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Artikel „Hedwig, Johann“ von Heinrich Wilhelm Reichardt in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 11 (1880), S. 230–231, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Hedwig,_Johann&oldid=- (Version vom 12. November 2019, 03:37 Uhr UTC)
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Band 11 (1880), S. 230–231 (Quelle).
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Hedwig: Johann H., Botaniker und Arzt, geboren den 8. October (December?) 1730 zu Kronstadt in Siebenbürgen, † den 7. (18.?) Februar 1799 in Leipzig. H. absolvirte die unteren Gymnasialclassen in Kronstadt, wo sein Vater Jacob Bürger und Rathsherr war. Nach dem Tode desselben übersiedelte er nach Preßburg (1747), dann nach Zittau (1749) und bezog 1752 die Universität Leipzig, um Medicin zu studiren. 1756 wurde H. Baccalaureus, 1759 Doctor der Medicin. Er beabsichtigte sich in Kronstadt als praktischer [231] Arzt niederzulassen, konnte dies aber nicht, weil damals in Siebenbürgen gesetzlich nur in Wien promovirte Aerzte die Praxis ausüben durften. H. machte sich daher in Chemnitz als praktischer Arzt seßhaft (1762), blieb daselbst bis 1781, in welchem Jahre er nach Leipzig übersiedelte. 1786 wurde H. an der dortigen Universität Extraordinarius für Medicin und 1789 ordentlicher Professor der Botanik. Außerdem bekleidete er die Stelle eines Arztes der Leipziger Stadtcompagnie (seit 1784) und der Thomaschule (seit 1791). H. war einer der bedeutendsten Botaniker des 18. Jahrhunderts. Schon als Knabe sammelte er mit großer Ausdauer Pflanzen und cultivirte sie im väterlichen Garten. Als Student wurde er in Leipzig von den Professoren Ludwig und Bose freundlich aufgenommen und vielfach unterstützt. Später stand er namentlich mit Schreber in regem wissenschaftlichen Verkehr. Mit Vorliebe wendete er sich dem Studium der Kryptogamen, speciell jenem der Laubmoose zu; er wußte dieselben äußerst geschickt zu zergliedern; er untersuchte ihre einzelnen Theile mit einem guten Mikroskope unter starken Vergrößerungen; er lernte noch im 40. Jahre zeichnen und entwarf selbst die für die damalige Zeit vortrefflichen Tafeln zu seinen Werken. Namentlich der Aufenthalt in Chemnitz war eine Zeit der eingehendsten, erfolgreichsten bryologischen Studien. Am 14. Jänner 1770 beobachtete H. an Grimmia pulvinata die Befruchtungsorgane, veröffentlichte 1779 eine Abhandlung über diesen Gegenstand und schilderte in dem wichtigen Werke: „Fundamentum historiae naturalis muscorum frondosorum“ die Fructificationsorgane dieser Gewächse in trefflicher Weise. 1783 schrieb die k. russische Akademie zu St. Petersburg einen Preis „für die Entdeckung der Fructificationsorgane bei den Kryptogamen“ aus. H. gewann denselben mit seiner „Theoria generationis et fructificationis plantarum cryptogamicarum“ (1784). Seine Studien über Organographie und Systematik der Laubmoose faßte H. in folgenden Werken zusammen: „Descriptio et adumbratio microskopico-analytica muscorum frondosorum“ (1787–97, 4 Bde. Fol. mit 160 Tafeln), ferner: „Species muscorum frondosorum“ (1801 nach Hedwig’s Tode von Schwägrichen herausgegeben). In diesen Werken und in vielen kleineren Abhandlungen beschrieb H. die damals bekannten Laubmoose und bildete viele derselben vortrefflich ab; er schuf unter Berücksichtigung des Mundbesatzes (Peristomes) der Mooskapsel ein neues Moossystem; er zerlegte die wenigen, unnatürlich großen Laubmoosgattungen, welche Linné aufgestellt hatte, in zahlreiche natürliche, noch gegenwärtig von den Bryologen angenommene Genera. Man kann somit H. den Begründer der neueren Mooskunde nennen. Auch für die übrigen Classen der Kryptogamen sind seine Arbeiten von großer Wichtigkeit. Hedwig’s Abhandlung: „De fibrae vegetalis et animalis ortu“ (1789) beweist, daß er auch als Phytotom erfolgreich thätig war. Endlich kann nicht unerwähnt bleiben, daß H. zahlreiche Aufsätze medicinischen Inhaltes veröffentlichte. Ihm zu Ehren wurden mehrere Pflanzengattungen benannt; unter denselben hat Hedwigia Ehrhart, gegründet auf ein bei uns einheimisches Laubmoos, die Priorität. Von dem großen Einflusse Hedwig’s auf das Studium der Kryptogamen zeugt ferner, daß Rabenhorst 1852 unter dem Namen „Hedwigia“ ein Specialblatt für kryptogamische Studien gründete. H. war ein trefflicher Lehrer, der seinen Schülern mit väterlichem Wohlwollen entgegenkam; als Mensch wußte er sich durch Gediegenheit seines Charakters die allgemeinste Achtung zu erwerben.

Schwägrichen in Joh. Hedwig, Species muscorum I. 301–317. – Sprengel bei Ersch und Gruber, Encykl., 2. Sect. IV. S. 34. – Wurzbach, Biograph. Lexik. d. österr. Kaiserstaat., VIII. S. 190. – Trausch, Schriftstell. Lexik. d. siebenbürg. Deutschen, II. S. 83–92. – J. Sachs, Gesch. d. Bot., S. 273.