, und hat man der Nachwelt zu einem merkwürdigen Exempel Moritz Pflugken und dem Weibe, beiden die Köpfe abschlagen lassen.“ In dem Pfarrarchive zu Grosszschocher befindet sich noch jetzt eine Abschrift des Testaments, welches Moritz Pflugk, als er auf dem Rathhause zu Leipzig gefänglich gesessen, wenige Tage vor seinem Tode vor dem damaligen Bürgermeister Wolf Wiedemann und dem Gerichtsactuar am 17. October 1537 aufgesetzt und übergeben. Er bestimmt darin dem hochgelahrten Herrn Doctor Martin Luthern 530 Thaler, Herrn Philipp Melanchthon 300 Thaler, die grösste goldene Kette Jörgen, seinem Bruder; die kleine Kette mit dem Herzlein seiner Schwester der Hauptmännin zum Senftenberg; zehn Thaler dem Pfarrherrn Caspar zu Trebsen, zehn Thaler dem Pfarrhern zu Belgern, den grauen purpurreinischen Rock mit Sammet verbrämet Bennen, seinem Vetter, eine spanische Kappe mit Sammet, seinem Vetter Wolf, dem Pflugken auf Zschocher, seine Bücher irgend einem frommen Priester im Churfürstenthum, Bernhard Mutzschen seinem Jungen fünf Thaler, dem alten Nickel zu Gaschwitz zwölf Gülden, Hans Fischern, dem Frohn, einen Thaler, dem Stockmeister einen Thaler, dessen Weibe einen Thaler, den beiden Knechten, die seiner gewartet und bei ihm im Stüblein gewesen, jeglichem einen Thaler und dem Stubenheizer einen halben Thaler. Zugleich zeigt er auch an, dass der Pfarrer zu Pomsen von ihm ein Gütlein zum Geschenke erhalten, und bittet seinen Bruder Johannes: er möge Haus von Ponickau auf Pomsen ersuchen und bitten, dass er dem Pfarrherrn solches lassen wolle. Das Testament schliesst mit der Hoffnung seine Brüder und Vettern würden über diesen seinen letzten Willen keine Beschwerung wagen, da er ihnen noch genugsam hinterlassen. – Die bei dem damaligen Geldwerthe sehr bedeutenden Legate, welche der unglückliche Moritz Pflugk den Reformatoren Luther und Melanchthon aussetzte, beweisen, dass er der neuen Lehre eifrig anhing, und da zu jener Zeit Pomsen und Seifartshain längst lutherisch waren, bedachte er auch die Pfarrherren zu Trebsen und Belgern. Der Pfarrer in Belgern war der nachmals so berühmte Dr. Pfeffinger, vorher erster lutherischer Priester zu Eicha, wohin die von Herzog Georg dem Bärtigen grausam verfolgten Protestanten aus Leipzig und anderen Orten wallfahrteten um dort das Abendmahl zu geniessen. Pfeffinger starb 1572 als Superintendent zu Leipzig.

Nickel von Minkwitz, welcher Pomsen von Moritz Pflugk erkaufte, besass selbiges blos bis 1536, wo es Hans von Ponickau, Churfürstlicher Amtmann und Freisasse zu Grimma, an sich brachte. Derselbe starb 1573 und hinterliess das Gut seinem Sohne Hans II., nach dessen 1613 erfolgtem Tode es Hans III. von Ponickau, Churfürstlich Sächsischer Amtshauptmann und Reichspfennigmeister, erbte und bis 1642 behielt. In diesem Jahre übernahm es sein Sohn Johann Christoph von Ponickau, nach ihm Johann Christoph II. von Ponickau, Churfürstlich Sächsischer Kammerherr und Appellationsrath, und endlich Johann Christoph III. von Ponickau, Königl. Polnischer und Churfürstlich Sächsischer Kammerherr und Geheimerath, der letzte Besitzer Pomsens aus dem Geschlechte der Ponickaus, welcher das Gut 1782 an Andreas Ludwig, Churfürstlich Sächsischen Amtsverwalter, verkaufte, alljährlich aber zweimal von Merseburg oder Dresden, wo er sich abwechselnd aufhielt, nach Pomsen kam, um daselbst zu communiciren. Andreas Ludwig starb 1791, und Pomsen kam an Carl Sigismund Emilius von Uechtritz, welcher viele [30] nützliche Verbesserungen in der Wirthschaft und an den Gebäuden vornahm, bedeutende Obstplantagen anlegte, jedoch in Folge vielfacher Unglücksfälle das Gut nur bis 1815 erhalten konnte, wo Sequestration desselben stattfand, nach deren Beendigung Pomsen mit allen dazu gehörigen Ortschaften an Herrn Johann Gottfried Dietze, königl. Sächsischen Kammercommissionsrath, gelangte, der nach zehnjährigem Besitze 1830 mit Tode abging, und die Güter seinem damals noch minorennen Sohne Herrn Johann Gottfried Dietze hinterliess, welcher seit 1847 die Bewirthschaftung und Verwaltung derselben selbst übernommen hat.

Unter den früheren Besitzern Pomsens zeichnete sich besonders der churfürstliche Amtmann zu Grimma, Hans von Ponickau, als ein geschickter und einflussreicher Staatsmann aus, der dem Churfürsten Moritz und August von Sachsen in mancherlei Aemtern diente. Er hielt sich zu Pomsen wie zu Eicha einen Schösser, welchen Titel der Gerichtsverwalter noch heut zu Tage führt. Blasius Peckenstein, der Vater des berühmten Historikers, begleitete dieses Amt von 1536 bis 1545. Bereits im funfzehnten Jahrhundert stand Pomsen unter der Lehnsherrschaft der Burggrafen von Leissnig, welche im Jahre 1490 den Ritter Hans Pflugk mit dem Gute und allem Zubehör belehnten. In der Urkunde wird Pomsen sonderbarer Weise ein Vorwerk genannt. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass das Dorf in einiger kirchlichen Verbindung mit den Klöstern zu Leipzig stand, denn im Jahre 1391 wurde Albrecht, der Pleban zu Pomsen, zum Vorsteher der Leipziger Johanniskirche erwählt.

Noch müssen wir einer hübschen Sage erwähnen, die am Schlosse zu Pomsen haftet, und auf die Familie der Ponickaus Bezug hat. Es war nämlich im Jahre 1685, wo Johann Christophs II. von Ponickau Gemahlin kürzlich eines Kindleins genesen, in stiller Nacht sammt dem Neugebornen im Wochenzimmer ruhte, als sie plötzlich durch ein leises Geräusch erwachte und von dem ungeheuren Ofen her ein kleines kaum spannenlanges Männlein auf sich zukommen sah, welches vor dem Bette stehen bleibend, sich tief verbeugte, und die Edelfrau in wohlgesetzter Rede um Erlaubniss bat, in ihrem Wochenzimmer das Hochzeitsfest eines Zwergenpärchens feiern zu dürfen. Die ebenso erstaunte wie neugierige Frau von Ponickau gab dem Männlein freundlich die erbetene Erlaubniss, und alsbald erschien eine wohlgeputzte Gesellschaft der kleinen Leute, das winzige Brautpaar an der Spitze, welche in aller Stille und anständiger Heiterkeit ihr Mahl einnahmen und darauf ein Tänzchen machten. Nachdem das Fest vorüber war trat dass erstgenannte Männlein wiederum vor die Edelfrau und überreichte ihr zwei Brödchen und einen kleinen Goldreif, mit der Aufforderung, sie solle dieses Geschenk der kleinen Geschöpfe wohl verwahren, denn so lange dasselbe im Besitze der Familie Ponikau auf Pomsen sich befände, würde diese blühen und mächtig sein. Als die Edelfrau ihrem Gemahle die Rede des Zwerges mitgetheilt und die Geschenke desselben eingehändigt hatte, liess der Schlossherr das Ringlein sammt den Brödchen in den Schlossthurm einmauern, und hielt nunmehr das verhängnissvolle Geschenk für ewig gesichert. Da schlug bei einem heftigen Gewitter im Jahre 1726 ein zündender Blitzstrahl in den Schlossthurm und die Flammen verzehrten mit demselben auch die Geschenke des Zwerges, ohne jedoch das Schlossgebäude zu beschädigen. Der damalige Pfarrer zu Pomsen M. Steinhäuser, sagt am Schlusse der im Kirchenbuche niedergeschriebenen Erzählung dieses unglücklichen Ereignisses: „was hierauf erfolgt ist leider nicht unbekannt, und will damit höchst wahrscheinlich die Befürchtung aussprechen, der Verlust der Zwergengabe werde den Untergang der Ponickaus auf Pomsen nach sich ziehen. Die Rede des Zwerges ging in Erfüllung, das reiche Geschlecht kam in seinen Vermögensverhältnissen von jener Zeit an zurück, und musste endlich, wie schon erzählt, im Jahre 1782 das Rittergut Pomsen veräussern, nachdem es fast 250 Jahre lang im Besitze der Familie gewesen war.

Die Kirche zu Pomsen, ein altes durch spätere Bauveränderungen erweitertes Gebäude, besitzt einen vortrefflich gearbeiteten sandsteinernen Altar und mehrere schön ausgeführte Denkmäler der Familie Ponikau. In dem Erbbegräbnisse, welches sich unter der Kirche befindet, stehen vierundzwanzig zinnerne Särge. – In der Parochie Pomsen befinden sich zwei Schulen mit Kirchendienst, eine zu Pomsen und die andere in dem Filialdorfe Grosssteinberg, in welcher zusammen etwa zweihundert Kinder unterrichtet werden. Das Areal des Dorfes Pomsen besteht aus 1049 Ackern, 38 □ Ruthen, mit 22385,86 Steuereinheiten. Ausser der Kirche und Schule enthält das Dorf einen Gasthof, eine Feldmeisterei, acht Pferdnergüter, siebzehn Hintersässergüter, dreizehn Gärtnergüter, zwei Häusler mit Grundstücken, eine Schmiede und achtundvierzig Häuslernahrungen, ein Gemeindehaus mit Bäckerei und ein mit Legaten ausgestattetes Armenhospital. Das Dorf zählt gegen 750 Einwohner.

Otto Moser, Redact.     




Otterwisch.


Das Rittergut Otterwisch liegt etwa fünf Stunden von Leipzig entfernt an der Chaussee, welche diese Stadt mit Rochlitz verbindet, und das dazu gehörige Dorf ist eins der bedeutendsten des Leipziger Kreises. Die Gegend beginnt bereits in sanften Hügeln anzusteigen, und die Aue, welche von der Gösel bewässert wird, zeigt wahrhaft reizende Parthien, namentlich hat die Mühle eine sehr hübsche Lage. Der Ort ist in grösserer oder geringerer Entfernung fast nach allen Seiten hin mit vortrefflichen, aus Buchen, Eichen und anderem Laubholze bestehenden Waldungen umgeben, die in der Nähe des Schlosses bis nahe an die Gebäude hervortreten. Das Dorf zählt über 80 Häuser mit mehr als 500 Einwohnern, von denen die meisten Gärtner, Häusler und Tagelöhner sind, oder als Maurer, Zimmerleute und Fabrikarbeiter in den nächsten Städten Beschäftigung finden. Otterwisch hat ein ziemlich städtisches [31] Ansehn und ist auf seiner östlichen Seite sogar theilweise gepflastert; man theilt es ein in Oberdorf und Niederdorf, doch bilden beide Abtheilungen nur eine Gemeinde. Die Fluren, zu welchen nicht unbedeutende Waldstrecken gehören, rainen südlich mit Colditzer und westlich mit Bornaischem Amtsgebiet. In der Waldung des Rittergutes, welche mit den Pomsener und anderen Forstungen grenzt, befindet sich schon seit langen Jahren ein Steinbruch, dessen Steine vielfach in der Umgegend zum Bauen benutzt werden. Otterwisch enthält eine nicht geringe Anzahl recht hübscher städtisch aussehender Wohnhäuser, und im Anfange unseres Jahrhunderts wohnten nicht selten wohlhabende Familien Leipzigs während der Sommermonate in hiesigem Orte. Uebrigens befindet sich hier ein sehr bedeutender Gasthof mit starker Feldwirthschaft, eine herrschaftliche Geleits- und Chausseegeldereinnahme, ein Gemeindehaus, eine Windmühle und die schon genannte Teichmühle, welche zum Rittergute gehört, und ihr Wasser von dem Göselbach empfängt.

Die Gösel hat ihren Ursprung bei Haynichen im Amte Borna, fliesst in östlicher Richtung durch das nach Otterwisch eingepfarrte Dorf Stockheim, und bildet zwischen Otterwisch und Lauterbach die Grenze der Aemter Grimma und Colditz, woselbst sie einen sehr angenehmen von Büschen eingefassten Wiesengrund bewässert, dann nördlich sich wendend, einen ziemlichen Theil des Otterwischer Waldes durchfliesst, und beim Niederdorfe sich nach Osten ziehend die Hälfte von Otterwisch umfasst, die hiesigen bedeutenden Teiche mit ihrem Wasser speist und dann durch die allerliebste Aue unter der Mühle hinab ihren Weg nach Rohrbach nimmt.

Das Schloss zu Otterwisch gehörte in den Zeiten vor der Reformation, als ein Vorwerk mit kleiner Kapelle den Augustinermönchen zu Grimma, doch besass es 1517 bereits Bernhardt von Hirschfeld, der in genanntem Jahr einen Zug nach Jerusalem unternahm und glücklich wieder in die Heimath zurück kehrte. Im Jahre 1537 geschieht urkundlich eines Wolf von Otterwisch Erwähnung, der indessen wahrscheinlich ein Herr von Hirschfeld war, und nach einer, obgleich damals nicht mehr üblichen Sitte des früheren Mittelalters sich nach seinem Schlosse nannte. David von Hirschfeld besass Otterwisch 1581 und dieser verkaufte das Gut an einen Herrn aus dem Winkel, von dem der Rittmeister Ernst aus dem Winkel, ausser mit dem Orte und Rittergute Otterwisch auch noch mit dem wüsten Dorfe Schalbich oder Kleinbuch, dem Colditzer Teiche, dem Dorfe Grethen, dem Vorwerke Hainichen, der Hälfte des wüsten Dorfes Lindhardt bei Kitscher, und der Wüstung Groitzsch, so den Augustinern zu Grimma zuständig gewesen, belehnt wurde, und 1623 mit Tode abging. Um das Jahr 1660 gelängte Otterwisch an die Herren von Metzsch, von denen der erste Besitzer Sebastian Friedrich von Metzsch hiess, und die Güter in Folge des dreissigjährigen Krieges fast durchgängig wüst und zerstört fand. Hans Friedrich von Metzsch erbaute nach noch vorhandenen alten Nachrichten auf dem sogenannten Groitzsch um das Jahr 1694 einen prächtigen Edelsitz, aber schon 1721 gehörte derselbe nicht mehr den Herren von Metzsch, sondern befand sich im Besitz eines Herren von Ponickau, welcher die Steine des verfallenen Herrenhauses auf dem Groitzsch zu der Aufführung der neuen herrschaftlichen Oekonomiegebäude verwendete. Der Herr von Ponickau verkaufte das Gut bereits im Jahre 1727 an eine Gräfin von Vitzthum für 72,000 Gülden, und von dieser Dame wurde das neue schöne, noch jetzt stehende Schloss erbaut. Sie legte auch von 1752 bis 1754 einen vortrefflichen Garten an, und that überhaupt viel zur Verschönerung und Verbesserung des Gutes. Die Gräfin von Vitzthum behielt Otterwisch bis zum Jahre 1779, und verkaufte es dann an den Fürsten von Schwarzburg-Sondershausen, von dem es dessen Gemahlin die Prinzessin, Friederike, Charlotte, Albertine Katharine zu Schwarzburg-Sondershausen an sich brachte, und 1812 ihrer Tochter Güntherine, Friederike Auguste Charlotte, Prinzessin von Schwarzburg-Sondershausen überliess, die es 1852 an den jetzigen Besitzer, Herrn Johann Dietrich Ludwig Bohne verkaufte.

Das Schloss, welches nicht weit von der Kirche, und nur einige Hundert Schritte vom Walde aufgebaut ist, gehört unter die schönsten und ansehnlichsten des Leipziger Kreises, und besteht aus drei Flügeln zu zwei Etagen nebst Souterrains, wovon das elf Fenster breite Corps de Logis gegen den Garten zeigt, und die kleineren Flügel einen Hof umgeben, der an den Wirthschaftshof stösst. Der Letztere wird von fünf massiven, symetrisch gestellten und höchst geschmackvoll erbauten Flügeln gebildet, von denen der eine parallel mit der Strasse läuft. Oestlich von dem wahrhaft reizenden und in höchst edlem Style gebauten Schlosse befindet sich der Garten, welcher allerdings nach dem Geschmacke seiner Entstehungszeit eine etwas altfranzösische Steifheit zeigt, dabei aber recht hübsche Rasenplätze und höchst angenehme Spaziergänge nach dem Walde und am Ufer des Göselflusses bietet, so wie mit einigen Springwässern und brav gearbeiteten Statuen geschmückt ist. Am südöstlichen Rande des Gartens befindet sich ein Pavillon, von dem man hübsche Aussichten nach der Richtung von Stockheim und Hainichen geniesst. Die Schäferei steht am nördlichen Ende des Dorfes auf einem Hügel über dem oberen Teiche, und fällt durch ihre eigenthümliche Bauart nicht wenig ins Auge. Man hatte nämlich ursprünglich den Plan, auf dieser Stätte das Schloss und die Oekonomiegebäude zu erbauen; als aber von ersterem bereits zwei Flügel aufgebaut waren, fasste man einen anderen Entschluss, und die bereits stehenden Theile des neuen Schlosses verwandelten sich in einen Schafstall mit zwei kleinen angelehnten Flügeln, welche Scheunen und Vorratskammern enthalten. So hat Otterwisch wohl im ganzen Königreiche Sachsen die einzige mit Arkaden und trefflicher Stuckaturarbeit geschmückte Schäferei.

Das Rittergut Otterwisch hat eine sehr umfangreiche, namentlich nach Pomsen hin weit ausgedehnte Flur und beträchtliche Fischerei; auch zeichnet sich der sogenannte untere Mühlteich aus, welcher über tausend Schritte im Umfang hält. Im Jahre 1555 traf der Rittergutsbesitzer von Otterwisch mit dem Stadtrathe zu Grimma ein Uebereinkommen, dass das Wirthshaus in Otterwisch zwar malzen und brauen, jedoch nur mit denen zu Grimma anfangen und aufhören, und deshalb jedesmal von Grimma ein Bierzeichen einholen sollte. Dabei durfte das Wirthshaus das Bier nicht in grossen Quantitäten verkaufen oder verführen, sondern nur im Schankzimmer abgeben; fremde Biere sollte es dagegen nur von Johannis bis zu Mariä Geburt einlegen. Ebenso durfte auch die Stadt Grimma damals dem Rittergutsbesitzer von Otterwisch die Zumuthung stellen, ausser einem Schmiede, einem Leinweber, zwei Schneidern und einem Zimmermanne im Orte keine weiteren Handwerker zu dulden.

Die Kirche zu Otterwisch, ein schönes Gebäude mit einem stattlichen 57 Ellen hohen Thurme, steht mitten auf dem Gottesacker und wurde zu [32] gleicher Zeit mit dem neuen Schlosse erbaut. Früher besass Otterwisch blos eine Kapelle, an der im Jahre 1523 ein päpstlicher Pleban, Oswald von Bamberg, fungirte, welcher sich durch seinen Eifer gegen die Reformation bekannt machte, und zwei vom Bischof von Merseburg wegen ihrer Hinneigung zum Lutherthum citirte Geistliche an den entrüsteten Oberhirten auslieferte. Die Kirche steht ungefähr 520 Pariser Fuss über dem Meere, und ihr Filial Stockheim ist eine halbe Stunde südwestlich von Otterwisch entlegen. Die Parochie steht unter Grimmaischer Inspection; die Kirche und Schule zu Otterwisch unter Collatur des Rittergutsbesitzers, die Schule zu Stockheim aber unter dem Rittergute Pomsen. Unter den in Otterwisch angestellten Pfarrherren machte sich in den Jahren 1664 bis 1685 Magister Salomo Liskovius als Dichter und Schriftsteller rühmlichst bekannt. Als gekrönter kaiserlicher Poet schrieb er eine grosse Anzahl Lieder und Abhandlungen und ist auch der Verfasser des bekannten Kirchenliedes „Schatz über alle Schätze.“ Als in der Kirche zu Stockheim wegen des daselbst fehlenden Priesterrocks der Pfarrer vergeblich bemüht gewesen war, zu seiner Bequemlichkeit einen solchen von der Gemeinde zu erlangen, schrieb er 1679 ein ebenso launiges als treffliches Gedicht an den Kirchenpatron, und bat darin um ein heiliges Kleid für den armen Stockheimer Pfarrherrn. Die Bitte wurde erhört und seit jener Zeit muss die Kirche zu Stockheim für einen Priesterrock sorgen. – Die Parochie besteht aus etwa 700 Seelen.

Otto Moser, Redact.     




Benndorf.


An dem Flüsschen Wyhra, welches in der Nähe von Waldenburg beim Dorfe Oberwyhra entspringt und eine halbe Stunde unterhalb der Stadt Borna in die Pleisse mündet, liegt das Rittergut Benndorf mit einem stattlichen Schlosse und neuen, durchaus massiven Wirthschaftsgebäuden. Das dazu gehörige Dorf besteht aus acht Pferdnergütern, vierundzwanzig Hintersässer- und fünfunddreissig Häuslerwohnungen, zusammen siebenundsechszig Brandstellen, mit etwa vierhundert Einwohnern, welche sich theils von Feldarbeit, theils von Tagelohn auf dem Rittergute und in den nahen Braunkohlenlagern nähren, an welchen letzteren die Benndorfer Flur ungemein reichhaltig ist. Im Jahre 1632 herrschte in Benndorf eine furchtbare Pest, welche in kurzer Zeit nicht weniger als 137 Personen, worunter sich auch der Pfarrherr befand, wegraffte, und in manchen Häusern sämmtliche Bewohner in das Grab stürzte. Die Benndorfer Fluren sind ausserordentlich fruchtbar, und grenzen mit den Dörfern Wyhra, Bufendorf, Röthgen und Threna. Der Ort gehört in den Amtsbezirk Borna.

In den ältesten Zeiten scheint Benndorf Eigenthum einer adeligen Familie von Benndorf gewesen zu sein, von der Hugo von Benndorf in einer 1216 ausgestellten Urkunde als Zeuge genannt wird. Später besassen das Gut die Herren von Kreutzer, (denen auch Frohburg und Nenkersdorf gehörten) welche sich namentlich um die Kirche und ihre Diener viele Verdienste erwarben. Im Jahre 1581 schenkte Gregorius von Kreutzer dem Pfarrherrn Spurenberg zu Benndorf drei Acker Feld; doch waren zu Anfang des siebzehnten Jahrhunderts schon die Herren von Ende Besitzer von Benndorf, von denen Wolf Rudolf von Ende ein tüchtiger Landwirth gewesen sein soll. Der Kanzler von Pöllnitz scheint Benndorf um das Jahr 1688 erkauft zu haben, und in dessen Familie blieb das Gut bis zum Jahre 1811, wo es der Forstschreiber Klinkhard erwarb, der es jedoch schon 1818 dem Geheimenrath, Professor und Ritter Dr. Eichstädt in Jena überliess. Später kam das Gut durch Erbschaft in den Besitz eines Herrn von Einsiedel, und durch dessen Frau Wittwe wurde es Eigenthum des königl. Sächsischen Rittmeisters Herrn Hilmar Brand von Lindau, welchem es noch gehört. – Das Schloss, im vorigen Jahrhundert vom Kreishauptmann von Pöllnitz erbaut, ist eine Zierde des Ortes; für den Park und Garten aber ordnete der Geheimerath Eichstädt manche Verschönerung an, und würde deren noch manche geschaffen haben, wenn er seinen bleibenden Wohnsitz auf dem Gute gehabt hätte.

Die Kirche zu Benndorf ist ein zwar kleines, aber für die schwache Zahl der Gemeindeglieder hinreichend geräumiges Gebäude, mit einem hübschen Thurme, auf dem sich drei Glocken mit vortrefflichem Geläute befinden. Das Innere des Gotteshauses ist freundlich und einfach; Kanzel und Altar sind mit starkvergoldetem Schnitzwerk und Malereien verziert. Auf dem Friedhofe, welcher die Kirche umgiebt, begräbt man nur noch einzelne Personen, namentlich die Familienglieder der Pfarrer und Schullehrer; der eigentliche Gottesacker befindet sich oberhalb des Dorfes, am Eingange desselben, in der Nähe der Chaussee. Die Schule ist bei hohem Wasserstande nicht selten den Ueberfluthungen der kleinen tückischen Wyhra ausgesetzt, die nach starken Regengüssen sich in einen wilden Strom verwandelt, ihre Ufer überspühlt und die bedeutendsten Verheerungen auf Aeckern und Wiesen anrichtet. Die Zahl der Schulkinder beträgt in der Regel gegen achtzig Köpfe.

Durch die Frömmigkeit der Rittergutsbesitzer Benndorfs besitzt die Kirche ein nicht unbeträchtliches Vermögen, und wie im sechszehnten Jahrhundert die Herren von Kreutzer der Kirche und Schule manches Opfer brachten, z. B. auf eigene Kosten eine neue Pfarrwohnung erbauten, so hat auch die Familie von Pöllnitz dem Gotteshause manches werthvolle Andenken frommen Sinnes hinterlassen. Die silbernen, vergoldeten Kirchengefässe sind Geschenke der Herren von Pöllnitz und die Gemahlin des Kanzlers von Pöllnitz gab der Kirche im Jahre 1707 ein Capital von 50 Thalern, dem ein Herr von Ponikau 1740 noch 20 Thaler hinzufügte, von welcher Summe die Zinsen ein Jahr die Kirche empfängt, während dieselben im zweiten Jahre den Ortsarmen verabreicht werden. Die Frau Domdechantin und Hofmarschallin von Pöllnitz legirte 1775 der Kirche ein Capital von 300 Thalern mit der Bedingniss, dass die Zinsen davon an arme Wittwen zu Benndorf gezahlt werden sollten. Der Pfarrer ist verpflichtet am Charfreitage eine Gedächtnisspredigt zu halten, wofür er zwei Thaler empfängt, der Schullehrer erhält für das Singen einen Thaler. – Die Collatur über Kirche und Schule steht dem Besitzer des Rittergutes zu, und die Inspection dem Superintendenten zu Borna.

Otto Moser, Redact.     




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Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: nneren
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