ADB:Hamann, Johann Georg (Schriftsteller)

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Artikel „Hamann, Johann Georg“ von Carl Bertheau in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 10 (1879), S. 455–456, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Hamann,_Johann_Georg_(Schriftsteller)&oldid=- (Version vom 24. Juni 2021, 12:17 Uhr UTC)
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Hamann: Johann Georg H. oder Haamann, Vatersbruder des gleichnamigen Magus des Nordens (s. u.) und selbst ein seiner Zeit bekannter Schriftsteller, wurde zwischen dem 10. Juli und 25. November 1697 zu Wendisch-Ossig in der Oberlausitz geboren, wo sein Vater, dessen älterer Bruder und deren Vater Pastoren waren. Der letzte, der Großvater des unsrigen, hieß David Haamann und war vom J. 1635 an bis zu seinem am 28. December 1663 erfolgten Tode Pastor zu Wendisch-Ossig. Ihm folgten seine beiden Söhne im Amte; zuerst 1664 der ältere, Johann George, der ihm schon vorher adjungirt gewesen war; wie lange dieser, der auch Hanns George genannt wird, im Amte war, läßt sich nicht sicher sagen; es fragt sich, ob sein jüngerer Bruder sein unmittelbarer Nachfolger oder ob zwischen beiden ein anderer Pastor zu Wendisch-Ossig war. Dieser Bruder (der Vater des unsrigen), Johann Christoph H., auch Hanns Christoph genannt, wurde im J. 1695 Pastor in Wendisch-Ossig; er war am 14. Juni 1638 geboren (oder getauft) und heirathete am 17. Juli 1696 Margaretha Sophia, die einzige Tochter des damals schon verstorbenen Pastor prim. und Inspector der Schulen zu Lauban, Johann Muscovius (vgl. Jöcher III. Sp. 773). Aus dieser Ehe stammten zwei Söhne; außer dem unsrigen der am 23. Dec. 1698 geborene (oder getaufte, aber nicht 1697, wie Gildemeister in Johann Georg Hamann’s, des Magus im Norden, Leben und Schriften Bd. I. S. 1 sagt), Johann Christoph, im Taufregister Hans Christoph genannt, der bekannte Königsberger „altstädtische Bader“ und Vater des Magus. Unser Johann Georg H., der schon am 26. Nov. 1699 seinen Vater verlor, studirte in Leipzig Jurisprudenz und war dort Mitglied der deutschen Gesellschaft. Hernach und zwar jedenfalls vor dem J. 1728 wandte er sich nach Hamburg, wo er bis zu seinem am 14. Juli 1733 erfolgten Tode lebte. Hier war er eine Zeit lang Lehrer der Söhne des dänischen Ministers bei dem niedersächsischen Kreise Hans Stats von Hagedorn. Vor allem aber war er Schriftsteller. Schon im J. 1721 gab er zu Leipzig den zweiten Theil der „Asiatischen Banise“ heraus, eines Romanes, dessen ersten Theil Anselm von Ziegler und Kliphausen im J. 1688 veröffentlicht hatte (vgl. Koberstein, Geschichte der deutschen Nationallitteratur, 5. Aufl., Bd. II, S. 185). Zu Gottsched’s vernünftigen Tadlerinnen lieferte er Beiträge. In Hamburg gab er mehrere Wochenschriften heraus, die jedoch meistens nur kurze Zeit erschienen; in den Jahren 1731 und 1732 war er Redacteur des Hamburgischen Correspondenten. Nach einer Nachricht, die sich in Otto’s Lexikon der oberlausitzischen Schriftsteller findet, ist er der Verfasser der geistlichen Lieder, die in Abraham Wiegner’s nöthiger Freytagsarbeit, Leipzig 1724. 4°. abgedruckt sind; unter diesen hat das Lied: „Ich ruf zu dir, Herr Jesu Christ, du Brunnquell aller Triebe, der du die Liebe selber bist“ (nicht zu verwechseln mit dem Liede von Speratus: „Ich ruf zu dir, Herr Jesu Christ, ich bitt’, erhör mein Klagen“), oder wie es in einer späteren Bearbeitung heißt: „Ich ruf dich an, Herr Jesu Christ, du Brunnquell reiner Triebe, der du“ etc., durch seine Aufnahme in das Hirschberger Gesangbuch und in das Rambach’sche Hausgesangbuch weitere Verbreitung gefunden. Inwieweit, falls diese Otto’sche Angabe begründet ist, auch die übrigen sieben Lieder, die Rambach in seinem Hausgesangbuch Wiegner zuschreibt, von H. sein mögen und vielleicht nur von Wiegner überarbeitet sind, ist noch nicht genügend untersucht. Schröder sagt im Lexikon der Hamburgischen Schriftsteller von H., [456] „er war ein kenntnißreicher und belesener Mann, besaß eine gute Erfindungs- und eine treffende Beurtheilungskraft, die ihn zuweilen zu großer Schärfe und Bitterkeit führte, war aber wegen seines muntern Wesens und seiner geselligen Talente im Umgange sehr beliebt und auch bei hochstehenden Personen, z. B. dem Senator Brokes, gern gesehen.“ Er starb nach nur zweitägiger sehr schmerzvoller Krankheit, erst 36 Jahre alt.

Adelung II, Sp. 1762. Gottl. Friedr. Otto, Lexikon der Oberlausitzischen Schriftsteller. 2. Bd. 1. Abschn. Görlitz 1802, S. 18. Lexikon der hamburg. Schriftsteller III, S. 78–81; hier auch ein Verzeichniß seiner Schriften, das ziemlich vollständig sein wird. Auch Jacob Rambach, Anthologie, 5. Bd., Alt. und Lpz. 1832, in den Zusätzen S. XII. Außerdem lagen dem Unterzeichneten Auszüge aus dem Kirchenbuche zu Wendisch-Ossig vor, die er der Freundlichkeit des Pastor Aug. Jul. Fritsche daselbst verdankt.