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Artikel „Hatzfeldt, Melchior Graf von Gleichen und“ von Carl von Landmann in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 11 (1880), S. 35–36, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Hatzfeldt,_Melchior_Graf_von&oldid=- (Version vom 17. November 2019, 04:18 Uhr UTC)
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Hätzlerin, Clara
Band 11 (1880), S. 35–36 (Quelle).
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Hatzfeldt: Melchior Graf von Gleichen und H., kaiserlicher Feldmarschall, dem noch jetzt blühenden Geschlechte der Fürsten und Grafen von H. angehörig, geboren den 10. October 1593 zu Krottorf in Hessen, erscheint mit Namen in der Geschichte des 30jährigen Krieges erst 1635 und zwar beim kaiserlichen Heere unter Gallas: ihm war nach dem Uebergange des Heeres über den Rhein die weitere Verfolgung Bernhards von Weimar nach Lothringen übertragen. Im nächsten Jahre dem von den Schweden bedrängten Heere des Kurfürsten Johann Georg von Sachsen von Köln aus mit 25 Regimentern zu Hülfe geschickt, gewann H. bei Ausführung seines Auftrages am 1. Mai den Uebergang über die Elbe bei Wittenberg, nöthigte hiedurch Baner die Umgegend von Magdeburg zu verlassen und sich in das Lager bei Werben zurückzuziehen und half dem Kurfürsten die genannte Festung einzunehmen. Johann Georg und H. folgten hierauf den Schweden, wurden jedoch von Baner, welcher inzwischen Verstärkungen an sich gezogen hatte, am 24. September bei Wittstock geschlagen und zum Rückzuge nach Meißen und Halberstadt genöthigt. Abermals drangen die Schweden nach Kursachsen und von da nach Hessen vor, gingen jedoch, als H. sich mit dem vom Rheine herangerückten General Götz vereinigt hatte, nach Sachsen zurück. Nach vergeblicher Belagerung von Leipzig schloß sich Baner drei Monate lang im verschanzten Lager bei Bautzen ein. Als jedoch im Sommer 1637 das vereinigte kaiserlich-baierische Heer unter H., Götz und Geleen gegen Baner’s Rückzugslinie operirte, gelang es Baner, sich mit genauer Noth über die Oder und schließlich bis unter die Kanonen von Stettin zurückzuziehen. Vermuthlich auf Veranlassung dieses erfolgreichen Feldzuges wurde H., der nach Beendigung desselben sich nach Wien begeben hatte, vom Kaiser mit der Aufstellung und Führung einer selbständigen Heeresabtheilung in Westfalen betraut. Im Frühjahr 1638, während der Haupttheil der kaiserlichen und baierischen Truppen im Elsaß kämpfte, operirte H. mit Erfolg gegen das kleine Heer, welches die Söhne des geächteten Kurfürsten Friedrich mit englischem Gelde bei Nimwegen in den Niederlanden zur Eroberung der Pfalz ausgerüstet hatten. Nach der Vereinigung mit den Schweden unter King, etwa 5000 Mann stark, errangen dieselben anfangs in Westfalen einige Vortheile; doch als das 8000 Mann starke Heer Hatzfeld’s herankam, wurde trotz der glänzenden Leistungen des als Reiteroberst commandirenden Pfalzgrafen Ruppert das gewonnene Terrain bald wieder verloren. Am 17. October gelang es H., das pfälzisch-schwedische Heer auf dem Rückzuge nach Minden bei Vlotho zwischen Werra und Weser einzuschließen und unter den nachtheiligsten Verhältnissen zum Gefecht zu zwingen und zu schlagen: Pfalzgraf Ruppert mit 1000 Mann und reicher Kriegsbeute fiel in des Siegers Hände. H. verblieb in Westfalen, bis er 1639, als Baner abermals von Norden vorgerückt und in Böhmen eingedrungen war, zur Verstärkung des dort stehenden kaiserlichen Heeres abberufen wurde. Nachdem er im Mai den Obermain überschritten hatte, stieß er, noch 10,000 Mann stark, bei Prag zu Gallas. Eifersucht zwischen beiden Heerführern hinderte indeß größere Erfolge; der erforderliche Schutz Sachsens gab H. Gelegenheit, sich wieder von Gallas zu trennen. Als Sachsen seiner nicht mehr bedurfte, rückte er nach Franken, um hier dem Unwesen des Parteigängers Königsmark ein Ende zu machen, mußte sich jedoch bald wieder zur Unterstützung Piccolomini’s nach Böhmen zurückbegeben. Im Januar 1640 fand bei Tabor die Vereinigung statt: Baner wurde aus Böhmen vertrieben und die kaiserliche Armee rückte nach Thüringen vor. Vom September an übernahm H. wieder seine frühere Befehlsführung in Westfalen, blieb auch 1641 und anfangs 1642 in den Rheingegenden, mußte jedoch nach der unglücklichen Schlacht bei Leipzig neuerdings nach Böhmen abrücken. Zum dritten Male Anfang 1643 an den Rhein beordert, [36] wurde er hier durch die Hessen sehr in Anspruch genommen, bis er zur Unterstützung der Baiern gegen das französisch-schwedische Heer nach Südwestdeutschland abzumarschiren hatte. Noch rechtzeitig herangekommen nahm H. mit seinen Reitern hervorragenden Antheil am Ueberfall bei Tuttlingen. Nach dem Rückzuge der Franzosen eilte er wieder nach Norden, um dem Vordringen der Hessen Halt zu gebieten. Als 1644 Gallas abermals geschlagen worden war, wurde H. mit der Aufstellung eines neuen Heeres in Böhmen betraut. Er selbst brachte 5000 Mann mit, zu diesen sollte Götz aus Ungarn und Johann von Werth mit 3000 Baiern stoßen. Doch das nicht einheitlich geführte Heer unterlag, wol am wenigsten durch Hatzfeld’s Schuld, am 6. März bei Jankau den Schweden unter Torstenson, und H. selbst gerieth in Gefangenschaft. Nach seiner Auswechslung stand H. noch kurze Zeit beim Heere unter Leopold Wilhelm in Hessen, bis er 1646 seinen Abschied nahm, um die folgenden Jahre theils in Engers, theils auf seinen Gütern in Schlesien zu verbringen. – Der Krieg 1657 in Polen sollte indeß H. noch einmal Gelegenheit geben, dem Kaiser mit seinen Erfahrungen zu dienen. Als Generalfeldmarschall führte er 16000 Mann kaiserlicher Truppen dem König von Polen gegen Karl Gustav von Schweden zu Hülfe. Im Juli vor Krakau angelangt, begann H. sofort die Belagerung dieses Platzes. Am 30. August wurde Krakau von dem schwedischen Commandanten übergeben und H. rückte sodann gegen Thorn vor. Schwer erkrankt mußte er jedoch den Oberbefehl an Montecuccoli übergeben und nach Schlesien zurückkehren. Bald darauf, am 9. Januar 1658, machte der Tod seinem thatenreichen Leben ein Ende. Wenn auch nicht mit glänzenden Feldherrneigenschaften begabt, wenn auch sein Name mit den Unglückstagen von Wittstock und Jankau verbunden ist, so hat H. als Truppen- und Heerführer immerhin Vortreffliches geleistet. Als Bruder eines der mächtigsten Reichsfürsten, des Fürstbischofs von Würzburg, und als Erbe des mit Wallenstein gefallenen Schaffgotsche standen ihm auch genügend Mittel zu Gebote, um nicht in jene Laster zu verfallen, welche die Erinnerung an so manchen anderen Heerführer damaliger Zeit beflecken.

Ersch und Gruber, Encyklopädie, Leipzig 1828. Barthold, Gesch. d. gr. deutschen Krieges, Stuttgart 1843. Schels, Kriegsgeschichte der Oesterreicher, II, Wien 1844.