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Artikel „Grimoald oder Crimwalt, Baiernherzog“ von Sigmund Ritter von Riezler in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 9 (1879), S. 700–701, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Grimoald_(Herzog_von_Bayern)&oldid=- (Version vom 5. Dezember 2019, 22:28 Uhr UTC)
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Band 9 (1879), S. 700–701 (Quelle).
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Grimoald oder Crimwalt, Baiernherzog (c. 715–728) aus dem Hause der Agilolfinger. Schon bei Lebzeiten des Vaters, Herzog Theodo’s, führte er die Regierung über einen Theil des Landes und gleich diesem empfing er gütig den Glaubensboten Corbinian, als dieser durch das neubekehrte Baiern nach Rom reiste, suchte ihn jedoch damals vergeblich zum Bleiben zu bestimmen. Auf der Rückreise ließ er ihn in Meran festhalten und vermochte ihn zur Uebersiedlung nach Freising. Dort übte der Bischof auf den Herzog einen gewaltigen Einfluß, wozu seine Verbindung mit dem fränkischen Hausmeier beigetragen haben mag. Bischof Arbeo erzählt eine Scene von der herzoglichen Tafel. Da G. seinem Lieblingshunde von dem Brode vorwirft, das Corbinian eben mit dem Zeichen des Kreuzes gesegnet, springt der Bischof auf, mit einem Fußtritt den Tisch umwerfend, daß die silbernen Becher auf dem Estrich rollen, und indem er dem Herzog zudonnert, er wolle nichts mehr mit ihm gemein haben, da er sich des Segens auf solche Weise unwürdig gemacht, verläßt er den Saal. Und der Herzog, durch ein so ungastliches Benehmen nicht gereizt, vielmehr beängstigt, eilt dem Flüchtling nach, nicht ablassend mit Bitten und Geschenken, bis derselbe versprochen an seiner Tafel ferner Theil zu nehmen. Anders Grimoald’s Gemahlin Pilitrud, bei welcher des Bischofs Auftreten den heftigsten Zorn erregt. Sie war eine schöne Fränkin, die G. als Wittwe seines Bruders [701] Theodebald geheirathet hatte. Da dies nach kirchlichem Gesetz verboten war, drang Corbinian mit beharrlicher Strenge auf Scheidung und in der That soll er anfangs beim herzoglichen Paare das Versprechen derselben erwirkt haben, später aber mußte er vor Pilitrudens Nachstellungen nach Meran entfliehen. Diese und andere Burgen im Etschthale waren G. durch den Langobardenkönig Liutprand abgenommen worden. Später kostete dem Herzog ein Zusammenstoß mit den Franken Herrschaft und Leben. Seit langer Zeit, wahrscheinlich schon seit Dagobert’s Tode (638), hatte sich Baiern der Abhängigkeit vom fränkischen Joche entbunden, doch jetzt bekam es gleich den Nachbarn zu fühlen, daß die Zügel des fränkischen Reiches in kräftigeren Händen lagen als unter den Merovingern. Der Hausmaier Karl Martell besiegte in zwei Feldzügen, 725 und 728, G., der wahrscheinlich im letzten dieser Kriege durch Mörderhand sein Leben verlor. Seine Söhne gelangten nicht auf den Thron und fanden in Noth und Elend den Untergang, während sein Neffe Hugbert, zu dem er vorher, wie es scheint, in gespanntem oder feindlichem Verhältniß gestanden, nun unter fränkischer Oberhoheit wieder das ganze bairische Herzogthum in einer Hand vereinigte.

Besonders Vita Corbiniani auctore Arbeone bei Meichelbeck, Hist. Fris. I b.