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Artikel „Schmidt, Johann Andreas“ von Paul Zimmermann in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 31 (1890), S. 734–736, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Schmid,_Johann_Andreas&oldid=- (Version vom 15. Dezember 2019, 03:15 Uhr UTC)
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Band 31 (1890), S. 734–736 (Quelle).
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Schmidt: Johann Andreas S. wurde am 28. August 1652 zu Worms geboren, wo sein Vater M. Georg S. Pastor und zuletzt Senior des Ministeriums und Scholarch war. Er verlor ihn wie auch seine Mutter im J. 1666 innerhalb von vier Wochen. Der Großvater mütterlicherseits, Goldschmied Joh. Petrus, ließ daher den Knaben, der bis dahin die Stadtschule zu Worms besucht hatte, mit seinem jüngeren Bruder 1667 zu sich nach Augsburg kommen, wo er unter die Zöglinge des dortigen Collegiums Aufnahme fand. Er blieb hier sechs Jahre und erwarb sich besonders auch in der Mathematik tüchtige Kenntnisse. Mit städtischen Stipendien versehen, begab er sich zunächst nach Altorf, wo er sich als Student eintragen ließ, aber nur ganz kurze Zeit verweilte. Am 18. Mai 1673 bezog er die Universität Jena, wo er sich hauptsächlich der Theologie widmete. Im August 1676 erwarb er sich mit einer Dissertation „De sanctimonia vinculorum reipublicae“ die Magisterwürde. Im folgenden Jahre disputirte er zum ersten Male und reiste dann nach Hamburg, wo man ihm sehr vortheilhafte Anerbietungen machte. Doch kehrte er nach Jena zurück. Leider verhinderte hier ein böser Fall, der ihm eine bleibende Verkrüppelung des rechten Armes zuzog, längere Zeit seine Aufnahme als Adjunct in die philosophische Facultät, die nun erst im J. 1679 erfolgte. Der von Seiten der Universität 1680 gemachte Versuch, ihm eine außerordentliche Professur der Mathematik zu verschaffen, zerschlug sich; doch wurde er im October 1683 ordentlicher Professor der Logik und Metaphysik. Der akademische Beruf war ihm so lieb, daß er mehrfache Berufungen, wie die als Ephorus des Collegiums (1686) oder als Pastor zu St. Jacobi (1690) nach Augsburg zu kommen, ablehnte. Nach Joh. Wilh. Baier’s Fortgang erhielt er 1694 eine theologische Professur. Etwa um dieselbe Zeit erhielt er Anerbietungen von Halle, wo ihm ein theologischer und philosophischer Lehrstuhl, und von Helmstedt, wo ihm der der Kirchengeschichte angeboten wurde. Da er in Jena so viel Neid und Verfolgungen [735] zu bestehen hatte, daß er von da fort wollte, „wenn er auch gleich auf allen Vieren hinauskriechen sollte“, ihn aber vor allem das Fach der Kirchengeschichte ansprach, so entschied er sich für Helmstedt. Seine Berufung wurde hauptsächlich von hannoverscher Seite betrieben, wo er an Leibniz einen einflußreichen Fürsprecher besaß. Diesem war besonders daran gelegen, daß ein Mann komme, der der „theologiae moderatae nicht zuwieder“ sei und die durch Calixt begründeten großen Ueberlieferungen Helmstedts, die „wegen ihrer gründtlichen und glimpflichen doctrin und Lehrart auch ob reverentiam genuinae antiquitatis durch ganz Europam“ in höchstem Ansehen ständen, fortführe und jene Männer nicht „sub nomine syncretistarum verketzere“. Nachdem S. noch in Jena im December 1694 den gradum licentiati theologiae und im September des folgenden Jahres die theologische Doctorwürde errungen hatte, siedelte er sogleich darauf nach Helmstedt über, wo er am 13. November 1695 sein Amt antrat. Neben seinem Hauptfache, der Kirchengeschichte, erhielt er auch die Erlaubniß, Vorlesungen über Mathematik zu halten. Doch mußte er schon in der nächsten Zeit auch den Kreis seiner theologischen Vorträge erweitern, weil er nach dem Tode Heinrich Wiedeburg’s († am 14. März 1696), da Friedrich Ulrich Calixt bereits emeritirt war, eine Weile als einziger theologischer Professor in Helmstedt las. Sehr in Anspruch nahm ihn seine ausgedehnte wissenschaftliche Thätigkeit, die ihn zwei Mal (1707 u. 1715) veranlaßte, sich von allen Consistorialsitzungen und sonstigen akademischen Aemtern auf ein paar Jahre entbinden zu lassen. Im J. 1700 plante er eine Neuausgabe der Magdeburger Centurien, die aber nicht zu Stande kam. Auch seine Absicht, eine allgemeine Kirchengeschichte der braunschweigischen Lande herauszugeben, für die ihm 1712 der Zutritt zu allen Archiven ihrer Klöster, Stifter und Städte ertheilt wurde, brachte er nicht zur Ausführung. Doch hat er einzelne Theile derselben nicht nur selbst bearbeitet, sondern auch seinen Schülern wie Rehtmeyer, Harenberg, Heineccius u. A. zu zahlreichen Arbeiten auf diesem Gebiete Anregung gegeben. Ueberhaupt standen die geschichtlichen Forschungen im Mittelpunkte seiner Interessen; die praktisch kirchlichen Fragen berührten ihn weniger, obwohl er recht gut fühlte, was der Kirche der Zeit fehlte. Den Katholiken gegenüber verfolgte er eine milde versöhnliche Richtung, die einer Vereinigung mit ihnen nicht abgeneigt war. So hat er denn auch dem Uebertritt der Prinzessin Elisabeth Christine, der Gemahlin des späteren Kaisers Karl VI., zur katholischen Kirche mit der Mehrzahl seiner Collegen das Wort geredet. Im J. 1699 erhielt er die Würde eines Abts von Marienthal. Schon von jeher schwächlich wurde er im J. 1720 durch einen Schlagfluß auf der linken Seite gelähmt, doch starb er erst nach langem Krankenlager am 12. Juni 1726. Die Vielseitigkeit seiner wissenschaftlichen Thätigkeit kommt in seinen zahlreichen Schriften zum Ausdrucke, die schon vor seinem Uebergange nach Helmstedt die Zahl von Hundert überstiegen. Von dem, was er bis 1712 herausgegeben hat, verfaßte er selbst einen Katalog; über die späteren Werke vgl. das unten erwähnte Programma Bl. e’. Der große Kirchenhistoriker Mosheim, der ihn sehr hoch schätzte und ihm am 28. Juni eine lateinische Gedächtnißrede hielt, pries ihn als theologum, philosophum, mathematicum, historicum, oratorem, physicum, philologum und iuris sacri peritum. S. hat sich zwei Mal verheirathet: am 25. November 1686 mit Dorothea Cöler, der Tochter des Generalsuperintendenten Theoph. Cöler in Jena, die im Januar 1689 gestorben ist, und am 29. Juli 1691 mit Sibylle Götze, deren Vater Georg Götze ebenfalls Generalsuperintendent in Jena war. Außer der Letzteren überlebten ihn drei Töchter, von denen eine, Luise, bald darauf (31. October 1726) mit dem Helmstedter Professor Polycarp Leyser eine zweite Ehe einging, und zwei Söhne. Von diesen wurde sein gleichnamiger [736] Sohn Joh. Andreas S., geboren am 19. November 1697, in der medicinischen Facultät zu Helmstedt 1720 außerordentlicher, 1727 ordentlicher Professor und starb am 18. October 1728.

Vgl. die Personalien hinter der Leichenrede von Fr. Weisen. Helmstedt 1726, Fol. – Programma in exequias J. A. Schmidii … in academia Julia. Fol. – Beste, Geschichte der Braunschw. Landeskirche. – Herzogl. Landeshauptarchiv in Wolfenbüttel.