ADB:Knorr, Georg Wolfgang

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Artikel „Knorr, Georg Wolfgang“ von Wilhelm von Gümbel in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 16 (1882), S. 326–327, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Knorr,_Georg_Wolfgang&oldid=- (Version vom 31. Oktober 2020, 20:39 Uhr UTC)
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Knorr: Georg Wolfgang K., Kunsthändler und berühmter Kupferstecher namentlich für Darstellungen naturhistorischer Gegenstände, der sich um die Förderung der Naturwissenschaft seiner Zeit wohlverdient gemacht hat. Als Sohn eines Drechslers am 30. Decbr. 1705 in Nürnberg geboren, widmete sich K. gleichfalls der Drechslerei und übte dieses Handwerk bis zu seinem 18. Jahre aus. Angeregt durch Lectüre und Studien begann er von da an bei Leonh. Blanc in Nürnberg sich im Kupferstechen zu üben und half Tyroll[WS 1] bei der Herausgabe von Scheuchzer´s Physica sacra, wodurch er mit Vorliebe zur Naturwissenschaft hingeführt wurde. Durch den Umgang mit Beurer und durch Benützung von dessen in naturwissenschaftlichem Fache reicher Bibliothek verschaffte K. sich zugleich gründliche Kenntnisse in dieser Wissenschaft. Zuerst veröffentlichte K. die von Dietsch gezeichneten Prospecte von Nürnberg, wie solche von der Stadt aus gegen alle umliegenden Dörfer, Gegenden und Landschaften anzusehen, 1737; dann 1738 „Historische Künstler-Belustigung oder etliche Gespräche im Reiche der Todten zwischen Alb. Dürer und Raphael de Urbino“ (nur 1 Heft), sodann das sehr geschätzte Werk: „Allgemeine Künstler-Historie oder berühmter Künstler Leben, Werke und Verrichtungen mit vielen Nachrichten von raren, alten und neuen Kupferstichen, mit einem Aufsatze: Alb. Düreri Opera omnia nach der Silberradischen Sammlung“, 1759. Mit seinem „Thesaurus rei herbariae hortensisque universalis“ sammt 301 farbigen Kupfertafeln begann K. die Reihe seiner naturwissenschaftlichen Darstellungen. Von 1750 an war er bis zu seinem Tode mit der Herausgabe dieses Prachtwerkes beschäftigt. Die Beschreibung der abgebildeten Pflanzen besorgte erst der berühmte Botaniker Phil. Friedr. Gmelin in Tübingen, nach dessen Tode 1768 G. Rud. Böhmer in Wittenberg. Es [327] folgte 1753 „Monumentorum et aliarum quae in sepulcra veterum pertinent rerum imagines in aere incisae atque collectae“ mit Hülfe von Joh. Wilh. Stör ausgeführt; weiter 1754–78 „Deliciae naturae selectae oder Auserlesenes Naturaliencabinet, welches aus den drei Reichen der Natur zeigt, was von curiösen Liebhabern aufgehalten und gesammelt zu werden verdient (fortgesetzt von seinen Erben), beschrieben von Statius Müller in Erlangen, später überarbeitet von Joh. E. Imm. Walch“. Dieses Werk wurde auch in französischer und holländischer Sprache herausgegeben. Am berühmtesten ist das Werk: „Sammlung von Merkwürdigkeiten der Natur und Alterthümer des Erdbodens, welche petrificirte Körper enthält, aufgewiesen und beschrieben von K. mit 300 gemalten Kupfertafeln“. Die hierin von K. selbst gelieferte Beschreibung der ganz unsystematisch aufgeführten Gegenstände war kurz und nicht wissenschaftlich. Diesem Mangel suchte Prof. Walch durch einen streng wissenschaftlichen und erläuternden Text, welcher unter dem Titel: „Die Naturgeschichte der Versteinerungen zur Erläuterung der Knorr’schen Sammlung von Merkwürdigkeiten in der Natur, mit einer Classifikationstabelle und Register von Joh. Sam. Schröter“ erschien, abzuhelfen. Es wurde auch in holländischer Sprache 1772 publicirt. Dieses bedeutende und epochemachende Werk galt lange Zeit hindurch als die Grundlage für das Studium der Versteinerungen und trug viel zur Verbreitung der Kenntnisse von diesen Naturkörpern bei; es enthält eine Menge auch jetzt noch beachtenswerther Beobachtungen und bleibt eine Fundgrube für die ältere Litteratur, deren Aufzählung an Vollständigkeit von einem anderen Werke kaum übertroffen wird. Eine ähnliche Publication: „Vergnügen der Augen und des Gemüthes in Vorstellungen einer allgemeinen Sammlung von Muscheln und anderen Geschöpfen, welche im Meere gefunden werden“, wurde in 6 Theilen 1757–73 mit 190 illuminirten Kupfertafeln und einem erläuternden Texte von Prof. Müller in Erlangen bewerkstelligt. K. war zwar kein Künstler erster Größe, wie Dürer und später Hollar, zeichnete sich aber durch seine Hingebung und die Natürlichkeit seiner Darstellungen in hohem Grade aus. Er starb am 17. Septbr. 1761 zu Nürnberg, hochgeehrt und tiefbedauert.

Poggendorff, Biogr., I. 1284. Meusel, Lex., VII. 142. Will, Nürnberger Gel.-Lex. Nagler, Künstler-Lex.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. gemeint ist wohl Martin Tyroff