ADB:Helm, Lambert Ludolf

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Artikel „Helm, Lambert Ludolf“ von Jakob Franck in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 11 (1880), S. 700, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Helm,_Lambert_Ludolf&oldid=- (Version vom 19. September 2020, 23:44 Uhr UTC)
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Helm: Lambert Ludolf H. (Pithopaeus), Humanist und lateinischer Dichter in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Geboren den 21. März 1535 zu Deventer in den Niederlanden als der Sohn eines lateinischen Schulmeisters und der Enkel eines Faßbinders oder Böttchers, gräcisirte er später nach des letzteren Handwerk, der allgemeinen Sitte der Gelehrten seiner Zeit folgend, seinen Familiennamen H. in Pithopaeus. Er studirte zuerst in Rostock, dann, um die Vorlesungen Melanchthon’s zu hören, zu Wittenberg philologische Wissenschaften, woselbst er auch (16. Febr. 1559) den philosophischen Magistergrad sich erwarb, kehrte hierauf in seine Vaterstadt zurück und errichtete daselbst eine Schule, die sich schon in wenigen Jahren einen großen Ruf erwarb. Im Jahre 1563 nahm er auf Empfehlung der Heidelberger Professoren Casp. Olevianus, Imm. Tremellius, Sigismund Melanchthon und Wilh. Xylander die Vokation eines Directors des dortigen Gymnasiums an und lehrte als solcher Dialektik, Rhetorik und griechische Sprache, wurde aber bald Professor der Poesie und Eloquenz an der Universität selbst, sowie Lehrer an dem sogen. Collegium der Sapienz. Als Kurfürst Ludwig VI. Land und Leute einer Glaubensänderung im lutherischen Sinne unterwerfen wollte und deshalb sein Bruder, der geistvolle Johann Casimir von Zweibrücken[WS 1], am 29. März 1578 zu Neustadt a. d. Hardt (in der baier. Pfalz) eine Universität reformirten Bekenntnisses gegründet hatte (vgl. Häusser, Gesch. der rhein. Pfalz, II. 136), fand mit anderen durch die lutherische Reaction aus Heidelberg verdrängten großen Theologen und Philologen, darunter Zanchius, Tossanus, Ursinus, Pareus, auch H. hier ein Asyl, ließ auch daselbst („Neapoli Nemetum“ bei Matth. Harnisch) einen Theil seiner Schriften im Druck erscheinen. Nachdem aber Heidelberg dem reformirten Bekenntnisse wieder zurückgegeben und die Neustadter Hochschule durch die Rückkehr ihrer bedeutendsten Lehrer nach der ersteren, sowie durch die hierdurch bewirkte geringe Frequenz 1583 aufgelöst worden war, wandte sich auch H. wieder nach Heidelberg und trat in seine frühere Stellung als Professor der classischen Sprachen wieder ein. Als solcher starb er zu Heidelberg am 20. Januar 1596, 61 Jahre alt. Helm’s Namen als Philolog und Dichter war zu seiner Zeit ein sehr geehrter und gefeierter, doch sind seine sämmtlichen zahlreichen Schriften nur lateinisch abgefaßt. Unter diesen fanden die beifälligste Aufnahme sein „Tobias, carm. eleg. redd.“ (Heidelb. 1565), „Musae Palatinae“ (N. Nem. 1580), ein Gedicht „De Nihilo und Parvo“ (auch abgedruckt in Dornarii Amphitheatr. I. 773–74), sowie seine Paraphrasen zu des Horaz „ars poetica“ (Heidelb. 1581) und seine „Odae“ (N. Nem. 1587). Auch ist er Herausgeber der Commentarien des Zacharias Ursinus (Neostadii 1585).

Revii Daventria, p. 537–43. Pacquot, Mémoires, III, 314–323. Catal. Bibl. Bunav. I. l. p. 1516. Clessius, Elenchus, I. 373. J. H. Andreä, Dissert. de Neostadio ad Hartam, p. 21. Adami Vitae Philosoph. (Fol.) p. 190–92.


Anmerkungen (Wikisource)

  1. gemein ist: Pfalz-Simmern